Aufzeichnungen aus dem Krieg gegen Polen 1939
Dieser Beitrag ist eine Abschrift handschriftlicher Aufzeichnungen
meines Großonkels Wilhelm Seedorf (19.12.1918-31.01.1942)
aus Göttingen, ältester Sohn von Prof. Wilhelm Seedorf
(11.10.1881-10.03.1984). Im Original sind die Aufzeichnungen in
"deutscher Schrift" verfasst, die heutzutage nur noch
vergleichsweise wenige Menschen lesen können. Mit Unterstützung
meiner Großmutter Heide-Sophie Christmann, geb. Seedorf,
(*22.02.1920) habe ich diese Kopie angefertigt.
Rechtschreibung und Grammatik habe ich nach den heute gültigen
Regeln anzuwenden versucht, kleinere Rechtschreibfehler (z. B.
in den Ortsnamen) habe ich korrigiert. Solche Veränderungen
sind nicht gekennzeichnet. Dagegen habe ich inhaltliche Ergänzungen
(z. B. polnische Ortsnamen neben den entsprechenden deutschen
Namen der Ortschaften) oder das Austauschen ganzer Wörter
(damit grammatikalisch falsche oder unvollständige Sätze
einen Sinn ergeben) gekennzeichnet, indem die Abweichungen in
eckigen Klammern "[ ]" stehen. Die ebenso markierten
Datumsangaben stehen im Originaltext zusammenhangslos im Seitenkopf
und wurden so an den passenden Stellen in den Text eingefügt.
Mein Großonkel gehörte zu einer Gruppe von Jungen,
deren Lehrer sie früh von der Volksschule aufs Gymnasium
weiterschicken wollte. So musste der ehrgeizige Schüler viel
für die Schule arbeiten, als Ältester von sieben Geschwistern
hatte er diese aber auch zu unterstützen. Nach dem Abitur
im März 1937 leistete der 17-jährige Wilhelm Seedorf
zwei Jahre Militärdienst in seiner Heimatstadt Göttingen
beim Infanterie-Regiment 82 ab. An Sonntagen war er oft mit seinen
auswärtigen Kameraden (z. B. aus dem Ruhrgebiet) bei seinen
Eltern zu Besuch. Anstelle des geplanten Germanistik- und Geschichtsstudiums
ist Wilhelm Seedorf im Anschluss an den Dienst wieder eingezogen
und in den Krieg geschickt worden. Am 26. September 1939 wurde
er in Polen verwundet. So konnte er mit seinen Kameraden nicht
wie erhofft in Warschau einmarschieren, sondern lag im Lazarett
in Göttingen. Dort hat er die Erlebnisse anhand seiner Notizen
aufgeschrieben. Im Russlandfeldzug wurde Wilhelm Seedorf abermals
verwundet und starb 1942 im Alter von 23 Jahren in einem Kriegslazarett
in Warschau. Auch sein in dem Text erwähnter Schulfreund
Bodo Kreidt ist in Russland geblieben.
![[Todesanzeige von Wilhelm Seedorf, 1942]](../../../objekte/pict/seedorf_1/200x.jpg)
Das auf Vorkriegspapier erstellte Original soll als ein historisches
Zeitzeugnis verstanden werden. Der folgende Originaltext gibt
einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt eines 21-jährigen
Wehrmachtssoldaten während des Krieges gegen Polen 1939.
Originaltext meines Großonkels:
Der Septemberfeldzug des Jahres 1939 gegen Polen
Unser Verhältnis zu Polen hatte sich trotz des 1934 abgeschlossenen
Nichtangriffs- und Freundschaftsvertrages nicht nur nicht gebessert,
sondern die Polen glaubten unter dem Schutz dieses Vertrages umso
ungestörter und noch heftiger als zuvor das Deutschtum in
ihrem Lande schikanieren zu können. Deshalb kündete
unser Führer im Frühjahr 1939 diesen Vertrag auf. Jetzt
begann erst Recht für unsere Brüder und Schwestern in
Polen eine unerhörte Leidens- und Schreckenszeit. Währenddem
waren England und Frankreich eifrig damit beschäftigt, wie
schon vor drei Jahrzehnten wieder den Ring der Einkreisung vor
Deutschland zu schmieden. Dank unserer klugen Politik aber scheiterte
dieser Plan unserer Gegner. Während eine englische und französische
Kommission über zwei Monate mit Moskau ergebnislos verhandelte,
schloss unser Außenminister v. Ribbentrop im Laufe von 24
Stunden mit der russischen Regierung einen Nichtangriffs- und
Freundschaftsvertrag ab. Dieser Vertrag sollte sich bald bewähren.
Ähnliche Abmachungen hatten wir auch mit den baltischen Staaten
getroffen.
