1932
![[Plakat: Mjölnir "Unsere letzte Hoffnung: Hitler", 1932]](../../objekte/pict/pli04734/200.jpg)
![[Plakat: Wahlwerbung für die SPD "Das Dritte Reich? Nein!", 1932/33]](../../objekte/pict/pli04768/200.jpg)
![[Zeitschrift: John Heartfield "Der Sinn des Hitlergrusses" (Titelblatt der AIZ), 1932]](../../objekte/pict/d2z02541/200.jpg)
![[Statistik: Reichstagswahl 31.07.1932]](../../objekte/statistik/wa19323/200.gif)
![[Statistik: Reichstagswahl 06.11.1932]](../../objekte/statistik/wa193223/200.gif)
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Chronik
- Januar
- 3. 1. Auf Anordnung der britischen Kolonialbehörden
wird der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung
"Mahatma" Gandhi (1869-1948) in Bombay verhaftet.
Seine Unabhängigkeitsartei hat den Boykott britischer Waren proklamiert.
- 6. 1. Reichskanzler Heinrich Brüning
(Zentrum)
erklärt gegenüber den Botschaftern Frankreichs und Großbritanniens,
daß Deutschland auch nach Ablauf des "Hoover-Moratoriums"
keine Reparationszahlungen mehr leisten könne.
- 7. 1. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei
Deutschlands (SPD), Otto Wels, äußert sich
in einer Unterredung mit Reichskanzler Brüning skeptisch
zu dessen Plänen, die Amtszeit des Reichspräsidenten
Paul von Hindenburg auf Lebenszeit zu verlängern.
- 11. 1. Bei den Gemeindewahlen in Lippe (Westfalen) wird
die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)
mit 31, 4 Prozent der Stimmen stärkste Partei vor der SPD
mit 28,6 Prozent.
- 15. 1. Tod des Reformpädagogen Georg Kerschensteiner (1854-1932) in München.
- 19. 1. In Berlin hindern nationalsozialistische Studenten
jüdische Kommilitonen am Betreten der Hörsäle.
Vier jüdische Studenten werden verletzt.
- 200 Mitglieder
der Sturmabteilung (SA) sprengen eine Parteiversammlung
der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Bei den
Auseinandersetzungen werden zwei Kommunisten getötet.
- 21. 1. Finnland und die Sowjetunion unterzeichnen einen
Nichtangriffspakt, in dem die UdSSR sich zur Respektierung der
finnischen Grenzen verpflichtet.
- 24. 1. Der Jesuitenorden wird von der spanischen Regierung
verboten. Seine Mitglieder werden des Landes verwiesen und die
Besitztümer des Ordens beschlagnahmt.
- 27. 1. Vor dem Düsseldorfer Industrieclub erklärt
Adolf Hitler (NSDAP), die Überwindung des parlamentarischen
Systems sei die wichtigste Voraussetzung zur Beseitigung der wirtschaftlichen
Krise. Die Mehrheit der anwesenden Wirtschaftsführer nimmt
die Rede mit Zustimmung auf.
- 29. 1. Reichswehrminister Wilhelm Groener (parteilos)
erläßt eine Verordnung, die Nationalsozialisten, nicht
aber Kommunisten, den Eintritt in die Reichswehr erlaubt.
- Bei
Übergriffen nationalsozialistischer Uniformierter an der
Wiener Universität werden mehrere jüdische Studierende
verletzt.
- Februar
- 2. 2. - 10. 12. Beginn einer internationalen Abrüstungskonferenz
des Völkerbunds in Genf. Brüning fordert die Aufhebung
der Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Vertrags. Am
10. Dezember unterzeichnen das Deutsche Reich, die USA, Großbritannien,
Frankreich und Italien eine Erklärung, die dem Deutschen
Reich in Rüstungsfragen einen gleichberechtigten Status zugesteht.
- 4.-15. 2. In Lake Placid (USA) finden die III. Olympischen
Winterspiele statt. Es nehmen lediglich sieben Nationen mit kleinen
Mannschaften teil.
- 8. 2. Auf der Abrüstungskonferenz in Genf fordert
der britische Außenminister John Simon (1873-1954)
ein Verbot von Luftangriffen, die Abschaffung chemischer Waffen
und die Abrüstung von U-Booten.
