Olympische Spiele in Berlin 1936
Als 12-jähriger Junge erlebte ich 1936 die Olympischen Spiele
in Berlin. Das Reichssportfeld war fertig gestellt. "Unter
den Linden" war alles auf Hochglanz gebracht. Die Dürener
Metallwerke, in denen mein Vater arbeitete, fertigten die Aluminium-Profil-Maste
für die Fahnen. Es war ein Pressprofil mit verjüngendem
Querschnitt. So etwas war technisch eine Meisterleistung. Diese
Technologie war in der Flugzeug-Fertigung anwendbar bei verjüngenden,
festigkeitsmäßig optimal dimensionierten, gewichtsarmen
Tragholmen und Quer-Verspannungen. Wir demonstrierten unsere Überlegenheit
und unser Können. An diesen Fahnen-Masten hingen abwechselnd
Fahnen mit Hakenkreuz und Städtewappen. Unter den Linden
haben wir natürlich die Dürener Fahne fotografiert.
Der Mariaweiler Opa ist darauf abgebildet.
An mindestens 15 Stellen in Berlin waren Fernseh-Stuben eingerichtet.
Anfänglich wurden Probesendungen und später regelmäßig
Sportsendungen aus dem Olympia-Stadion übertragen. Ich war
oft in so einer Fernseh-Stube auf der Berliner-Straße am
Zink-Walzwerk. Von den ausländischen Olympia-Gästen
ließen wir uns Autogramme geben. Besonders begehrt waren
chinesische, japanische und arabische Namenszüge.
Dass es unseren Menschen und vor allem dem Arbeiter nicht schlecht
ging, konnten alle sehen, die uns zur Olympiade besuchten. Hitler
eröffnete die friedlichen Wettkämpfe. "Der konnte
doch nicht so schlimm sein, wie das Ausland meinte." Überall
war geflaggt. Die Nazis wurden im Ausland aufgewertet. Alles das
hört sich nach gekonnter Wirtschafts-Planung und entsprechender
Politik an.
Natürlich war ich auch zu Wettkampf-Veranstaltungen im Stadion.
Es war nicht leicht, um an entsprechende Karten zu kommen. Vater
hatte sie im Betrieb über die NS-Arbeitsfront erhalten. Die
Eltern erhielten auch dort ihre Theaterkarten. Ich erinnere mich,
wenn sie oft vom Admirals-Palast, Wintergarten, Hasenheide, Sport-Palast,
Deutschlandhalle, und anderen Veranstaltungsorten sprachen. Zu
dieser Zeit wurden auch die KdF-Schiffe 'Wilhelm Gustloff' und
nachfolgend 'Robert Ley' fertig gestellt. Die ganze Welt sollte
sehen, was man in Deutschland für den Arbeiter tat. In Wirklichkeit
sollten es in einem späteren Krieg Truppen-Transporter oder
Lazarett-Schiffe sein. Ich habe später auf beiden Schiffen
meine U.Boots-Ausbildung in Gotenhafen (Gdingen) und Pillau erhalten.
Ich ging Sonntags für 25 Pfennig in die Jugendvorstellung
des Eichborn-Kinos. Wenn die 'Schlacht am blauen Berge' lief,
brachen wir bald die 'Flohkiste' ab. Nur in besonderen Fällen
gingen wir in das vornehmere Ala- oder Alhambra- Kino. Das kostete
5 Pfennig mehr. Ansonsten spielten wir mit Bleisoldaten im Buddelkasten
oder lagen mit der Reinickendorfer Hechelstraße im Banden-Krieg.
Oft habe ich Mussolini und seinen Außenminister Graf Chiano
in Berlin gesehen.
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