1904
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![[Broschüre: "Kleiner Deutscher Kolonialatlas" (Deckblatt), 1898]](../../objekte/pict/89-2442/200.jpg)
![[Album: Album von Berlin, 1906]](../../objekte/pict/album/200.jpg)
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Chronik
- Januar
- 12. 1. In Deutsch-Südwestafrika beginnt der Aufstand der
Herero. Die systematische Einschränkung tradierter Lebensformen
sowie politische und soziale Diskriminierungen lösen schwere
Ausschreitungen aus. Am ersten Tag kommen 123 deutsche Siedler
ums Leben.
- 16. 1. Das neue Gebäude des preußischen Herrenhauses,
der ersten Kammer des Preußischen Landtages, wird in Berlin
eingeweiht. Es grenzt rückseitig an das 1899 übergebene
neue Abgeordnetenhaus und bildet mit diesem ein palastartiges
Ensemble im Stile des 18. Jahrhunderts.
- 21. 1. In Berlin gründen mehrere Großbanken unter
Führung der Deutschen Bank die Deutsche Petroleum Aktiengesellschaft
(DPAG). Mit ihr soll der Einstieg ins internationale Ölgeschäft
erleichtert und ein Gegengewicht zu dem marktbeherrschenden US-Konzern
Standard Oil geschaffen werden.
- 23. 1. Die norwegische Kleinstadt Alesund wird durch einen Brand
fast vollständig zerstört. 12.000 Menschen verlieren
ihr Obdach. Kaiser Wilhelm II. engagiert sich für
den Wiederaufbau der Stadt.
- 25. 1. Im Mittelpunkt des Allgemeinen Krankenkassenkongresses
steht die Auseinandersetzung der Kassen mit der Ärzteschaft
stehen. Die Mediziner fordern Honorarerhöhungen und die Einführung
der freien Ärztewahl. Kurz zuvor hatten alle 233 Leipziger
Kassenärzte ihre Verträge gekündigt und nur noch
Privatpatienten behandelt.
- Februar
- 8. 2. Mit einem Angriff japanischer Torpedo-Boote auf die russische
Flotte vor Port Arthur und der gleichzeitigen Landung von Truppen
an der Westküste Koreas beginnt der Russisch-Japanische Krieg
um die Vorherrschaft in der Mandschurei und auf der koreanischen
Halbinsel.
- 15. 2. Der Bund der Landwirte (BdL) fordert in Berlin auf seiner
Generalversammlung einen besseren Schutz landwirtschaftlicher
Produkte vor ausländischer Konkurrenz.
- 16. 2. Mit scharfer Kritik reagieren Repräsentanten aller
im Reichstag vertretenen Parteien auf die Auswahl der deutschen
Kunstwerke für die Weltausstellung in St. Louis, in der sich
die Vorliebe des Kaisers für die traditionelle Malerei im
Stile Anton von Werners und seine brüske Ablehnung
der "Berliner Secessionisten" widerspiegelt.
- März
- 5. 3. In Paris werden nach einem Beschluß des Kassationshofs
die Untersuchungen in der Dreyfus-Affäre wieder aufgenommen.
- 8. 3. Der §2 des Jesuitengesetzes wird aufgehoben. Mitglieder
der Gesellschaft Jesu dürfen nun nicht mehr ausgewiesen werden.
- 23. 3. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt die erste Buchausgabe
der Tragödie "Die Büchse der Pandora" von
Frank Wedekind. Zuvor war bereits das Drama "Der Reigen"
von Arthur Schnitzler verboten worden. Seit der Einführung
der "Lex Heinze" im Mai 1900 wachen staatliche
Zensurbehörden
über "Sittlichkeit und Moral" in der deutschen
Literatur.
- April
- 1. 4. In Frankreich tritt ein Gesetz in Kraft, das die Arbeitszeit
für Frauen und Personen unter 18 Jahren auf maximal zehn
Stunden pro Tag begrenzt.
- 8. 4. Großbritannien und Frankreich schließen in
London ein Abkommen über die Beilegung ihrer Differenzen
in Kolonialfragen und begründen damit die "Entente
cordiale".
- 12. 4. In Berlin wird die "Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände"
(HDA) gegründet. Vorrangiges Ziel der Vereinigung, der zunächst
50 Verbände der Schwer- und Textilindustrie angehören,
ist die Niederhaltung des Einflusses der Gewerkschaften.
- 30. 4. In St. Louis wird die 14. Weltausstellung eröffnet.
Auf einer Fläche von fast 500 Hektar präsentieren sich
neben den einzelnen Bundesstaaten der USA 35 Nationen. Hauptattraktionen
sind die neuesten technischen Errungenschaften auf den Gebieten
des Automobilbaus, der Luftfahrt und der Telegraphie.