- 10. 2. Tod des britischen Schriftstellers Edgar Wallace (1875-1932) in Hollywood.
- 11. 2. In Genf fordert der sowjetische Volkskommissar
für Auswärtige Angelegenheiten, Maxim M. Litwinow (1876-1951),
ein Verbot von Panzern und schwerer Artillerie.
- 15. 2. Nach Angaben des Reichsarbeitsministeriums sind
in Deutschland 6,127 Millionen Menschen arbeitslos. Jeder dritte
Arbeitnehmer ist ohne Beschäftigung. Die katastrophale wirtschaftliche
Lage der meisten Arbeitslosen und Kurzarbeiter führt
zu zunehmender Unzufriedenheit mit der Republik.
- Reichspräsident
Paul von Hindenburg erklärt seine Bereitschaft zu
einer erneuten Kandidatur bei den Reichspräsidentenwahlen
im März.
- 16. 2. Uraufführung des Stücks "Vor Sonnenuntergang"
von Gerhart Hauptmann in Berlin.
- 22. 2. Der NSDAP-Gauleiter von Berlin-Brandenburg, Joseph
Goebbels, verkündet die Kandidatur Hitlers für die
Reichspräsidentenwahl.
- 24. 2. Im Vorfeld der Reichspräsidentenwahl führt
die NSDAP ein neues Propagandamittel ein: Rund 50.000 Schallplatten
mit Reden Hitlers werden in mehreren Städten verteilt.
- 25. 2. Die Regierung von Braunschweig ernennt Hitler zum
Regierungsrat ihrer Gesandtschaft in Berlin. Dadurch erhält
er die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie ist für die
Kandidatur zur Reichspräsidentenwahl notwendig.
- In Berlin
treten rund 12.000 Gastwirte in einen "Bierstreik",
um die Herabsetzung der Biersteuer zu erwirken.
- 26. 2. Im Reichstag scheitert ein von der NSDAP, der
Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) sowie der Deutschen Volkspartei
(DVP) eingebrachtes Mißtrauensvotum gegen die Wirtschaftspolitik
Brünings.
- 27. 2. Die SPD ruft ihre Mitglieder auf, bei der Reichspräsidentenwahl
für Hindenburg zu stimmen.
- 29. 2. Das "Deutsche Kreditübereinkommen für
1932" tritt in Kraft: Am 23. Januar hatten sich die ausländischen
Gläubigerbanken auf die einjährige Stundung sämtlicher
Verbindlichkeiten des Deutschen Reichs geeinigt. Die deutschen
Auslandsschulden belaufen sich auf 22,9 Milliarden Reichsmark.
- März
- 1. 3. Die paramilitärische Organisation "Volkssport"
der Sudetendeutschen wird unter dem Vorwurf staatsfeindlicher
Aktivitäten vom tschechoslowakischen Innenministerium verboten.
Die Anhänger des "Volkssport" fordern den Anschluß
der sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich.
- 2. 3. In New Jersey wird das 20 Monate alte Kind des Atlantikfliegers
Charles A. Lindbergh (1902-1974) entführt. Obwohl die Eltern das
geforderte Lösegeld zahlen, wird das Baby am 12. Mai tot
aufgefunden. In den USA erregt die Entführung großes
Interesse.
- 4. 3. Der deutsche Passagierdampfer "Bremen" erringt das
"Blaue Band" für die schnellste Atlantiküberquerung (4 Tage und 17 Stunden).
- 7. 3. Tod des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten
und Außenministers Aristide Briand in Paris.
- 13. 3. Beim ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl
kann keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit
der Stimmen auf sich vereinen. Der amtierende Reichspräsident
Hindenburg erhält 49,6 Prozent, Hitler 30,1 Prozent und Ernst
Thälmann
(KPD) 4,98 Prozent der Stimmen. Der zweite Wahlgang
wird auf den 10. April festgesetzt.
- Bei den Landtagswahlen in
Mecklenburg-Strelitz erringt die DNVP elf Mandate und ist stärkste
Partei vor der SPD und der NSDAP.
