1931
![[Textil: Armbinde der Eisernen Front, nach 1931]](../../objekte/pict/598_2/200.jpg)
![[Photo: Walter Ballhause "Arbeitslosenschlange beim Stempeln im Arbeitsamt Hannover", um 1930]](../../objekte/pict/ph001211/200.jpg)
![[Gemälde: Paul Fuhrmann "Die Politischen", 1931]](../../objekte/pict/g0000323/200.jpg)
|  |
Chronik
- Januar
- 1. 1. Nach gescheiterten Tarifverhandlungen kündigt
der Zechenverband 295.00 Arbeitern zum 15. Januar.
- Die Reichsleitung
der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)
bezieht in München das "Braune Haus" als neue Reichsparteileitung.
- 2. 1. Als Reaktion auf die Massenentlassungen durch den
Zechenverband beginnen im linksrheinischen Kohlenrevier und im
Raum Recklinghausen Streiks unter Führung der Kommunistischen
Partei Deutschlands (KPD).
- 3. 1. Tod des französischen Marschalls Joseph
Jacques Joffre in Paris.
- 5. 1. Der ehemalige Hauptmann Ernst Röhm wird
von Adolf Hitler zum Leiter der paramiliärischen,
70.000 Mitglieder zählenden Sturmabteilung (SA) ernannt.
Röhm war von dieser Position im April 1925 wegen seiner Differenzen
mit Hitler über die Rolle der SA zurückgetreten.
- 7. 1. In Wien kommt es zu Demonstrationen der politischen
Rechten gegen den Antikriegsfilm "Im Westen nichts Neues"
von Lewis Milestone (1895-1980). Die österreichische Regierung
beugt sich - wie bereits die Reichsregierung im Vorjahr - dem
Druck der rechtsextremen Demonstrationen und verbietet den Film.
- 9. 1. Nach einer Notverordnung können von der Regierung
eingesetzte Schlichtungskommissionen auch gegen den Widerspruch
der Tarifparteien einen Schiedsspruch fällen. Damit wird
der Staat zum ausschlaggebenden Faktor bei Tarifverhandlungen.
- 10. 1. Im Tarifkonflikt im Ruhrbergbau beschließt
eine Schlichtungskommission mit Zustimmung der Regierung eine
sechsprozentige Lohnkürzung, zugleich aber die Rücknahme
der Massenkündigungen.
- Der sowjetische Ministerpräsident
Wjatscheslaw M. Molotow kündigt an, bis Ende des Jahres die Hälfte
der Landwirtschaftsbetriebe zu kollektivieren.
- 15. 1. Die NSDAP gründet Betriebszellen, um Einfluß
auf die Arbeiter in Großbetrieben zu gewinnen.
- 18. 1. Hitler spricht mit dem Chef der Heeresleitung,
Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord (1878-1943), über
die Möglichkeiten einer Verständigung mit der Reichswehrführung.
- 25. 1. Der indische Freiheitskämpfer "Mahatma" Gandhi
(1869-1948) wird aus dem Gefängnis entlassen.
- 30. 1. In Berlin wird der Regisseur Erwin Piscator
wegen Steuerschulden verhaftet.
- Februar
- 4. 2. In Berlin verbietet der Polizeipräsident das NSDAP-Organ
"Der Angriff". Immer wieder provoziert das von Joseph
Goebbels herausgegebene Blatt mit der Rechtfertigung antisemitisch-nationalistischer
Gewalttaten.
- Josef W. Stalin fordert eine rapide Steigerung des
Industrialisierungsprozesses in der Sowjetunion.
- 5. 2. Im Reichstag bekräftigt Goebbels die radikale
Opposition der Nationalsozialisten zum parlamentarischen System.
- 6. 2. Uraufführung des Films "Lichter der Großstadt"
von Charles Chaplin in New York.
- 7. 2. Der Reichstag lehnt einen weiteren Mißtrauensantrag
von NSDAP und KPD gegen die Regierung
Heinrich Brüning ab.
- 10. 2. Im Reichstag erklären 151 Abgeordnete der
NSDAP, der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und des
Christlichen Landvolks ihren Auszug aus dem Parlament. Anlaß
ist eine Änderung der Geschäftsordnung, mit der den
Parteien vor allem die permanente Behinderung der parlamentarischen
Arbeit durch das wiederholte Einbringen von Mißtrauensanträgen
erschwert werden soll.
