1929
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Chronik
- Januar
- Das Parteiorgan der Nationalsozialistischen Deutschen
Arbeiterpartei (NSDAP), der "Völkische Beobachter",
erscheint erstmals mit einer Berliner Ausgabe.
- 3. 1. Der sozialdemokratische Reichsarbeitsminister Rudolf
Wissell erklärt einen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern
abgelehnten Schiedsspruch für verbindlich. Damit wird ein
14wöchiger Streik der Werftarbeiter beendet: Die Wochenarbeitszeit
wird von 52 auf 50 Stunden gesenkt. Bei Überschreitung von
48 Arbeitsstunden wird ein Überstundenzuschlag von 25 Prozent
gezahlt.
- Der Roman "Krieg" von
Ludwig Renn wird veröffentlicht.
- 5. 1. Der König des Königreichs der Serben,
Kroaten und Slowenen (Jugoslawien), Alexander I. Kardjordjevic (1888-1934),
löst das Parlament auf, setzt die Verfassung außer
Kraft und erklärt sich zum Alleinherrscher.
- 6. 1. Der stellvertretende Propagandaleiter der NSDAP,
Heinrich Himmler, wird zum Reichsführer der Schutzstaffel
(SS) ernannt.
- 11. 1. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der
Sowjetunion (KPdSU) beschließt die Einführung des siebenstündigen
Arbeitstags in der Industrie, im Verkehrswesen und in der Kommunalwirtschaft
bis zum 1. Oktober 1933.
- 15. 1. Die Arbeitslosenzahl in Deutschland übersteigt
die Zwei-Millionen-Grenze.
- 29. 1. Der ehemalige Volkskommissar des Äußeren,
Leo D. Trotzki, wird aus der Sowjetunion ausgewiesen und
reist nach Konstantinopel (heute: Istanbul).
- 31. 1. Zwei Monate nach dem Vorabdruck in der "Vossischen
Zeitung" erscheint der Antikriegsroman "
Im Westen nichts Neues" von
Erich Maria Remarque im Ullstein-Propyläen-Verlag.
Schon vor Erscheinen ist die Erstauflage durch Vorbestellungen
restlos vergriffen.
- Februar
- 6. 2. Mit 288 zu 127 Stimmen ratifiziert der Reichstag den
Briand-Kellogg-Pakt zur Ächtung von Angriffskriegen.
- Rücktritt von Theodor von Guérard (1863-1943), dem einzigen
Zentrumsminister, da die Forderung des Zentrums nach drei Ministerien
am Einspruch der Deutschen Volkspartei (DVP) gescheitert
ist. Die DVP fordert außerdem ihre Beteiligung an der preußischen
Regierung, die von der
Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
(SPD), der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und dem
Zentrum getragen wird.
- 9. 2. In Moskau schließen die Sowjetunion, Rumänien,
Polen, Lettland und Estland mit der Unterzeichnung des "Litwinow-Protokolls"
einen Nichtangriffspakt. Die Initiative dazu ging vom stellvertretenden
sowjetischen Außenminister Maxim M. Litwinow (1876-1951) aus.
- 10. 2. Die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG) wählt
General Karl Freiherr von Schönaich zum Nachfolger
von Ludwig Quidde.
- 11. 2. In Rom wird mit der Unterzeichnung des Lateranvertrags
zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung die Vatikanstadt
als souveräner Staat neu gegründet. Das Konkordat bestätigt den
Katholizismus als Staatsreligion und garantiert der Kirche die Freiheit des
Religionsunterrichts. Im Gegenzug erklärt der Vatikan seinen Verzicht auf
die weltliche Macht in Rom und erkennt die Stadt als italienische Hauptstadt an.
Diese Einigung verschafft dem italienischen Ministerpräsidenten
und Duce Benito Mussolini international Prestige.