- 20. 3. Das Luftschiff LZ 127 "Graf Zeppelin" nimmt den
regelmäßigen Luftfahrtdienst nach Südamerika auf.
- 24. 3. Uraufführung des Films "Das blaue Licht"
von Leni Riefenstahl in Berlin.
- 29. 3. Hindenburg erläßt eine Notverordnung,
mit der die Reichsregierung ohne die Zustimmung des Reichstags
die Haushaltsführung für weitere drei Monate regeln
kann.
- 31. 3. Die Filmprüfstelle in Berlin verbietet die
Freigabe des sozialkritischen Films "Kuhle Wampe"
von Slatan Dudow (1903-1963) und Bertolt Brecht
wegen "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung".
- April
- 4. 4. Tod des Chemikers und Philosophen Wilhelm Ostwald (1853-1932) in Großbothen.
- 9. 4. Reichsbankpräsident Hans Luther
wird bei einem Attentat durch einen Streifschuß leicht verletzt.
- 10. 4. Bei der Reichspräsidentenwahl erhält Hindenburg
im zweiten Wahlgang 53 Prozent der Stimmen und ist damit neuer Reichspräsident.
Hitler kommt auf 36,8 Prozent, Thälmann auf 10,2 Prozent der Stimmen.
- 13. 4. Auf Grundlage der von Hindenburg erlassenen Notverordnung
"zur Sicherung der Staatsautorität" verbietet Brüning
SA und Schutzstaffel (SS). Die Regierung befürchtet
einen Putschversuch der rechtsradikalen Organisationen.
- 15. 4. Die Reichsregierung billigt eine weitere Million
Reichsmark für mehrere Arbeitsbeschaffungsprogramme. Die
Gesamthöhe der Summe, mit der die Regierung für den
"freiwilligen Arbeitsdienst" aufkommt, beträgt
im Juli 55 Millionen Reichsmark. 66.000 Arbeitslose werden für
durchschnittlich 2 RM pro Tag beschäftigt. Die von Staat
und Gemeinden gewährte Arbeitslosenunterstützung beträgt
1,80 RM pro Tag.
- 18. 4. Die Sowjetunion verstärkt ihre Truppen an
der Grenze zur Mandschurei als Reaktion auf den Aufmarsch japanischer
Einheiten.
- 22. 4. Der Theaterregisseur Max Reinhardt tritt
aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Leiter des
Deutschen Theaters in Berlin zurück.
- 23. 4. In der Sowjetunion werden Zwangsverbände für
Künstler zur Durchsetzung des "sowjetischen Realismus" eingerichtet.
- 24. 4. Bei den Landtagswahlen in Preußen, Bayern,
Württemberg und Anhalt sowie den Bürgerschaftswahlen
in Hamburg kommt es zu Stimmengewinnen der NSDAP. Außer
in Bayern, wo die Bayerische Volkspartei (BVP) einen knappen
Stimmenvorsprung hat, wird die NSDAP überall stärkste
Fraktion. Auch die Koalitionsregierung in Preußen unter
Otto Braun (SPD) verliert ihre Mehrheit.
- Bei den Wahlen
in den österreichischen Bundesländern Wien, Niederösterreich
und Salzburg erringen die österreichischen Nationalsozialisten
erhebliche Stimmengewinne.
- Mai
- 1. 5. In mehreren deutschen Großstädten kommt
es während der Maifeiern zu schweren Auseinandersetzungen
zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten.
- 6. 5. Nach einem verlorenen Mißtrauensvotum tritt
die österreichische Regierung unter Bundeskanzler Karl
Buresch (1878-1936) zurück. Buresch scheiterte vor allem an der mangelnden
Unterstützung der "Großdeutschen Partei",
die für den Anschluß Österreichs an das Deutsche
Reich eintritt.
- 7. 5. Der französische Staatspräsident Paul
Doumer (1857-1932) stirbt an den Folgen eines Attentats. Am Tag zuvor
hatte ein Rechtsextremist mehrere Schüsse auf ihn abgegeben.
Sein Nachfolger wird Albert Lebrun (1871-1950).
- 8. 5. Uraufführung des Films "Scarface"
von Howard Hawks (1896-1977) in New York. Im Mittelpunkt der Handlung
steht das Leben des Gangsterbosses Al Capone (1899-1947).