- Neu-Delhi wird neue Hauptstadt Indiens.
- 17. 2. Erstes Gespräch zwischen Gandhi und dem britischen
Vizekönig in Indien, Edward Lord Irwin (1881-1959).
- 19. 2. Uraufführung des Films "Die Dreigroschenoper"
von Georg Wilhelm Pabst in Berlin.
- 20. 2. Röhm verkündet eine Neugliederung der
SA. Sie orientiert sich an der Truppeneinteilung des Militärs.
- März
- 4. 3. Gandhi und Irwin vereinbaren die Einstellung der Kampagne
des bürgerlichen Ungehorsams gegen die britische Kolonialmacht.
- 5. 3. Uraufführung des Stücks "Der Hauptmann
von Köpenick" von Carl Zuckmayer in Berlin.
- 11. 3. Tod des Filmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau
in Santa Barbara (Kalifornien/USA).
- 12. 3. Der Reichstag billigt eine neue Kraftfahrzeugsteuer.
Sie sieht für Pkw mit Verbrennungsmotoren eine jährliche
Steuer von 12 Reichsmark pro 100 Kubikzentimeter Hubraum vor.
- 13. 3. Die Kritik der Deutschen Volkspartei (DVP)
im thüringischen Landtag an der rigorosen Politik von Wilhelm Frick (NSDAP) führt zum Bruch der 1930 geschlossenen
Koalition mit der NSDAP.
- In Deutschland gelingt der erste Abschuß einer Feststoffrakete.
- 15. 3. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland
beträgt fast fünf Millionen. Nur die Hälfte von
ihnen ist durch die Arbeitslosenversicherung abgesichert. 19 Prozent
erhalten Mittel aus der Krisenunterstützung, der Rest ist
auf die Wohlfahrt angewiesen. Die wirtschaftlichen und psychologischen
Folgen der Weltwirtschaftskrise erzeugen eine allgemeine Katastrophenstimmung
und bringen den radikalen Parteien Zulauf.
![[Video]](../logos/i_video.gif)
- 19. 3. Deutschland und Österreich vereinbaren Richtlinien
für eine Zollunion zwischen beiden Ländern.
- 20. 3. Der Reichstag billigt - bei Stimmenthaltung der
Abgeordneten der SPD - die dritte Rate für den Bau des Panzerkreuzers
A sowie die erste Rate für den des Panzerkreuzers B. Die
SPD fürchtet bei Ablehnung des Etats eine Auflösung
des Reichstags und die Stärkung der radikalen Parteien.
- Tod
des ehemaligen Reichskanzlers Hermann Müller in Berlin.
- 21. 3. Die Reichsregierung stellt Planungen für eine deutsch-österreichische Zollunion vor,
die Kern einer neuen Wirtschaftsordnung in Europa werden soll. Die alliierten Mächte reagieren mit Skepsis.
- 28. 3. Reichspräsident Paul von Hindenburg
schränkt mit einer Notverordnung zur Bekämpfung politischer
Ausschreitungen das Versammlungsrecht und die Pressefreiheit ein.
- April
- 1. 4. Der thüringische Landtag nimmt einen Mißtrauensantrag
der SPD gegen den nationalsozialistischen Innenminister Frick an, der daraufhin
zurücktritt.
- 2. 4. Der stellvertretende SA-Führer Walther
Stennes (1895-1989) wird von Hitler abgesetzt. Stennes forderte die sofortige
Regierungsübernahme durch einen Staatsstreich, während
Hitler offiziell auf strikter Legalität besteht. Hitler beauftragt
Goebbels mit dem Parteiausschluß aller Sympathisanten von
Stennes.
- 12. 4. Bei den Gemeindewahlen in Spanien siegen in den
Städten die Republikaner und auf dem Land die Monarchisten.
Der spanische König Alfons XIII. (1886-1941) wertet
dies als Votum gegen die Monarchie.
- 14. 4. Alfons XIII. verzichtet auf die Regierungsgewalt und verläßt
das Land, ohne aber seinem Thronrecht zu entsagen. Spanien wird zur Republik proklamiert.