- 11. 2. - 7. 6. In Paris berät die Sachverständigenkommission
unter dem Vorsitz des amerikanischen Wirtschaftsfachmanns Owen
D. Young eine Neuregelung der deutschen Reparationszahlungen. Als deutsche Sachverständige werden der Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht und der Industrielle Albert Vögler berufen.
- 14. 2. Wegen einer zu erwartenden "Verletzung des
öffentlichen Anstands" erteilt die Stadt München
der amerikanischen Tänzerin Josephine Baker (1906-1975)
ein Auftrittsverbot.
- 20. 2. Der preußische Ministerpräsident
Otto Braun (SPD) schlägt
dem Vorsitzenden der DVP und Außenminister
Gustav Stresemann Verhandlungen über die Aufnahme
der DVP in die preußische Regierung vor. Mit diesem Schritt
will Braun die Koalitionskrise der Reichsregierung lösen.
- 26. 2. Stresemann und Braun nehmen Verhandlungen über
eine Regierungsbeteiligung der DVP in Preußen auf, können
sich jedoch nicht über die Anzahl der Ministerämter
verständigen.
- 28. 2. Die Zahl der in Deutschland registrierten Arbeitslosen
ist auf 3,2 Millionen gestiegen.
- März
- 1. 3. Generalmajor Kurt von Schleicher wird
Chef des neu gegründeten "Ministeramts" im Reichswehrministerium.
Mit dieser Erweiterung seiner Vollmachten wird General Schleicher
engster Mitarbeiter von Reichswehrminister Wilhelm Groener
(parteilos).
- Tod des Kunsthistorikers Wilhelm Bode (1845-1929) in Berlin.
- 5. 3. Alfred Hugenberg,
Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), bietet in einem Schreiben
an 3.000 amerikanische Politiker und Unternehmer seine Zusammenarbeit gegen die
weltweite Bedrohung des Bolschewismus an.
- 6. 3. Außenminister Stresemann hält vor dem Völkerbundrat
eine vielbeachtete Rede zum Schutz von nationalen Minderheiten.
- 12. 3. Uraufführung des ersten abendfüllenden
deutschen Tonfilms "Melodie der Welt" in Berlin.
- 15. 3. Adolf Hitler ruft zur Unterwanderung der
Reichswehr auf.
- 17. 3. Verkauf der Opel-Werke in Rüsselsheim an den
amerikanischen Automobilkonzern General Motors.
- 20. 3. Tod des französischen Marschalls
Ferdinand Foch in Paris.
Er war im Ersten Weltkrieg Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte.
- 21. 3. Der preußische Innenminister Albert Grzesinski
(1879-1947) erläßt ein Demonstrationsverbot, da er weitere
Zusammenstöße der nationalsozialistischen Sturmabteilung
(SA) mit dem kommunistischen Roten Frontkämpferbund befürchtet.
- 22. 3. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels
veranstaltet am Todestag Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832)
erstmals den "Tag des Buches" zur Förderung der
Lesekultur.
- 24. 3. In Italien finden die ersten Wahlen nach der Einführung
eines neuen Wahlgesetzes statt. Zur Abstimmung steht nur noch
die faschistische Einheitsliste.
- 26. 3. Tod des Architekten Bruno Möhring (1863-1929) in Berlin.
- Der Ozeandampfer "Europa" brennt vor seiner
endgültigen Fertigstellung im Hamburger Hafen völlig
aus. Es entsteht ein Sachschaden von 60 Millionen Mark.
- April
- 3. 4. Uraufführung des Dramas "Der Schwärmer"
von Robert Musil in Berlin.
- 4. 4. Tod des Ingenieurs und Industriellen Carl Friedrich Benz in Ladenburg.
- 5. 4. Der Reichstag ratifiziert das Genfer Protokoll von
1925, mit dem der Einsatz von Giftgasen und bakteriologischen
Kampfmitteln geächtet wird.
- 10. 4. Der Maler George Grosz und sein Verleger
Wieland Herzfelde werden in zweiter Instanz vom Vorwurf
der Gotteslästerung freigesprochen.
