Bei der Kriegsmarine auf Norderney 1942-1944
In der Regel wurde man Ende 17 ½ Anfang 18-jährig ein
¾ bis 1 Jahr zum Arbeitsdienst eingezogen. Anschließend
kam man nahtlos zum Militär. Der Arbeitsdienst war zu dieser
Zeit meist in Russland und das anschließende Militär
war meist die Infanterie in Russland. Warum Ortswechsel, man kannte
sich ja schon aus. Johannes, mein junger Onkel war bei der Kriegsmarine.
Er fuhr auf dem Schlachtschiff 'Scharnhorst'. Er war schon bei
verschiedenen Einsätzen, war Bootsmaat und hatte das Eiserne
Kreuz 2. Klasse und das Flotten-Abzeichen. 1941 wurde nach Bedarf
und Aussehen eingezogen. Aufgrund des Typs und meiner Größe
hätte es, ohne mein zutun, auch die SS werden können.
Man wäre einfach eingeteilt worden! Liebe Politiker, ich
weiß, sie sind "gefährdet", wenn sie einen
Soldaten-Friedhof besuchen, auf dem ein SS-Soldat liegt. Aber
so einfach war es, in die SS oder / und auf den Friedhof zu kommen.
Ich beugte vor. Ich glaube, Johannes hat ungewollt noch dazu beigetragen.
Er war 1941 als Marine-Ehrenformation zur Beerdigung des Admirals
von Trotha in Berlin, wo ich mit meinenEltern wohnte. Zu dieser
Zeit stand er auch Ehrenwache am Ehrenmal "Unter den Linden".
Ich meldete mich freiwillig zur Kriegsmarine. Bevor ich von Berlin
nach Bergen op Zoom in den Niederlanden fuhr, machte ich noch
eine Woche Ferien im Rheinland. Ich fuhr dann später über
Maastricht an mein Ziel. Meine Freunde kamen kurz danach zum Arbeitsdienst
nach Russland und anschließend zur Infanterie nach Russland.
Ich wurde von deren Eltern bedauert, dass ich schon so jung beim
Militär war. Der eigene Junge kam ja erst zum weniger gefährlichen
Arbeitsdienst. Was man nicht wissen konnte war, dass ich 2 Jahre
auf Marine- Schulen ausgebildet wurde. Meine Freunde lagen nach
einem Jahr schon im Schützengraben in Russland. Der eine
ist nicht mehr zurück gekommen, der andere kam nach Jahren
der russischen Gefangenschaft heim.
Es war eine infanteristische Ausbildung in Bergen op Zoom, wie
sie in ihrer Gründlichkeit nur bei der Marine war. Die Marine
legte Wert auf das wortgetreue Lernen der vielen Themen, die wir
'Marine-Rees' nannten. Wir lernten uns als Soldaten zu benehmen
und zu bewegen. Zum Ausgang trugen wir einen kurzen Marinedolch
rückseitig am umgeschnallten Koppel befestigt. Ausgang gab
es nur zu Zweit. Ich war noch keine 18 Jahre alt ... ein junges
Milchgesicht.
Es gab auch Lokal-Kontrollen. Wir waren kriegsmäßig
mit Stahlhelm, Gewehr, Pistole und Handgranaten ausgerüstet.
Zu zweit blieben wir meist mit Gewehr im Anschlag an der Tür
stehen, während der Offizier mit einem Mann die Kontrolle
ausführte. Wir kleinen unerfahrenen Jungen hatten doch mehr
Angst als die, die kontrolliert werden sollten. Ich sehe noch
die bösen Gesichter. Was wäre geschehen, wenn...............?
Wir gehörten zur Steuermanns-Laufbahn (3), d.h. es stand
viel Schulung mit schnellem Weiterkommen bevor. Allerdings kurz
vor der Abkommandierung wurden wir zur Laufbahn 14 = Marine-Artillerie,
nach Norderney versetzt. Es war eine 8,8 cm Batterie von 3 (später
4) Geschützen und einem Drei-Walzen-Leitstand. Die nächtlichen
Bomben-Flüge der Engländer häuften sich. Wir konnten
schon an den Routen ungefähr erkennen, wo es hin ging. Die
erste Meldung von einer der holländischen Inseln oder einem
Vorpostenboot war: "Feindverbände oder Motorengeräusche
nördlich Terschelling" oder "....nördlich
Schiermonnikoog" oder "....nördlich Norderney".
