1921
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Chronik
- Januar
- 2. 1.
Tod des früheren Reichskanzlers
Theobald von Bethmann Hollweg in Hohenfinow(Brandenburg).
- 13. 1.
Das Pariser Strafgericht verbietet die 1895 gegründete
marxistisch orientierte Gewerkschaft Confédération
Générale du Travail (CGT) wegen ihrer Beteiligung an
einem Eisenbahnerstreik im Vorjahr.
- 15. 1.
Gründung der "Preußischen Königspartei", die
sich für die Wiedereinführung der Monarchie einsetzt. Auf
dem Kongreß in Livorno (Ligurien) spalten sich die Kommunisten
von der Sozialistischen Partei Italiens ab.
- 16. 1.
Nach einem Mißtrauensvotum der französischen
Nationalversammlung gegen die Regierung des Georges Leygues
(1858-1933) wird der Sozialrepublikaner
Aristide Briand neuer Ministerpräsident.
- 21. 1.
Machtkampf in der NSDAP:
Adolf Hitler verzichtet auf den Vorsitz der
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei(NSDAP). Nach seiner Meinung braucht die NSDAP einen Führer mit
diktatorischen Vollmachten. Sein Amt als Propagandaleiter behält
er bei.
- 24. - 29. 1.
Die Alliierten einigen sich in Paris auf die Festsetzung der deutschen
Reparationszahlungen in Höhe von 226 Milliarden Goldmark. Die
Zahlung soll sich auf 42 Jahre erstrecken.
- Februar
- 1. 2.
Die Reichsregierung bezeichnet die von der
Entente
beschlossenen Reparationsforderungen als unerfüllbar. In
Deutschland finden Protestkundgebungen gegen die Pariser Konferenz
statt.
- 2. 2.
Uraufführung des Stücks "Orpheus und Eurydike" von
Oskar Kokoschka in Frankfurt/Main.
- 4. 2.
Tod des Schriftstellers Carl Hauptmann (1858-1921) in Schreiberhau.
- 5. 2.
Erste Massenveranstaltung der NSDAP im Münchner Zirkus Krone als
Protestkundgebung gegen den Versailler Vertrag und die Pariser
Reparationsbeschlüsse.
- 6. 2.
Premiere des Films "The Kid" von und mit
Charlie Chaplin. Es ist sein erster abendfüllender Film.
- 7. 2.
In einer Note an die Reichsregierung versichern die Alliierten,
daß die jährlichen Reparationsleistungen sich in den ersten
Jahren auf Sachleistungen beziehen, da sie den wirtschaftlichen
Wiederaufschwung im Deutschen Reich nicht behindern wollen.
- 18. 2.
Die britische Armee besetzt im Kampf gegen die irische
Unabhängigkeitsbewegung die Hauptstadt Dublin.
- 19. 2.
Frankreich und Polen schließen einen Militär- und
Wirtschaftsvertrag. Polen erhofft sich Unterstützung gegen
Sowjetrußland, Frankreich will die Isolierung des Deutschen
Reiches.
- 20. 2.
Bei den Landtagswahlen in Preußen verlieren die Parteien der
"Weimarer Koalition",
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD),
Deutsche Demokratische Partei
(DDP) und das
Zentrum deutlich an Stimmen. Gewinner sind hauptsächlich die
rechtsgerichteten Parteien.
- 21. 2. - 14. 3.
Londoner Konferenz der Alliierten zur definitiven Festlegung der
deutschen Reparationszahlungen, die bereits in Paris im Januar
erörtert wurden.
- 24. 2.
Rücktritt der beiden Vorsitzenden der
Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) Ernst F. Däumig (1866-1922) und Paul Levi (1883-1930).
Clara Zetkin und weitere Vorstandsmitglieder geben ebenfalls ihren Rücktritt
bekannt. Ausschlaggebend war der Vorwurf von
Karl Radek, Levi sei ein Anhänger der innerparteilichen Demokratie.
- 26. 2.
Gründung der Deutschen Luftpost GmbH zur Beförderung von
Personen und Post durch
Hugo Junkers in Danzig (heute: Gdansk).
- 28. 2.
Matrosenaufstand in Kronstadt bei Petrograd (heute: St. Petersburg)
gegen die bolschewistische Regierung wegen der schlechten
Versorgungslage.
- März
- 1. 3.
