1931

[Photo: Walter Ballhause

[Textil: Armbinde der Eisernen Front, nach 1931]

 

Chronik





 
 
Januar
1. 1. Nach gescheiterten Tarifverhandlungen kündigt der Zechenverband 295.00 Arbeitern zum 15. Januar.
Die Reichsleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bezieht in München das "Braune Haus" als neue Reichsparteileitung.
2. 1. Als Reaktion auf die Massenentlassungen durch den Zechenverband beginnen im linksrheinischen Kohlenrevier und im Raum Recklinghausen Streiks unter Führung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
3. 1. Tod des französischen Marschalls Joseph Jacques Joffre in Paris.
5. 1. Der ehemalige Hauptmann Ernst Röhm wird von Adolf Hitler zum Leiter der paramiliärischen, 70.000 Mitglieder zählenden Sturmabteilung (SA) ernannt. Röhm war von dieser Position im April 1925 wegen seiner Differenzen mit Hitler über die Rolle der SA zurückgetreten.
7. 1. In Wien kommt es zu Demonstrationen der politischen Rechten gegen den Antikriegsfilm "Im Westen nichts Neues" von Lewis Milestone (1895-1980). Die österreichische Regierung beugt sich - wie bereits die Reichsregierung im Vorjahr - dem Druck der rechtsextremen Demonstrationen und verbietet den Film.
9. 1. Nach einer Notverordnung können von der Regierung eingesetzte Schlichtungskommissionen auch gegen den Widerspruch der Tarifparteien einen Schiedsspruch fällen. Damit wird der Staat zum ausschlaggebenden Faktor bei Tarifverhandlungen.
10. 1. Im Tarifkonflikt im Ruhrbergbau beschließt eine Schlichtungskommission mit Zustimmung der Regierung eine sechsprozentige Lohnkürzung, zugleich aber die Rücknahme der Massenkündigungen.
Der sowjetische Ministerpräsident Wjatscheslaw M. Molotow kündigt an, bis Ende des Jahres die Hälfte der Landwirtschaftsbetriebe zu kollektivieren.
15. 1. Die NSDAP gründet Betriebszellen, um Einfluß auf die Arbeiter in Großbetrieben zu gewinnen.
18. 1. Hitler spricht mit dem Chef der Heeresleitung, Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord (1878-1943), über die Möglichkeiten einer Verständigung mit der Reichswehrführung.
25. 1. Der indische Freiheitskämpfer "Mahatma" Gandhi (1869-1948) wird aus dem Gefängnis entlassen.
30. 1. In Berlin wird der Regisseur Erwin Piscator wegen Steuerschulden verhaftet.
 
Februar
4. 2. In Berlin verbietet der Polizeipräsident das NSDAP-Organ "Der Angriff". Immer wieder provoziert das von Joseph Goebbels herausgegebene Blatt mit der Rechtfertigung antisemitisch-nationalistischer Gewalttaten.
Josef W. Stalin fordert eine rapide Steigerung des Industrialisierungsprozesses in der Sowjetunion.
5. 2. Im Reichstag bekräftigt Goebbels die radikale Opposition der Nationalsozialisten zum parlamentarischen System.
6. 2. Uraufführung des Films "Lichter der Großstadt" von Charles Chaplin in New York.
7. 2. Der Reichstag lehnt einen weiteren Mißtrauensantrag von NSDAP und KPD gegen die Regierung Heinrich Brüning ab.
10. 2. Im Reichstag erklären 151 Abgeordnete der NSDAP, der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und des Christlichen Landvolks ihren Auszug aus dem Parlament. Anlaß ist eine Änderung der Geschäftsordnung, mit der den Parteien vor allem die permanente Behinderung der parlamentarischen Arbeit durch das wiederholte Einbringen von Mißtrauensanträgen erschwert werden soll.
Neu-Delhi wird neue Hauptstadt Indiens.
17. 2. Erstes Gespräch zwischen Gandhi und dem britischen Vizekönig in Indien, Edward Lord Irwin (1881-1959).
19. 2. Uraufführung des Films "Die Dreigroschenoper" von Georg Wilhelm Pabst in Berlin.
20. 2. Röhm verkündet eine Neugliederung der SA. Sie orientiert sich an der Truppeneinteilung des Militärs.
 