Es bildet sich eine linke Regierung aus sozialistischen und republikanischen Politikern.
Frankreich und bald darauf die anderen europäischen Staaten erkennen die neue Regierung an.
- 15. 4. Alfons XIII. geht ins Exil nach Frankreich.
- 20. 4. Das britische Unterhaus stimmt einer Lockerung der Sonntagsruhe
zu und erlaubt Sportveranstaltungen.
- 22. 4. In Thüringen wird eine neue Landesregierung
ohne Beteiligung der NSDAP gebildet.
- Mai
- 1. 5. Einweihung des Empire State Building in New York, des
mit 381 Metern und 102 Stockwerken höchsten Gebäudes
der Welt.
- 3. 5. Bei den Landtagswahlen in Schaumburg-Lippe bleibt
die SPD mit 44,6 Prozent der Stimmen stärkste Partei vor
der NSDAP mit 27 Prozent.
- 7. 5. Wegen Beschimpfung der Republik verbietet der Berliner
Polizeipräsident Albert Grzesinski (1879-1947) "Die
Rote Fahne" für 14 Tage.
- 9. 5. Die französische Deputiertenkammer lehnt die
deutsch-österreichische Zollunion einstimmig ab.
- 10/11. 5. In Spanien kommt es an zahlreichen Orten zu Plünderungen
und Brandschatzung in Kirchen und Klöstern. Die neue Regierung erklärt die
Sonderstellung von Adel und Kirche für abgeschafft.
- 11. 5. Uraufführung des Films "M- Eine Stadt sucht einen Mörder" Fritz Lang in Berlin.
- 13. 5. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) vergibt
die Olympischen Spiele 1936 an Berlin.
- Paul Doumer (1857-1932) wird neuer französischer Staatspräsidenten.
- 17. 5. Bei den Landtagswahlen in Oldenburg wird die NSDAP
mit 37,2 Prozent der Stimmen stärkste Partei vor der SPD
mit 20,9 Prozent. Die Nationalsozialisten stellen erstmals in
einem Landesparlament die stärkste Fraktion.
- 19. 5. Reichspräsident Hindenburg nimmt in Kiel am
Stapellauf des Panzerkreuzers A teil. Das Schiff wird auf den
Namen "Deutschland" getauft.
- 25. 5. In den USA gibt die "Gesellschaft gegen die
Prohibition" bekannt, daß der Jahresumsatz des illegalen
Alkoholhandels mit 2,8 Milliarden Dollar fast ebenso hoch sei
wie der Umsatz der amerikanischen Öl- und Stahlindustrie.
- 27. 5. Der Schweizer Physiker Auguste Piccard (1884-1962)
und sein Assistent steigen mit ihrem Stratosphärenballon in eine
Höhe von 15.781 m auf.
- 30. 5. Benito Mussolini
geht auf Konfrontation zum Vatikan und verbietet katholische Laiengruppen.
Papst Pius XI. (1857-1939) wendet sich daraufhin scharf gegen die faschistische
Regierung und verurteilt deren totalitären Anspruch.
- Juni
- 2. 6. Die von dem Architekten Heinrich Tessenow (1876-1950) umgebaute Neue Wache in Berlin wird als "Gedenkstätte
für die Toten des Weltkriegs 1914 bis 1918" eingeweiht.
- 4. 6. Das NS-Organ "Der Angriff" wird erneut
für einen Monat verboten.
- 5. 6. Reichspräsident Hindenburg erläßt
die Notverordnung "Zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen",
die weitreichende Sparmaßnahmen vorsieht. In einem Aufruf
an die Gläubigerstaaten Deutschlands fordert die Reichsregierung
ein Ende der Reparationen.
- 6. 6. Beim Brand des Münchner Glaspalasts, einer
Glas-Stahl-Konstruktion am Botanischen Garten, werden über
3.000 Kunstwerke vernichtet. Darunter befinden sich bedeutende
Gemälde der deutschen Romantik.
- 9. 6. Der französische Außenminister Aristide
Briand lehnt jede Veränderung des Young-Plans ab.