Erste Vollsitzung der Vertreter der Alliierten und des Deutschen
Reichs auf der Londoner Konferenz. Der Gegenvorschlag des parteilosen
deutschen Außenministers
Walter Simons (1861-1937) wird von den Alliierten ignoriert. Simons fordert den Verbleib
Oberschlesiens bei Deutschland, eine Reduzierung der
Reparationsleistungen und die Möglichkeit, einen Teil der
Forderungen durch Auslandsanleihen zu decken.
- Veröffentlichung des ersten Bands von Jaroslav Haseks (1883-1923)
Roman "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk während des
Weltkriegs" in Prag.
- 7. 3.
In London brechen die Alliierten die Verhandlungen mit dem Deutschen
Reich ab. Der deutsche Außenminister rückte nicht von
seinem Gegenvorschlag ab, obwohl der britische Premierminister
David Lloyd George als Sprecher der Alliierten mit einer Besetzung des Ruhrgebiets
drohte.
- 7./8. 3.
Nach der Ablehnung der Bedingungen der Alliierten durch die
Reichsregierung besetzen französische Truppen Düsseldorf,
Duisburg und Ruhrort.
- 8. 3.
Aufgrund der katastrophalen Versorgungslage in der Landwirtschaft
proklamiert
Wladimir I. Lenin in Sowjetrußland die Neue Ökonomische Politik (NEP), die
eine teilweise Rückkehr zu kapitalistischen Wirtschaftsmethoden
beinhaltet.
- 12. - 22. 3.
Auf der Kairoer Konferenz wird eine Lösung des Konflikts zwischen
Arabern und Juden angestrebt. Großbritannien beschränkt den
Geltungsbereich der Balfour-Deklaration auf das Gebiet westlich des
Jordans. Damit verfügen die Juden nicht mehr über das ihnen
ursprünglich zugesagte ungeteilte Palästina.
- 18. 3.
Der Friede von Riga zwischen Polen und Sowjetrußland setzt die
polnische Ostgrenze fest. Sie liegt rund 300 Kilometer östlich
der 1919 festgelegten "Curzon-Linie", erreicht jedoch nicht
die historische Grenze vor der Zeit der Ersten Teilung Polens 1772.
- Leo D. Trotzki schlägt mit der Roten Armee den Matrosenaufstand in Kronstadt
blutig nieder.
- 20. 3.
In Oberschlesien votieren fast 60 Prozent der Bevölkerung
für den Verbleib beim Deutschen Reich. Dennoch bleibt die
nationale Zugehörigkeit Oberschlesiens unklar.
- 21. 3.
Die KPD proklamiert im Mansfelder Industrierevier den Generalstreik.
Mit der "Märzaktion" soll die Republik gestürzt
werden. Es kommt zu schweren Kämpfen mit Regierungstruppen, bei
denen auf beiden Seiten 200 Menschen ums Leben kommen. Am 2. April
zieht die KPD den Streikaufruf zurück. Nach dem Aufstand treten
400.000 Mitglieder aus der Partei aus, das entspricht der Hälfte
aller Mitglieder.
- 23. 3.
Verabschiedung des im
Versailler Vertrag
vorgesehenen Wehrgesetzes mit einem Truppenabbau der Reichswehr auf
100.000 Mann. Diese Zahl hätte ursprünglich bereits ein Jahr
früher erreicht werden sollen.
- 24. 3.
In Monte Carlo beginnen die ersten olympischen Spiele der Frauen Das
Internationale Olympische Komittee (IOC) schließt Frauen
weiterhin von den Olympischen Spielen aus.
- 29. 3.
Als Reaktion auf die kommunistischen Streiks in Mitteldeutschland
werden außerordentliche Gerichte zur schnelleren Verurteilung
der festgenommenen Aufständischen eingerichtet.
- April
- 2. 4.
Die Reparationskommission in Paris bewilligt die Errichtung einer
Zollgrenze im besetzten Rheinland. Das besetzte Areal wird zu einem
eigenständigen Wirtschaftsgebiet der Alliierten.
- 11. 4.
Tod der früheren Kaiserin
Auguste Viktoria
in Doorn (Niederlande).
- 16. 4.
Kundgebungen auf dem Wiener Rathausplatz fordern den Anschluß
Österreichs an das Deutsche Reich.
- 18. 4.
Tod des Verlegers August Scherl (1849-1921) in Berlin.
- 19. 4.
Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung findet die
Beisetzung der verstorbenen Ex-Kaiserin in Potsdam statt.
- 20. 4.
Wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung und
Schädigung des Ansehens der Besatzungsmacht werden mehrere
deutsche Zeitschriften im Rheinland verboten.