- Mai
- 1. 5. In Düsseldorf wird die "Internationale Kunst-
und Große Gartenbauausstellung" eröffnet. Besondere
Beachtung findet die eigens für die Schau geschaffene Gartenanlage,
die den Garten als Bestandteil einer neuen Wohnkultur propagiert.
- Tod des tschechischen Komponisten Antonín Dvorák (1841-1904) in Prag.
- 4. 5. Gründung des Fußballvereins "Schalke 04".
- 6. 5. Tod des Malers Franz von Lenbach (1836-1904) in München.
- 9. 5. In Berlin wird der "Reichsverband gegen die Sozialdemokratie"
gegründet. Er will alle "in Treue zu Kaiser und Reich
stehenden Deutschen" vereinen. Zum Vorsitzenden wird der
ehemalige Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Eduard von Liebert (1850-1934),
gewählt.
- 21. 5. Sieben nationale Fußball-Verbände aus Europa
gründen in Paris den Weltverband Fédération
Internationale de Footbal Association (FIFA). England, das "Mutterland
des Fußballs", beteiligt sich nicht an der Initiative
des Franzosen Robert Guérin, der zum ersten Präsidenten
des Weltverbandes gewählt wird. Der Deutsche Fußball-Bund
(DFB) beschließt am 29. Mai den Beitritt zur FIFA.
- 26. 5. Tod des Erfinders und Industriellen Friedrich Siemens (1826-1904) in Dresden.
- Juni
- 12. 6. In Berlin wird ein internationaler Frauenkongreß
eröffnet, an dem Vertreterinnen bürgerlicher Frauenverbände
aus 25 Ländern teilnehmen. Im Vorfeld des Kongresses hatte
sich in der deutschen Reichshauptstadt der "Weltbund für
Frauenstimmrecht" konstituiert.
- 15. 6. Beim Brand des Ausflugsdampfers "General Slocum"
kommen auf dem Hudson bei New York mehr als 1.000 Menschen ums
Leben. Die Opfer sind überwiegend Schüler einer deutschen
Sonntagsschule in den USA und deren Eltern.
- 16. 6. Der russische Generalgouverneur von Finnland, Nikolai
I. Bobrikow, wird in Helsinki von einem jungen finnischen
Beamten erschossen. Das Attentat ist Ausdruck des Widerstandes
der Finnen gegen die "Russifizierung".
- 23. 6. Wegen Majestätsbeleidigung wird Rosa Luxemburg
von der Strafkammer des Landgerichts in Zwickau zu drei Monaten
Gefängnis verurteilt.
- Als Interessenvertretung der Leicht-
und Fertigwarenindustrie wird der Verein deutscher Arbeitgeberverbände
gegründet.
- Juli
- 1. 7. - 23. 11. In St. Louis finden die III. Olympischen Spiele
statt. Wie schon vier Jahre zuvor in Paris sind sie lediglich
ein kaum beachtetes Anhängsel der Weltausstellung. Unter
den 617 Teilnehmern sind 533 Amerikaner.
- 3. 7. Tod des Schriftstellers Theodor Herzl in Edlach
an der Ratz bei Gloggnitz.
- 14. 7. Tod des südafrikanischen Politikers Paulus "Ohm" Krüger (1825-1904) in der Schweiz.
- 17. 7. Tod des russischen Schriftstellers Anton P. Tschechov (1860-1904) in Badenweiler.
- 28. 7. Der russische Innenminister Wjatscheslaw K. Plehwe,
der als Symbolfigur der zaristischen Herrschaft gilt, wird in
Petersburg bei einem Bombenanschlag getötet. Der Attentäter
kommt aus den Reihen der Partei der Sozialrevolutionäre.
- August
- 3. 8. Eine britische Militärexpedition besetzt die tibetische
Hauptstadt Lhasa. Großbritannien unterwirft damit das unter
chinesischer Oberhoheit stehende Protektorat seiner Kontrolle.
- 6. 8. Tod des Musikforschers Eduard Hanslick (1825-1904) in Baden
bei Wien.
- 11. 8. In der "Kesselschlacht" am Waterberg bei Windhuk
werden die aufständischen Herero von deutschen Kolonialtruppen
vernichtend geschlagen. Die Überlebenden werden in die Wüste
gedrängt. Viele von ihnen verdursten. Von den ehemals 80.000
Herero sind 1905 nur noch 12.000 am Leben.