März
4. 3. Gandhi und Irwin vereinbaren die Einstellung der Kampagne des bürgerlichen Ungehorsams gegen die britische Kolonialmacht.
5. 3. Uraufführung des Stücks "Der Hauptmann von Köpenick" von Carl Zuckmayer in Berlin.
11. 3. Tod des Filmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau in Santa Barbara (Kalifornien/USA).
12. 3. Der Reichstag billigt eine neue Kraftfahrzeugsteuer. Sie sieht für Pkw mit Verbrennungsmotoren eine jährliche Steuer von 12 Reichsmark pro 100 Kubikzentimeter Hubraum vor.
13. 3. Die Kritik der Deutschen Volkspartei (DVP) im thüringischen Landtag an der rigorosen Politik von Wilhelm Frick (NSDAP) führt zum Bruch der 1930 geschlossenen Koalition mit der NSDAP.
In Deutschland gelingt der erste Abschuß einer Feststoffrakete.
15. 3. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland beträgt fast fünf Millionen. Nur die Hälfte von ihnen ist durch die Arbeitslosenversicherung abgesichert. 19 Prozent erhalten Mittel aus der Krisenunterstützung, der Rest ist auf die Wohlfahrt angewiesen. Die wirtschaftlichen und psychologischen Folgen der Weltwirtschaftskrise erzeugen eine allgemeine Katastrophenstimmung und bringen den radikalen Parteien Zulauf.
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19. 3. Deutschland und Österreich vereinbaren Richtlinien für eine Zollunion zwischen beiden Ländern.
20. 3. Der Reichstag billigt - bei Stimmenthaltung der Abgeordneten der SPD - die dritte Rate für den Bau des Panzerkreuzers A sowie die erste Rate für den des Panzerkreuzers B. Die SPD fürchtet bei Ablehnung des Etats eine Auflösung des Reichstags und die Stärkung der radikalen Parteien.
Tod des ehemaligen Reichskanzlers Hermann Müller in Berlin.
21. 3. Die Reichsregierung stellt Planungen für eine deutsch-österreichische Zollunion vor, die Kern einer neuen Wirtschaftsordnung in Europa werden soll. Die alliierten Mächte reagieren mit Skepsis.
28. 3. Reichspräsident Paul von Hindenburg schränkt mit einer Notverordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen das Versammlungsrecht und die Pressefreiheit ein.
 
April
1. 4. Der thüringische Landtag nimmt einen Mißtrauensantrag der SPD gegen den nationalsozialistischen Innenminister Frick an, der daraufhin zurücktritt.
2. 4. Der stellvertretende SA-Führer Walther Stennes (1895-1989) wird von Hitler abgesetzt. Stennes forderte die sofortige Regierungsübernahme durch einen Staatsstreich, während Hitler offiziell auf strikter Legalität besteht. Hitler beauftragt Goebbels mit dem Parteiausschluß aller Sympathisanten von Stennes.
12. 4. Bei den Gemeindewahlen in Spanien siegen in den Städten die Republikaner und auf dem Land die Monarchisten. Der spanische König Alfons XIII. (1886-1941) wertet dies als Votum gegen die Monarchie.
14. 4. Alfons XIII. verzichtet auf die Regierungsgewalt und verläßt das Land, ohne aber seinem Thronrecht zu entsagen. Spanien wird zur Republik proklamiert. Es bildet sich eine linke Regierung aus sozialistischen und republikanischen Politikern. Frankreich und bald darauf die anderen europäischen Staaten erkennen die neue Regierung an.
15. 4. Alfons XIII. geht ins Exil nach Frankreich.
20. 4. Das britische Unterhaus stimmt einer Lockerung der Sonntagsruhe zu und erlaubt Sportveranstaltungen.
22. 4. In Thüringen wird eine neue Landesregierung ohne Beteiligung der NSDAP gebildet.
 