- 21. 4.
Das "Korridorabkommen" zwischen Deutschland und Polen regelt
den Verkehr nach Ostpreußen.
- Die
Dada-Küstler
George Grosz,
Wieland Herzfelde
und Johannes Baader (1875-1955) werden wegen Beleidigung der Reichswehr in der Graphikmappe "Gott
mit uns" zu Geldstrafen verurteilt.
- 24. 4.
Bei einer inoffiziellen Volksabstimmung in Tirol votieren 98,8 Prozent
der Wahlbeteiligten für den Anschluß an Deutschland.
- 27. 4.
Die Reparationskommission in Paris modifiziert die
Zahlungsforderungen. Vom Deutschen Reich sollen 132 Milliarden
Goldmark in 66 Jahresraten von je 2 Milliarden Goldmark gezahlt
werden.
- Mai
- 2. 5.
Entgegen dem Ergebnis der Volksabstimmung vom 20. März fordern
polnische Aufständische in Oberschlesien die Angliederung
Oberschlesiens an Polen. Frankreich unterstützt die
Aufständischen, England duldet die Bildung von deutschen
Freiwilligentruppen.
- 4. 5.
Rücktritt der Regierung unter
Konstantin Fehrenbach (Zentrum), da sie die Verantwortung für die Erfüllung der
alliierten Zahlungsforderungen nicht übernehmen kann.
- 5. 5.
Sechs-Tage-Ultimatum an das Deutsche Reich zur Annahme des
"Londoner Zahlungsplans". Die Alliierten drohen mit der
Besetzung des gesamten Ruhrgebiets.
- 6. 5.
Der Abschluß eines Handelsvertrags zwischen dem Deutschen Reich
und Sowjetrußland bedeutet die diplomatische Anerkennung der
Sowjetregierung.
- 10. 5.
Joseph Wirth (Zentrum) bildet ein neues
Reichskabinett mit den Parteien der Weimarer Koalition (SPD, DDP und Zentrum).
- 11. 5.
Der Reichstag nimmt mit 220 zu 172 Stimmen den Londoner Zahlungsplan
bedingungslos an. Die Reichsregierung befürchtet bei
fortgesetztem Widerstand den Verlust der britischen Unterstützung
in Oberschlesien. Beginn der "Erfüllungspolitik": Man
will die Auflagen erfüllen, um ihre Unerfüllbarkeit zu
zeigen.
- 15. 5.
Durch Absprache mit dem italienischen Ministerpräsidenten
Giovanni Giolitti erhalten die Faschisten bei den Parlamentswahlen in Italien 35
Mandate.
- 22. 5.
Erstes Automobilbahnrennen nach dem
Ersten Weltkrieg
auf der Opel-Bahn in Rüsselsheim.
- 23. 5.
Deutsche Freikorps erobern die stärkste Befestigung der Polen in
Oberschlesien, den Annaberg.
- 29. 5.
Nach dem Plebiszit in Tirol stimmen inoffiziell auch in Salzburg 99,5
Prozent für den Anschluß an Deutschland. Die Alliierten
drohen mit Streichung aller Hilfsprogramme, falls die
Anschlußdebatte nicht beendet werde.
- 30. 5.
Der Direktor der
Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft
(AEG),
Walther Rathenau (DDP), wird Wiederaufbauminister im Kabinett Wirth.
- Juni
- 1. 6.
Wegen ihrer "Erfüllungspolitik" wird die
Reichsregierung von den rechten Parteien im Reichstag stark
kritisiert.
- 7. 6.
Eröffnung des ersten nordirischen Parlaments in Belfast.
- 8. 6.
Verteidigungsabkommen zwischen dem Königreich der Serben, Kroaten
und Slowenen (ab 1929: Jugoslawien), der Tschechoslowakei und
Rumänien. Das Bündnis soll ungarischen
Gebietsansprüchen entgegenwirken.
- 9. 6.
Ermordung des Führers der
Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) Karl Gareis (1890-1921) im Schwarzwald. Trotz starker
Verdachtsmomente gegen einen Angehörigen der rechtsradikalen
Organisation "Consul" wird kein Täter ermittelt.
- 11. 6.
Die Alliierten entsenden britische Einheiten zur Beilegung der
Kämpfe in Oberschlesien.
- 12. 6.
Mit einem 5:0-Sieg gegen Vorwärts Berlin wird der 1. FC
Nürnberg Deutscher Fußballmeister.
- 14. 6.
