1917
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Chronik
- Januar
- 5. 1.
In einer Neujahrsbotschaft an die Truppen ruft im Felde Kaiser
Wilhelm II. zu unvermindertem Kampf gegen die
Entente
auf.
- 7. 1.
Ein Treffen zwischen dem Vorstand und der parteiinternen Opposition
eröffnet die letzte Etappe der Spaltung der
Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).
- 9. 1.
Fürst
Nikolai Golizyn (1874-1952) wird letzter zaristischer Ministerpräsident in
Rußland.
- Unterzeichnung eines deutsch-türkischen Handelsvertrags.
- 10. 1.
Die Entente-Mächte geben ihre Kriegsziele bekannt: Während
Frankreich die Zerschlagung des Deutschen Reichs
("écrasement") fordert, will Großbritannien
dessen weltpolitische Stellung einschränken
("containment"), die deutschen Kolonien aufteilen, die
Flotte zerstören und den Außenhandel begrenzen. Neben der
Räumung der besetzten Gebiete fordert Rußland die
Wiedereingliederung Polens, Frankreich will die Rückgabe von
Elsaß-Lothringen, Großbritannien drängt auf die
Wiederherstellung der Eigenständigkeit Belgiens, Serbiens und
Montenegros.
- 17. 1.
Ein deutsches Bündnisangebot an Mexiko für den Fall eines
Kriegseintritts der USA wird vom amerikanischen Geheimdienst
entschlüsselt. Die Bereitschaft der USA zu einem Krieg gegen
Deutschland steigt.
- 18. 1.
Der Parteiausschuß der SPD beschließt die organisatorische
Trennung der sozialdemokratischen Mehrheit von der oppositionellen
Minderheit.
- 22. 1.
In einer Rede vor dem amerikanischen Senat fordert Präsident
Woodrow Wilson einen "Frieden ohne Sieger".
- 28. 1.
Die deutsche Regierung lehnt Wilsons Friedensbotschaft ab.
- Februar
- 1. 2.
Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs
in den Sperrgebieten um Großbritannien und im Mittelmeer.
- 3. 2.
Die USA brechen die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab.
- 7. 2.
Die britische Regierung verhandelt mit dem Zionistenführer
Chaim Weizmann (1874-1952) über eine jüdische Besiedlung Palästinas.
- 9. 2.
Aus Angst vor innenpolitischer Opposition werden in Rußland die
Mitglieder des Zentralen Kriegsindustriekomitees verhaftet. Kurz
darauf brechen Streiks und Unruhen unter den Industriearbeitern in
Petrograd (heute: St. Petersburg) aus.
- 14. 2.
Die Gesamtsumme der vom Reichstag seit 1914 bewilligten
Kriegskredite beläuft sich inzwischen auf 64 Milliarden Mark.
- 17. 2.
Wegen der anhaltenden Hungersnot im Deutschen Reich wird in Berlin ein
Ministerium für Lebensmittelversorgung gebildet.
- 20. 2.
Fünf-Pfennig-Münzen aus Kupfer werden für Kriegszwecke
eingezogen und durch solche aus Aluminium ersetzt.
- 23. 2.
Die Mehrheitsfraktion der SPD stimmt im Reichstag der neuen Vorlage
für Kriegskredite zu, "solange die Eroberungsziele der
Feinde bestehen".
- 24. 2.
Wegen des Kohle- und Holzmangels werden in Berlin sämtliche
Schulen geschlossen.
- 25. 2.
Deutsche Großindustrielle werfen Reichskanzler
Theobald von Bethmann Hollweg Schwäche in der Kriegführung vor und fordern seinen
Rücktritt.
- 26. 2.
Ein deutsches U-Boot versenkt den schnellsten britischen
Passagierdampfer, die "Laconia".
- März
- 2. 3.
In der deutschen Presse erscheinen Aufrufe, keine sogenannten
Jammerbriefe an die Front zu senden, um die Soldaten nicht zu
demoralisieren.
- 3. 3.
Wegen der schlechten Ernährungslage gibt die
Kriegsernährungsstelle in Dosen konserviertes Gemüse frei (1
kg pro Lebensmittelkarte).
- 8. 3.