Mai
1. 5. Einweihung des Empire State Building in New York, des mit 381 Metern und 102 Stockwerken höchsten Gebäudes der Welt.
3. 5. Bei den Landtagswahlen in Schaumburg-Lippe bleibt die SPD mit 44,6 Prozent der Stimmen stärkste Partei vor der NSDAP mit 27 Prozent.
7. 5. Wegen Beschimpfung der Republik verbietet der Berliner Polizeipräsident Albert Grzesinski (1879-1947) "Die Rote Fahne" für 14 Tage.
9. 5. Die französische Deputiertenkammer lehnt die deutsch-österreichische Zollunion einstimmig ab.
10/11. 5. In Spanien kommt es an zahlreichen Orten zu Plünderungen und Brandschatzung in Kirchen und Klöstern. Die neue Regierung erklärt die Sonderstellung von Adel und Kirche für abgeschafft.
11. 5. Uraufführung des Films "M- Eine Stadt sucht einen Mörder" Fritz Lang in Berlin.
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13. 5. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) vergibt die Olympischen Spiele 1936 an Berlin.
Paul Doumer (1857-1932) wird neuer französischer Staatspräsidenten.
17. 5. Bei den Landtagswahlen in Oldenburg wird die NSDAP mit 37,2 Prozent der Stimmen stärkste Partei vor der SPD mit 20,9 Prozent. Die Nationalsozialisten stellen erstmals in einem Landesparlament die stärkste Fraktion.
19. 5. Reichspräsident Hindenburg nimmt in Kiel am Stapellauf des Panzerkreuzers A teil. Das Schiff wird auf den Namen "Deutschland" getauft.
25. 5. In den USA gibt die "Gesellschaft gegen die Prohibition" bekannt, daß der Jahresumsatz des illegalen Alkoholhandels mit 2,8 Milliarden Dollar fast ebenso hoch sei wie der Umsatz der amerikanischen Öl- und Stahlindustrie.
27. 5. Der Schweizer Physiker Auguste Piccard (1884-1962) und sein Assistent steigen mit ihrem Stratosphärenballon in eine Höhe von 15.781 m auf.
30. 5. Benito Mussolini geht auf Konfrontation zum Vatikan und verbietet katholische Laiengruppen. Papst Pius XI. (1857-1939) wendet sich daraufhin scharf gegen die faschistische Regierung und verurteilt deren totalitären Anspruch.
 
Juni
2. 6. Die von dem Architekten Heinrich Tessenow (1876-1950) umgebaute Neue Wache in Berlin wird als "Gedenkstätte für die Toten des Weltkriegs 1914 bis 1918" eingeweiht.
4. 6. Das NS-Organ "Der Angriff" wird erneut für einen Monat verboten.
5. 6. Reichspräsident Hindenburg erläßt die Notverordnung "Zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen", die weitreichende Sparmaßnahmen vorsieht. In einem Aufruf an die Gläubigerstaaten Deutschlands fordert die Reichsregierung ein Ende der Reparationen.
6. 6. Beim Brand des Münchner Glaspalasts, einer Glas-Stahl-Konstruktion am Botanischen Garten, werden über 3.000 Kunstwerke vernichtet. Darunter befinden sich bedeutende Gemälde der deutschen Romantik.
9. 6. Der französische Außenminister Aristide Briand lehnt jede Veränderung des Young-Plans ab.
11. 6. In mehreren Städten veranstaltet die KPD Kundgebungen und "Hungermärsche". Sie will damit auf die Arbeitslosigkeit hinweisen und Arbeitslose mobilisieren.
14. 6. Mit einem 3:2-Sieg über den TSV 1860 München wird Hertha BSC Berlin Deutscher Fußballmeister.
20. 6. In Reaktion auf die wirtschaftliche Krise in Deutschland schlägt der amerikanische Präsident Herbert Hoover (1874-1964) ein einjähriges Moratorium für alle Reparationen und Kriegsschulden vor.
23. 6. Reichskanzler Brüning würdigt den Moratoriumsvorschlag Hoovers und schlägt eine deutsch-französische Aussprache über den Aufschub vor.
25. 6. Das Deutsche Reich erhält von den Nationalbanken Großbritanniens, Frankreichs, der Federal Reserve Bank New York und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel einen Kredit in Höhe von 419 Millionen Reichsmark.
28. 6. Bei den Wahlen zu den spanischen Landesparlamenten siegen die Parteien der republikanisch-sozialistischen Koalition mit großer Mehrheit.
 