Die britischen Truppen in Oberschlesien stellen ihre
Vermittlungstätigkeiten ein, da von deutscher Seite die Anweisung
zur Räumung der besetzten Gebiete nicht befolgt wird.
- 22. 6.
Der finnische Sportler Paavo Nurmi (1897-1973) läuft mit 30:40,2
Minuten einen neuen Weltrekord über 10.000 Meter.
- 24. 6.
Einigung zwischen der Reichsregierung und den Alliierten über die
Räumung Oberschlesiens. Der deutsche Selbstschutz soll
aufgelöst werden, wenn sich die polnischen Truppen hinter die
deutsch-polnische Grenze zurückziehen.
- 25. 6.
Auf einem Kongreß berichtet der Chemiker Friedrich Bergius
(1884-1949) über Erfolge bei der Kohleverflüssigung zur
Gewinnung von Öl.
- Juli
- 1. 7.
Gründung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Zu den
zwölf Gründungsmitgliedern gehört auch der Lehrer
Mao Tse-tung.
- 2. 7.
In einem als "Boxkampf des Jahrhunderts" bezeichneten Kampf
verteidigt der Amerikaner Jack Dempsey (1894-1984) seinen
Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen den Franzosen Georges
Carpentier (1894-1975) vor 120.000 Zuschauern durch einen K. o. in der
vierten Runde.
- 3. 7.
Uraufführung des Einakters "Das Nusch-Nuschi" von
Paul Hindemith in Stuttgart.
- 11. 7.
Waffenstillstand in Nordirland zur Vorbereitung von Verhandlungen
zwischen der britischen Regierung und der irischen
Unabhängigkeitsbewegung.
- 24. 7.
In Les Mans wird nach Ende des Ersten Weltkriegs der erste Große
Preis des französischen Automobilclubs ausgetragen.
- 27. 7.
Den kanadischen Biochemikern Frederick Banting (1891-1941) und Charles
Best (1899-1978) gelingt die Isolierung des
Bauchspeicheldrüsenhormons Insulin. Damit existiert ein
Heilungsmittel für Patienten, die bei einem Mangel dieses Hormons
bisher im diabetischen Koma starben.
- 29. 7.
Auf einer Mitgliederversammlung der NSDAP wird Hitler zum
Parteivorsitzenden als Nachfolger von
Anton Drexler
gewählt. Hitler erhält diktatorische Machtbefugnisse und
propagiert die revolutionäre Durchsetzung der politischen Ziele
auch mit Gewalt.
- 30. 7.
Erste Landung eines Flugzeugs auf dem Montblanc (300 Meter unterhalb
des 4.807 Meter hohen Gipfels).
- August
- 2. 8.
Tod des italienischen Operntenors Enrico Caruso (1873-1921) in Neapel.
- 3. 8.
Auf Initiative Hitlers wird der NSDAP-Versammlungsschutz in eine
paramilitärische Kampforganisation umgewandelt. Im November 1921
erfolgt die Umbenennung in
Sturmabteilung
(SA).
- 7. 8.
Tod des russischen Dichters Alexander Blok (1880-1921) in Petrograd
(heute: St. Petersburg).
- 12. 8.
Der Oberste Rat der Alliierten beschließt die Aufhebung der
Zölle für das besetzte Rheinland zum 15. September, falls
das Deutsche Reich bis zum 31. August die Reparationszahlung von 1
Milliarde Goldmark leistet.
- 15. 8.
Dramatischer Kursverfall der deutschen Mark an der Frankfurter
Devisenbörse. Die Reichsbank hatte Deviseneinkäufe
getätigt, die den Wert der Goldreserven des Reichs
überstiegen. Der Wert des US-Dollars steigt auf 88 Mark.
- 24. 8.
Eröffnung des Turmteleskops der Einstein-Stiftung (Einsteinturm)
auf dem Telegraphenberg in Potsdam. In dem von
Erich Mendelsohn entworfenen Turm soll die Relativitätstheorie von
Albert Einstein überprüft werden.
- 24./25. 8.
Unterzeichnung der Friedensverträge zwischen den USA und dem
Deutschen Reich bzw. Österreich. Die Verträge legen
Reparationszahlungen fest, verzichten jedoch auf die Klärung der
Kriegsschuldfrage.
- 26. 8.
Tödliches Attentat auf
Matthias Erzberger
(Zentrum) in Bad Griesbach (Schwarzwald) durch
Heinrich Schulz
und Heinrich Tillessen, Angehörige der rechtsradikalen Organisation "Consul".
