1913
![[Photo: August Bebel, um 1910]](../../objekte/pict/f53_1623/200.jpg)
![[Plakat: Julius Gipkens "St. Pauli Actien-Bier", vor 1913]](../../objekte/pict/pli04806/200.jpg)
![[Gemälde: Das Bad der Kinder in einer Wohlfahrtseinrichtung, 1912]](../../objekte/pict/g0000044/200.jpg)
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Chronik
- Januar
- 2. 1. Die Botschafter der sechs europäischen Großmächte
des Dreibunds und der Entente verständigen
sich in London darüber, die Souveränität Albaniens
anzuerkennen.
- 4. 1. Tod des preußischen Generalfeldmarschalls
Alfred von Schlieffen in Berlin. Er entwickelte den Aufmarschplan
für das deutsche Heer, der im Ersten Weltkrieg zur
Anwendung kommt.
- 6. 1. Die Londoner Verhandlungen zur Beendigung des Balkankriegs
werden abgebrochen, da es zu keiner Einigung über die Zugehörigkeit
von Adrianopel (Edirne) kommt.
- 17. 1. Zum neuen Staatspräsidenten Frankreichs wird der
bisherige Ministerpräsident Raymond Poincaré
gewählt.
- 22. 1. Deutsche Polizei löst in Posen eine Feier anläßlich
des 50. Jahrestags des polnischen Aufstands gegen die russische
Herrschaft im Jahr 1863 auf.
- 23. 1. Im Osmanischen Reich kommt es unter der Führung des
Jungtürken Enwer Pascha erneut zu einem Staatsstreich.
Anlaß für den Putsch ist die Haltung der konservativen
Regierung bei den Friedensverhandlungen mit dem Balkanbund.
- Der
Entwurf eines neuen Wohnraumgesetzes für Preußen wird
im "Reichsanzeiger" veröffentlicht. Es sieht vor
allem den Bau von preiswerten Kleinwohnungen für Arbeiter
vor.
- 30. 1. Die Staaten des Balkanbunds kündigen den am 3. Dezember
1912 geschlossenen Waffenstillstand mit dem Osmanischen Reich.
- Februar
- 2. 2. Der größte Bahnhof der Welt wird in New York
eingeweiht. Das Areal der Grand Central Station umfaßt 32
Hektar, es können 1.043 Waggons darin gleichzeitig unterkommen.
- 3. 2. Der Österreicher Rudolf Steiner (1861-1925) gründet
in Berlin die Anthroposophische Gesellschaft, die die Förderung
der Selbstbestimmung in der kindlichen Entwicklung betont.
- 12. 2. Die Reichstagsfraktion der
Sozialdemokratischen Partei
Deutschlands (SPD) beantragt die Einführung des allgemeinen,
gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle deutschen
Länder. Der Antrag wird abgelehnt.
- 19. 2. Britische Suffragetten sprengen das in Bau befindliche
Landhaus von Schatzkanzler David Lloyd George, um ihrer
Forderung nach einem Wahlrecht für Frauen Nachdruck zu verleihen.
- Der Reichstag bewilligt die vollständige Aufhebung des Jesuitengesetzes,
das bisher den Jesuiten Aufenthalt und Tätigkeit in Deutschland
untersagt hatte.
- 22. 2. Eine Neuregelung der Handwerkerausbildung ermöglicht
auch weiblichen Lehrlingen die Zulassung zur Meisterprüfung.
- März
- 4. 3. Woodrow Wilson tritt sein Amt als 28. Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika an.
- 5. 3. Beim Zusammenstoß eines Torpedoboots mit einem schweren
Kreuzer bei einem Flottenmanöver südlich von Helgoland
kommen 55 deutsche Matrosen ums Leben.
- 15. 3. Die Deutsch-Konservativen erklären auf ihrem Parteitag
in Berlin die Bekämpfung der Sozialdemokratie zum vorrangigen
Ziel der Partei.
- 18. 3. Der griechische König Georg I. (1845-1913) fällt
in Saloniki einem Attentat zum Opfer, ihm folgt sein ältester
Sohn Konstantin (1868-1923) auf dem Thron.
- 21. 3. Neuer französischer Ministerpräsident wird Louis
Barthou (1862-1934).
- 28. 3. Das britische Unterhaus verabschiedet den Flottenetat
für das Jahr 1913/14, der eine Aufstockung der Personalstärke
um 8.500 Mann und den Bau von fünf Schlachtschiffen, acht
Kreuzern und 16 Torpedobooten vorsieht.
