Nach 2½ Monaten Einsatz in Polen wurden wir von der "Panzer-Division
Hermann Göring" im Oktober 1944 auf Eisenbahnwaggons
verladen und in Nordostpreußen eingesetzt. Dort war die
Front infolge weit überlegener russischer Kräfte zusammengebrochen.
Nur 5 deutsche Divisionen standen 19 russischen Schützendivisionen,
3 Panzerkorps und einem Artilleriekorps gegenüber. Die Lage
war so ernst, dass das Oberkommando des Heeres am 6. Oktober 1944
die Zuführung unserer Division von Radom nach Insterburg
genehmigte. Unser erster Einsatzort war Kuckernese (Kaukehmen)
im Memelgebiet nordwestlich von Tilsit an der Memel gelegen. Dort
sollte durch den Einsatz des in Aufstellung begriffenen Fallschirmpanzerkorps
H.G. die Front in Nordostpreußen stabilisiert werden.
Ich schrieb am 15.10.1944 unter anderem:
"Liebe Eltern! Mir geht es heute noch sehr gut, was ich
auch von Euch hoffe. Inzwischen haben wir eine kleine Reise gemacht
und sind nun in eine schöne Gegend gekommen, wo es tüchtig
Milch gibt. So habe ich denn heute schon tüchtig gemolken,
so dass wir jeder 2 l Milch hatten. Hier gefällt es mir sehr
gut, denn es gibt hier wenigstens noch anständige Häuser,
nicht so wie in Galizien-Polen. Man sieht mal wieder gute Gärten
und schöne gerade Felder, Wälder und viele Seen."
Ich kann mich heute noch erinnern, dass es ein überschwänglich,
heimatliches Gefühl war, was uns wohl alle nach dem Ausladen,
ich glaube in Tilsit, überfiel. Endlich verstanden wir wieder
die Sprache der Menschen, denen wir begegneten. Irgendwo, ich
glaube in Kuckerneese, saßen Leute vor der Tür und
sprachen Plattdeutsch miteinander. Das war für mich besonders
heimatlich. Ich ging näher heran, um mich zu unterhalten.
Aber leider konnte ich das Plattdeutsche der dortigen ostpreußischen
Bewohner nicht verstehen und war ganz enttäuscht. Nur der
Tonfall war der gleiche wie bei uns zu Hause. In dem großen
Grünlandgebiet an der Memel, unserem Einsatzgebiet, lief
sehr viel schwarzbuntes Rindvieh herrenlos herum, weil die Menschen
geflüchtet waren. Die nicht gemolkenen Kühe brüllten
vor Schmerzen wegen ihrer prall gefüllten Euter. Deshalb
haben wir so viele Kühe gemolken wie wir nur konnten und
hatten als Lohn dafür sehr viel Milch.
Im Raum Kuckerneese/Kaukehmen waren wir nur etwa 7 Tage. Dann
sind wir in Tilsit wieder auf Eisenbahnwaggons verladen worden
und östlich Gumbinnen bei Trakehnen eingesetzt. Der Einsatz
bei Trakehnen war äußerst gefährlich. Unser Eisenbahnzug
wurde in der Nähe der Front rückwärts in ein Wäldchen
hinein geschoben. In dieses Wäldchen schoss der Russe bereits
mit der Artillerie hinein, so dass uns die Splitter der Baumkrepierer
um die Ohren pfiffen. Wir mussten schleunigst sehen, dass wir
aus diesem Waldstück heraus auf das freie Feld kamen. Wir
hatten dort bereits die ersten Verwundeten. Wo wir östlich
von Gumbinnen ausgeladen worden sind, weiß ich nicht mehr.
Die Verladung in Tilsit ist wahrscheinlich am 19.10.1944 gewesen,
denn die Hauptkämpfe im Raum Trakehnen-Nemmersdorf waren
vom 19.-22.10.1944.