- 10. 5. Reichswehrminister Groener verteidigt im Reichstag
das Verbot von SA und SS. Die NSDAP-Fraktion antwortet mit wüsten
Beschimpfungen. Groeners engster Mitarbeiter Generalmajor Kurt
von Schleicher erklärt, Groener sei für die Führung
der Reichswehr untragbar geworden. Bereits seit Anfang Mai plant
Schleicher den Sturz von Brüning und Groener.
- 11. 5. Nach Angaben des Statistischen Reichsamts ist die
industrielle Weltproduktion auf den Stand von 1913 gesunken.
- 12. 5. Auf Druck der Generalität und des Chefs des
Ministeramts der Reichswehr, Kurt von Schleicher, tritt Reichswehrminister
Groener zurück.
- 20. 5. In Österreich bildet der ehemalige Landwirtschaftsminister
Engelbert Dollfuß eine neue Koalitionsregierung aus
der Christlichsozialen Partei, dem "Landbund" und dem
rechtsgerichteten "Heimatblock".
- 21. 5. Der Landtag von Anhalt wählt in Dessau den
Nationalsozialisten Alfred (Bernard) Freyberg (1892-1945) zum
Ministerpräsidenten. Freyberg ist der erste nationalsozialistische
Ministerpräsident eines deutschen Landes.
- 29. 5. Bei den Landtagswahlen in Oldenburg erringt die
NSDAP die absolute Mehrheit.
- Reichspräsident Hindenburg
fordert Brüning zum Rücktritt auf. Anlaß dieses
Vertrauensentzugs ist Hindenburgs von großagrarischen Interessen
geprägter Widerstand gegen Brünings Ostsiedlungsprogramm,
das die Enteignung ostelbischer Güter zum Zwecke der Besiedlung
durch Arbeits- und Landlose vorsieht.
- 30. 5. Das Kabinett Brüning gibt seinen Rücktritt
bekannt.
- Nach der Entfernung einiger regierungskritischer Szenen
erfolgt die Freigabe des Films "Kuhle Wampe oder Wem gehört
die Welt" von Slatan Dudow (1903-1963). Die Filmmusik stammt von
Hanns Eisler.
- 31. 5. Auf Vorschlag Schleichers beauftragt Hindenburg
Franz von Papen (Zentrum)
mit der Regierungsbildung. Papen bildet ein Präsidialkabinett.
In diesem "Kabinett der Barone" werden sieben der elf Ressorts
von überwiegend deutschnationalen Adligen geleitet.
Schleicher übernimmt das Reichswehrministerium.
- Juni
- 3. 6. Reichskanzler Papen tritt aus dem Zentrum aus und kommt
damit dem Parteiausschluß zuvor. Die Partei kritisiert Papen
für seine Beteiligung am Sturz des früheren Reichskanzlers
Brüning.
- 4. 6. Das Kabinett Papens wird nur von den Deutschnationalen
(DNVP) unterstützt, die NSDAP sagt die Tolerierung nach Rücknahme
des SA- und SS-Verbots zu. Auf Antrag Papens löst der Reichspräsident
den Reichstag auf und schreibt Neuwahlen für den 31. Juli
aus.
- Die Automobilfirmen DKW, Horch, Audi und Wanderer schließen
sich zur Auto-Union GmbH mit Sitz in Chemnitz zusammen. Als Markenzeichen
erhält die neue Firma vier ineinandergreifende Ringe.
- 5. 6. Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Schwerin erringt
die NSDAP die Hälfte der Mandate.
- 8. 6. Nach Angaben des Statistischen Reichsamts ist die
Zahl der Arbeitslosen auf rund 5,5 Millionen gefallen.
- 10. 6. Der Roman "Kleiner Mann - Was nun?" von
Hans Fallada erscheint im Rowohlt Verlag.
- 12. 6. Mit einem 2:0-Sieg über Eintracht Frankfurt
wird der FC Bayern München Deutscher Fußballmeister.
- 13. 6. Reichsinnenminister Wilhelm Freiherr von Gayl (1879-1950) erläßt eine Verordnung, nach der die Reichsregierung
täglich eine Stunde Sendezeit im Rundfunk erhält.