![[Handschriftliche Aufzeichnungen von Wilhelm Seedorf, 1939]](../../../objekte/pict/seedorf_2/200x.jpg)
Obwohl schon lange überall Vorbereitungen für eine bewaffnete
Auseinandersetzung getroffen waren, und an unserer Ostgrenze Schanz-
und Befestigungsarbeiten von der Wehrmacht und dem Arbeitsdienst
geleistet worden waren, hoffte man noch allgemein selbst im August
[während der Mobilmachung] auf eine friedliche Beilegung
des Konfliktes in der Form wie seinerzeit in der Sudentenfrage.
Selbst als am 26. August geheim die Mobilmachung befohlen wurde,
hielt man dieses nur für eine Vorsichtsmaßnahme und
glaubte noch nicht recht an Krieg. Am 28. August wurden wir verladen;
wohin es ging, wusste keiner von uns. Bald aber merkten wir, dass
wir nach Osten fuhren. Am Abend des 29. kamen wir in Oppeln /
Oberschlesien an und wurden dort ausgeladen. Noch in der Nacht
marschierten wir über Malapane [Ozimek] - Guttentag [Dobrodzieñ]
nach dem Dorf Friedrichsgrätz [Grodziec?], wo wir in den
frühen Morgenstunden des 30. August eintrafen. Den Vormittag
über blieben wir dort. Nach dem Mittagessen marschierten
wir [am 31. August 1939] weiter an Rosenberg vorbei und gelangten
in den frühen Morgenstunden des 31. August in der Nähe
von Grunsruh [Bodzanowice] an ein Waldstück, in dem wir bis
zum Abend rasteten. Posten, die den Waldrand in Richtung zur Grenze
beobachteten, sichteten in der Ferne polnische Fesselballons.
Sonst war nichts Ungewöhnliches zu sehen. Am Abend wurde
die ganze Kompanie zusammengerufen, und der Kompaniechef, Oberleutnant
Vorpahl - er war erst im letzten Augenblick vom Erholungsaufenthalt
nach Göttingen zurückgekehrt und übernahm die kriegsmarschmäßige
Kompanie - las uns den Divisionstagesbefehl vor. Darin forderte
uns unser Divisionskommandeur, Generalleutnant Kämpfer, auf,
weiter unsere Pflicht für Führer, Volk und Vaterland
zu tun und getreu unserem Eide uns für die gerechte Sache
einzusetzen. Der Führer und das ganze Volk sähe mit
Vertrauen auf die junge Wehrmacht. Durch ihre Leistungen werde
sie sich dieses Vertrauens und der Taten unserer Väter von
1914-18 würdig erweisen. "Parole: Warschau!" Jetzt
wussten wir, was die Uhr geschlagen hatte. Man machte sich allerhand
Gedanken um die nächste Zukunft und äußerte seine
Meinung über die mögliche Dauer des Feldzuges. Eins
war sogleich uns allen klar: In diesem Kampfe würden wir
den Sieg davontragen.
Der Morgen des ersten September dämmerte herauf, da lagen
wir in einem Wäldchen etwa 200 m vor der Grenze und sahen
vor uns das Land Polen liegen. Was würde es uns bringen?
Morgens 445 Uhr [am 1. September 1939] überschritten motorisierte
Einheiten, in der Hauptsache Panzer, die Grenze. Um 10 Uhr setzten
auch wir unseren Fuß auf polnischen Boden. Wie lange würde
uns dieses Land festhalten, wen von uns würde es für
immer behalten, welche Überraschung würde es uns bringen?
Doch frohen Mutes und zuversichtlich betraten wir jetzt dieses
Land. Über eines waren wir uns von vornherein klar: Diesmal
würde es ernst werden. So leicht wie seinerzeit der Einmarsch
in die Ostmark, das Sudetenland und das Protektorat würde
unsere jetzige Unternehmung nicht. Den polnischen Gegner fürchteten
wir zwar nicht, doch unterschätzten wir ihn keineswegs. Der
weitere Verlauf sollte uns zeigen, dass der Gegner uns ganz gewaltig
unterschätzt hatte. Eines fiel uns sofort auf: die "polnische
Wirtschaft." Was wir jetzt an Ort und Stelle ad oculos demonstriert
[vor Augen geführt] bekamen, übertraf bei weitem noch
unsere Erwartung. Straßen, Felder, Dörfer und Menschen
machten einen vollkommen verwahrlosten und verluderten Eindruck.
Diesen nahmen wir nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit der
Nase war: ein ganz eigentümlicher, muffiger Geruch lag über
diesem Lande. Das erste Dorf, durch das wir kamen, hieß
Panki. Die meisten seiner Bewohner standen oder saßen vor
ihren Häusern und schauten mit gemischten Gefühlen und
entsprechenden Mienen auf die grauen Kolonnen, die unaufhörlich
an ihnen vorüber zogen.
In einem anderen Dorf, etwas weiter landeinwärts, sahen wir
die ersten Kampfspuren. An der Straßensperre hatten sich
die Polen verteidigt, mehrere Häuser wiesen teilweise beträchtliche
Geschosseinschläge auf, viele Fenster waren zertrümmert.