- 11. 4. Das Deutsche Reich lehnt ein Einreisegesuch des
aus der Sowjetunion verbannten Trotzki ab.
- 13. 4. Nach einer Kabinettsumbildung verfügt das
Zentrum über die drei eingeforderten Reichsministerien.
- 16.-23. 4. In Moskau diskutiert das Zentralkomitee der
KPdSU über die Kollektivierung der Landwirtschaft.
- 17. 4. Reichsbankpräsident Schacht
fordert auf der Sachverständigenkonferenz in Paris eine Revision
der deutsch-polnischen Grenze sowie die Rückgabe der Kolonien.
Die Entente-Staaten lehnen ab.
- 21. 4. Das Stück "Sacco und Vanzetti" von Erich Mühsam
wird in Berlin uraufgeführt.
- 28. 4. Anläßlich des bevorstehenden 1. Mai
weist der sozialdemokratische Berliner Polizeipräsident Karl Friedrich Zörgiebel (1878-1961) auf das am 21. März erlassene Demonstrationsverbot
in Preußen hin. Er befürchtet Auseinandersetzungen
zwischen Mitgliedern der NSDAP und der Kommunistischen Partei
Deutschlands (KPD).
- 30. 4. Trotz des Demonstrationsverbots ruft das KPD-Organ
"Die Rote Fahne" zur Teilnahme an der Maidemonstration
in Berlin auf.
- Mai
- 1. 5. Während der Maikundgebungen kommt es in vielen Städten
zu Unruhen (Blutmai). In Berlin gehen 13.000 Polizisten gewaltsam gegen Demonstranten vor.
Neun Menschen sterben, 63 werden schwer verletzt.
- 3. 5. Nach neuen Zusammenstößen zwischen Demonstranten
und Polizei verhängt der Berliner Polizeipräsident ein
"Verkehr- und Lichtverbot" über die Berliner Bezirke
Wedding und Neukölln. Es wurden insgesamt 33 Demonstranten
getötet, weitere 198 Demonstranten sowie 47 Polizisten wurden
verletzt.
- Verbot des kommunistischen Roten Frontkämpferbunds (RFB)
in Preußen.
- 4. 5. Die deutsche Delegation auf der Pariser Sachverständigenkonferenz
stimmt den Vorschlägen des Vorsitzenden Young zu,
der Reparationszahlungen in Höhe von 112 Milliarden Goldmark
für die Dauer von 58 Jahren vorschlägt.
- 5. 5. In Wien wird das Theaterstück "Die Unüberwindlichen"
von Karl Kraus uraufgeführt. Da die Aufführung
des dritten Akts von der Zensur verhindert wird, reagiert das Publikum mit Empörung.
- 6. 5. Das über Teile Berlins verhängte "Verkehr-
und Lichtverbot" wird aufgehoben.
- 10. 5. Die Konferenz der Innenminister befaßt sich
mit den Vorfällen am 1. Mai in Berlin. Auf Vorschlag des
preußischen Innenministers Carl Severing (SPD) wird
das Verbot des Roten Frontkämpferbunds auf das gesamte Reichsgebiet
ausgedehnt.
- 12. 5. Bei den Landtagswahlen in Sachsen gewinnen die
Nationalsozialisten fünf von 96 Sitzen.
- 16. 5. Mit großer Mehrheit nimmt der Reichstag ein
Gesetz zur finanziellen Unterstützung der ostpreußischen
Landwirte an.
- In Hollywood wird erstmals der "Oscar" genannte Filmpreis
verliehen. Als beste Schauspieler werden Emil Jannings
und Janet Gaynor (1906-1984) ausgezeichnet.
- 18. 5. Tod des Sozialpolitikers Adolf Braun,
des Mitbegründers der österreichischen Sozialdemokratie und Abgeordneten
der Verfassunggebenden Nationalversammlung.
- 19. 5. In Barcelona wird die Weltausstellung eröffnet.