- 11. 6. In mehreren Städten veranstaltet die KPD Kundgebungen
und "Hungermärsche". Sie will damit auf die Arbeitslosigkeit
hinweisen und Arbeitslose mobilisieren.
- 14. 6. Mit einem 3:2-Sieg über den TSV 1860 München
wird Hertha BSC Berlin Deutscher Fußballmeister.
- 20. 6. In Reaktion auf die wirtschaftliche Krise in Deutschland
schlägt der amerikanische Präsident Herbert Hoover (1874-1964)
ein einjähriges Moratorium für alle Reparationen und
Kriegsschulden vor.
- 23. 6. Reichskanzler Brüning würdigt den Moratoriumsvorschlag
Hoovers und schlägt eine deutsch-französische Aussprache
über den Aufschub vor.
- 25. 6. Das Deutsche Reich erhält von den Nationalbanken
Großbritanniens, Frankreichs, der Federal Reserve Bank New
York und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in
Basel einen Kredit in Höhe von 419 Millionen Reichsmark.
- 28. 6. Bei den Wahlen zu den spanischen Landesparlamenten
siegen die Parteien der republikanisch-sozialistischen Koalition
mit großer Mehrheit.
- Juli
- 4. 7. Die bayerische Landespolizei in München besetzt
das "Braune Haus" der NSDAP. Zugleich wird in Bayern
das Tragen von Uniformen für zwei Wochen verboten.
- Wegen
finanzieller Schwierigkeiten muß die Kroll-Oper in Berlin
schließen.
- 9. 7. Der Unterrichtsausschuß des Preußischen
Landtags ordnet die Entfernung des Antikriegsromans "Im Westen
nichts Neues" aus allen Schulbüchereien an.
- 12. 7. Tod des deutschen Literaturforschers und Historikers Friedrich Gundolf (1880-1931).
- 13. 7. Zusammenbruch des drittgrößten Geldinstituts
des Deutschen Reichs, der Darmstädter und Nationalbank (Danat-Bank)
aufgrund des Abzugs ausländischer Kredite.
- 14. 7. Der Konkurs der Danat-Bank führt zu einem
Ansturm auf die Kreditinstitute. Hindenburg läßt per
Notverordnung die Schalter zwei Tage schließen und den Zahlungsverkehr
einschränken. Das Börsengeschäft wird erst am 11.
April 1932 wieder aufgenommen.
- 17. 7. Hindenburg erläßt eine Notverordnung
über das Pressewesen, mit der Zeitungsverbote leichter als
bisher durchgesetzt werden können.
- 18./19. 7. Reichskanzler Brüning und Außenminister
Julius Curtius (1877-1948) treffen sich zu bilateralen Gesprächen
mit französischen Regierungsvertretern in Paris.
- 19. 6. Rudolf Carraciola (1901-1959) gewinnt auf dem Nürburgring
den Großen Preis von Deutschland.
- 20.-23. 7. In London findet eine Sieben-Mächte-Konferenz
über die Lage der deutschen Wirtschaft statt. Die Teilnehmer
beschließen die Verlängerung der bisher gewährten
Kredite sowie eine Untersuchung der deutschen Finanzlage.
- 21. 7. Die Führer der "Nationalen Opposition"
- Hitler (NSDAP), Alfred Hugenberg (DNVP) und Franz
Seldte ("Stahlhelm") - erklären, daß
sie sich im Fall einer Regierungsübernahme nicht an die von
Reichskanzler Brüning eingegangenen finanziellen Verpflichtungen
halten werden.
- August
- 1. 8. Erstbesteigung der Matterhorn-Nordwand durch zwei
Münchner Bergsteiger.
- 2. 8. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der
Sowjetunion (KPdSU) entscheidet sich gegen eine 100prozentige
Kollektivierung der Landwirtschaft. Nur rund drei Viertel der
gesamten landwirtschaftlichen Fläche sollen genossenschaftlich
organisiert werden.
- 3. 8. Der dem Deutschen Reich im Juni gewährte Finanzkredit
wird um drei Monate verlängert.
- Der "freiwillige Arbeitsdienst"
wird durch eine Verordnung von Reichsarbeitsminister Adam Stegerwald (1874-1945) zur öffentlichen Einrichtung. Arbeitslose können nun
zu gemeinnützigen Arbeiten herangezogen werden.
