1924
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Chronik
- Januar
- 10. 1.
Die alliierte Militärkontrollkommission nimmt ihre nach der
Ruhrbesetzung unterbrochene Tätigkeit wieder auf. Sie
kontrolliert die Einhaltung der Versailler
Abrüstungsbestimmungen.
- 14. 1.
In Paris tritt das erste internationale Sachverständigenkomitee
unter Leitung des amerikanischen Finanzsachverständigen
Charles G. Dawes zusammen. Es soll die deutsche Währungssituation begutachten und
eine Neuregelung der Reparationsleistungen erarbeiten.
- 17. 1.
Die Aufführung des pazifistischen Stücks
"Hinkemann" von
Ernst Toller in Dresden wird von Nationalsozialisten erheblich gestört. Die
folgenden Aufführungen in Wien und Berlin finden unter
Polizeischutz statt.
- 21. 1.
Tod des Gründers und Regierungschefs der Sowjetunion,
Wladimir I. Lenin, in Gorki (bei Moskau).
Josef W. Stalin,
Grigori Sinowjew (1883-1936) und Leo Kamenew (1883-1936)
übernehmen die Führung der Partei. Sie hatten schon
während Lenins Krankheit die Regierungsgeschäfte
übernommen.
- 22. 1.
Der Oberbürgermeister von Köln,
Konrad Adenauer (Zentrum), wird zum Präsidenten des Preußischen Staatsrats
gewählt.
- 23. 1.
Erstmals in der britischen Geschichte bildet die Labour Party die
Regierung. Premierminister wird
James Ramsey MacDonald
(1866-1937).
- 25. 1 - 4. 2.
Erste Olympische Winterspiele in Chamonix (Frankreich). Deutsche
Sportler sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
- 25. 1.
Frankreich und die Tschechoslowakei schließen in Paris einen
Bündnis- und Freundschaftsvertrag.
- 26. 1.
Zu Ehren des verstorbenen sowjetischen Regierungschefs wird die Stadt
Petrograd in Leningrad umbenannt (heute: St. Petersburg).
- 27. 1.
Beisetzung Lenins im Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau.
- Freundschaftsvertrag zwischen Italien und Jugoslawien. Die von
Italien beanspruchte Stadt Fiume (heute: Rijeka) kommt zu Italien.
- Februar
- 2. 2.
Die britische Labour-Regierung erkennt die Sowjetunion an und beendet
damit deren politische Isolation. Zuvor bestanden nur zu dem ebenfalls
isolierten Deutschen Reich durch den
Vertrag von Rapallo diplomatische Beziehungen.
- 3. 2.
Tod des ehemaligen US-Präsidenten
Woodrow Wilson in Washington.
- 15. 2.
Mit einem Dekret zur Währungsstabilisierung gelingt es der
sowjetischen Regierung, die Inflation in Sowjetrußland
einzudämmen.
- 12. 2.
Uraufführung der "Rhapsody in Blue" von
George Gershwin in New York.
- 14. 2.
Uraufführung des ersten Teils von
Fritz Langs Filmepos "Die Nibelungen: Siegfried".
- 16. 2.
Ein Berliner Landgericht verurteilt
George Grosz
wegen der Veröffentlichung seiner satirischen Graphikmappe
"Ecce Homo" zu 6.000 Mark Strafe. Nach Ansicht des Gerichts
verletzen die Graphiken die öffentliche Moral.
- 17. 2.
Der amerikanische Sportler
Johnny Weissmuller
(1904-1984) schwimmt mit 57,4 Sekunden eine neue Weltrekordzeit
über 100 m Freistil.
- 22. 2.
In Magdeburg gründet sich der sozialdemokratische Kampfverband
Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Das Reichsbanner will die Republik und ihre Institutionen gegen die Kampfbünde der politischen Rechten und Linken schützen.
- 26. 2.
Beginn des Hochverratsprozesses gegen
Adolf Hitler,
Erich Ludendorff
und weitere am "
Hitler-Putsch" vom 8./9. November 1923 beteiligte Personen in München.
- 28. 2.
Reichspräsident
Friedrich Ebert hebt den am 26. September 1923 verhängten Ausnahmezustand auf.