Juli
4. 7. Die bayerische Landespolizei in München besetzt das "Braune Haus" der NSDAP. Zugleich wird in Bayern das Tragen von Uniformen für zwei Wochen verboten.
Wegen finanzieller Schwierigkeiten muß die Kroll-Oper in Berlin schließen.
9. 7. Der Unterrichtsausschuß des Preußischen Landtags ordnet die Entfernung des Antikriegsromans "Im Westen nichts Neues" aus allen Schulbüchereien an.
12. 7. Tod des deutschen Literaturforschers und Historikers Friedrich Gundolf (1880-1931).
13. 7. Zusammenbruch des drittgrößten Geldinstituts des Deutschen Reichs, der Darmstädter und Nationalbank (Danat-Bank) aufgrund des Abzugs ausländischer Kredite.
14. 7. Der Konkurs der Danat-Bank führt zu einem Ansturm auf die Kreditinstitute. Hindenburg läßt per Notverordnung die Schalter zwei Tage schließen und den Zahlungsverkehr einschränken. Das Börsengeschäft wird erst am 11. April 1932 wieder aufgenommen.
17. 7. Hindenburg erläßt eine Notverordnung über das Pressewesen, mit der Zeitungsverbote leichter als bisher durchgesetzt werden können.
18./19. 7. Reichskanzler Brüning und Außenminister Julius Curtius (1877-1948) treffen sich zu bilateralen Gesprächen mit französischen Regierungsvertretern in Paris.
19. 6. Rudolf Carraciola (1901-1959) gewinnt auf dem Nürburgring den Großen Preis von Deutschland.
20.-23. 7. In London findet eine Sieben-Mächte-Konferenz über die Lage der deutschen Wirtschaft statt. Die Teilnehmer beschließen die Verlängerung der bisher gewährten Kredite sowie eine Untersuchung der deutschen Finanzlage.
21. 7. Die Führer der "Nationalen Opposition" - Hitler (NSDAP), Alfred Hugenberg (DNVP) und Franz Seldte ("Stahlhelm") - erklären, daß sie sich im Fall einer Regierungsübernahme nicht an die von Reichskanzler Brüning eingegangenen finanziellen Verpflichtungen halten werden.
 