- 9. 8. Ein vom "Stahlhelm" initiierter und von
der KPD unterstützter Volksentscheid zur Auflösung des
Preußischen Landtags scheitert. KPD und Stahlhelm meinten,
nach den letzten Reichstagswahlen entspreche die preußische
"Weimarer Regierungskoaliton" nicht mehr dem Willen
der Wähler.
- 11. 8. In London wird auf einer Sachverständigenkonferenz
ein Protokoll über das Hoover-Moratorium unterzeichnet. Die
Reparationenzahlungen des Deutschen Reichs werden für ein
Jahr ausgesetzt.
- 15. 8. In der Sowjetunion wird die Unterrichtspflicht
für alle Analphabeten zwischen 16 und 50 Jahren angeordnet.
- 20. 8. Die republikanische Regierung in Spanien sperrt das
Verfügungsrecht der Kirche über ihre Güter.
- 24. 8. Infolge der internationalen Schuldenverflechtung schlägt
die deutsche Finanzkrise auf Großbritannien durch. König Georg V.
(1865-1936) beauftragt den Führer des bisherigen Labour-Minderheitenkabinetts
James Ramsay MacDonald (1866-1937) mit der Bildung eines "National Gouvernments"
unter Einbeziehung der Konservativen und Liberalen.
- Polen bietet der Sowjetunion einen Nichtangriffspakt an.
- 27. 8. Die "Do X", das derzeit weltweit größte Flugzeug,
landet in New York. Beim Flug von Lissabon nach Rio de Janeiro hat das von Claude Dornier
(1884-1969) entwickelte Flugboot eine Geschwindigkeit von 176 km/h erreicht.
- September
- 2. 9. Das Verbot des Antikriegsfilms "Im Westen nichts
Neues" wird aufgehoben. Die deutschsprachige Fassung darf
in einer leicht gekürzten Version gezeigt werden.
- 5. 9. In Anwesenheit Gandhis beginnt in London
eine Konferenz über die Zukunft Indiens.
- 7. 9. Die Reichsregierung diskutiert erstmals über
Siedlungen für Arbeitslose. Land im Besitz der öffentlichen
Hand soll zur Bebauung freigegeben werden. Die Siedler sollen
überwiegend "Selbstversorger" werden.
- 11. 9. In Berlin trifft Hitler mit mehreren Industriellen zusammen,
um ihnen seine wirtschaftspolitischen Ziele vorzustellen. Zu den Gästen
gehören Fritz Thyssen, Emil Kirdorf und Albert Vögler.
- 12. 9. Am jüdischen Neujahrstag werden von Berliner
SA-Männern Geschäfte demoliert. Passanten, die sie für
Juden halten, werden angegriffen und verletzt.
- 20. 9. Die Bank von England hebt den Goldstandard für
das Pfund Sterling auf. Zahlreiche weitere Länder mit Sterling-Währung
folgen.
- Das Tauchboot "Nautilus" des australischen
Wissenschaftlers George Herbert Wilkins (1888-1958) scheitert
bei dem Versuch, den Nordpol zu erreichen.
- 25. 9. Das Präsidium des Reichsverbands der Deutschen
Industrie wählt Gustav Krupp von Bohlen und Halbach
zu seinem neuen Präsidenten.
- 27. 9. Bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg wird
die NSDAP mit 26,2 Prozent der Stimmen zweitstärkste Partei
hinter der SPD mit 27,8 Prozent.
- 28. 9. Der französische Ministerpräsident
Pierre Laval und Außenminister
Briand beenden ihren Staatsbesuch in Berlin. Vor allem ihre Kranzniederlegung
am Grab von Gustav Stresemann
hat großes Aufsehen hervorgerufen.
- Der Automobilkonstrukteur Ferdinand Porsche (1875-1951)
und der Chef der Nürnberger Zündapp-Werke, Fritz Neumeyer,
vereinbaren die Konstruktion eines "Volkswagens".
- Oktober
- 1. 10. Die Höchstdauer der Arbeitslosenunterstützung
wird von 26 auf 20 Wochen gekürzt.