- Uraufführung der Operette "Gräfin Mariza" von
Emmerich Kálmán in Wien.
- März
- 3. 3.
Die türkische Nationalversammlung beschließt die
Abschaffung des Kalifats und verweist alle Mitglieder der osmanischen
Dynastie des Landes. Ferner werden alle geistlichen Schulen
geschlossen und Gerichte aufgehoben.
- 13. 3.
Auf Antrag von Reichskanzler
Wilhelm Marx
(Zentrum) löst Reichspräsident Ebert den Reichstag wegen der
Kritik der oppositionellen Reichstagsmehrheit an den Notverordnungen
der Regierung vorzeitig auf. Marx will damit eine Abstimmung über
die Notverordnungen mit einschneidenden Wirtschafts-, Finanz- und
Sozialreformen verhindern.
- 16. 3.
Der italienische Dichter und Nationalist
Gabriele D'Annunzio, der nach Kriegsende 1919/20 die Stadt Fiume besetzt hatte,
erhält dafür von König
Viktor Emanuel III.
den erblichen Titel eines "Fürsten von Nevoso".
- 21. 3.
Nach Abschluß der Beweisaufnahme beginnen im Hitlerprozeß
die Plädoyers. Die Staatsanwaltschaft beantragt acht Jahre
Festungshaft für Hitler wegen Hochverrats. Hitler nutzt den
Prozeß als Forum für seine antirepublikanische Agitation.
Als einziger der Angeklagten bekennt er sich offen zum beabsichtigten
Regierungsumsturz. Im völkisch-antisemitischen Milieu trägt
ihm das wachsende Anerkennung ein.
- 24. 3.
Das US-Repräsentantenhaus bewilligt 10 Millionen Dollar zum
Ankauf von Lebensmitteln für notleidende deutsche Frauen und
Kinder.
- 25. 3.
In Griechenland proklamiert die Nationalversammlung die Republik:
König
Georg II.
(1890-1947) verläßt das Land.
- 27. 3.
Beim Prozeß zum Hitler-Putsch sprechen die Angeklagten
persönliche Schlußworte. Hitler nutzt auch diese
Gelegenheit zu einer nationalsozialistischen Propagandarede.
- 29. 3.
In Frankreich wird ein neues Kabinett unter Ministerpräsident
Raymond Poincaré ernannt.
- April
- 1. 4.
Im Hitlerprozeß verkündet das Münchner Volksgericht
milde Urteile: Hitler und drei weitere Angeklagte werden zu einer
Mindeststrafe von je fünf Jahren Festungshaft verurteilt.
Ludendorff wird freigesprochen. Die verhängten Haftstrafen werden
vorzeitig erlassen.
- 4. 4.
Beim bayerischen Justizministerium geht ein Gesuch mit 24.000
Unterschriften auf sofortigen Straferlaß für die beim
Hitlerprozeß verurteilten Personen ein.
- 6. 4.
Bei den Landtagswahlen in Bayern erleidet die regierende
Mitte-Rechts-Koalition aus
Bayerischer Volkspartei (BVP) und
Deutschnationaler Volkspartei (DNVP) eine deutliche Niederlage. Der rechtsradikale Völkische
Block als Nachfolgeorganisation der verbotenen
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei
(NSDAP) erzielt mit 17,1 Prozent der Stimmen einen sensationellen
Erfolg.
- Die Parlamentswahlen in Italien bringen den Faschisten 65 Prozent der
Stimmen und 365 Mandate. Die übrigen Parteien kommen zusammen nur
auf 147 Abgeordnete.
- 7. 4.
Errichtung der Golddiskontbank im Deutschen Reich.
- 9. 4.
Das Dawes-Komitee in Paris veröffentlicht ein Gutachten zur
Regelung der deutschen Reparationen (
Dawes-Plan
). Unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands
bestimmt es die Zahlungsanweisungen, legt jedoch nicht die
endgültige Höhe und Dauer der Zahlungen fest. Deutschland
erhält einen Kredit von 800 Millionen Mark, um die Zahlungen
überhaupt in Gang setzen zu können.
- 10. 4.