August
1. 8. Erstbesteigung der Matterhorn-Nordwand durch zwei Münchner Bergsteiger.
2. 8. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) entscheidet sich gegen eine 100prozentige Kollektivierung der Landwirtschaft. Nur rund drei Viertel der gesamten landwirtschaftlichen Fläche sollen genossenschaftlich organisiert werden.
3. 8. Der dem Deutschen Reich im Juni gewährte Finanzkredit wird um drei Monate verlängert.
Der "freiwillige Arbeitsdienst" wird durch eine Verordnung von Reichsarbeitsminister Adam Stegerwald (1874-1945) zur öffentlichen Einrichtung. Arbeitslose können nun zu gemeinnützigen Arbeiten herangezogen werden.
9. 8. Ein vom "Stahlhelm" initiierter und von der KPD unterstützter Volksentscheid zur Auflösung des Preußischen Landtags scheitert. KPD und Stahlhelm meinten, nach den letzten Reichstagswahlen entspreche die preußische "Weimarer Regierungskoaliton" nicht mehr dem Willen der Wähler.
11. 8. In London wird auf einer Sachverständigenkonferenz ein Protokoll über das Hoover-Moratorium unterzeichnet. Die Reparationenzahlungen des Deutschen Reichs werden für ein Jahr ausgesetzt.
15. 8. In der Sowjetunion wird die Unterrichtspflicht für alle Analphabeten zwischen 16 und 50 Jahren angeordnet.
20. 8. Die republikanische Regierung in Spanien sperrt das Verfügungsrecht der Kirche über ihre Güter.
24. 8. Infolge der internationalen Schuldenverflechtung schlägt die deutsche Finanzkrise auf Großbritannien durch. König Georg V. (1865-1936) beauftragt den Führer des bisherigen Labour-Minderheitenkabinetts James Ramsay MacDonald (1866-1937) mit der Bildung eines "National Gouvernments" unter Einbeziehung der Konservativen und Liberalen.
Polen bietet der Sowjetunion einen Nichtangriffspakt an.
27. 8. Die "Do X", das derzeit weltweit größte Flugzeug, landet in New York. Beim Flug von Lissabon nach Rio de Janeiro hat das von Claude Dornier (1884-1969) entwickelte Flugboot eine Geschwindigkeit von 176 km/h erreicht.
 
September
2. 9. Das Verbot des Antikriegsfilms "Im Westen nichts Neues" wird aufgehoben. Die deutschsprachige Fassung darf in einer leicht gekürzten Version gezeigt werden.
5. 9. In Anwesenheit Gandhis beginnt in London eine Konferenz über die Zukunft Indiens.
7. 9. Die Reichsregierung diskutiert erstmals über Siedlungen für Arbeitslose. Land im Besitz der öffentlichen Hand soll zur Bebauung freigegeben werden. Die Siedler sollen überwiegend "Selbstversorger" werden.
11. 9. In Berlin trifft Hitler mit mehreren Industriellen zusammen, um ihnen seine wirtschaftspolitischen Ziele vorzustellen. Zu den Gästen gehören Fritz Thyssen, Emil Kirdorf und Albert Vögler.
12. 9. Am jüdischen Neujahrstag werden von Berliner SA-Männern Geschäfte demoliert. Passanten, die sie für Juden halten, werden angegriffen und verletzt.
20. 9. Die Bank von England hebt den Goldstandard für das Pfund Sterling auf. Zahlreiche weitere Länder mit Sterling-Währung folgen.
Das Tauchboot "Nautilus" des australischen Wissenschaftlers George Herbert Wilkins (1888-1958) scheitert bei dem Versuch, den Nordpol zu erreichen.
25. 9. Das Präsidium des Reichsverbands der Deutschen Industrie wählt Gustav Krupp von Bohlen und Halbach zu seinem neuen Präsidenten.
27. 9. Bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg wird die NSDAP mit 26,2 Prozent der Stimmen zweitstärkste Partei hinter der SPD mit 27,8 Prozent.
28. 9. Der französische Ministerpräsident Pierre Laval und Außenminister Briand beenden ihren Staatsbesuch in Berlin. Vor allem ihre Kranzniederlegung am Grab von Gustav Stresemann hat großes Aufsehen hervorgerufen.
Der Automobilkonstrukteur Ferdinand Porsche (1875-1951) und der Chef der Nürnberger Zündapp-Werke, Fritz Neumeyer, vereinbaren die Konstruktion eines "Volkswagens".
 