Auf dem Weitermarsch mussten wir dann einige Male kurz halten,
da eine Sprengstelle der Straße passiert werden musste.
Man sah es diesen Sprengungen an, dass sie im letzten Augenblick
in aller Eile angelegt worden waren und keinen großen Schaden
angerichtet hatten. Für unsere Pioniere war es daher leicht
gewesen, diese Stellen wieder gangbar zu machen. In dem nächsten
Dorf hatten die Polen die Brücke über den kleinen Fluss
gesprengt. Doch auch das konnte unseren Vormarsch nicht aufhalten.
Die Pioniere hatten für die Fußmannschaften einen Steg
gebaut, und die Fahrzeuge konnten ohne Schwierigkeit durch das
flache Wasser fahren. Im Dorf waren ebenfalls Spuren des Kampfes
zu sehen. Weiter ging der Marsch; etwa einen Kilometer hinter
der eben erwähnten Ortschaft kamen wir an einen Eisenbahndamm.
Folgendes Bild bot sich:
![[Zeichnung von Wilhelm Seedorf, 1939]](../../../objekte/pict/seedorf_3/200x.jpg)
Die Polen hatten die Brücke gesprengt und damit die Straße
gesperrt. Doch zum Glück war etwa 300 m rechts davon eine
andere Brücke über einen kleinen Bach, unter der auch
ein Feldweg hindurch ging. Doch auch das hatten die Polen bedacht
und an dieser Stelle Minen gelegt. Wieder hatten unsere Pioniere
uns den Weg frei und gangbar gemacht. Unbeschädigt passierten
wir diese gefährliche Stelle. Kaum waren wir wieder auf der
Straße, da bekamen wir zum ersten mal aus allernächster
Nähe die raue Kriegswirklichkeit zu spüren. Wir hören
ein Flugzeug, denken uns aber nichts weiter dabei. Plötzlich
taucht es in geringer Höhe links von uns auf. Kurz hintereinander
drei heftige Detonationen. 100 m links von uns 3 mächtige
Erdfontänen. Das hatte uns gegolten. "Leider" waren
die "Eier" zu früh ausgelöst worden und hatten
uns allen keinerlei Schaden zugefügt. Das war unsere erste
Bekanntschaft mit solchen "Knallkörpern". Aus sicherer
Entfernung, aber doch recht anschaulich und vernehmlich, wurde
uns die Wirkung solchen "Segens von oben" klargemacht.
Schneller als vorher setzten wir unseren Marsch fort und kamen
bald an einen Höhenzug, den die Straße in sanfter Steigung
überwand. In Erkenntnis der Wichtigkeit dieser Höhe
hatten die Polen auf der Kammlinie Gräben ausgehoben. Diese
Stellung hatten sie aber beim deutschen Angriff fluchtartig geräumt
und dabei allerlei Kriegsmaterial, Bekleidung und Ausrüstungsstücke
zurückgelassen.
Weiter marschierten wir und verließen bald die Straße.
Querfeldein fuhren wir auf ein Dorf zu. Wir waren etwa 40 m an
das erste Haus herangekommen, da pfiffen uns plötzlich blaue
Bohnen um die Ohren. So schnell, wie in diesem Falle waren wir
noch nie abgesessen und in volle Deckung gegangen. Gedeckt arbeiteten
wir uns an das Haus heran. Einer von uns, der polnisch sprechen
konnte, forderte die Bewohner auf, das Schießen einzustellen
und sofort das Haus zu verlassen. Bald darauf kam eine alte Frau
heraus, die ein großes Bündel auf dem Rücken trug
und uns in allen Tonarten anflehte, ihr ja nichts zu leide zu
tun. Sie zeigte dabei immer auf das Haus. Tatsächlich zeigte
sich jetzt jemand am Fenster, der zweifellos mit einer Waffe hantierte.
Nochmals erging an diesen die Aufforderung, nicht zu schießen
und sofort heraus zu kommen. Sie wurde mit Schüssen aus dem
Haus beantwortet. Jetzt war's mit unserer Geduld zu Ende. Geschlossen
feuerten wir auf jenes Fenster, während von beiden Seiten
sich unsere Leute an das Haus heranmachten und das Strohdach anzündeten.
In kurzer Zeit stand das ganze Gebäude in Flammen. Mit den
anderen Häusern wurde das gleiche gemacht. Inzwischen war
es Abend geworden. Auf eine Anhöhe in der Nähe des von
uns niedergebrannten Dorfes bereiteten wir uns auf unsere erste
Kriegsnacht [vom 1. auf den 2. September 1939] in Polen vor. Die
Fahrzeuge fuhren zu einer Wagenburg zusammen, in deren Mitte sich
die Kompanie für die Nacht niederließ. Nach allen Richtungen
hin wurden Wachen ausgestellt. In der Nacht bot sich uns ein schauriges
und doch gewaltiges Bild dar: wohin der Blick in die Runde ging,
überall loderten wie bengalische Feuer die brennenden Dörfer
in die dunkle Nacht hinein. Die Luft war von scharfem Brandgeruch
erfüllt.