Aufgrund des erfolglosen Kriegsverlaufs und der wirtschaftlichen
Zerrüttung kommt es in Petrograd zu ersten schweren
Zusammenstößen zwischen streikenden Arbeitern und dem
Militär.
- Tod des Luftschiffpioniers
Ferdinand Graf Zeppelin in Berlin.
- 10. 3.
Die Streiks in Petrograd weiten sich zum Generalstreik aus. Zar
Nikolaus II. befiehlt, die Demonstranten mit allen Mitteln zu bekämpfen.
- 11. 3.
Die Abgeordneten der russischen Duma (des russischen Parlaments)
weigern sich, die von Nikolaus II. verfügte Auflösung der
Duma durchzuführen. Soldaten der Petrograder Garnison
solidarisieren sich mit den streikenden Arbeitern. Beginn der
"Februarrevolution".
- 12. 3.
In Berlin sind 135 Pockenerkrankte gemeldet und zahlreiche Fälle
von Hungertyphus.
- 14. - 16. 3.
In den wichtigsten russischen Städten bilden sich Arbeiter- und
Soldatenräte.
- 15. 3.
Abdankung des Zaren Nikolaus II. zugunsten seines Bruders
Michail (1878-1918). Die russische Duma proklamiert die Bildung einer bürgerlichen Regierung unter
Georgi J. Fürst Lwow.
- 16. 3.
Mit dem Thronverzicht Michails endet die über 300jährige
Herrschaft der Romanow-Dynastie.
- 17. 3.
Rücktritt des französischen Ministerpräsidenten
Aristide Briand, da ihm keine Umbildung seines Kabinetts mit neuen Ministern gelingt.
Sein Nachfolger wird
Alexandre Ribot (1842-1923).
- 21. 3.
Die provisorische russische Regierung läßt den Ex-Zaren und
seine Familie verhaften und in Zarskoje Selo internieren.
- Administrative Trennung von Flandern und Wallonien zur Sicherung des
deutschen Einflusses nach dem Krieg.
- 22. - 24. 3.
Nachdem die neue russische Regierung die Fortführung des Kriegs
versprochen hat, wird sie von den Entente-Mächten offiziell
anerkannt.
- 31. 3.
Tod des Bakteriologen
Emil von Behring in Marburg.
- April
- 1. 4.
Im Deutschen Reich werden die Brotrationen auf 170 g pro Tag und die
Kartoffelrationen auf 2.500 g pro Woche gekürzt.
- 6. 4.
Kriegserklärung der USA an das Deutsche Reich.
- Auf einem Kongreß der sozialdemokratischen Opposition in Gotha
wird die
Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
(USPD) unter dem Vorsitz von
Hugo Haase gegründet.
- Die Russische Orthodoxe Kirche spricht sich offiziell gegen die
provisorische Regierung aus.
- Beginn der französischen Offensive an der Aisne.
- 7. 4. Aufgrund der innenpolitischen Unruhe verspricht Kaiser Wilhelm II. in
seiner "
Osterbotschaft" die Aufhebung des preußischen
Dreiklassenwahlrechts nach Kriegsende.
- 9. 4.
Mit Einverständnis und Unterstützung der deutschen Regierung
durchquert
Wladimir I. Lenin zusammen mit 30 Revolutionären aus der Schweiz kommend im Zug das
Deutsche Reich. Man verspricht sich von Lenins Rückkehr eine
Verschärfung der innenpolitischen Unruhen im Zarenreich.
- 17. 4.
In Petrograd fordert Lenin in seinen "Aprilthesen" eine
sozialistische Revolution zur Ablösung der bürgerlichen
Regierung.
- 19. 4.
Der Rückzug der deutschen Truppen bis zur
"Siegfriedstellung" ist abgeschlossen.
- 23. 4.
Bei der Konferenz in Kreuznach zur erneuten Festlegung der Kriegsziele
spricht sich Reichskanzler Bethmann Hollweg gegen Pläne der
Obersten Heeresleitung (OHL) aus, die weitgehende Annexionen in Rußland, Belgien und
Frankreich vorsehen.
- 27. 4.
In den neuerbauten Leuna-Werken bei Merseburg wird die Produktion von
Ammoniak aufgenommen.
- 30. 4.