Erzberger hatte zuvor seine Rückkehr in die Politik
angekündigt und die Politik des Ausgleichs mit den alliierten
Staaten begrüßt.
- Tod des Schriftstellers Ludwig Thoma (1867-1921) in Rottach am
Tegernsee.
- 28. 8. - 7. 9.
Erster internationaler Anthroposophen-Kongreß in Stuttgart.
- 29. 8.
Als Reaktion auf die Ermordung Erzbergers verhängt
Reichspräsident
Friedrich Ebert den Ausnahmezustand. Unter Anwendung des
Artikels 48 der Reichsverfassung werden Presse- und Versammlungsfreiheit
eingeschränkt. Starke nationalsozialistische Agitationen in
München.
- 31. 8.
Am Tag der Beisetzung Erzbergers finden im ganzen Reich
Protestdemonstrationen gegen den Rechtsradikalismus statt.
- September
- 7. 9.
Bei einer Unterredung mit Reichskanzler Wirth fordert eine Delegation
der
Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) die Aufhebung des Ausnahmezustands und legt Beschwerde gegen
die "allgemeine Hetze gegen rechts" ein.
- 17. 9.
Tod des Politikers
Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld in Schloß Liebenberg bei Templin (Brandenburg).
- In München findet erstmals nach dem Weltkrieg das seit 1811
gefeierte Oktoberfest statt.
- 19. 9.
Eröffnung der ersten deutschen Autorennstrecke, der Automobil-,
Verkehrs- und Übungsstraße (AVUS) in Berlin.
- 23. 9.
Verabschiedung des Görlitzer Programms der SPD: Die
Sozialdemokraten verstehen sich als "Partei des arbeitenden
Volkes" und als "Kampfgemeinschaft für Demokratie und
Sozialismus". Mit der Befürwortung einer möglichen
Koalition mit der
Deutschen Volkspartei
(DVP) vollzieht die SPD eine Wendung zur rechtsbürgerlichen
Mitte.
- 24. 9.
Erstes Autorennen auf der AVUS zwischen Berlin und Wannsee.
- 26. 9.
Eduard Benes (1884-1948) wird Ministerpräsident der
Tschechoslowakei.
- 27. 9.
Tod des deutschen Komponisten Engelbert Humperdinck
(1854-1921) in Neustrelitz. (Mecklenburg-Vorpommern).
- 30. 9.
Die Alliierten heben die über Düsseldorf, Duisburg und
Ruhrort verhängten Sanktionen auf, da Deutschland seinen
Zahlungsverpflichtungen nachgekommen ist.
- Oktober
- 5. 10.
Gründung des internationalen Schriftstellerverbands "Poets,
Essayists, Novelists" (PEN) in London. John Galsworthy
(1867-1933), der Autor der "Forsyte Saga", wird zum ersten
Präsidenten gewählt.
- 6. 10.
Abschluß des "Wiesbadener Abkommens":
Wiederaufbauminister Rathenau und der französische Politiker
Louis Loucheur (1872-1931) vereinbaren die Begleichung eines Teils
der Reparationszahlungen in Sachlieferungen.
- Uraufführung des Films "Der müde Tod" von
Fritz Lang mit Lil Dagover. Der Film wird als Vorreiter für die
Erneuerung des deutschen Kinos gefeiert.
- 12. 10.
Der Völkerbundrat in Genf empfiehlt die Teilung Oberschlesiens.
Die Empfehlung steht im Gegensatz zum Votum der Bevölkerung vom
März 1921 und wird mit einer zahlenmäßigen
Überlegenheit der polnischsprachigen Bevölkerung in den
meisten Städten des Gebiets begründet.
- 18. 10.
Tod des letzten bayerischen Königs Ludwig III. (1845-1921) in
Sárvár (Ungarn).
- 20. 10.
Die Völkerbundskommission kommt der Empfehlung des
Völkerbundrats nach und beschließt die Teilung des
Abstimmungsgebiets in Oberschlesien zwischen Deutschland und Polen mit
einer für Deutschland ungünstigen Grenzziehung. Das
ostoberschlesische Industriegebiet mit rund einer Million Einwohnern
fällt an Polen.
- 21. 10.
Karl I. versucht mit einem Staatsstreich, die Macht in Ungarn
zurückzugewinnen: Er proklamiert sich zum König und ernennt
eine Regierung. Am Widerstand des Reichsverwesers Miklós Horthy
(1868-1957) scheitert der Putsch, wenig später folgt die
Ausweisung Karls I. aus Ungarn.