Am Morgen des 2. September brachen wir in der Frühe auf und
rasteten am Mittag in einem Walde. Bis zum Nachmittag blieben
wir dort, sahen in dieser Zeit auch ein polnisches Flugzeug, das
bald darauf von unserer Flak heruntergeholt wurde. Erst in den
späten Nachmittagsstunden gings wieder weiter. Durch kleinere
und größere Ortschaften ging unser Marsch. Unterwegs
begegneten uns das erste mal Flüchtlinge. Wir staunten über
die Energie der kleinen dürren Panje-Gäule, die den
hochbeladenen Panjewagen, auf dem oft noch ein Teil der meist
zahlreichen Familie platzgenommen hatte, zogen. Dieses Bild sollten
wir in den folgenden Tagen noch öfter sehen. Gegen Abend
kamen wir in ein zum Teil verbranntes Dorf, das von seinen Bewohnern
verlassen war. Auf einem günstigen Platz am Dorfrand rasteten
wir gemeinsam mit dem Regimentsstab und blieben auch die Nacht
dort. Der Flüchtlingsstrom nahm kein Ende.
Dann brach ein herrlicher Sonntag an, der 3. September, unser
erster Sonntag in Polen. Der Tag machte seinem Namen alle Ehre.
Alle waren wir in sonntäglicher Stimmung und malten uns aus,
was wir wohl heute machen würden, wenn Friede wäre und
wir noch in Göttingen weilten. Doch freudigen Herzens marschierten
wir in den wunderbaren Sonntagmorgen hinein. Durch große
Waldgebiete führte uns der Weg. Schließlich kamen wir
aus dem Wald heraus. Vor uns lag eine Ebene, mittendrin ein Dorf,
aber auf allen Seiten bildeten hohe Fichtenwälder die Kulisse.
Um dieses Dorf hatte wohl in den frühen Morgenstunden der
Kampf getobt. Das brennende Dorf war dann aber vom Feind geräumt,
der sich in eine Stellung im Wald rechts festgesetzt hatte. Auf
dieses Waldstück trommelte jetzt unsere Artillerie. Am Rande
des Dorfes in einem kleinen Maisfeld rasteten wir. An uns ratterten
Panzerwagen feindwärts, und bald kam eine ganze Kolonne polnischer
Gefangener zurück.
Dann hieß es: "An die Fahrzeuge. Aufsitzen!" Und
im Karacho fuhren wir durch das brennende Dorf, überquerten
den Fluss und kamen auf eine Straße, die in den Wald hineinführte,
der jetzt gesäubert war. Zum ersten Mal sahen wir jetzt in
erschreckender Weise die Spuren des Kampfes und der überhasteten
Flucht der Polen. Am Straßenrand lagen Pferdekadaver, vernichtete
Munitionswagen und andere Militärfuhrwerke. Waffen und Geschütze
mit dazugehöriger Munition lagen und standen herum, zum Teil
noch fabrikneu und eingefettet. Die Polen hatte nicht mehr Zeit
gehabt, sie unbrauchbar zu machen. Ein neues polnisches Pakgeschütz
mit zwei Panjepferden davor als Bespannung nahmen wir uns mit.
Obwohl es uns auf dem Vormarsch als Ballast erschien, behielten
wir es doch, und es hat uns dann vor Warschau noch manche guten
Dienste erwiesen. In diesem Wald hielten wir auch Mittagsrast
und aßen eine herrliche Mahlzeit aus der Feldküche.
Im Laufe des Nachmittags kamen wir dann nach einer Försterei,
auf der wir den Rest des Tages und auch die Nacht blieben. Nachdem
die Pferde versorgt und die Geschütze und Fahrzeuge vom gröbsten
Dreck gereinigt waren, hatten wir Zeit für uns selbst und
durchstöberten das Forsthaus, die Scheune und die nächste
Umgebung. Es war ein herrlicher Sonntagnachmittag. Der gut gepflegte
Wald erinnerte an den märkischen Wald. Dreimal im Laufe des
Nachmittags flogen deutsche Bomber über uns hinweg ins feindliche
Hinterland, dreimal kamen sie zurück und man hörte am
Motorengeräusch und sah es an der größeren Geschwindigkeit,
dass sie eine gewaltige Bombenlast bei den Polen abgeladen hatten.
Auf dem weiteren Vormarsch hatten wir noch mehrfach Gelegenheit,
die ganze Arbeit unserer Luftwaffe zu bestaunen.
In der Frühe des 4. September ging der Vormarsch weiter.