General
Henri Philippe Pétain wird Nachfolger von
Georges Robert Nivelle (1858-1924) als Chef der französischen Nordarmee und verhindert
den drohenden Zusammenbruch durch Meutereien unzufriedener
Truppenteile.
- Mai
- 15. 5.
Reichskanzler Bethmann Hollweg hält eine programmatische Rede zur
gegenwärtigen Kriegspolitik, ohne jedoch auf die Frage der
Kriegsziele einzugehen.
- 17. 5.
Der russische Revolutionär
Leo D. Trotzki
kehrt aus dem Exil in den Vereinigten Staaten nach Rußland
zurück.
- 18. 5.
In den USA beginnt die Wehrerfassung aller Männer zwischen 21 und
30 Jahren. Drei Millionen Männer werden einberufen.
- In Absprache mit den Arbeiter- und Soldatenräten wird eine neue
russische Regierung unter Beteiligung von Sozialdemokraten gebildet.
Der Sozialrevolutionär
Alexander Kerenski
wird Kriegsminister.
- 23. 5.
Der reformfeindliche Ministerpräsident von Ungarn,
István Graf von Tisza (1861-1918), muß auf Betreiben Kaiser
Karls I. zurücktreten. Nachfolger wird
Moritz Graf Esterházy von Galántha (1881-1960), der sich besonders um eine demokratische Wahlreform bemühen
soll.
- 27.5.
Die am 6. April 1917 begonnene französische Offensive an der Aisne und in der Champagne wird nach großen Verlusten eingestellt.
- 28. 5.
Die italienische Regierung hebt in Rom 15.000 neue Carabinieri aus, um
im Fall einer Revolution die Hauptstadt schützen zu können.
Die inneren Spannungen haben sich aufgrund der hohen Verluste in den
erfolglosen
Isonzoschlachten verschärft.
- 31. 5.
Dem Chemiker Franz Fischer (1877-1948) gelingt am Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohleforschung
die Herstellung von Benzin aus Steinkohle.
- Juni
- 2. 6. - 19. 6.
Internationaler Sozialistenkongreß in Stockholm sucht nach
Möglichkeiten des Friedensschlusses. Der französische
Ministerpräsident Ribot verweigert den Sozialisten seines Landes
die Ausreise nach Stockholm.
- 3. 6.
Die deutsche Delegation trifft unter Führung von
Philipp Scheidemann in Stockholm ein.
- 7. 6.
In Berlin fordert die Reichsfrauenkonferenz der Sozialdemokraten das
Wahlrecht für Frauen.
- 12. 6.
Die alliierten Besatzungstruppen zwingen Griechenlands König
Konstantin I. (1868-1921) zur Abdankung, weil er einen Kriegseintritt gegen die
Mittelmächte ablehnt. Sein Sohn
folgt ihm als Alexander I. (1893-1920) auf den Thron.
- 15. 6.
Der amerikanische Kongreß beschließt ein
Anti-Spionage-Gesetz, das schwerste Strafen für Kriegsbehinderung
vorsieht und gegen die kriegsfeindlichen Sozialisten gerichtet ist.
- 16. 6.
In Petrograd findet der erste gesamtrussische Kongreß der
Arbeiter- und Soldatenräte statt, auf dem die Bolschewiken nur
zehn Prozent der Delegierten stellen. Lenin unterstreicht den
Führungsanspruch seiner Partei.
- 19. 6.
In Großbritannien wird das Wahlrecht für Frauen ab 30
Jahren eingeführt.
- 20. 6.
Die "Kaiser-Glocke" des Kölner Doms, die mit 543
Zentnern eine der schwersten der Welt ist, wird zur Metallverwertung
eingeschmolzen.
- 25. 6.
Der Medizinprofessor
Ferdinand Sauerbruch stellt in Wien ein operatives Verfahren vor, das
außerordentliche Beweglichkeit der
Ersatzglieder für Amputierte erlaubt.
- 26. 6.
Die erste US-Division landet bei St.-Nazaire in der Nähe von
Nantes (Bretagne).
- 27. 6.
Kriegseintritt Griechenlands auf seiten der Alliierten.
- Juli
- 6. 7.
Matthias Erzberger
(Zentrum) fordert eine Resolution für einen annexionslosen Frieden, da
keine Aussicht auf einen Sieg mehr bestehe.