Der von Ludwig Mies van der Rohe
entworfene deutsche Pavillon erregt als zukunftsweisender Bau große Aufmerksamkeit.
- 20. 5. Die Fédération Internationale de
Football Association (FIFA) beschließt die Austragung einer
Fußball-Weltmeisterschaft. Sie soll in Montevideo stattfinden,
der Hauptstadt des zweimaligen Fußball-Olympiasiegers Uruguay.
- 22. 5. Der italienische Dirigent Arturo Toscanini (1867-1957) emigriert in die USA. Er begründet diesen Schritt
mit seinem Augenleiden. Gerüchten zufolge wolle er nicht mehr
unter den Faschisten arbeiten.
- 25.-31. 5. Auf dem SPD-Parteitag in Magdeburg fordert
der linke Flügel die Reichstagsfraktion sowie die SPD-Minister
und den Reichskanzler Hermann Müller (SPD) auf, gegen
die Bewilligung der zweiten Rate für den Bau des Panzerkreuzer A zu stimmen.
- 26. 5. Eine Junkers W 33 steigt auf 12.739m und stellt damit
einen neuen Höhenflugrekord auf.
- 27. 5. Die I.G. Farben übernimmt 40 Prozent der Aktien
der Ford Motor Company AG Berlin, einer 1925 gegründeten
Tochtergesellchaft des US-Automobilkonzerns Ford.
- Juni
- 7. 6. In Paris wird der Young-Plan unterzeichnet.
Er sieht für den Zeitraum von 58 Jahren jährliche Zahlungen
in Höhe von rund 2 Milliarden Goldmark vor. Zugleich verzichten
die Gläubigerstaaten auf wirtschaftliche Kontrollmöglichkeiten,
die ihnen der Dawes-Plan von 1924 noch zugestand.
- 8. 6. Der Sozialist James Ramsey MacDonald (1866-1937) wird neuer britischer Premierminister.
- Uraufführung der Oper "Neues vom Tage"
von Paul Hindemith in Berlin.
- 14. 6. Unterzeichnung eines Kirchenvertrags zwischen Preußen
und dem Vatikan. Er stellt die freie Ausübung des katholischen
Glaubens in Preußen unter den Schutz des Staats.
- 18. 6. Der Antrag der KPD auf Streichung der zweiten Rate
für den Bau des Panzerkreuzers A wird im Reichstag abgelehnt.
Für den KPD-Antrag stimmt die gesamte Fraktion der SPD, während
der Reichskanzler und die drei SPD-Minister dagegen stimmen.
- 21. 6. Eröffnung des neuen Karstadt-Gebäudes
am Hermannplatz in Berlin. Es ist das größte Warenhaus
im Deutschen Reich.
- 23. 6. Bei der Stadtratswahl in Coburg erhält die
NSDAP durch eine Listenverbindung mit den bürgerlichen Parteien
die absolute Mehrheit.
- 27. 6. Der Reichstag billigt den Wehretat. Da sie den
Fortbestand der "Großen Koalition" nicht gefährden
wollen, stimmen der Reichskanzler und die SPD-Minister gegen ihre
Fraktion für die Bewilligung des Rüstungshaushalts.
- 28. 6. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft vergibt
die ersten Max-Planck-Medaillen. Sie gehen an
Max Planck sowie an
Albert Einstein.
- Juli
- 6. 7. Der Reichsausschuß der Landwirte lehnt den Young-Plan
ab. Die Zahlungsverpflichtungen würden die Leistungsfähigkeit
der Wirtschaft übersteigen.
- 9. 7. Der DNVP-Vorsitzende Hugenberg
bildet gemeinsam mit Theodor Duesterberg, Franz Seldte (beide
"Stahlhelm"),
Heinrich Claß
(Alldeutscher Verband)
und Hitler (NSDAP) den "Reichsausschuß
für das deutsche Volksbegehren gegen den Young-Plan".