- April
- 3. 4. Ein für den Militäreinsatz gebautes deutsches
Luftschiff wird bei einem Probeflug vom Wind abgetrieben und muß
auf dem französischen Truppenübungsplatz Lunéville
notlanden. Die Regierung in Paris ordnet eine amtliche Untersuchung
an, findet jedoch keine Anhaltspunkte für Spionage.
- 3. 4. Die britische Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst 1858-1928)
wird wegen Anstiftung des Anschlags auf das Landhaus von Schatzkanzler
Lloyd George zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.
- 9. 4. In Mariendorf bei Berlin wird eine neue Trabrennbahn eröffnet.
- 14. 4. In Belgien beginnt ein Generalstreik für allgemeines
und gleiches Wahlrecht, an dem sich rund 400.000 Arbeiter beteiligen.
Die Regierung setzt eine parlamentarische Kommission zur Ausarbeitung
einer Wahlrechtsreform ein.
- 20. 4. Bulgarische Freischärler überfallen bei Kamanowo
einen serbischen Truppentransport und töten 80 Soldaten.
- 23. 4. Der preußische Landtag in Berlin bewilligt das Gesetz
zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Posen und Westpreußen.
Für den Erwerb polnischer Güter stehen 175 Millionen
Mark zur Verfügung.
- 26. 4. In der belgischen Stadt Gent wird die 28. Weltausstellung
eröffnet. Ihr Prunkstück ist ein 3.000 Quadratmeter
großer Blumenpalast. Deutschland zeigt vor allem Produkte
aus den Bereichen Maschinenbau, Haushalts- und Bürotechnik.
- Mai
- 6. 5. Das britische Unterhaus lehnt eine Gesetzesvorlage zur
Einführung des Frauenwahlrechts mit 266 gegen 219 Stimmen
ab. Befürworter und Gegner kommen aus allen Parteien.
- Auf
dem Kongreß des Internationalen Olympischen Komitees (IOC)
in Lausanne stellt Carl Diem die Planungen für die
VI. Olympischen Spiele 1916 in Berlin vor.
- 20. 5. Der britische König Georg V. (1865-1936) und der russische
Zar Nikolaus II. weilen als Gäste einer Hochzeit am
deutschen Kaiserhof in Berlin. Es ist das letzte große Treffen
der europäischen Monarchen.
- 25. 5. Mit der erzwungenen Selbsttötung von Oberst Alfred
Redl (1864-1913) endet in Prag die spektakulärste Spionageaffäre
im Vorfeld des Ersten Weltkriegs. Der Generalstabschef des Prager
Korps der österreich-ungarischen Armee hatte seit 1901 geheime
militärische Unterlagen an Rußland, Frankreich und
Italien verkauft.
- 29. 5. Uraufführung des Ballets "Das Frühlingsoper" von
Igor Strawinsky in Paris.
- 30. 5. In London unterzeichnen Vertreter der Staaten des Balkanbunds
und des Osmanischen Reichs einen Präliminarfrieden zur Beendigung
des Kriegs von 1912. Das Osmanische Reich muß die Loslösung
Mazedoniens und den Verlust fast des gesamten europäischen
Territoriums anerkennen. Der Friedensschluß löst neue
Konflikte zwischen Serbien und Bulgarien aus.
- Juni
- 3. 6. Bei den Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus behaupten
die Konservativen trotz geringer Verluste ihre Mehrheit.
- 8. 6. Im Berliner Grunewald wird das für die Olympischen
Spiele 1916 gebaute Deutsche Stadion mit einer Massenveranstaltung
im Beisein von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Es bietet
30.000 Zuschauern Platz.
- 29. 6. Mit Angriffen der bulgarischen Armee auf zwei serbische
Städte beginnt der Zweite Balkankrieg. Am 1. Juli erklären
Serbien und Griechenland dem ehemaligen Verbündeten Bulgarien
den Krieg, in den das Osmanische Reich und Rumänien an der
Seite Serbiens eingreifen.
- 30. 6. Der Reichstag verabschiedet in dritter Lesung die von
der Regierung eingebrachte Wehrvorlage. Sie sieht eine Erhöhung
der Friedenspräsenzstärke des Heeres um 117.267 auf
661.478 Mann bis zum 31. Oktober 1915 vor.
- Juli
- 1. 7. Die Mitgliederzahl der SPD hat sich im Verlauf eines Jahres
um 12.748 auf 988.820 erhöht.