Wieder zogen wir durch große Wälder, überquerten
eine Bahnlinie und kamen dann an die Warte. Wenn die Polen auch
die Straßenbrücke zerstört hatten, unsere Pioniere
waren auf dem Posten. Auf der tadellosen Pontonbrücke kam
alles sicher über den Fluss, der schon hier ganz schön
breit und recht tief ist. Mit einem Schlage änderte sich
jetzt die Landschaft. Während es vorher auffallend flach
gewesen war, lag jetzt vor uns ein Hügelland. Am Abend kamen
wir in ein Dorf, wo wir die Nacht blieben.
Früh am nächsten Morgen [5. September] brachen wir wieder
auf. Am Nachmittag kamen wir in die Nähe des Barowaberges,
einer Höhe, die schon im Weltkrieg eine Rolle gespielt hatte.
Die Polen hatten auf dem Berge eine befestigte Artilleriestellung
und beherrschten somit das ganze Vorfeld. Besonders auf unsere
Vormarschstraße hatte es die polnische Artillerie abgesehen.
Unserer Artillerie aber blieb ihre Antwort nicht schuldig. In
einem Waldstück stellten wir uns bereit, um, wenn nötig,
noch in den Kampf einzugreifen. Aber unsere Infanterie hatte nach
mehrstündigem harten Kampf, die Höhe schon in ihren
Besitz gebracht und die Polen zum Teufel gejagt. In der Nähe
eines brennenden Dorfes blieben wir die Nacht. Wir rechneten mit
Überfällen umherschweifender Polen und waren deshalb
doppelt wachsam. Aber es passierte nichts. In der Nähe war
eine sumpfige Wiese. Auf der lagen zwei Pkws fest, die mit ihrem
Motor allein nicht wieder herauskamen. Man holte uns zu Hilfe,
aber es gelang uns trotz allergrößter Anstrengung
nicht, sie wieder flott zu machen. Irgendwie werden sie wohl am
anderen Morgen aus dem Modder herausgekommen sein.
Wir marschierten am anderen Morgen wieder ein kleines Stück
zurück und umgingen dann die Barowa-Höhe. Nachmittags
kamen wir am brennenden Petrikau vorbei. Leider kamen wir nicht
hinein, wir hätten uns manches gerne aus der Nähe angeschaut.
In einem Dorf, dem man den deutschen Einschlag ansah, blieben
wir zur Nacht. Am 7. marschierten wir weiter in nördlicher
Richtung auf Lodz zu. Unterwegs sah ich zweimal Bodo Kreidt [ein
Klassenkamerad], der bei der Weender Ari [Artillerie] war. Einmal
überholte uns nämlich die Ari, und später fuhren
wir an ihr vorbei. Beide Male winkten wir uns herzlich zu.
Am Nachmittag waren wir mit unserem I. Bataillon zusammen. So
traf ich Hauptmann Kranz, mit dem ich mich dann eine Weile unterhielt.
Es gab doch so allerlei zu erzählen an beiderseitigen Erlebnissen.
Sehr spät kamen wir in unser Quartier.
Am folgenden Tag [8. September] marschierten wir weiter, nun aber
in nordöstlicher Richtung auf Warschau zu. Gegen Nachmittag
kamen wir auf eine wunderbare Asphaltstraße. Dass es so
etwas in Polen auch gab, hatten wir nach den bisherigen Erfahrungen
nicht mehr zu hoffen gewagt. Es war die Hauptstraße von
Warschau über Rawa nach Lodz. Wir kamen durch Dörfer,
denen man schon auf größere Entfernung ansah, dass
sie deutsch waren. Die ganze Gegend machte einen sauberen, freundlichen
Eindruck.
Dann kam uns eine wahre Völkerwanderung entgegen - Vertreter
beiderlei Geschlechts und jeden Alters, Angehörige des auserwählten
Volkes in allen, meist recht üblen Schattierungen. Die Bilder
des "Stürmers" [Zeitschrift der SA], die uns früher
übertrieben erschienen, wurden geradezu in den Schatten gestellt,
von jener Wirklichkeit, die uns hier sicht- und riechbar wurde.
"O Herr gib uns den Moses wieder..." dachten wir im
Stillen. Am Abend kamen wir nach Rawa Maz(owiecka). Ein widerlicher
Brand- und Verwesungsgeruch lag über dieser Stadt. Zum ersten
Mal sahen wir hier, welch ganze Arbeit unsere Artillerie und besonders
unsere Luftwaffe geleistet hatte. Von manchen Häusern stand
nur noch die zerschossene Fassade, und viele riesige, mit Trümmern
gefüllte Trichter, zeigten die Stellen an, wo eine schwere
Fliegerbombe ein Haus dem Erdboden gleichgemacht hatte. Draußen
in der Vorstadt quartierten wir uns in einem deutschen Gehöft
ein. In der Nacht kam dann der deutsche Besitzer mit seiner Familie
zurück. Er hatte noch der Wut der Polen mit seinen Angehörigen
entrinnen können und war froh, dass die deutschen Truppen
schon so schnell vorgedrungen waren.