So schrieb ich denn am 24.10.1944:
"Liebe Eltern! Heute Abend will ich Euch schnell einen
kleinen Brief schreiben, denn ich hatte wenig Zeit. Mir geht es
noch immer sehr gut, was ich auch von Euch hoffe. Post habe ich
schon 14 Tage nicht mehr bekommen, denn sie reist uns noch immer
nach. Hoffentlich bleiben wir hier noch etwas länger, denn
wenn es so weiter geht, habe ich in einigen Wochen die ganze Welt
gesehen. Sobald ich Zeit habe, schreibe ich mehr. Herzliche Grüße
sendet Euch Euer Sohn Hermann."
25.10.1944:
"Endlich nach langer Zeit erhielten wir mal wieder Post
aus der Heimat und zwar war es nur neue Post, d. h. die Briefe
waren vom 15. u. 17.10. Ihr meint, dass es mir schlecht geht.
Ihr braucht Euch keine Sorgen zu machen, denn obwohl ich wohl
gerne ein Paar Strümpfe hätte, verzichte ich gerne auf
ein Kissen und die Uhr. Die Uhr laßt lieber bei Euch liegen,
weil sie vielleicht doch nicht ankommt und ein Kissen habe ich
schon wieder. Augenblicklich geht es mir ganz gut, denn erstens
bin ich gesund und zweitens schlafen wir in Federbetten. Wir haben
richtige, schöne Sessel wie zu Hause und die Stube wird von
dem schönen Kachelofen schön erwärmt. Aber leider
geht das elektrische Licht nicht mehr und es rummst ab und zu
mal ein wenig. Sonst wäre es wohl wie im Urlaub. Also könnt
Ihr sehen, dass es mir sehr gut geht."
Der folgende Brief vom 1.11. ist am 3.11.1944 in Königsberg
abgestempelt. Ich war also wohl am 2.11.1944 in Königsberg.
Dort habe ich mich auch fotografieren lassen. Das Bild ist noch
vorhanden. Mein Gesichtsausdruck ist durch den Kriegseinsatz ernster
geworden. Durch Tränen meiner Mutter ist das Foto teilweise
abgeblasst.
Ich schrieb:
"Der Iwan, der hier vor einer Woche noch sehr rebellisch
war, hat sich jetzt auch beruhigt, so dass er kaum noch schießt.
Es wird wirklich allmählich Zeit, dass ich mal auf Urlaub
komme, denn nun fällt schon wieder das Laub und ich bin noch
nicht zu Hause gewesen. Wer hätte das auch gedacht, dass
ich noch nicht in Urlaub sein würde. Aber es hilft eben nichts,
denn der Feind bedroht unser deutsches Land und da muss jeder
mit anpacken, um ihn wieder hinauszuschmeißen. Hoffentlich
wird es gelingen!"
Ja, die Moral und Verteidigungsbereitschaft der Soldaten war zu
der Zeit noch sehr gut. Insbesondere wohl auch verstärkt
durch den Anblick der Not der Bevölkerung, wobei die durch
die sowjetischen Soldaten angerichteten Gräueltaten eine
erhöhte Verteidigungsbereitschaft bewirkten. Mein Nachsatz:
"Hoffentlich wird es gelingen!" lässt aber bereits
ahnen, dass ich gewisse Zweifel hatte. Die Übermacht des
Gegners vor allem an Menschen aber auch an Material war einfach
zu groß.
Die Zeit vom 1. November 1944 bis zum 13. Januar 1945, dem Tag
des erwarteten Großangriffs der Roten Armee, verlief recht
ruhig. Die Sowjets hatten ihre Stoßarmeen zurückgezogen,
um sie nach den auch für sie verlustreichen Kämpfen
aufzufüllen, neu zu ordnen und zur nächsten Angriffswelle
bereitzustellen. Auch aus meinen Briefen ist das zu erkennen.
Ich habe in dieser Zeit nur über die Sorgen und Freuden des
normalen Soldatenlebens berichtet.
Am 11.11.1944 schrieb ich:
"Liebe Eltern! Diesen Brief gebe ich einem Kameraden mit,
der nach Insterburg fährt, um ihn dort in den Briefkasten
zu stecken. Nun will ich Euch kurz schreiben, wo ich stecke. Zuerst
kamen wir aus der Nähe von Radom in die Gegend von Tilsit.