- In der Südafrikanischen
Republik bricht in den Gold- und Diamantenminen bei Johannesburg
ein Bergarbeiterstreik aus, an dem sich mehr als 20.000 Arbeiter
beteiligen. Bei den Kämpfen zwischen Streikenden und Militär
kommen rund 100 Menschen ums Leben.
- 12. 7. An der Möhne im Sauerland wird die größte
deutsche Talsperre eingeweiht. Dem Bau der Möhnetalsperre,
die vor allem die Industrieanlagen des Ruhrgebiets mit Wasser
versorgen soll, fielen mehrere Ortschaften zum Opfer. Die Staumauer
ist 638 Meter lang und 40,3 Meter hoch.
- August
- 7. 8. Der französische Senat beschließt die bereits
von der Abgeordnetenkammer gebilligte Verlängerung der allgemeinen
Wehrpflicht auf drei Jahre.
- 10. 8. Mit dem "Frieden von Bukarest" geht der Zweite
Balkankrieg zu Ende. Bulgarien muß erhebliche Gebiete an
Serbien und Griechenland abtreten. Serbien erlangt in den Balkankriegen
insgesamt einen Gebietszuwachs von 81 Prozent des bisherigen Territoriums
und einen Bevölkerungszuwachs von 1,5 Millionen. Der Großteil
der Grenzverschiebungen geht zu Lasten des Osmanischen Reichs.
- 13. 8. Tod des Begründerts der deutschen Sozialdemokratie,
August Bebel in Passugg (Schweiz).
- 16. 8. In den Ford-Automobilwerken in Detroit wird erstmals ein
Fließband zur Montage von Autos eingesetzt. Im Geschäftsjahr
1913/14 produziert die Ford Motor Company 264.972 Automobile.
- 22. 8. Delegierte des Verbands sozialdemokratischer Wahlvereine
Groß-Berlins fordern auf einer Veranstaltung zum "Gebärstreik"
auf. Damit sollen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und
dem Militär weniger Arbeiter und Soldaten zur Verfügung
stehen. Clara Zetkin und
Rosa Luxemburg sprechen
sich gegen den Vorschlag ihrer Parteigenossen aus.
- September
- 1. 9. Chinesische Regierungstruppen erobern mit der Stadt Nanking
die letzte Bastion der rebellierenden Anhänger der Kuomintang.
Der Führer der Nationalen Volkspartei Sun Yat-sen (1866-1925) befindet sich seit Mitte August im japanischen Exil.
- 14. 9. In Jena beginnt der Parteitag der SPD. Nach dem Tod von
August Bebel werden Hugo Haase und
Friedrich Ebert
zu Parteivorsitzenden gewählt. Ein Antrag von Rosa Luxemburg
über den Einsatz des Massenstreiks als politische Waffe wird
mehrheitlich abgelehnt.
- 22. 9. Die deutsche Reichsregierung bewilligt 300.000 Mark für
die Vorbereitung deutscher Sportler auf die Olympischen Spiele,
die 1916 in Berlin stattfinden sollen.
- 29. 9. Bulgarien und das Osmanische Reich unterzeichnen einen
separaten Friedensvertrag, mit dem die beiderseitigen Gebietsstreitigkeiten
beigelegt werden.
- Oktober
- 10. 10. Mit der Sprengung eines Staudamms wird beim Bau des Panamakanals
der erste Durchbruch zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen
Ozean geschaffen. US-Präsident Wilson löste die Sprengung
von seinem Amtssitz in Washington mittels eines 6.500 km langen
Kabels aus.
- 16. 10. Uraufführung von George Bernard Shaws (1856-1950) Komödie
"Pygmalion" in Wien.
- 18. 10. Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig wird im Beisein
von Wilhelm II. und weiteren deutschen Fürsten mit einem
Festakt eingeweiht. Es erinnert an die Entscheidungsschlacht von
1813 im antinapoleonischen Befreiungskampf. Das Monument ist 91
m hoch. An der Stirnseite befindet sich ein 60 m breites und 25
m hohes Relief mit einer Darstellung der Völkerschlacht.
- 18. 10. Österreich-Ungarn fordert Serbien ultimativ auf,
binnen acht Tagen das besetzte Gebiet in Nordalbanien zu verlassen.