- 7. 7.
Der größte deutsche Luftangriff auf London (etwa 20
Maschinen) fordert 47 Todesopfer.
- 11. 7.
Generalfeldmarschall
Paul von Hindenburg
und
Erich Ludendorff
fordern die Entlassung von Reichskanzler Bethmann Hollweg wegen dessen
Kriegszielpolitik.
- Das Preußische Staatsministerium erhält den Auftrag, eine
Vorlage zur Änderung des preußischen Dreiklassenwahlrechts
für die Zeit nach dem Krieg vorzubereiten.
- 13. 7. Reichskanzler Bethmann Hollweg reicht seinen Rücktritt ein. Sein
Nachfolger wird
Georg Michaelis.
- 16. - 18. 7.
Ein bewaffneter Massenaufstand in Petrograd gegen die Provisorische
Regierung wird niedergeschlagen. Die bolschewistischen Zeitungen
werden verboten.
- 17. 7.
Der britische König
Georg V. (1865-1936) ändert den Namen seines Hauses von
"Sachsen-Coburg-Gotha" in "Windsor".
- 19. 7.
Die auf Initiative von Erzberger eingebrachte Friedensresolution wird
mit den Stimmen der Mehrheitsparteien Zentrum,
Deutsche Fortschrittspartei und SPD angenommen, die sich zuvor im interfraktionellen
Ausschuß darüber abgestimmt haben. Die Resolution fordert
einen Verständigungsfrieden ohne Annexionen.
- 20. 7.
Die russische Provisorische Regierung besetzt das von
Josef W. Stalin geleitete Pressebüro des Parteiorgans der Bolschewiken
"Prawda".
- 21. 7.
Fürst Lwow tritt als Ministerpräsident der russischen
Provisorischen Regierung zurück. Sein Nachfolger wird der Kriegs-
und Marineminister Kerenski.
- 24. 7.
Nach der Niederschlagung des Putschversuchs flieht Lenin nach
Finnland.
- 31. 7.
Winston Churchill wird zum Rüstungsminister im Kabinett des britischen
Ministerpräsidenten
David Lloyd George ernannt.
- August
- 1. 8.
In einer Friedensbotschaft verlangt Papst Benedikt XV. (1851-1922) einen Frieden ohne Annexionen. Während der Vorschlag
im kriegsmüden Italien große Zustimmung findet, lehnen das
Deutsche Reich und die Entente ihn ab, weil sie inmitten heftiger
Kriegszieldiskussionen stehen.
- 2. 8.
Friedensdemonstrationen von etwa 400 Matrosen in Wilhelmshaven.
- 5. 8.
Meutereien in der deutschen Hochseeflotte. Die Anführer werden
verhaftet.
- 14. 8.
Kriegserklärung Chinas an Österreich-Ungarn.
- 20. 8.
Tod des Chemikers
Adolf Ritter von Baeyer (1835-1917) in Starnberg.
- Der britische Staatssekretär für Indien stützt die
Unabhängigkeitsbewegung und kündigt eine schrittweise
Dekolonisierung an.
- 21. - 25. 8.
In Turin können ein revolutionärer Aufstand und
Generalstreik wegen des Brotmangels nur mit Hilfe zusätzlicher
Truppen unterdrückt werden, da auch Teile der Armee rebellieren.
- 25. 8.
Fünf Anführer des Matrosenaufstandes der deutschen
Hochseeflotte werden zum Tode verurteilt. Der Oberbefehlshaber der deutschen Flotte, Admiral Reinhard Scheer (1863-1928), wandelt drei der Todesurteile in Haftstrafen um, besteht jedoch auf der Erschießung der beiden Heizer Max Reichpietsch (1894-1917) und Albin Köbis (1892-1917). Beide Matrosen waren Hauptredner bei Protestversammlungen der Hochseeflotte.
- September
- 2. 9.
Gründung der
Deutschen Vaterlandspartei in Königsberg unter dem Vorsitz von Admiral
Alfred von Tirpitz
und dem ostpreußischen Generallandschaftsdirektor
Wolfgang Kapp.
- 3. 9.
Einnahme von Riga durch die 8. deutsche Armee.
- 7. 9.