Am 9. ging's dann flott weiter auf der guten Straße. Gegen
Mittag erfuhren wir, dass es Teilen unserer schnellen Truppen
gelungen war, bis Warschau vorzustoßen und in die Stadt
selbst einzudringen. Es war die Rede davon, dass auch wir auf
Lkws verladen und nach Warschau gebracht werden sollten. Zu unserem
Leidwesen zerschlug sich dieser Plan. Weiter waren wir auf unsere
eigenen Füße und PS angewiesen. Durch Mszczonów
kamen wir. Diese Stadt hatte mindestens 80-90 % jüdische
Bevölkerung. Man sah wieder die dollen Typen und fand an
den vielen Läden die bezeichnenden Namen. Am Abend kamen
wir in ein großes Dorf und blieben dort auf dem Pfarrhof.
Befehlsgemäß nahmen wir im Dorf ein Dutzend wehrfähiger
Männer als Geiseln fest und ließen die Dorfbewohner
durch den Bürgermeister auf die Folgen aufmerksam machen,
die jedwedes feindliches Vorgehen gegen deutsche Soldaten von
Seiten der Dorfbevölkerung für die Geiseln haben würde.
Würde ein deutscher Soldat verwundet oder gar getötet,
so wäre das der Tod von drei Geiseln. Daraufhin verlief auch
die Nacht sehr ruhig. Wir waren jetzt nur noch 44 Kilometer von
Warschau entfernt. Jetzt stand es für uns alle fest, dass
wir in kurzer Zeit die polnische Hauptstadt zu Gesicht bekommen
würden.
Auch der zweite Sonntag in Polen [10. September] war ein schöner
Tag. Gegen Abend kamen wir in ein sauberes deutsches Dorf und
blieben auf einem der freundlichen Höfe. Der Bauer und seine
Familie sorgten sehr nett für uns. Auch Montagvormittag blieben
wir auf dem Hof. Wir hatten Zeit, unsere Waffen und Ausrüstungsstücke
zu reinigen, auch die Geschütze und Fahrzeuge. Selbstverständlich
wurden auch die Pferde anständig versorgt, und wir selbst
nahmen die Gelegenheit wahr, uns einmal wieder anständig
zu waschen und die Zähne zu putzen. Wir waren jetzt nur noch
15 Kilometer von Warschau entfernt. Am Nachmittag rückten
wir ab Richtung Warschau. Abends kamen wir dann nach Immelin,
9 km vor Warschau. Dort übernachteten wir auf einem verlassenen
Hof.
Am Vormittag des 12. wurde ganz in unserer Nähe ein polnischer
Panzerwagen zur Übergabe gezwungen und die Besatzung gefangen
genommen. Der Tank war vollkommen unversehrt; die polnische Besatzung
hatte nichts getan, um ihn zu vernichten und so nicht in unsere
Hände fallen zu lassen. Eine deutsche Besatzung hätte
bestimmt anders gehandelt. Der Tank wurde mit deutschen Hoheitszeichen
versehen und leistete uns später noch gute Dienste. Nachmittags
gingen wir, uns nach allen Seiten hin sichernd, weiter vor und
kamen an eine Straßenkreuzung 5 km vor Warschau. Jetzt sahen
wir die polnische Hauptstadt vor uns liegen: rechts von uns Mokotów
und das Fort, links die drei Funktürme des Senders Warschau
II und im Hintergrund die Altstadt mit der Zitadelle. Die vordersten
Teile unseres Regiments hatten schon die ersten Häuser von
Mokotów besetzt.
![[Zeichnung von Wilhelm Seedorf, 1939]](../../../objekte/pict/seedorf_4/200x.jpg)
An der mit B.-Stelle bezeichneten Stellung blieben wir liegen
und beobachteten das Vorgelände. Unsere Geschütze feuerten
mit Erfolg nach Mokotów hinein. Die Nacht verbrachten wir
in S³u¿ewiec. Im Straßengraben legten wir uns
ins Stroh und deckten uns mit unseren Mänteln zu. An diesem
Tage hatte an einer anderen Stelle der Regimentsstab ein Gefecht
mit Polen. Dabei fielen der Regimentsatjutand, Freiherr von Freyberg,
und unser Kamerad Fritz Pfau, der die Polen zuerst gesehen hatte
und, schon verwundet, seinen Zug und den Regimentsstab auf die
Gefahr aufmerksam machte.
Am 13. mussten wir wieder zurück nach Immelin "aus Sicherheitsgründen",
denn es sollte ein Fliegerangriff auf Warschau steigen. Der fand
dann auch statt und wir bedauerten es nur, uns die Wirkung nicht
von der Nähe ansehen zu können. Am Abend fuhren wir
wieder nach S³u¿ewiec. In der Nacht zogen wir mit den
Geschützen noch weiter vor und blieben in einem Kohlfeld.
Am Morgen des 14. gruben wir uns ein und kaum waren wir damit
fertig, schossen auch schon die Polen aus einer Obstplantage drei
bis vierhundert Meter vor uns. Die Kugeln pfiffen uns zwar um
die Ohren, konnten uns aber in unserer Deckung nichts anhaben.