Oktober
1. 10. Die Höchstdauer der Arbeitslosenunterstützung wird von 26 auf 20 Wochen gekürzt.
3. 10. Wegen des Scheiterns der Zollunion mit Österreich tritt Außenminister Curtius zurück. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag beurteilte die Zollunion als unvereinbar mit dem Friedensvertrag von Saint-Germain.
6. 10. Reichspräsident Hindenburg erläßt eine weitere Notverordnung zur "Sicherung von Wirtschaft und Finanzen" sowie zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen: Rentenbezüge werden gesenkt, und ein Nothaushalt für das zweite Quartal 1932 wird aufgestellt. Auch sollen "Sammelstätten staatsgefährlicher Betätigung" wie die SA-Unterkünfte geschlossen werden.
7. 10. Aus Anlaß der Demission von Reichsaußenminister Curtius tritt das Kabinett Brüning zurück. Hindenburg verlangt eine stärkere Rechtsorientierung der neuen Regierung.
9. 10. Reichspräsident Hindenburg beauftragt Brüning erneut mit der Regierungsbildung.
10. 11. Hindenburg und Brüning empfangen Hitler zu einer Unterredung. Brüning hofft, durch eine Kooperation mit Hitler den politischen Druck der "Nationalen Opposition" zu schwächen; Hitler seinerseits sieht in einer Zusammenarbeit die Möglichkeit, dem legalen Zugang zur Macht näherzukommen.
11. 10. Harzburger Front: Auf Initiative Hugenbergs treffen sich in Bad Harzburg die Vertreter der "Nationalen Opposition" (NSDAP, DNVP, "Stahlhelm" und die "Vereinigung Vaterländischer Verbände") zu einer Veranstaltung. Umrahmt von umfangreichen Aufmärschen ihrer paramilitärischen Verbände, betonen die Führer der äußersten Rechten ihren gemeinsamen Willen zum Sturz der Regierung.
12. 10. - 19. 11. In Paris finden weitere deutsch-französische Beratungen über die Reparationsfrage statt.
13. 10. Reichskanzler Brüning gibt seine Regierungserklärung ab. Die am 10. Februar aus dem Reichstag ausgezogene Rechtsopposition kehrt in den Reichstag zurück, um die Regierungspolitik zu blockieren.
[Text] [Ton]
16. 10. Nach dreitägiger Debatte lehnt der Reichstag alle Mißtrauensanträge gegen die Regierung Brüning ab. Die Rechtsopposition verläßt darauf erneut den Reichstag.
18. 10. Tod des amerikanischen Erfinders Thomas Edison (1847-1931) in West Orange (New Jersey/USA).
Tod des Malers und Graphikers Lesser Ury (1861-1931) in Berlin.
21. 10. Auf Initiative des Reichspräsidenten wird in Berlin der Reichswirtschaftsbeirat gebildet. Er besteht aus 25 Vertretern des Handels, der Schiffahrt und der Industrie.
Tod des Schriftstellers Arthur Schnitzler in Wien.
24. 10. Al Capone (1899-1947)wird in Chicago wegen Steuerhinterziehung zu elf Jahren Gefängnis und 50.000 Dollar (210.000 Reichsmark) Geldstrafe verurteilt.
 
November
2. 11. Uraufführung des Volksstücks "Geschichten aus dem Wienerwald" von Ödön von Horváth in Berlin.
3. 11. Der preußische Innenminister Carl Severing (SPD) verbietet alle Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel.
8. 11. Auf einer Kundgebung der DNVP betont Hugenberg die Eigenständigkeit seiner Partei gegenüber der NSDAP.
14. 11. Die spanische Regierung erläßt eine Neuregelung des Verhältnisses von Staat und Kirche: Alle Religionsgemeinschaften gelten nur noch als Vereine mit besonderem Statut, ihre Arbeit unterliegt staatlicher Kontrolle. Sie haben keinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung mehr.
15. 11. Bei den Landtagswahlen in Hessen wird die NSDAP mit 37 Prozent der Stimmen stärkste Partei vor der SPD mit 21,4 Prozent.
18. 11. In Berlin spricht Hitler in einem mehrstündigen Gespräch mit Hermine von Schönaich-Carolath (1887-1947), der Ehefrau des ehemaligen Kaisers Wilhelm II.,überdie Ziele seiner Partei. Hitler sucht die Sympathie monarchistischer Kreise gelegen.
20. 11. Das spanische Parlament spricht den emigrierten König Alfons XIII. des Hochverrats und Verfassungsbruchs für schuldig.
21. 11. Uraufführung des Oratoriums "Das Unaufhörliche" von Paul Hindemith in Berlin.
23. 11. Der Publizist Carl von Ossietzky wird in Leipzig wegen "Verrats militärischer Geheimnisse" zu 18 Monaten Haft verurteilt. Die von Ossietzky herausgegebene "Weltbühne" hat über den illegalen Bau von Militärflugzeugen berichtet. Teile der Öffentlichkeit protestieren vehement gegen diesen Angriff auf die Pressefreiheit.
 