Tod des Großindustriellen
Hugo Stinnes
in Berlin.
- 14. 4.
Die Reichsregierung befürwortet den Dawes-Plan als
"praktische Grundlage für die schnelle Lösung des
Reparationsproblems".
- 20. 4.
Hitler erhält an seinem 35. Geburtstag Tausende von
Glückwunschsendungen.
- 21. 4.
Während einer Gastspielreise stirbt die weltberühmte
italienische Schauspielerin Eleonora Duse (1858-1924) in Pittsburgh
(Pennsylvania/USA).
- 23. 4.
Tod des Politikers
Karl Helfferich bei einem Eisenbahnunglück in Bellinzona im Tessin (Schweiz).
- 25. 4.
Den Empfehlungen der Reparationskommission folgend, akzeptieren die
Regierungen von Großbritannien, Frankreich, Italien und Belgien
den Dawes-Plan.
- Mai
- 2. 5.
Der sowjetische Maler
Kasimir S. Malewitsch
(1878-1935) veröffentlicht ein "Suprematistisches
Manifest", in dem er die gegenstandslose Kunst propagiert.
- 4. 5.
Bei den
Reichstagswahlen
müssen die bürgerlichen Parteien der Mitte -
Deutsche Volkspartei
(DVP), Zentrum,
Deutsche Demokratische Partei (DDP) - und die SPD schwere Verluste hinnehmen. Die Sozialdemokraten
werden wieder stärkste Fraktion.Da die bisherige Regierung aus
DDP, DVP und Zentrum nur noch über 30 Prozent der Mandate
verfügt, nimmt sie Koalitionsverhandlungen mit der DNVP auf.
- 9. 5.
Uraufführung der Oper "Schlagobers" von
Richard Strauss in Wien.
- 10. 5.
Uraufführung des zweiten Teils von Langs Filmepos "Die
Nibelungen: Kriemhilds Rache".
- 19. 5.
Gründung der Deutschen Industriellen-Vereinigung in Berlin.
- 23. - 31. 5.
Auf dem XIII. Parteitag der Kommunistischen Partei Rußlands wird
Stalin als Generalsekretär bestätigt. Die Warnung des verstorbenen
Lenin, der in seinem "Brief an den Parteitag" vom 4. Januar
1923 die Absetzung Stalins gefordert hatte, bleibt ungehört.
Stalin greift die innerparteiliche Opposition um Leo D. Trotzki scharf
an. Trotzki ist Stalins Rivale und Konkurrent um die Nachfolge Lenins.
- 26. 5.
Die Koalitionsverhandlungen mit der DNVP scheitern an der ablehnenden
Haltung der Deutschnationalen zum Dawes-Plans. Das Kabinett Marx tritt zurück.
- Juni
- 1. 6.
Wegen der Wahlniederlage seines Nationalen Blocks tritt der
französische Ministerpräsident Poincaré erneut
zurück.
- 2. 6.
Den Ureinwohnern in den Vereinigten Staaten werden die vollen
Bürgerrechte zugesprochen.
- 3. 6.
Der Zentrumspolitiker Marx bildet eine neue Reichsregierung in gleicher
Besetzung wie vor den Reichstagswahlen.
- Tod des österreichischen Schriftstellers
Franz Kafka in Kierling bei Wien.
- 6. 6.
Mit den Stimmen der oppositionellen
Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) lehnt der Reichstag einen Mißtrauensantrag der DNVP gegen
die Regierung Marx ab.
- 9. 6.
Der 1. FC Nürnberg wird mit einem 2:0-Sieg über den Hamburger
SV Deutscher Fußballmeister.
- Das Endspiel im vorgezogenen Olympischen Fußballturnier in Paris
zwischen Uruguay und der Schweiz endet 3:0.
- 10. 6.
Der französische Staatspräsident
Alexandre Millerand
(1859-1943)tritt zurück. Die Linksparteien weigerten sich, unter
einem konservativen Präsidenten zu regieren.