Nach dem Austritt der Sozialisten aus seiner Regierung erklärt
der französische Ministerpräsident Ribot seinen
Rücktritt. Neuer Ministerpräsident wird der bisherige
Kriegsminister
Paul Painlevé (1863-1933).
- 14. 9.
Der russische Ministerpräsident Kerenski proklamiert die Republik
und beruft eine neue fünfköpfige Regierung.
- 20. 9.
An den deutschen Hochschulen haben die Studentinnen einen Anteil von
34,8 Prozent. Im letzten Vorkriegsjahr waren es 6,7 Prozent.
- 21. 9.
Der Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat wählt ein
bolschewistisches Präsidium unter Leitung von Trotzki.
- 24. 9.
Die neugegründete Deutsche Vaterlandspartei fordert auf ihrer
ersten Großkundgebung in Berlin einen unbedingten
"Siegfrieden".
- 26. 9.
Tod des französischen Malers
Edgar Degas in Paris.
- 28. 9.
Der Zentrumspolitiker
Konrad Adenauer wird neuer Oberbürgermeister von Köln.
- Oktober
- 6. 10.
Im Reichstag kommt es zu schweren Auseinandersetzungen über die
vaterländische Propaganda des
Alldeutschen Verbands und der Vaterlandspartei.
- Die US-Regierung übernimmt per Gesetz die Kontrolle über den
Außenhandel.
- 12. - 20. 10.
Eroberung der strategisch wichtigen Inseln Ösel, Dagö und
Moon in der Rigaer Bucht durch deutsche Truppen.
- 15. 10.
Mata Hari wird wegen angeblicher
Spionagetätigkeit in Vincennes bei Paris hingerichtet.
- Tod des Schriftstellers
Walter Flex (gefallen bei Ösel).
- 19. - 23. 10.
Das russische Parlament wird aufgelöst. Das neue republikanische
Vorparlament wird von den Bolschewiken boykottiert. Lenin
beschließt in der ZK-Sitzung der Bolschewiken den bewaffneten
Aufstand gegen die Regierung Kerenski.
- 22. 10.
Die Mehrheitsparteien entziehen Reichskanzler Michaelis wegen seiner
eigenwilligen Interpretation der Friedensresolution, seines scharfen
Vorgehens gegen die USPD sowie wegen seiner Ablehnung einer Reform des
Dreiklassenwahlrechts das Vertrauen.
- 24. - 30. 10.
Die Offensive der Mittelmächte am Isonzo führt zum
Zusammenbruch der italienischen Front und zur Eroberung der Provinz
Friaul-Julisch-Venetien. Große Teile der italienischen Armee
werden gefangengenommen oder lösen sich auf. Großbritannien
und Frankreich raten zum Kriegsaustritt Italiens.
Ministerpräsident Paolo Boselli (1838-1932) erklärt daraufhin seinen Rücktritt, neuer Regierungschef wird
der bisherige Innenminister
Vittorio Orlando (1860-1952).
- 26. 10. Die irische Nationalpartei Sinn Féin fordert die
Unabhängigkeit der Republik Irland und bewaffnet weiter die
illegale Revolutionsarmee.
- 31. 10. Reichskanzler Michaelis tritt zurück.
- November
- 1. 11.
Kaiser Wilhelm II. ernennt den bayerischen Ministerpräsidenten
Georg Graf von Hertling zum neuen Reichskanzler.
- 2. 11.
Der britische Außenminister
Arthur James Earl of Balfour verspricht den Juden ein "national home" in Palästina.
Die "Balfour-Deklaration" wird in Deutschland von
rechtsgerichteten Kreisen als Bündnis Großbritanniens mit
den Zionisten zu antisemitischer Agitation genutzt.
- 5. 11.
Die deutsch-österreichische Kriegszielkonferenz in Berlin
beschließt die Vereinigung des russischen Teil Polens und
Galiziens mit dem Königreich Polen sowie die Angliederung von
Litauen und Kurland an das Deutsche Reich.
- Die russische Regierung befiehlt die Besetzung bolschewistischer
Zeitungsbüros und löst damit den bewaffneten Aufstand der
Bolschewiken aus.
- 7. 11.
(25. 10. nach russischer Zeitrechnung) Besetzung strategisch wichtiger
Punkte in Petrograd durch die Roten Garden der Bolschewiken. Der
Winterpalast, der Sitz der Provisorischen Regierung in Petrograd, wird
belagert ("Oktoberrevolution").