Dezember
2. 12. Auf einer Delegiertentagung der DNVP bestätigt Hugenberg das in Bad Harzburg geschlossene Bündnis mit der NSDAP.
4. 12. Hitler läßt auf einer Pressekonferenz vor Auslandsjournalisten in Berlin verlauten, die NSDAP wolle nur auf legalem Wege an die Macht gelangen.
8. 12. Reichspräsident Hindenburg erläßt eine weitere Notverordnung zur "Sicherung von Wirtschaft und Finanzen". Sie friert die Löhne auf dem Stand von Januar 1927 ein und sieht eine Senkung der Mieten vor.
9. 12. In Spanien wird eine republikanische Verfassung eingeführt: Sie garantiert das Privateigentum und die Gleichberechtigung aller Staatsbürger. Staat und Kirche werden getrennt.
10. 12. In Oslo wird der Chemie-Nobelpreis an Carl Bosch und Friedrich Bergius (1884-1949) für die Kohleverflüssigung vergeben. Den Medizin-Nobelpreis erhält Otto Warburg (1883-1970) für die Erforschung des Atmungsferments.
Der Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler wird zum Reichskommissar für Preisüberwachung ernannt.
Premiere des Spielfilms "Der weiße Rausch" von Arnold Fanck (1889-1974) mit Leni Riefenstahl in der Hauptrolle.
11. 12. Das vom britischen Parlament gebilligte "Westminster-Statut" gewährt den britischen Dominions (Australien, Irland, Kanada, Neufundland, Neuseeland und der Südafrikanischen Union) die gleichberechtigte Mitgliedschaft innerhalb des britischen Commonwealth.
14. 12. Der chinesische Militärführer Chiang Kai-shek tritt vom Vorsitz des zentralen Vollzugsrats der Regierung und der Nationalpartei Kuomintang zurück.
16. 12. Auf einer gemeinsamen Tagung proklamieren Vertreter der SPD, des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB), der Arbeitersportverbände und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold die "Eiserne Front" zur "Abwendung der faschistischen Gefahr".
22. 12. Uraufführung des Films "Der Hauptmann von Köpenick" in Berlin.
28. 12. Papst Pius XI. unterstreicht mit der Enzyklika "Lux veritatis" die päpstliche Autorität, die aufgrund göttlichen Rechts unfehlbar sei.
31. 12. Die Arbeitslosenzahl erreicht die Höhe von 5,6 Millionen.
 
Außerdem:
Hermann Broch (1886-1951): Die Schlafwandler (Romantrilogie)
Tod Browning (1882-1962): Dracula (Film)
Jean Cocteau (1889-1963): Das Blut eines Dichters (Film)
Leonhard Frank (1882-1961): Von drei Millionen drei (Arbeitslosenroman)
Karl Jaspers: Die geistige Situation der Zeit (Philosophische Schrift)
Erich Kästner: Fabian (Roman)
Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm (Roman)
Arnold Zweig: Junge Frau von 1914 (Roman)

(se/lw/mw)

 

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