- In Italien wird der Generalsekretär der Sozialistischen Partei,
Giacomo Matteotti
(1885-1924), von Faschisten entführt und ermordet. Obwohl Italiens
Ministerpräsident
Benito Mussolini das Verbrechen öffentlich verurteilt, bringt die scharfe Kritik
der Opposition die faschistische Regierung in eine akute Krise.
- 13. 6.
Gaston Doumergue
(1863-1937) wird neuer französischer Staatspräsident.
- In Berlin stellt sich die "Rote Gruppe", eine Vereinigung
kommunistischer Künstler, der Öffentlichkeit vor. Zum
Vorsitzenden wird Grosz gewählt. Sekretär der Gruppe ist
John Heartfield.
- 15. 6.
In Frankreich bildet der Radikalsozialist
Édouard Herriot
(1872-1957) eine neue Regierung.
- Die nichtfaschistischen Abgeordneten des italienischen Parlaments
fordern ultimativ die Aufklärung des Matteotti-Mordes und ein
Ende der faschistischen Gewalt. Der unter Druck stehende Mussolini
steht kurz vor dem Rücktritt.
- 19. 6.
Der finnische Sportler
Paavo Nurmi
(1897-1973) läuft zwei neue Weltrekorde über 1.500 m (3:52,6
min.) und 5.000 m (14:28,2 min.).
- 22. 6.
Einweihung des Instituts für Sozialforschung an der
Universität Frankfurt/Main.
- 23. 6.
In Hannover wird der Massenmörder Fritz Haarmann (1879-1925)
verhaftet. Er hat in den Nachkriegsjahren 24 junge Männer in
seine Wohnung gelockt und ermordet. Der als Polizeispitzel und
Detektiv arbeitende Haarmann ist geständig.
- Juli
- 2. 7.
Heinrich Held wird neuer bayerischer Ministerpräsident. Damit amtiert in
Bayern wieder eine reguläre parlamentarische Regierung.
- 5. - 27. 7.
In Paris finden die VIII. Olympischen Sommerspiele statt. Deutsche
Sportler dürfen laut Beschluß des Internationalen
Olympischen Komitees nicht teilnehmen.
- 11. 7.
Der wegen Beteiligung an der Münchner Räterepublik zu
fünf Jahren Festungshaft verurteilte Toller wird aus der Haft
entlassen.
- 15. 7.
Toller wird aus Bayern ausgewiesen. In Berlin wird er von einer
jubelnden Menschenmenge empfangen.
- 16. 7. - 16. 8.
Londoner Reparationskonferenz zur Beratung des Dawes-Plans.
- 18. 7.
Mit dem "Roten Frontkämpferbund" gründet die
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) einen eigenen Kampfverband.
- 22. 7.
Eröffnung der ersten Wagner-Festspiele nach dem
Ersten Weltkrieg in Bayreuth. Aufsehen erregt die offizielle Parteinahme der
Festspielleitung unter Siegfried Wagner (1869-1930) für die
völkische Rechte.
- 26. 7.
Mit den Stimmen der SPD verabschiedet der Reichstag ein Notetatgesetz.
Die Reichsregierung erhält eine unbefristete Ermächtigung
zur Haushaltsführung.
- 27. 7.
Tod des deutsch-italienischen Komponisten
Ferruccio Busoni
(1866-1924) in Berlin.
- August
- 3. 8.
Tod des polnisch-britischen Schriftstellers
Joseph Conrad
(1857-1924) in Bishopsbourne (Kent).
- 5. 8.
Teilnahme der deutschen Delegation unter Reichskanzler Marx,
Außenminister
Gustav Stresemann und Finanzminister
Hans Luther an der Londoner Reparationskonferenz.
- 9. 8.
Durchbruch bei den Verhandlungen über den Dawes-Plan: Das
Deutsche Reich soll fünf Jahre lang zunächst weniger zahlen
als ursprünglich vorgesehen war. Ab 1929 sollen die
jährlichen Zahlungen auf 2,5 Milliarden Goldmark steigen. Zur
Ankurbelung der deutschen Wirtschaft wird eine Auslandsanleihe in
Höhe von 800 Millionen Goldmark gewährt.
- 15. 8.