Wir standen fast jede Nacht am Geschütz.
Das Essen war im Allgemeinen bei der Marine sehr gut. Aus einem
geschossenen Seehund wurde für jeden ein Extrastück
Seife. Zwischen Norddeich und Norderney machten wir ein Langstrecken-Schwimmen.
Dick wurde sich mit Geschützfett eingeschmiert. Wer es schaffte,
bekam Sonderurlaub. Ca. ¾ der Strecke schaffte ich und gab
nach 5 Stunden auf. Ergebnis: 1 Flasche Bolz-Likör und rote
Augen vom Salzwasser. Hier hätte man (vielleicht) den Krieg
unbeschadet zu Ende bringen können. Doch plötzlich waren
die Engländer und Amerikaner auch am Tage da. Die "Sauhunde"
flogen ca. 9 bis 10 tausend Meter hoch, somit waren sie am Rande
oder außerhalb unserer Reichwerte. Die 10,5 cm vom Inselteil
Dovetief hatten größere Chancen, denn sie kamen ca.
1.000 m höher als unsere 8,8 cm. Die leichte Flak (2 cm und
3,7 cm) kam nur auf 2 - 3.000 m und war unser Schutz bei Direkt-Angriffen.
Die Amerikaner flogen in gestaffelten Formationen über uns,
als wenn es uns nicht gäbe. Von unseren Jägern haben
wir im letzten Jahr nicht mehr all zu viel gesehen.
"Wo hat Herr Meier denn seine Jäger ?" (Göring
hatte vorher mal übereilt gesagt, dass er Meier heißen
will, wenn der Engländer am Tage zu uns käme.) "Der
Dickwanst hat nur eine große Klappe. Mit den Schlips-Soldaten
(gemeint ist die Luftwaffe) ist sowieso nichts los" Zwischen
den verschiedenen Wehrmachtsteilen (Heer, Luftwaffe, Marine) war
"getrennte Kasse". Die Luftwaffe, besonders aber die
Marine hortete ihre Elite-Truppe. Wenn der Kopf nicht unter dem
Arm war, wurde man beim Heer noch gezogen. Bei der Marine waren
nur junge Kerle, gesund, mindestens 1,75 m groß, erste Tauglichkeitsgrade.
Großadmiral Dönitz gab von der Marine (möglichst)
keinen ab.
Wir machten unseren Dienst wie immer. Neben Geschützdienst
kamen auch Infanterie-, Zeug- und Ordnungs-Dienst nicht zu kurz.
Es hielt sich alles im Rahmen. Jeder hatte durchschnittlich 4
Stunden "Ausguck" pro Tag. Der Himmel war in Beobachtungssektoren
eingeteilt. Wir, das dritte Geschütz, hatten den Bereich
nach Westen. Da waren links die Dünen,
wenn man Glück
hatte, im Sommer mit paar schönen Mädchen drin,
.
die Strandpromenade mit Kaffee Cornelius,
..rechts die See
mit seinem Zuteilwinkel. Mit dem Fernrohr suchten wir den Himmel
nach Flugzeugen ab.
Wir erwischten sie auch. Hiervon zeugen die vielen Fotos in meinem
Album. Dafür gab es dann vom 'Gamaschen- Schlitz paar E.K.II.
Unser Inselkommandant war Korvetten-Kapitän Schlitz, der
meist Gamaschen trug und daher seinen Spitznamen hatte. "Kameraden
guckt mal, ich habe euch was mitgebracht", dann hielt er
die 'EK' hoch. Sie wurden nach einem anteiligen Punkte-System
verteilt.
. Oder wie wir sagten: "
nach Zugehörigkeit,
Nase und Augenfarbe." Begehrt war auch das Marine-Flak-Abzeichen,
mit einem Verteiler-Schlüssel wie vor. Ich erhielt meine
Auszeichnungen durch General-Admiral Friedeburg im September 1944
in Ergänzung anderer Ereignisse.
Für mich kam mit dem neuen Jahr 1944 der Abschied von Norderney.
Über Biaritz / Südfrankreich und Cuxhaven kam ich zur
2. U-Boots-Lehr-Divisionnach auf die Wilhelm Gustloff nach Gotenhafen.
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