- 3. 10. Wegen des Scheiterns der Zollunion mit Österreich
tritt Außenminister Curtius zurück. Der Internationale
Gerichtshof in Den Haag beurteilte die Zollunion als unvereinbar
mit dem Friedensvertrag von Saint-Germain.
- 6. 10. Reichspräsident Hindenburg erläßt
eine weitere Notverordnung zur "Sicherung von Wirtschaft
und Finanzen" sowie zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen:
Rentenbezüge werden gesenkt, und ein Nothaushalt für
das zweite Quartal 1932 wird aufgestellt. Auch sollen "Sammelstätten
staatsgefährlicher Betätigung" wie die SA-Unterkünfte
geschlossen werden.
- 7. 10. Aus Anlaß der Demission von Reichsaußenminister
Curtius tritt das Kabinett Brüning zurück. Hindenburg
verlangt eine stärkere Rechtsorientierung der neuen Regierung.
- 9. 10. Reichspräsident Hindenburg beauftragt Brüning
erneut mit der Regierungsbildung.
- 10. 11. Hindenburg und Brüning empfangen Hitler zu
einer Unterredung. Brüning hofft, durch eine Kooperation
mit Hitler den politischen Druck der "Nationalen Opposition"
zu schwächen; Hitler seinerseits sieht in einer Zusammenarbeit
die Möglichkeit, dem legalen Zugang zur Macht näherzukommen.
- 11. 10. Harzburger Front: Auf Initiative Hugenbergs
treffen sich in Bad Harzburg die Vertreter der "Nationalen
Opposition" (NSDAP, DNVP, "Stahlhelm" und die "Vereinigung
Vaterländischer Verbände") zu einer Veranstaltung.
Umrahmt von umfangreichen Aufmärschen ihrer paramilitärischen
Verbände, betonen die Führer der äußersten
Rechten ihren gemeinsamen Willen zum Sturz der Regierung.
- 12. 10. - 19. 11. In Paris finden weitere deutsch-französische
Beratungen über die Reparationsfrage statt.
- 13. 10. Reichskanzler Brüning gibt seine Regierungserklärung
ab. Die am 10. Februar aus dem Reichstag ausgezogene Rechtsopposition
kehrt in den Reichstag zurück, um die Regierungspolitik zu blockieren.
- 16. 10. Nach dreitägiger Debatte lehnt der Reichstag
alle Mißtrauensanträge gegen die Regierung Brüning
ab. Die Rechtsopposition verläßt darauf erneut den Reichstag.
- 18. 10. Tod des amerikanischen Erfinders Thomas Edison (1847-1931)
in West Orange (New Jersey/USA).
- Tod des Malers und Graphikers Lesser Ury (1861-1931) in Berlin.
- 21. 10. Auf Initiative des Reichspräsidenten wird
in Berlin der Reichswirtschaftsbeirat gebildet. Er besteht aus
25 Vertretern des Handels, der Schiffahrt und der Industrie.
- Tod
des Schriftstellers Arthur Schnitzler in Wien.
- 24. 10. Al Capone (1899-1947)wird in Chicago wegen
Steuerhinterziehung zu elf Jahren Gefängnis und 50.000 Dollar
(210.000 Reichsmark) Geldstrafe verurteilt.
- November
- 2. 11. Uraufführung des Volksstücks "Geschichten
aus dem Wienerwald" von Ödön von Horváth
in Berlin.
- 3. 11. Der preußische Innenminister Carl Severing
(SPD) verbietet alle Umzüge und Versammlungen unter freiem
Himmel.
- 8. 11. Auf einer Kundgebung der DNVP betont Hugenberg
die Eigenständigkeit seiner Partei gegenüber der NSDAP.
- 14. 11. Die spanische Regierung erläßt eine
Neuregelung des Verhältnisses von Staat und Kirche: Alle
Religionsgemeinschaften gelten nur noch als Vereine mit besonderem Statut,
ihre Arbeit unterliegt staatlicher Kontrolle. Sie haben keinen Anspruch
auf finanzielle Unterstützung mehr.
- 15. 11. Bei den Landtagswahlen in Hessen wird die NSDAP
mit 37 Prozent der Stimmen stärkste Partei vor der SPD mit
21,4 Prozent.