- 22. 10.
Aus Protest gegen die Teilung Oberschlesiens tritt die Regierung Wirth
zurück.
- Uraufführung des Films "Das indische Grabmahl" mit
Conradt Veidt (1893-1943) in Berlin.
- 26. 10.
Wirth kommt dem Ersuchen des Reichspräsidenten Ebert (SPD) nach
und bildet eine neue Regierung unter abermaliger Beteiligung des
Zentrum, der SPD und der DDP. Er befürwortet die
"Erfüllungspolitik" auch weiterhin.
- November
- 1. 11.
Rücktritt der Minderheitsregierung in Preußen von Zentrum
und DDP nach fehlgeschlagenen Koalitionsverhandlungen über eine
Erweiterung der Regierungsmehrheit.
- 3. 11.
Weitere Entwertung der deutschen Mark an den internationalen
Devisenbörsen. In New York wird der US-Dollar mit 209 Mark
gehandelt.
- 4. 11.
Der NSDAP-Versammlungsschutz wird in "Sturmabteilung" (SA)
umbenannt.
- 5. 11.
Bildung einer großen Koalition aus SPD, DDP, Zentrum und DVP in
Preußen unter Ministerpräsident
Otto Braun (SPD). Preußischer Innenminister wird
Carl Severing (SPD).
- 7. 11.
Auf Veranlassung
Benito Mussolinis
wandelt sich die faschistische "Bewegung" in eine Partei,
den Partito Nazionale Fascista (PNF). Damit wird die
Führungsrolle Mussolinis unter den Faschisten deutlich
gestärkt.
- 12. 11. 1921 - 6. 2. 1922
Washingtoner Abrüstungskonferenz zur Begrenzung des Flottenbaus.
- 24. 11.
Der französische Ministerpräsident Briand verläßt
die Washingtoner Abrüstungskonferenz: Wegen der weiterhin von
Deutschland und Sowjetrußland ausgehenden militärischen
Bedrohung werde Frankreich sich nicht an einer Abrüstung
beteiligen.
- Dezember
- 6. 12.
Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der britischen Regierung und
der irischen Unabhängigkeitsbewegung Sinn Féin: Irland
wird mit Ausnahme der Provinz Ulster zum Freistaat im britischen
Königreich erklärt.
- 10. 12.
Einstein erhält den Nobelpreis für seine Arbeiten auf dem Gebiet der
theoretischen Physik.
- 15. 12.
Konstantin Freiherr von Neurath
wird deutscher Botschafter in Rom.
- 16. 12.
Tod des französischen Komponisten Camille Saint-Saëns
(1835-1921) in Algier.
- 17. 12.
Tod des Politikers Clemens von Delbrück (1856-1921)
(DNVP) in Jena.
- 21. 12.
Das Reichsgericht in Leipzig verurteilt nur einen der Hauptbeteiligten
am
Lüttwitz-Kapp-Putsch zu fünf Jahren Festungshaft.
- 22. 12.
Der US-Kongreß bewilligt 20 Millionen Dollar für
Hilfsaktionen gegen die Hungersnot in Sowjetrußland.
- 23. 12.
Reichspräsident Ebert hebt die "Verordnung zum Schutze der
Republik" auf. Damit ist der Ausnahmezustand beendet.
- Außerdem
- Nicolaus Hartmann: Grundzüge einer Metaphysik der Erkenntnis (Philosophische
Abhandlung)
- Hugo von Hofmannsthal: Der Schwierige (Roman)
- Ricarda Huch: Entpersönlichung (Roman)
- Carl Gustav Jung (1875-1961): Psychologische Typen (Psychologische
Abhandlung)
- Buster Keaton (1895-1966): Paleface (Film)
- Ernst Kretschmer (1888-1964): Körperbau und Charakter (Psychologische Abhandlung)
- Ernst Lubitsch: Anna Boleyn (Film)
- Luigi Pirandello (1867-1936): Sechs Personen suchen einen Autor (Drama)
- Sergej Prokofjew: Die Liebe zu den drei Orangen (Oper)
- Bertrand Russell (1872-1970): Analyse des Denkens (Philosophische
Abhandlung)
- Max Scheler (1874-1928): Vom Ewigen im Menschen (Philosophische
Abhandlung)
- Jakob Wassermann (1873-1934): Mein Weg als Deutscher und Jude
(Autobiographie)
(se/lw/mw)
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