Olympische Spiele 1936
1936 während der Olympischen Spiele kamen viele Ausländer
nach Berlin. Ich übernahm es, Gruppen von Engländern
und Dänen durch Berlin zu führen. Anfangs standen uns
die Ausländer skeptisch gegenüber, weil sie dachten,
alle Deutschen seien Nazis. Aber bald stellten sie fest, dass
der Nationalsozialismus gar nicht so stark in Erscheinung trat.
Sie konnten ja nicht wissen, dass ihnen ein freundliches, offenes
Deutschland präsentiert wurde, das allerdings mit der Realität
nichts zu tun hatte. Sie erlebten beispielsweise nie, mit welchem
Aufwand und mit welcher Huldigung selbst ein eher unbedeutender
Gauleiter wie Ernst Wilhelm Bohle vom Fußvolk begrüßt
wurde, wenn er dahergeschritten kam. Eine Kollegin von mir beim
"Verband Deutscher vereine im Ausland" (VDV) pflegte
zu murmeln, die sollten sich doch "keinen Fleck in´
Frack" machen, wenn er mit seinem Tross vorüberrauschte.
Eine andere Kollegin hingegen, ein ältliches Fräulein,
schaute ihm hingerissen nach und ließ sich anschließend
lang und breit über seine "glänzende Erscheinung"
aus.
Mit den Ausländern haben wir viel diskutiert, ohne dass sich
eine Ideologie dazwischen schob. Abends gingen wir besonders gern
in den Zigeunerkeller am Kurfürstendamm, weil dort, angeheizt
durch ungarischen Wein, eine besondere Atmosphäre herrschte.
In unvergessliche Erinnerung hat sich mir die Nacht eingeprägt,
als wir mit einer Gruppe Engländer auf dem S-Bahnsteig Westkreuz
Lamthwalk tanzten und sangen.
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