Die Regierung in Belgrad kommt der Forderung auf Druck des Bündnispartners
Rußland nach.
- 25. 10. In Köln wird das Museum für Ostasiatische Kunst
eingeweiht. Das von der Stadt Köln errichtete Haus beherbergt
die von dem Ostasienforscher Adolf Fischer gestiftete Sammlung.
- November
- 5. 11. Der belgische König Albert I. (1875-1934) trifft zu einem
Besuch in Deutschland ein. Kaiser Wilhelm II. und Generalstabschef
Helmuth von Moltke versuchen, Belgien für den Fall
eines Krieges mit Frankreich zu einem Engagement für das
Deutsche Reich zu bewegen. Belgien besteht jedoch auf seiner Neutralität.
- Der bayerische Prinzregent Ludwig (1845-1921), der anstelle des physisch
kranken Königs Otto (1848-1916) regiert, erklärt sich nach
Zustimmung der Abgeordnetenkammer und der Kammer der Reichsräte
als Ludwig III. zum König von Bayern.
- 6. 11. In der elsässischen Stadt Zabern kommt es zu ersten
Protestaktionen gegen Übergriffe von Offizieren des dort
stationierten Infanterieregiments auf die einheimische Zivilbevölkerung.
Weitere Provokationen des Militärs und zunehmender Widerstand
der Einheimischen rücken die "Zabern-Affäre"
in den Blickpunkt der Öffentlichkeit und lösen landesweite
Empörung aus.
- Unter der Führung von Morandas Karamchand "Mahatma" Gandhi (1869-1948) überqueren rund 2.200 indisch-stämmige
Einwanderer demonstrativ die für sie geschlossene Grenze
zwischen den Provinzen Natal und Transvaal, um gegen die Politik
der Rassentrennung in der Südafrikanischen Union zu demonstrieren.
- 8. 11. Im Münchner Residenztheater findet die Uraufführung
des Dramas "Woyzeck" von Georg Büchner (1813-1837)
rund 80 Jahre nach seinem Entstehen statt.
- 24. 11. Das Berliner Verlagshaus Ullstein & Co. kauft für
fünfeinhalb Millionen Mark die bisher in Familienbesitz befindliche
"Vossische Zeitung".
- 30. 11. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und
der preußische Kriegsminister Erich von Falkenhayn
treffen zu Beratungen über die Beilegung der "Zabern-Affäre"
in Donaueschingen ein, wo sich auch Wilhelm II. aufhält.
- Dezember
- 2. 12. Die Regierungen der europäischen Großmächte
einigen sich darauf, den deutschen Prinzen Wilhelm zu Wied (1876-1945) zum regierenden Fürsten des neugeschaffenen Staates Albanien
zu ernennen.
- 5. 12. Wilhelm II. ordnet die vorübergehende Verlegung der
in Zabern stationierten Bataillone an.
- 8. 12. Frankreich präsentiert eine neue Regierung: Ministerpräsident
wird Gaston Doumergue (1863-1937), der zugleich das Amt des Außenministers
übernimmt.
- 10. 12. Der indische Dichter Rabindranath Tagore (1861-1941) erhält
den Nobelpreis für Literatur.
- 12. 12. Das 1911 gestohlene Gemälde "Mona Lisa"
wird in Florenz von der italienischen Polizei entdeckt und sichergestellt.
- 14. 12. Eine deutsche Militärmission trifft in Konstantinopel
ein und beginnt vertragsgemäß mit einer Reorganisation
der Armee des Osmanischen Reichs. Durch das deutsche Engagement
am Bosporus verschärfen sich die Spannungen zu den Entente-Staaten.
- Außerdem:
- Gabriele D'Annunzio: Pisanelle oder Der duftende Tod (Lyrisch-dramatisches Werk)
- Alfred Döblin: Die Ermordung einer Butterblume (Erzählungen)
- Sigmund Freud: Totem und Tabu (Psychoanalytische Abhandlung)
- Maxim Gorki: Meine Kindheit (Roman)
- Knut Hamsun (1859-1952): Kinder ihrer Zeit (Roman)
- Bernhard Kellermann (1879-1951): Der Tunnel (Roman)
- Else Lasker-Schüer: Hebräische Balladen (Gedichtsammlung)
- D. H. Lawrence (1885-1930): Söhne und Liebhaber (Roman)
- Uraufführung der bereits 1903 entstandenen "Gurrelieder" von Arnold Schönberg in Berlin.
(am)
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