In der Frage der Räumung des Ruhrgebiets bekräftigt der
französische Ministerpräsident Herriot die starre Haltung
Frankreichs. Deutschland muß die von Frankreich geforderte
einjährige Räumungsfrist hinnehmen.
- 17. 8.
Tod des Philosophen und Pädagogen
Paul Natorp
(1854-1924) in Marburg.
- 19. 8.
Im Unterschied zur französischen Haltung plädiert
Großbritannien für die sofortige Räumung des
Ruhrgebiets.
- 21. 8.
Die Reichsregierung legt dem Reichstag neun Gesetze über die
Durchführung des Dawes-Plans vor. Die DNVP wendet sich
insbesondere gegen die im Dawes-Plan vorgesehene Einflußnahme
ausländischer Vertreter auf deutsche öffentliche
Einrichtungen.
- 28. - 31. 8.
Ein Pädagogischer Kongreß in München unter Leitung des
Reformpädagogen
Georg Kerschensteiner
(1854-1932) diskutiert eine neue Schulgesetzgebung.
- 29. 8.
Mit der Zustimmung von fast der Hälfte der deutschnationalen
Fraktion nimmt der Reichstag die Dawes-Gesetze an. Die DNVP hatte sich
zuvor gegen den Dawes-Plan ausgesprochen.
- 30. 8.
Das im Zuge der Dawes-Gesetze erlassene neue Reichsbankgesetz sieht
die internationale Kontrolle der Reichsbank vor. Die Ende 1923
eingeführt Rentenmark wird in Reichsmark umbenannt.
- September
- 4. 9.
Der britische Premierminister MacDonald befürwortet die Aufnahme
Deutschlands in den Völkerbund.
- 7. 9.
Die von den Besatzungsbehörden aus dem Ruhrgebiet ausgewiesenen
180.000 Personen dürfen zurückkehren.
- 9. 9.
Aufhebung der Zollgrenze im besetzten Ruhrgebiet.
- 15. 9.
Erste Werbesendung im deutschen Rundfunk.
- 17. - 19. 9.
Der Deutsche Kolonialkongreß in Berlin fordert den Kampf um die
Wiedererlangung der ehemaligen deutschen Kolonien.
- 18. 9.
Deutsche Erstaufführung des Films "Gösta Berling",
in dem Greta Garbo (1905-1990) ihr Debüt feiert.
- 22. 9.
Das bayerische Innenministerium lehnt einen Antrag der Landespolizei
auf Ausweisung Hitlers nach Österreich ab.
- 23. 9.
Die Reichsregierung beschließt, sich um die Aufnahme in den
Völkerbund zu bemühen.
- 25. 9.
Die DVP fordert die Aufnahme der DNVP in die Regierungskoalition.
- Oktober
- 12. 10.
Tod des französischen Schriftstellers
Anatole France (1844-1924) auf seinem Gut La Béchellerie bei
Saint-Cyr-sur-Loire (Frankreich).
- 12. - 15. 10.
Atlantikflug des Zeppelin LZ 126 nach Lakehurst (USA). Das Luftschiff
wird als Teil der deutschen Reparationsleistungen nach Amerika
überführt.
- 14. 10.
Uraufführung der Oper "Die glückliche Hand" von
Arnold Schönberg.
- 15. 10.
Die DDP lehnt die Aufnahme der DNVP in die Minderheitsregierung ab.
Damit sind die Bemühungen von Reichskanzler Marx um eine
"Große Koalition" gescheitert.
- 20. 10.
Auf Antrag von Marx löst Reichspräsident Ebert den Reichstag
auf.
- 28. 10.
Die französische Regierung erkennt die Sowjetunion diplomatisch
an.
- 29. 10.
Bei den britischen Unterhauswahlen erleidet die regierende Labour
Party hohe Verluste.
- November
- 4. 11.
Der amerikanische Präsident Calvin Coolidge (1872-1933) wird erneut gewählt.
- In England tritt Premierminister MacDonald nach einer Wahlniederlage
zurück;. Sein Nachfolger wird der konservative Politiker
Stanley Baldwin
(1867-1947), der
Winston Churchill als Schatzkanzler in sein Kabinett beruft.
- Tod des französischen Komponisten Gabriel Fauré (1845-1924) in Paris.