Ein paar gut sitzende Schüsse aus unseren L.I.-Gs. [Geschossen]
schafften uns bald Ruhe. Gegen Mittag verlegten wir uns dann unsere
B-Stelle in einen ehemals polnischen Munitionsbunker, dicht bei
den oben schon erwähnten Funktürmen von Warschau II.
Einen hatten unsere Pioniere inzwischen vollkommen umgelegt, bei
den zweiten war der Versuch nicht ganz geglückt, er stand
noch, wenn auch schief, und der dritte stand noch unbeschädigt
und aufrecht. In diesem Munitionsbunker hausten wir nun bis zum
22. Unsere Protzenstellung war in einem Gehöft in S³u¿ewiec.
Verpflegung, Mittagessen und Post mussten wir von dort holen.
Täglich schickte der Pole zu bestimmten Zeiten seine Grüße,
bestehend aus 15 cm-Granaten, die mehr oder weniger in unserer
Nähe einschlugen. Einer dieser Granaten fiel am Nachmittag
des 15., unser Kamerad Reicht zusammen mit einem Kameraden vom
14. zum Opfer. Ein lieber Kamerad war uns in ihm durch ein unfassliches
Geschick genommen wurden. Durch seine Erfahrung aus dem Weltkrieg
hatte er uns jüngeren manchen guten Rat geben können
und uns durch sein allzeit hilfsbereites und kameradschaftliches
Wesen und seinen nie versiegenden Humor über manche schwere
Stunde hinweg geholfen. Er wird uns allen, die wir mit ihm zusammen
waren, unvergessen bleiben. Wir begruben ihn in dem Garten beim
weißen Haus, dicht bei der Stelle, wo er gefallen war, neben
dem Kameraden von der 14. Uns allen ist das sehr nahe gegangen.
Noch eifriger als bisher taten wir unsere Pflicht und alle wurden
wir ernster seitdem. Die Tage bis zum 22. verliefen sonst ohne
nennenswerte Ereignisse. Die Polen versuchten in dieser Zeit mehrmals,
so bei Wilanów, einen Durchbruch, wurden aber stets unter
schweren Verlusten ihrerseits zurückgeschlagen. Am Abend
des 22. wechselten wir unsere Stellung. Es war eine Heidenarbeit,
die ganzen Klamotten nach S³u¿ewiec zu bringen, und
da kam uns unser polnisches Pak-Geschütz mit den Panjegäulen
davor gut zu Pass. Schließlich wurde auch das geschafft
und nach einer Fahrt, die ein einziger großer Umweg war,
langten wir endlich in den frühen Morgenstunden des 23. in
Zaluski ein. Hier waren uns noch drei schöne Ruhetage vergönnt.
Wir benutzten sie, um unsere Sachen noch einmal in Ordnung zu
bringen. Am Sonntag, den 24. September musste unser Kamerad Keßler
leider mit einem entzündeten Daumen ins Revier. Am anderen
Tage wurde die Sache dann gleich geschnitten. Kamerad Keßler
bedauerte es sehr, dass er uns so kurz vor Schluss verlassen musste
und nicht mehr mit nach Warschau kam.
Am Abend des 25. wurde die ganze Kompanie noch einmal über
das Verhalten im Straßenkampf belehrt. Dann ging's los.
Auf der Straße nach Warschau fuhren wir bis zum Vorort Rackow.
Dort bogen wir links ab und stellten dann an einer günstigen
Stelle Pferde und Fahrzeuge unter. Im Morgengrauen des 26. September
[fuhren] dann unsere schweren Geschütze in die vorher festgelegten
Feuerstellen ein. Der Kompaniechef ging mit uns ebenfalls vor,
erklärte uns das Gelände und einige auffallende Gebäude
im Stadtbilde Warschaus. Um 8 Uhr sollte der Angriff beginnen,
aber schon lange vorher bot sich unseren schweren Geschützen
ein lohnendes Ziel: eine Ziegelei im Vorgelände, die gerade
von einer Abteilung Polen besetzt wurde. Durch unser tadellos
sitzendes Feuer wurden die Polen dort bald herausgejagt. Unsere
Munitionskolonne versorgte uns reichlich mit Munition, auch vom
Regiment bekamen wir noch eine ganze Menge. Etwa um ½ 8 machten
wir uns auf den Weg zur B-Stelle. Diese lag in einem Garten dicht
hinter dem Lattenzaun nicht gerade günstig, wie sich sehr
bald zu unserem Schaden herausstellen sollte. Die Polen konnten
uns tadellos einsehen und ließen es selbstverständlich
nicht dabei bewenden. Schnell hatten sie sich eingeschossen und
eh wir es uns versahen, hatten 4 Mann von uns, darunter auch ich,
ihr Teil von zwei Wurfgranaten, die in unserer nächsten Nähe
einschlugen, abbekommen. Uffz. [Unteroffizier] Schulz hatte Splitter
im Rücken, Uffz. Bramburger im Bein, der Oberleutnant einen
in der Wade und ich mehrere im Unterschenkel dicht unter dem Knie.