Sie fordern ein "Gesetz gegen die Versklavung des deutschen
Volkes" mit Zuchthausstrafen für Unterzeichner des Young-Plans.
- 12. 7. Das von Claude Dornier (1884-1969) entwickelte
Riesenflugboot "Do X" unternimmt erste erfolgreiche Probeflüge.
- 14. 7. Tod des Historikers Hans Delbrück in Berlin.
- 15. 7. Tod des Schriftstellers
Hugo von Hofmannsthal in Rodaun bei Wien.
- 17. 7. Wegen andauernder Konflikte um die gemeinsame Verwaltung
der Ostchinabahn bricht die Sowjetunion die diplomatischen Beziehungen
zu China ab. Die Bahnstrecke verläuft durch beide Staaten.
- 22. 7. Der Ozeandampfer "Bremen" erhält
das "Blaue Band" für die schnellste Atlantiküberquerung.
Das Schiff benötigte vier Tagen, 18 Stunden und 17 Minuten.
- 23. 7. Das nach der Ermordung von
Walther Rathenau1922 erlassene "Gesetz zum Schutz der Republik"
tritt außer Kraft.
- 25. 7. Erstmals seit 1870 hält der Papst eine Prozession
unter freiem Himmel auf dem Petersplatz in Rom ab.
- 26. 7. Rücktritt des französischen Ministerpräsidenten
Raymond Poincaré. Sein Nachfolger wird
Aristide Briand,
der alle Minister des Kabinetts von Poincaré übernimmt.
- 28. 7. Die SpVgg Fürth wird mit einem 3:2-Sieg über
Hertha BSC Berlin Deutscher Fußballmeister.
- August
- 2. 8. Durch die Übernahme weiterer Aktien erhöht
sich der Anteil des amerikanischen Konzerns General Electric an
der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) von 15 Prozent
auf ein Drittel.
- 4. 8. Auf dem 4. Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg
führt ein Aufmarsch der SA zu schweren Straßenschlachten
mit der Polizei. Mehrere Geschäfte von Juden werden zerstört.
- 6.-31. 8. Auf der ersten Konferenz in Den Haag verhandeln
Großbritannien, Frankreich, das Deutsche Reich, Belgien,
Italien und Japan über die Räumung des Rheinlands und
die Verteilung der deutschen Reparationszahlungen unter den alliierten
Staaten.
- 9. 8. Tod des Zeichners Heinrich Zille in Berlin.
- 12. 8. Wegen des Konflikts mit China mobilisiert die Sowjetunion
im Osten ihre Truppen.
- 15. 8. An der sowjetisch-chinesischen Grenze kommt es
zu ersten Gefechten.
- 19. 8. Der Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues",
der bereits drei Monate nach Veröffentlichung eine Auflage von 500.000
erreicht, wird für Bibliotheken des österreichischen Heers verboten.
- Tod des russischen Choreographen Sergej P. Diaghilew (1872-1929)in Venedig.
- 22. 8. Der chinesische Befehlshaber in der Mandschurei
ordnet die Generalmobilmachung an.
- 30. 8. Am Ende der ersten Konferenz in Den Haag wird dem
Deutschen Reich die Räumung des gesamten Rheinlands bis zum
30. Juni 1930 zugesichert. Damit werden die Gebiete fünf
Jahre früher als im Versailler Vertrag vereinbart geräumt.
- September
- 1. 9. Mitglieder der Landvolkbewegung verüben im Reichstagsgebäude
einen Bombenanschlag. Hintergrund sind wirtschaftliche Existenzängste.
- 4. 9. Das deutsche Luftschiff LZ 127 "Graf Zeppelin" kehrt von
einem 21tägigen Flug um die Welt zurück.
- 5.-9. 9. Auf der Völkerbundversammlung in Genf schlagen
Briand und Stresemann die Schaffung eines vereinigten und förderativen
Europas aus wirtschaftlichen Gründen vor.