Ich bin auch durch Tilsit gefahren, um dann in der Nähe der
Memel bei Kuckerneese in Einsatz zu kommen. Nach etwa 7 Tagen
hatten wir die Division "Großdeutschland" (eine
Heereseliteeinheit) rausgeschlagen und kamen in die Nähe
von Trakehnen zum Einsatz, um den Russen zurückzuschlagen,
der von Süden auf Gumbinnen stieß. Nachdem dies gelungen
war, kamen wir nach Schublau, 10 km von Nemmersdorf. Von diesem
Ort und den Gräueltaten habt Ihr wohl auch schon gehört.
Hier wo wir sind, war der Russe auch schon und wir haben die Gräueltaten
mit eigenen Augen gesehen. Ich befinde mich jetzt hinten beim
Tross, wo man nichts vom Krieg hört. Wir warten nämlich
auf Gerät für unseren Wettertrupp, der seit dem Brand
(in Italien) nicht mehr bestand. In etwa 14 Tagen wird es wohl
wieder soweit sein. Morgen früh fahren 4 Mann nach Berlin,
um es (das Gerät) zu holen. Ich wäre gerne mitgefahren,
aber es geht leider nicht, denn die älteren haben den Vortritt.
Mir geht es hier noch sehr gut, was ich auch von Euch hoffe. Alles
Gute und herzliche Grüße Euer Sohn Hermann."
Am 1. Advent, d. 4.12.1944 habe ich dem Ostpreußen Fritz
Speckmann einen Brief mitgegeben. Ich schrieb:
"Diesen Brief nimmt ein Kamerad mit nach Hause! Er wohnt
40 km von hier. Wir liegen hier mal wieder sehr schön, so
dass wir gesagt haben, wenn unsere Eltern wüssten, wie gut
wir es haben, würden sie sich bestimmt nicht soviel Sorgen
machen! Wir haben hier jeder ein Bett mit Sprungfedern, also alles
in allem herrlich. Augenblicklich ist Zimmertemperatur 23°
C bei uns. Also schon ganz schön heiß."
Sonntag, 2. Advent, 10.12.1944:
"Liebe Eltern! In nächster Zeit sollen wir für
Dezember und Januar je 2 Paketmarken mit dem Aufdruck 2 kg erhalten,
damit die Angehörigen in der Heimat zusätzliche Winterbekleidung
schicken können. Man kann aber auch etwas anderes reinpacken.
Wenn Ihr allerdings etwas schickt, so lasst Euch bitte eine Bescheinigung
geben, dass die Sachen mir gehören, weil wir hier sonst von
der Feldpolizei verdächtigt werden, dass wir die Sachen hier
aus den Häusern gestohlen haben (Plünderung!)."
Dieser Satz ist interessant. Es wurde also damals darauf geachtet,
dass aus den Häusern der geflüchteten Zivilbevölkerung
nichts entwendet wurde. Zu dem damaligen Zeitpunkt war das wohl
richtig. Allerdings ist die Bevölkerung nie wieder in ihre
Häuser gekommen und so ist alles den Russen in die Hände
gefallen.
Weihnachten 1944
Am 14.12.1944 schrieb ich den Weihnachtsbrief an meine Eltern.
Ich schrieb zur Beruhigung meiner Eltern einen sehr positiven
Brief. Es war ja zu der Zeit auch relativ ruhig an der Front in
Ostpreußen.
"... Mir kann es gar nicht besser gehen, als jetzt hier.
Ich bin gesund und habe alles, was ich brauche. Ein schönes
Zimmer mit einem herrlichen Bett ist meine Wohnung. Zu essen haben
wir genügend und zum Christabend kriegen wir auch noch etwas
Besonderes an Verpflegung. 5 Päckchen von Euch habe ich schon
bekommen, so dass es an Überraschungen nicht fehlen wird.
Ich werde in diesem Jahr bestimmt ebenso gut Weihnachten feiern
wie im letzten Jahr in Italien, wovon Ihr ja noch ein Bild habt.
Mögt auch Ihr in voller Gesundheit das Weihnachtsfest feiern
und Du, liebe Mutter, in aller Ruhe Deinen Geburtstag (23.12.)
feiern.
Herzliche Weihnachtsgrüße Euer Sohn Hermann."