- 14. 6. In der ersten Rundfunkrede eines Nationalsozialisten,
die auf Anweisung der Reichsregierung übertragen wird, verkündet
der Reichsorganisationsleiter der NSDAP, Gregor Strasser:
"Wir wollen keine Judenverfolgung, aber deutsche Führung
ohne jüdischen Geist. (...) Wir scheuen den Krieg als letztes
Mittel nicht und verlangen (...) die Wiederherstellung der deutschen
Ehre."
- 16. 6. - 9. 7. Internationale Konferenz zur Regelung der
Reparationen in Lausanne. Das Deutsche Reich wird verpflichtet,
nur noch eine Abschlußzahlung in Höhe von drei Milliarden
Reichsmark zu zahlen. Restzahlungen sowie die Tilgung der Dawes-
und der Young-Anleihe bleiben dagegen bestehen.
- 20. 6. Im "Benelux-Abkommen" beschließen
die Delegierten der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs den Abbau
der Zollschranken. Die europäischen Staaten werden aufgefordert,
sich dem Abkommen anzuschließen, um so die wirtschaftliche
Krise zu überwinden.
- 21. 6. Max Schmeling verliert in New York seinen
Titel als Boxweltmeister nach einem Kampf über 15 Runden .
- 29. 6. Per Notverordnung werden das Versammlungsverbot
sowie das Verbot des Tragens von Uniformen bei politischen Versammlungen
gelockert.
- Juli
- 8. 7. Der französische Senat lehnt einen Antrag auf
Gewährung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen
mit großer Mehrheit ab.
- 15. 7. Der Völkerbund beschließt als Finanzhilfe
für Österreich eine 300 Millionen Schilling hohe Anleihe.
- 17. 7. In mehreren Städten kommt es zu Zusammenstößen
zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Den ersten Höhepunkt
der bürgerkriegsähnlichen Kämpfe nach Wiederzulassung
der SA bildet der "Altonaer Blutsonntag": Die SA provoziert
gezielt Straßenkämpfe mit Kommunisten. Bei den Schießereien
sterben 18 Menschen.
- 18. 7. Die Reichsregierung erläßt ein Verbot
aller Demonstrationen unter freiem Himmel.
- 20. 7. "Preußenschlag": Durch Notverordnung
und unter Ausrufung des militärischen Ausnahmezustands wird
die geschäftsführende preußische Regierung unter
Otto Braun (SPD) für abgesetzt erklärt. Papen
läßt sich von Hindenburg zum Reichskommissar von Preußen
ernennen. Begründet wird der Schritt mit den blutigen Auseinandersetzungen
vom 17. Juli in Altona.
- Mit dem "Preußenschlag"
hat die SPD ihre stärkste Bastion verloren. Angesichts der
hohen Arbeitslosigkeit scheint ihr ein Aufruf zum Generalstreik
als aussichtslos.
- 25. 7. In Moskau unterzeichnen die Sowjetunion und Polen
einen Nichtangriffspakt.
- 30. 7. - 14. 8. In Los Angeles finden die X. Olympischen
Sommerspiele statt.
- 31. 7. Bei der Reichstagswahl wird die NSDAP mit 37,4
Prozent stärkste Fraktion vor der SPD mit 21,6 Prozent. Die
Wahl ergibt keinerlei regierungsfähige Mehrheiten. Die NSDAP
stellt mit Hermann Göring den Reichstagspräsidenten.
-
- August
- 1. 8. Bei Straßenkämpfen zwischen Nationalsozialisten
und Anhängern der Linksparteien kommen in mehreren Städten
20 Menschen ums Leben.
- 6. 8. Freigabe der ersten Autobahnstrecke des Deutschen
Reichs. Sie verbindet Köln und Bonn.
- In Venedig werden erstmals
Filmfestspiele veranstaltet. Großen Erfolg hat der deutsche
Beitrag "Das blaue Licht" von Riefenstahl.
- 9. 8. Nach einer Notverordnung sollen Sondergerichte errichtet
und politische Morde zukünftig mit der Todesstrafe geahndet
werden. Gegen die Urteile der Sondergerichte können keine
Rechtsmittel eingelegt werden.