- 6. 9. Erwin Piscators
Theater am Berliner Nollendorfplatz wird mit Walter Mehrings (1896-1985) "Der Kaufmann von Berlin" wiedereröffnet.
- 12. 9. Mussolini verzichtet auf sechs seiner sieben Ministerämter.
- 14. 9. Die britischen Truppen beginnen mit der Räumung
der Koblenzer Rheinlandzone.
- 24. 9. In der Sowjetunion werden per Dekret der Samstag und der
arbeitsfreie Sonntag aus dem Kalender gestrichen. Die Woche besteht nun aus
vier Arbeitstagen und einem Ruhetag.
- 26. 9. Im bisher größten Bankenzusammenschluß
fusionieren die Deutsche Bank und die Disconto-Gesellschaft. Man
erhofft sich Rationalisierungseffekte.
- 27. 9. Der Gauleiter der NSDAP für Berlin-Brandenburg,
Joseph Goebbels, bezeichnet das Volksbegehren gegen den
Young-Plan als Anfang einer "Volksrevolution".
- 30. 9. Die DVP lehnt das Volksbegehren gegen den Young-Plan
ab, da Großbritannien und Frankreich ohne den Young-Plan
der vorzeitigen Räumung des Rheinlands nicht zugestimmt hätten.
- Oktober
- 3. 10. Außenminister Gustav Stresemann stirbt
an den Folgen eines Schlaganfalls.
![[Video]](../logos/i_video.gif)
- Das Königreich der Serben,
Kroaten und Slowenen wird in Jugoslawien umbenannt.
- 4. 10. Uraufführung des Films "Die Frau im Mond"
von Fritz Lang in Berlin.
- 8. 10. Das preußische Innenministerium verbietet
den rechtsgerichteten Wehrverband "Stahlhelm" im Rheinland
und in Westfalen, weil dort die militärische Ausbildung dieser
Verbände erfolge. Die Ehrenmitgliedschaft des Reichspräsidenten
im "Stahlhelm" erschwert ein reichsweites Vorgehen.
- 10. 10. Uraufführung der Operette "Land des
Lächelns" von Franz Lehár (1870-1948) in Berlin.
- 11. 10. Reichswirtschaftsminister Julius Curtius (1877-1948)
(DVP) wird als Nachfolger Stresemanns Außenminister.
- 25. 10. Der "Schwarze Freitag" an der New-Yorker
Börse leitet die Weltwirtschaftskrise ein. Der Crash
an der Wallstreet hat vor allem für die deutsche Wirtschaft
gravierende Folgen. Die kurzfristigen Auslandskredite werden aus
Deutschland zurückgezogen. Die Konkurse häufen sich,
Arbeitslosenzahl und die Kurzarbeit steigen sprunghaft an.
![[Video]](../logos/i_video.gif)
- 26. 10. Tod des Schriftstellers Arno Holz in Berlin.
- 27. 10. Bei den Landtagswahlen in Baden gewinnt die NSDAP
hier erstmals sechs Mandate.
- 28. 10. Tod des ehemaligen Reichskanzlers Bernhard Fürst von Bülow in Rom.
- 29. 10. Die Einschreibungsfrist für das Volksbegehren
gegen den Young-Plan läuft ab. Das erforderliche Zehntel
aller Eintragungsberechtigten wird mit 10,02 Prozent knapp erreicht.
Bevor per Volksentscheid über die Einführung des "Gesetzes
gegen die Versklavung des deutschen Volkes" abgestimmt werden
kann, muß der Reichstag über die Einführung des
Gesetzes entscheiden.
- November
- 1. 11. Das Deutsche Reich und Polen beschließen
die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.
- 6. 11. Tod des letzten kaiserlichen Reichskanzlers Prinz
Max von Baden in Konstanz.
- 8. 11. Die Sorbonne verleiht Einstein die Ehrendoktorwürde.
- 13. 11. Gemäß dem Young-Plan wird die Bank für
Internationalen Zahlungsausgleich gegründet.