Für Uffz. Schulz, Uffz. Bramburger und mich war damit der
Polenkrieg vorzeitig zu Ende. Am meisten ärgerten wir uns,
dass wir nun nicht mit nach Warschau hinein kamen. Der Oberleutnant
ließ sich seinen Splitter aus der Wade herausnehmen und
war dann wieder dienstfähig.
Uffz. Schulz und Bramburger wurden im Truppenverbandsplatz zuerst
verbunden, mir legten die Sanitäter draußen einen Notverband
an. In einem Sanka. kamen wir dann zum Hauptverbandsplatz. Uffz.
Schulz und Bramburger kamen von hier gleich weiter. Ich wurde
hier ordnungsgemäß verbunden (Tetanusspritze usw.).
Der Stabsarzt meinte gleich zu mir, ich hätte viel Schwein
gehabt, dass der Knochen heil geblieben wäre. Dann ging's
wieder im Sanka. nach dem Feldlazarett Kostowice. Dort blieb ich
bis zum 30. An diesem Tage kamen wir im Sanka. nach Lodz ins dortige
Kriegslazarett, dass im Moscicki-Krankenhaus, einem modernen Krankenhaus,
eingerichtet war. Die Fahrt dorthin ging über Rawa, auf der
schönen Asphaltstraße, die wir kaum drei Wochen vorher
in entgegen gesetzter Richtung marschiert waren. In Rawa machte
sich die deutsche Aufbauarbeit schon recht deutlich bemerkbar.
Die Spuren des Krieges waren hier schon fast verwischt, und das
Leben vollzog sich wieder in gewöhnlichen Bahnen. Hinter
Rawa kamen wir dann durch freundliche deutsche Ortschaften. Fast
jedes Haus hatte die Hakenkreuzfahne gehisst. Kurz vor Lodz und
in der Stadt selbst war scheußliches Kopfsteinpflaster und
wir waren froh, als wir nach vierstündiger Fahrt in den Hof
des Lazaretts einfuhren und bald darauf in freundlichen Zimmern
und schönen weißen Betten lagen. Man kümmerte
sich sehr nett um uns. Jeder hatte einen Kopfhörer, sodass
wir nach Herzenslust Radio hören konnten Auf unserer Stube
herrschte bald eine nette Kameradschaft. Am 3. Oktober wurde mein
Bein geröntgt. Nun konnte man sehen, was los war: mehrere
Splitter saßen in der Wade. Einer wurde mir am 5. herausgenommen.
Am 6. hörten wir die große Führerrede. Am 10.
sprach wieder der Führer zur Eröffnung des Kriegs-Winterhilfswerkes
39/40. Am Nachmittag des 12. wurden wir zum Bahnhof transportiert
und dort in den bereits stehenden Lazarettzug verladen, der uns
nach Erfuhrt bringen sollte. Am Abend dampfte er dann los. Im
Morgengrauen des 13. überfuhren wir bei Militsch [Milicz]
die alte Reichsgrenze. Mittags kamen wir durch Breslau [Wroc³aw].
Dann ging's über Görlitz - Liegnitz - Bautzen nach Dresden,
wo wir abends gegen 21 Uhr eintrafen. Überall auf den Bahnhöfen,
wo wir hielten, wurden wir vom Roten Kreuz mit allerlei schönen
Sachen versorgt. Am Morgen des 14. fuhren wir schon durch das
schöne herbstliche Thüringer Land. Über Gera und
Jena kamen wir am Mittag nach Weimar. Nachmittags gegen 16 Uhr
waren wir in Erfurt. Doch wurden wir hier noch nicht, wie ursprünglich
vorgesehen, ausgeladen, sondern fuhren weiter nach Gotha. Dort
wurden wir dann ausgeladen und kamen ins Luftwaffenstandortlazarett.
Dort blieb ich bis zum 10. November. Zweimal hatte ich Besuch:
am 22. Oktober von Vater und Heide [-Sophie, war damals in der
Wirtschaftlichen Frauenschule / Landfrauenschule in Kloster Reifenstein
und wurde von ihrem Vater abgeholt], am 29. von Mutter und Hans-Jürn.
Am 8. November hörten wir die Führerrede aus München
und am folgenden Morgen von dem missglückten Anschlag. Am
10. wurde ich nach Göttingen überwiesen. Bis zum 30.
November blieb ich dann in der Lazarettabteilung der Thüringischen
Klinik, war bis zum 28. Dezember in ambulanter Behandlung, wurde
wieder aufgenommen und am 6. Januar 1940 operiert. 3 Splitter
wurden noch herausgeholt. Am 13. Januar wurde noch ein Gegenschnitt
gemacht, damit der Eiter besser herauskam. Dann heilte die Wunde
sehr gut und schnell.
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