- In Moskau unterzeichnen die Sowjetunion
und Estland einen Nichtangriffspakt.
- 13. 8. Hitler und Papen zum Gespräch bei Hindenburg:
Hitler lehnt eine Ernennung zum Vizekanzler ab. Durch Einbindung
der NSDAP in die Regierungsverantwortung sollte das radikale Potential
der Partei entschärft werden. Hitler fordert das Amt des
Reichskanzlers.
- 14. 8. Der italienische Techniker Guglielmo Marconi (1874-1937)
stellt mit Ultrakurzwellengeräten eine Funkverbindung über 270 Kilometer her.
- 15. 8. Der amerikanische Fernsehsender Columbia Broadcasting
System (CBS) beginnt mit der Ausstrahlung der weltweit ersten
Fernsehserie. Die "World Wide Review" ist ein Kabarettprogramm.
- 19. 8. In Reaktion auf den zunehmenden Antisemitismus
beschließen die Delegierten der in Genf tagenden jüdischen
Weltkonferenz die Einrichtung eines ständigen jüdischen
Weltkongresses. Das Gremium soll die Interessen der jüdischen
Bevölkerung gegenüber den Regierungen wahrnehmen.
- 22. 8. Ein Sondergericht in Beuthen verurteilt fünf SA-Angehörige
zum Tode, die einen kommunistischen Arbeiter totgeschlagen haben. Damit wird die neue
Notverordnung gegen politischen Terror und Mord erstmals in voller Schärfe angewandt.
Eine Woche später werden die Täter zu lebenslanger Haft begnadigt.
- 28. 8. Reichskanzler Papen verkündet einen wirtschaftspolitischen
Zwölfmonatsplan, der eine Abkehr von Brünings Deflationspolitik
bedeutet. Der Plan sieht Lohnkürzungen und den Ausbau des
"freiwilligen Arbeitsdiensts" vor. Er stößt
bei den Gewerkschaften auf Ablehnung.
- 30. 8. Die Eröffnungsrede des Reichstags hält
die Alterspräsidentin Clara Zetkin (KPD).
![[Ton]](../logos/i_sound.gif)
Reichstagspräsident Göring verkündet als erste
Amtshandlung die Vertagung des Reichstags auf unbestimmte Zeit.
-
![[Ton]](../logos/i_sound.gif)
- September
- 2. 9. Josef W. Stalin und
Benito Mussolini schließen für
ihre Länder einen Nichtangriffs- und Freundschaftsvertrag.
- 4. 9. Das Wirtschaftsprogramm von Reichskanzler Papen
wird per Notverordnung in Kraft gesetzt.
- 5. 9. In Berlin veranstaltet der "Stahlhelm"
einen "Reichsfrontsoldatentag", an dem rund 150.000
ehemalige Kriegsteilnehmer, Reichswehrangehörige und Anhänger
der rechten Parteien teilnehmen.
- 12. 9. Bei einem von der KPD eingebrachten Mißtrauensantrag
gegen die Wirtschaftspolitik Papens sprechen sich 512 der 554
Abgeordneten gegen die Regierung aus. Papen und Hindenburg reagieren
mit der Auflösung des Reichstags. Die Neuwahlen werden auf
den 6. November festgesetzt.
- 13. 9. Hitler ernennt Franz Ritter von Epp zum
Leiter des neu geschaffenen Wehrpolitischen Amts der NSDAP.
- 20. 9. Tod des Malers und Graphikers Max Slevogt
auf Hof Neukastel in der Pfalz.
- Im Gefängnis von Poona tritt
Gandhi aus Protest gegen ein britisches Wahlgesetz, das
die Kaste der "Unberührbaren" vom Wahlrecht ausschließt,
in einen Hungerstreik.
- 22. 9. Uraufführung des Films "Die blonde Venus"
von Josef von Sternberg in New York. In den Hauptrollen
sind Marlene Dietrich und Cary
Grant (1904-1986) zu sehen.
- 23. 9. Im Reichsgebiet kommt es wegen der im Wirtschaftsprogramm
Papens vorgesehenen Lohnkürzungen zu Streiks.
- Die arabischen
Königreiche Hedschas und Nadschd vereinigen sich zum Königreich
Saudi-Arabien.