- 18. 11. In Berlin spricht Hitler in einem mehrstündigen
Gespräch mit Hermine von Schönaich-Carolath (1887-1947), der Ehefrau
des ehemaligen Kaisers Wilhelm
II.,überdie Ziele seiner Partei. Hitler sucht die Sympathie
monarchistischer Kreise gelegen.
- 20. 11. Das spanische Parlament spricht den emigrierten
König Alfons XIII. des Hochverrats und Verfassungsbruchs
für schuldig.
- 21. 11. Uraufführung des Oratoriums "Das Unaufhörliche"
von Paul Hindemith in Berlin.
- 23. 11. Der Publizist Carl von Ossietzky wird in Leipzig
wegen "Verrats militärischer Geheimnisse" zu 18 Monaten Haft
verurteilt. Die von Ossietzky herausgegebene "Weltbühne" hat
über den illegalen Bau von Militärflugzeugen berichtet. Teile der
Öffentlichkeit protestieren vehement gegen diesen Angriff auf die Pressefreiheit.
- Dezember
- 2. 12. Auf einer Delegiertentagung der DNVP bestätigt
Hugenberg das in Bad Harzburg geschlossene Bündnis mit der
NSDAP.
- 4. 12. Hitler läßt auf einer Pressekonferenz
vor Auslandsjournalisten in Berlin verlauten, die NSDAP wolle
nur auf legalem Wege an die Macht gelangen.
- 8. 12. Reichspräsident Hindenburg erläßt
eine weitere Notverordnung zur "Sicherung von Wirtschaft
und Finanzen". Sie friert die Löhne auf dem Stand von
Januar 1927 ein und sieht eine Senkung der Mieten vor.
- 9. 12. In Spanien wird eine republikanische Verfassung eingeführt:
Sie garantiert das Privateigentum und die Gleichberechtigung aller Staatsbürger.
Staat und Kirche werden getrennt.
- 10. 12. In Oslo wird der Chemie-Nobelpreis an
Carl Bosch und Friedrich Bergius (1884-1949) für die
Kohleverflüssigung vergeben. Den Medizin-Nobelpreis erhält
Otto Warburg (1883-1970) für die Erforschung des Atmungsferments.
- Der Leipziger Oberbürgermeister
Carl Friedrich Goerdeler wird zum Reichskommissar für Preisüberwachung ernannt.
- Premiere des Spielfilms "Der weiße Rausch" von Arnold Fanck (1889-1974)
mit Leni Riefenstahl in der Hauptrolle.
- 11. 12. Das vom britischen Parlament gebilligte "Westminster-Statut"
gewährt den britischen Dominions (Australien, Irland, Kanada,
Neufundland, Neuseeland und der Südafrikanischen Union) die
gleichberechtigte Mitgliedschaft innerhalb des britischen Commonwealth.
- 14. 12. Der chinesische Militärführer Chiang
Kai-shek tritt vom Vorsitz des zentralen Vollzugsrats der Regierung
und der Nationalpartei Kuomintang zurück.
- 16. 12. Auf einer gemeinsamen Tagung proklamieren Vertreter
der SPD, des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB),
der Arbeitersportverbände und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold
die "Eiserne Front" zur "Abwendung der faschistischen
Gefahr".
- 22. 12. Uraufführung des Films "Der Hauptmann
von Köpenick" in Berlin.
- 28. 12. Papst Pius XI. unterstreicht mit der Enzyklika
"Lux veritatis" die päpstliche Autorität,
die aufgrund göttlichen Rechts unfehlbar sei.
- 31. 12. Die Arbeitslosenzahl erreicht die Höhe von
5,6 Millionen.
- Außerdem:
- Hermann Broch (1886-1951): Die Schlafwandler (Romantrilogie)
- Tod Browning (1882-1962): Dracula (Film)
- Jean Cocteau (1889-1963): Das Blut eines Dichters (Film)
- Leonhard Frank (1882-1961): Von drei Millionen drei (Arbeitslosenroman)
- Karl Jaspers: Die geistige Situation der Zeit (Philosophische
Schrift)
- Erich Kästner: Fabian (Roman)
- Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm (Roman)
- Arnold Zweig: Junge Frau von 1914 (Roman)
(se/lw/mw)
|