Am 2. Weihnachtstag, d. 26.12.1944, schrieb ich meinen Eltern
einen begeisterten Bericht über das Weihnachtsfest an der
Front in Ostpreußen. Ich finde es heute erstaunlich, was
im letzten Kriegswinter, zur 6. Kriegsweihnacht, noch an Verpflegung
und Sonderverpflegung für die Soldaten vorhanden war. Ich
schrieb u.a.:
"Am Nachmittag des Christtages kam der Weihnachtsmann
der Batterie und brachte uns pro Mann eine Wurst, 1 Weihnachtsstollen,
Wein, Most, Schnaps, Kleingebäck und pro Mann 10 Berliner
Pfannkuchen. Außerdem noch ein paar Bonbons u. Zigaretten.
Um 6 Uhr nachmittags kam der Chef, um eine kleine Weihnachtsrede
zu halten. Dann ging das Feiern los. Wir hatten uns einen schönen
kleinen Weihnachtsbaum geholt und ihn mit Watte und etwas Lametta
ausgeschmückt. Hatten aber nur 2 Lichter für den Baum.
Auf den Tisch haben wir eine weiße Decke gelegt, um es schön
feierlich zu machen. So zündeten wir um 6 Uhr die Lichter
an und sangen das Lied "Stille Nacht". Darauf konnten
wir es nicht mehr aushalten und mussten erst mal sehen, was wir
von zu Hause geschickt bekommen haben. Es ist ja einfach herrlich,
was ich alles von Euch geschickt bekommen habe. Ich hatte einen
großen Haufen Pakete zu öffnen, denn die 3 Pakete,
die Adolf Mahnke (aus Rullstorf) mitgenommen hatte, kamen
1 Tag vor Heiligabend auch noch alle an."
Es folgt dann ein längerer Bericht über den Inhalt der
Pakete. Es waren wohl ca. 10 Päckchen und Pakete, die ich
zu öffnen hatte. Besonders gefreut habe ich mich wohl über
den Christbaumschmuck, denn ich schrieb:
"Es war sehr schön, dass Ihr mir Weihnachtsschmuck
geschickt habt, denn unser Christbaum sah wirklich sehr kahl aus.
Ich nahm sofort den Schmuck und schmückte den Christbaum
mit den Silbersachen und den 4 Lichtern, so dass wir jetzt 6 Lichter
am Baum haben."
Besonders erwähnt habe ich auch noch:
"1 Paar gefütterte Handschuhe, 1 Paar Strümpfe,
die ich nötig brauche, da meine erstmal furchtbar kaputtgelaufen
sind und außerdem sind die italienischen Strümpfe so
dünn, dass sie kaum wärmen. Ein schöner Nähbeutel
mit Sachen, die ich ebenfalls nötig brauche."
Die übrigen Weihnachtsgeschenke bestanden aus: Braunkuchen,
kleinen Kuchen, Schinken, ein schöner weißer Kamm,
ein Film, Mettwurst, Biskuit-Kuchen, Waschlappen, 15 schöne
Dickstieläpfel etc.:
"Kaum hatte ich die Äpfel entdeckt, als ich mir gleich
einen genommen und hineingebissen habe. Oh, war das eine Delikatesse
nach so langer Zeit. Auch meinen Kameraden habe ich je einen Apfel
gegeben und Ihr glaubt gar nicht, wie sehr sie sich gefreut haben.
Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich zu all den schönen
Dingen gefreut habe. Habt für alles meinen herzlichen Dank,
es waren bestimmt sehr schöne Überraschungen, die Ihr
mir zum Weihnachtsfeste geschickt habt. Nachdem wir unsere Sachen
ausgepackt hatten und unsere Sachen gegenseitig probiert hatten,
sangen wir noch einige schöne Weihnachtslieder und dabei
glitt unser Blick immer wieder zum Christbaum und wir dachten
an die Lieben daheim und an unsere Kindheit. Wir sangen alle schönen
Weihnachtslieder wie Stille Nacht, Oh du fröhliche, Süßer
die Glocken, Vom Himmel hoch, Es ist ein Ros entsprungen usw.
...