- 26. 9. Die Komödie "Christoph Columbus oder Die Entdeckung Amerikas"
von Walter Hasenclever und Kurt Tucholsky wird in Leipzig uraufgeführt.
- 30. 9. Auf Beschluß des Stadtrats von Dessau (Anhalt)
muß das Bauhaus seinen Lehr- und Forschungsbetrieb
einstellen. Anhalt wird von einer Koalition von NSDAP, DNVP und
DVP regiert. Konservative und nationalsozialistische Gegner des
Bauhauses haben in einer Hetzkampagne die funktionalistische Formgebung
des Bauhauses kritisiert.
- Oktober
- 1. 10. Die NSDAP veranstaltet in Potsdam einen "Reichsjugendtag",
an dem rund 110.000 Menschen teilnehmen.
- 9. 10. Stalin treibt die Ausschaltung von innerparteilichen Gegner weiter
voran: Grigori Sinowjew (1883-1936) und Leo Kamenew (1883-1936), beide enge Vertraute
von Wladimir I. Lenin, werden aus der
Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) ausgeschlossen.
- 16. 10. In Wien kommt es zu blutigen Zusammenstößen
zwischen österreichischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten.
- 19. 10. Österreichs Bundeskanzler Dollfuß erläßt
ein Aufmarschverbot für Nationalsozialisten und für
den sozialdemokratischen Schutzbund.
- 25. 10. Das Reichsgericht in Berlin erklärt die Absetzung der
preußischen Regierung ("Preußenschlag") vom Ansatz her für verfassungskonform.
- 27. 10. In Italien wird die erste Autobahnstrecke des
Landes von Mailand nach Turin dem Verkehr übergeben.
- 29. 10. Uraufführung der Oper "Der Schmied von
Gent" von Franz Schreker (1878-1934) in Berlin. Die Vorstellung
wird durch Zwischenrufe von Nationalsozialisten mehrmals gestört.
Sie nehmen Anstoß an Schrekers engen Beziehungen zu jüdischen
Komponisten und Musikern.
- In St.-Nazaire (Frankreich) läuft die 313 Meter lange "Normandie"
als größter Ozeandampfer der Welt vom Stapel.
- 31. 10. Nach Angaben der Reichsregierung ist die Arbeitslosenzahl
auf 5,1 Millionen gesunken.
- November
- 3. 11. Die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation
(NSBO) und die kommunistische Revolutionäre Gewerkschaftsopposition (RGO)
rufen die Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
zum Streik auf, um eine zweiprozentige Lohnerhöhung durchzusetzen (BVG-Streik).
Ein Teil der Beschäftigten folgt dem Aufruf.
- 4. 11. Eine Notverordnung tritt in Kraft, die Autodiebstahl
mit einer hohen Strafe belegt. Allein in Berlin werden täglich
etwa 10 Autos gestohlen.
- 6. 11. Bei der Reichstagswahl verliert die NSDAP gegenüber
der Wahl im Juli 4,3 Prozent. Dennoch bleibt sie mit 33,1 Prozent
der Stimmen stärkste Partei. Zweitstärkste Partei bleibt
die SPD mit 20,4 Prozent. Die KPD, DNVP und DVP verbessern sich
um einige Mandate.
-
- 7. 11. Hindenburg ordnet per Notverordnung einen "politischen
Burgfrieden" an und untersagt alle politischen Kundgebungen.
Die bis zum 19. November begrenzte Verordnung wird nach Ablauf
der Frist bis zum 2. Januar verlängert.
- 8. 11. Der Streik der Beschäftigten der BVG endet
ergebnislos. Bei Straßenkämpfen mit der Polizei kamen
drei Menschen ums Leben.
- Franklin D. Roosevelt wird als Kandidat der Demokratischen
Partei bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen zum neuen
Präsidenten gewählt.
- 13. 11. Aus den Bürgerschaftswahlen in Lübeck
geht die SPD vor der NSDAP als stärkste Partei hervor.
- 17. 11. Bis auf die DNVP entziehen alle im Reichstag vertretenen
Parteien dem Reichskanzler Papen das Vertrauen. Papen tritt zurück.