- 7. 11.
Tod des Malers Hans Thoma (1867-1921) in Karlsruhe.
- 8. 11.
Der österreichische Bundeskanzler
Ignaz Seipel (1876-1932) tritt mit seinem Kabinett zurück. Anlaß sind
die anhaltenden Meinungsverschiedenheiten zwischen der Regierung und
den Bundesländern über die Finanzpolitik.
- 21. 11.
Ernst Barlach
wird mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet.
- 26. 11.
Gründung der Mongolischen Volksrepublik. Sie ist wirtschaftlich
und politisch eng an die Sowjetunion gebunden.
- 28. 11.
Veröffentlichung des Romans "
Der Zauberberg" von
Thomas Mann im Berliner S. Fischer Verlag.
- 29. 11.
Tod des italienischen Komponisten Giacomo Puccini (1858-1924) in Brüssel.
- Dezember
- 4. - 14. 12.
Erste Deutsche Funkausstellung in Berlin. 268 Aussteller
präsentieren ihre Erzeugnisse, als technische Neuheit wird ein
Zugtelefon vorgestellt.
- 7. 12.
Bei den
Reichstagswahlen erlangen die Parteien der Mitte sowie die SPD einen Stimmenzuwachs.
Die regierenden bürgerlichen Parteien - DDP, DVP und Zentrum -
haben auch im neuen Reichstag keine Mehrheit. Bei der Landtagswahl in
Preußen erhalten die regierenden Parteien der Großen
Koalition (SPD, DDP, DVP und Zentrum) unter Ministerpräsident
Otto Braun
(SPD) 267 von 450 Sitzen und verfügen damit über eine
stabile Mehrheit. Die NSDAP besitzt zum ersten Mal eine Vertretung
und erhält gemeinsam mit der stark gewachsenen DNVP 26,7 Prozent
der Stimmen und somit 120 Sitze.
- 10. 12.
Das Kabinett Marx tritt zurück.
- Auf der Verkehrsausstellung in Berlin stellt die Firma Hanomag einen
einfachen Kleinwagen mit 10 PS vor, der als
"Kommißbrot" bekannt wird. Das ungewöhnlich
preiswerte und sparsame Auto soll neuen Käuferschichten den
Erwerb eines Automobils ermöglichen.
- 12. 12.
Der preußische Innenminister
Carl Severing
(SPD) hebt das Verbot der NSDAP auf.
- 17. 12.
Reichspräsident Ebert beauftragt Außenminister Stresemann
mit der Bildung eines neuen Reichskabinetts, was dieser jedoch
ablehnt.
- 19. 12.
Der Schriftsteller
Erich Mühsam, der wegen seiner Beteiligung an der Münchner Räterepublik
zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt worden war, wird vorzeitig aus
der Haft entlassen.
- 20. 12.
Hitler erhält eine großzügige Bewährungsfrist und
wird aus der Festungshaft entlassen.
- In Österreich wird als neue Währung der Schilling
eingeführt, er löst die alte Krone ab.
- 23. 12.
Das Schöffengericht Magdeburg unterstützt in einem
Beleidigungsprozeß den Vorwurf eines Journalisten,
Reichspräsident Ebert habe durch seine Rolle bei den Streiks vom
Januar/Februar 1918 Landesverrat begangen. Die Rechtspresse feiert
dieses Urteil über das Staatsoberhaupt.
- Außerdem:
- André Breton (1896-1966): Manifest des Surrealismus (Kunsttheoretische Abhandlung)
- Filippo Tommaso Marinetti
(1876-1944): Futurismus und Faschismus (Kunsthistorische Abhandlung)
- Friedrich Meinecke
(1862-1954): Die Idee der Staatsräson in der neueren Geschichte
(Historische Abhandlung)
- Ottorino Respighi
(1879-1936): Die Pinien von Rom (Symphonische Dichtung)
- Eduard Spranger (1882-1963): Psychologie des Jugendalter (Pädagogische Abhandlung)
- Werner Sombart: Die Ordnung des Wirtschaftslebens (Wirtschaftswissenschaftliche
Abhandlung)
(se/lw/mw)
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