Wegen Winterkleidung brauchen wir uns keine Sorgen mehr zu
machen, denn am 23.12., also gerade an Deinem Geburtstag, liebe
Mutter, empfingen wir einen vollständigen Watteanzug zum
überziehen über die Uniform. Außerdem Filzstiefel
und Überhandschuhe und eine Haube, die das ganze Gesicht
auch Nase, Mund und Augen bedeckt. Die Uniform ist außen
mit Zeltbahn versehen, so dass dieser Anzug auch wasserdicht ist.
Zum Schluss danke ich Euch noch mal recht herzlich für alles
Schöne zum Weihnachtsfest und grüße Euch recht
herzlich Euer Sohn Hermann."
Es ist einfach erstaunlich, was kurz vor Kriegsende noch an Ausrüstung
für jeden einzelnen Soldaten vorhanden war. Welch ein Glück
hatten wir damals, dass man uns so gut mit Winterbekleidung ausrüstete.
So konnten wir das kommende Chaos, den Winterkrieg 1945 in Ostpreußen,
besser überstehen. Wenn es nicht in meinen Briefen stehen
würde, hätte ich es heute, nach 64 Jahren, nicht mehr
für möglich gehalten, dass man uns damals im letzten
Kriegswinter 1944/45 noch so gut verpflegt und mit Winterbekleidung
versorgt hat.
29.12.44:
"In Königsberg war es damals sehr schön, denn
man konnte mal wieder ins Kino gehen u. außerdem ist dort
eine Wannenbadeanstalt, wo ich mal anständig baden konnte.
Hier ist noch alles sehr ruhig. Heute hat es wieder geschneit,
so dass es mit der Kälte auch noch nicht schlimm ist."
1.1.45:
"Möge es Gott geben, dass in diesem Jahre der Krieg
ein Ende nimmt und wir uns alle in Frieden wieder miteinander
vereinen können, dass unser lieber Heinz wieder in die Freiheit
gelangt. Nun seid recht herzlich gegrüßt und ich wünsche
Euch nochmals alles Gute im neuen Jahr Euer Sohn Hermann."
Am 3.1.1945 habe ich meinem Kameraden Fritz Speckmann einen Brief
in sein Heimatdorf Schulzenhof bei Insterburg mitgegeben, der
von dort aus mit der Zivilpost befördert wurde. Interessant
ist folgendes:
"So leicht werde ich hier kein Unteroffizier, denn die
Stellen sind besetzt. Aber ich habe auch gar kein Interesse daran
und verzichte auf die Tressen, wenn ich mit heilem Kreuz nach
Hause kommen kann. Beim Wettertrupp sind wir noch alle zusammen,
bis auf einen, der sich freiwillig zum fliegenden Personal gemeldet
hat. Unser Wagen ist da. Er ist wirklich sehr schön (der
neue Wetterwagen). Wir sind umgezogen u. liegen in einer Waldecke."
(Forsteck)
11.1.45, 23.30 Uhr:
"Liebe Eltern! Wir liegen hier dicht am Wald (Forsteck).
Wir haben uns etwas von der Einheit abgesetzt, so dass wir
wieder selbst kochen müssen, was ja viel besser ist, denn
so kann man soviel kochen, dass man satt wird."
Ja, unser Unteroffizier und Truppführer Heinz Kasprzack kochte
leidenschaftlich gerne und gut. Deshalb hat er sich auch von der
Einheit abgesetzt, solange und so oft es möglich war. Ich
kann mich erinnern, dass ich damals dort ostwärts von unserem
Quartier mein erstes Stück Rehwild erlegte. Ich bin damals
wohl im Forst Karlswalde gewesen, wo es mir nach recht mühevoller
Pirsch tatsächlich gelang, mit dem Militärkarabiner
eine Ricke zu erlegen. So war unsere Verpflegung durch Wildbraten
erheblich aufgebessert. Leider hatten wir wenig Zeit, das zu genießen,
denn am 13.1.45 begann die Großoffensive der Russen, die
3 Monate später in der totalen Vernichtung der deutschen
Streitkräfte in Ostpreußen im April 1945 endete.
Hermann Lohmann: Kämpfe bei Balga am Frischen Haff 1945