- 30. 8. In der zentralen Mandschurei beginnt die größte
Schlacht des Russisch-Japanischen Kriegs. 158.000 Russen stehen
125.000 Japanern gegenüber.
- September
- 3. 9. Nach hohen Verlusten auf beiden Seiten treten die Russen
in der zentralen Mandschurei den Rückzug an.
- 19. 9. Die blinde und taubstumme Helen Keller (1880-1968) promoviert
zum Doktor der Philosophie.
- 21. 9. In Belgrad wird Peter I. Karadjordjevic (1888-1934) als neuer
König von Serbien gekrönt.
- 25. 9. Mit der Schließung des südlichen Ringes um
den Baikalsee ist das letzte Teilstück der Transsibirischen
Eisenbahn fertigstellt. Der Bau der über 9.000 km langen
Bahnlinie von Moskau nach Wladiwostok begann 1891. Durch den Krieg
gegen Japan hat die Bahn für Rußland strategische Bedeutung.
- Oktober
- 2. 10. Der Oberbefehlshaber der deutschen Truppen in Deutsch-Südwestafrika
proklamiert die "gnadenlose Ausrottung" der aufständischen
Herero. Proteste im Deutschen Reich gegen die Erschießung
von Unbewaffneten und von Frauen und Kindern veranlassen auch
Wilhelm II. zu einem Protest.
- 3. 10. In Deutsch-Südwestafrika kommt es mit der Erhebung
des Stammes der Nama zu einem weiteren Aufstand gegen die deutsche
Kolonialherrschaft. Der Guerillakrieg zieht sich über mehrere
Jahre hin.
- 10. 10. Mit der Gründung des "Vereins der Lehrlinge
und jugendlichen Arbeiter Berlins" beginnt die proletarische
Jugendbewegung in Deutschland.
- 18. 10. Auf der Berliner Museumsinsel wird das Kaiser-Friedrich-Museum
eingeweiht. Schwerpunkte der Sammlung sind die altdeutsche Malerei
und die Kunst der Renaissance. Die von Wilhelm Bode (1845-1929) arrangierte
Präsentation sorgt für Aufsehen, denn in den einzelnen
Räumen werden verschiedenartige Ausstellungsstücke einer
Epoche gezeigt.
- 22. 10. In Berlin erscheint die erste deutsche Boulevard-Zeitung.
Die vom Ullstein-Verlag herausgegebene "B.Z. am Mittag"
entwickelt sich schnell zu einer der auflagenstärksten Tageszeitungen
der Reichshauptstadt.
- November
- 6. 11. Auf Protestversammlungen in Norddeutschland wird die Einstellung
des Kampfes gegen die Aufständischen in Deutsch-Südwestafrika
gefordert.
- 8. 11. Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA wird Theodore
Roosevelt mit dem bis dahin besten Ergebnis im Amt bestätigt.
- 13. 11. In Warschau kommt es bei Protesten gegen die Rekrutierung
von polnischen Bürgern für die zaristische Armee zu
einem Feuergefecht zwischen Angehörigen der Polnischen Sozialistischen
Partei (PPS) und dem russischen Militär. An der Spitze der
polnischen Sozialisten steht Józef Klemens Pilsudski.
- 23. 11. Die Chemiefirmen Friedrich Bayer & Co. und Badische
Anilin- & Sodafabrik AG (BASF) schließen einen Interessengemeinschaftsvertrag,
der eine Vorstufe für die I.G. Farbenindustrie AG darstellt.
- Dezember
- 6. 12. In einer Botschaft an den Kongreß bekräftigt
US-Präsident Theodore Roosevelt die "Monroe-Doktrin"
von 1823 und proklamiert für die Vereinigten Staaten das
Recht der Intervention in allen Ländern Mittelamerikas.
- 27. 12. Der österreichische Ministerpräsident Ernest
von Koerber (1850-1919) tritt wegen des anhaltenden Nationalitätenkonflikts
in Österreich-Ungarn zurück. Sein Nachfolger wird Paul Freiherr Gautsch von Frankenthurn (1851-1918), der zuvor Präsident des Obersten Gerichtshofes war.
- Außerdem:
- Joseph Conrad (1857-1924): Nostromo. Eine Geschichte von der Meeresküste
(Roman)
- Hermann Hesse: Peter Camenzind (Roman)
- Jack London: Der Seewolf (Roman)
- Gustav Mahler: Symphonie Nr. 5
- Giacomo Puccini (1858-1924): Madame Butterfly (Oper)
- Anton P. Tschechov (1860-1904): Der Kirschgarten (Komödie)
- Clara Viebig (1860-1952): Das schlafende Heer (Roman)
- Frank Wedekind: Die Büchse der Pandora (Tragödie)
(am)
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