- 17. 11. Die NSDAP gewinnt bei den Berliner Stadtverordnetenwahlen
13 von 225 Mandaten und zieht erstmals in die Stadtverordnetenversammlung ein.
- 21. 11. China und die Sowjetunion schließen einen Waffenstillstand.
- 24. 11. Tod des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten
Georges Clemenceau in Paris.
- 30. 11. Der Reichstag lehnt mit großer Mehrheit
den Entwurf des "Gesetzes gegen die Versklavung des deutschen
Volkes" ab.
- Die Besatzungstruppen sind aus der seit 1920
besetzten Koblenzer Rheinlandzone abgezogen.
- Dezember
- 3. 12. Abspaltung von der DNVP-Fraktion im Reichstag:
Aus Protest gegen Hugenbergs Kurs auf eine rechtspopulistische Front
treten zehn Abgeordnete aus der Partei aus.
- 8. 12. Bei den Landtagswahlen in Thüringen gewinnt die
NSDAP sechs der 53 Sitze. Durch eine Koalition mit der DNVP, der
DVP und dem Landbund beteiligt sich die NSDAP erstmals auf Landesebene
an einer Regierung.
- 10. 12. Thomas Mann wird mit dem Literaturnobelpreis
für sein Werk "Buddenbrooks" ausgezeichnet.
- 14. 12. Die Regierung erhält im Reichstag nur eine
knappe Mehrheit für ein Finanzprogramm zur Überbrückung
des Haushaltsdefizits. Das Defizit entstand vor allem durch Zahlungen
an die "Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung".
- 20. 12. Reichsfinanzminister Rudolf Hilferding
(SPD) muß nach vertraulichen Verhandlungen mit einer amerikanischen
Bank über einen Überbrückungskredit zurücktreten.
Hilferding hätte die Reichsbank über die Verhandlungen
informieren müssen.
- 21. 12. Der Reichstag verabschiedet ein Sofortprogramm
zur Beilegung der Finanzkrise. Es beinhaltet auch eine Erhöhung
der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und der Tabaksteuer.
- Zu seinem 50. Geburtstag läßt sich Josef W. Stalin
als Alleinherrscher feiern. Damit setzt der Personenkult um Stalin ein.
- 22. 12. Der von der nationalistischen Rechten initiierte
Volksentscheid über das "Gesetz gegen die Versklavung
des deutschen Volkes" scheitert. Dennoch profitiert insbesondere
die NSDAP von dem Propagandafeldzug. Ihre Mitgliederzahl steigt
weiter an.
- Die Auseinandersetzungen zwischen der Sowjetunion
und China wegen der chinesischen Ostbahn werden beigelegt.
Die sowjetische Armee räumt die besetzten Gebiete Chinas.
- 29. 12. Der spanische Diktator Miguel Primo de Rivera (1903-1936)
kündigt die Wiedereinführung demokratischer Wahlen an.
- Tod des Automobilkonstrukteurs Wilhelm Maybach
in Stuttgart.
- 30. 12. Uraufführung des proletarischen Films "Mutter
Krausens Fahrt ins Glück" nach einer Vorlage von Heinrich Zille in Berlin.
- Außerdem:
- Vicky Baum (1888-1960): Menschen im Hotel (Roman)
- Jean Cocteau (1889-1963): Kinder der Nacht (Roman)
- Alfred Döblin:
Berlin Alexanderplatz (Roman)
- William Faulkner (1897-1962): Schall und Wahn (Roman)
- Ernest Hemingway: In einem andern Land (Roman)
- Georg Wilhelm Pabst: Die Büchse der Pandora (Film)
- Walter Ruttmann (1887-1941): Melodie der Welt (Film)
- Kurt Tucholsky: Deutschland, Deutschland über alles
(Satirisches Werk)
- Thomas Wolfe (1900-1938): Schau heimwärts, Engel! (Roman)
(se/lw/mw)
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