- 8. 11.
Bolschewistische Truppen stürmen den Winterpalast und verhaften
die Regierungsmitglieder. Ministerpräsident Kerenski flieht zu
den Truppen an der Nordfront. Der allrussische Rätekongreß
billigt die bolschewistische Machtübernahme.
- 9. 11.
Die siegreichen Revolutionäre in Rußland bilden eine
Regierung der Volkskommissare unter dem Vorsitz von Lenin und erlassen
ein Dekret über einen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen.
- Der italienische Armeeoberbefehlshaber Graf Luigi Cadorna (1850-1928) wird abgelöst. Zur Aufrechterhaltung der Front in
Oberitalien entsenden Großbritannien und Frankreich Truppen.
- 13. 11.
Bolschewistische Truppen schlagen die Armee des abgesetzten
Ministerpräsidenten Kerenski vernichtend bei Zarskoje Selo.
- Der französische Ministerpräsident Painlevé tritt
zurück, weil er keine Akzeptanz im Parlament findet.
- 15. 11.
Tod des Soziologen
Emile Durkheim in Paris.
- 17. 11.
Georges Clemenceau wird neuer Ministerpräsident Frankreichs. Mit einer
parteiübergreifenden Regierung sichert er sich weitreichenden
Handlungsspielraum.
- Tod des Bildhauers
Auguste Rodin in Meudon.
- 20. 11.
Erster erfolgreicher Masseneinsatz von
Tanks (Panzer) durch die Briten bei
Cambrai.
- 28. 11.
Die russische Räteregierung schlägt allen
kriegführenden Parteien einen Waffenstillstand vor. Deutschland
und Österreich-Ungarn stimmen zu, die Alliierten lehnen einen
Seperatfrieden Rußlands mit den Mittelmächten ab.
- Dezember
- 4. 12.
Finnland erklärt seine Unabhängigkeit von Rußland.
- 5. 12.
In Brest-Litowsk wird ein zehntägiger Waffenstillstand zwischen
dem Deutschen Reich und Rußland vereinbart.
- 7. 12.
Kriegserklärung der Vereinigten Staaten an
Österreich-Ungarn.
- 9. 12.
Britische Soldaten rücken in Jerusalem ein und beenden die 673
Jahre währende osmanische Herrschaft.
- Vollständige Besetzung von Deutsch-Ostafrika durch britische
Truppen.
- Die Mittelmächte und Rumänien vereinbaren einen
Waffenstillstand.
- 12. 12.
Gründung des Normenausschusses der Deutschen Industrie in Berlin.
Er setzt die Deutsche Industrie Norm (DIN) fest.
- 15. 12.
Der Waffenstillstand zwischen Rußland und dem Deutschen Reich
wird bis zum 14. Januar 1918 verlängert.
- 18. 12.
Gründung der
Universum Film AG (Ufa) in Berlin als Propaganda-Instrument der OHL.
- Mit einem Verfassungszusatz wird in den USA die Prohibition
eingeführt: Herstellung, Verkauf und Transport alkoholischer
Getränke werden verboten. Die Bestimmung tritt am 19. Januar
1920 in Kraft.
- 20. 10.
Die russische Räteregierung beschließt die Gründung
der Geheimpolizei Tscheka.
- 22. 12.
Beginn der Friedensverhandlungen zwischen Rußland und den
Mittelmächten in Brest-Litowsk.
- 28. 12.
Zur Sicherung der Nachschublieferungen für den Krieg werden die
amerikanischen Eisenbahngesellschaften verstaatlicht.
- Außerdem:
- Gottfried Benn:
Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke (Lyrik)
- Lion Feuchtwanger: Der ewige Jude (Roman)
- Walter Flex:
Der Wanderer zwischen beiden Welten (Erzählung)
- Abel Gance (1889-1981): Mater dolorosa (Film)
- Thea von Harbou (1888-1954): Das indische Grabmal (Drehbuch)
- Ricarda Huch: Der Fall Deruga (Roman)
- Heinrich Mann: Die Armen (Roman)
- Hans Pfitzner (1869-1949): Palestrina (Oper)
(lw/mw)
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