- 18. 11. Hindenburg verhandelt mit Alfred Hugenberg (DNVP)
und Prälat Ludwig Kaas (Zentrum) über eine Regierungsneubildung.
Beide äußern Bedenken gegenüber der Ernennung
eines nationalsozialistischen Kanzlers.
- 20. 11. Göring empfängt Kaas und Fritz Schäffer
(BVP) zu Koalitionsgesprächen.
- Uraufführung des Films
"Grün ist die Heide" von Hans Behrendt (1889-nach 1940) in Hannover.
- 21.-24. 11. Der Reichspräsident bietet Adolf Hitler
(NSDAP) die Kanzlerschaft an, wenn ihm die Zusammenstellung eines
Kabinetts mit parlamentarischer Zustimmung gelingt. Zentrum und
DNVP machen deutlich, daß sie Hitler nicht unterstützen
werden. Hitler präsentiert Hindenburg daraufhin ein Schriftstück,
in dem 20 führende Vertreter der deutschen Wirtschaft, darunter
auch der ehemalige Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht,
die Bildung eines vom Parlament unabhängigen Präsidialkabinetts
unter Hitler befürworten. Hindenburg lehnt ab. Er fürchtet
eine Diktatur Hitlers.
- 28. 11. Reichswehrminister Schleicher spricht mit Vertretern
der Gewerkschaften über die Regierungsbildung. Er möchte
auch den NS-Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser in eine
Regierung einbinden.
- 29. 11. Frankreich und die Sowjetunion schließen
einen Nichtangriffspakt
- Dezember
- 1. 12. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund
(ADGB) fordert die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche
und die Rücknahme der durch Notverordnung erzwungenen Lohnkürzungen.
- 3. 12. Hindenburg läßt Papen fallen und beauftragt
den bisherigen Reichswehrminister Schleicher mit der Regierungsbildung.
Schleicher beabsichtigt den Aufbau einer Gewerkschaftsfront mit
Mitgliedern aus allen Parteien. Vor allem die NSDAP soll durch
Einbeziehung ihres linken Flügels unter Gregor Strasser gespalten
werden. Die NSDAP steht dadurch vor einer Zerreißprobe.
- 8. 12. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Parteispitze
legt Strasser seine Parteiämter nieder. Hitler verlangt weiterhin die alleinige
Entscheidungsgewalt für sich selbst.
- 10. 12. Auf der Fünfmächtekonferenz in Genf wird
das Deutsche Reich als gleichberechtigter Staat anerkannt.
- 12. 12. Hindenburg lehnt die von der NSDAP geforderte
Ernennung Görings zum preußischen Ministerpräsidenten
ab.
- 14. 12. Die Reichsregierung hebt die am 4. September verordneten
Lohnsenkungen auf. Der Vorsitzende des Reichsverbands der Industrie
Gustav Krupp von Bohlen und Halbach fordert Reichskanzler
Schleicher auf, das Wirtschaftsprogramm der Regierung Papen fortzuführen.
- 18. 12. Tod des SPD-Politikers Eduard Bernstein
in Berlin.
- 19. 12. Die am 9. August erlassene Ermächtigung zur
Errichtung von Sondergerichten wird aufgehoben. Da die Verordnung
sich vor allem gegen Nationalsozialisten wandte, erhofft sich
Schleicher von der Aufhebung das Wohlwollen der NSDAP.
- 22. 12. Trotz des Versammlungsverbots vom 7. November
kommt es in mehreren Städten zu Demonstrationen und Straßenkämpfen
zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten.
- 28. 12. Hindenburg erläßt eine Notverordnung,
die deutsche Margarineproduzenten zwingt, inländische Rohstoffe
zu benutzen.
- Die Auflösungserscheinungen des parlamentarischen
Systems spiegeln sich auch in der Anzahl der 1932 erlassenen Notverordnungen:
Den 66 Verordnungen stehen nur fünf vom Reichstag beschlossene
Gesetze gegenüber. 1930 ergingen lediglich fünf Notverordnungen,
während noch 98 Gesetze vom Reichstag beschlossen wurden.
- 31. 12. Hindenburg hält die Silvesteransprache.
-
- Außerdem:
- Lion Feuchtwanger: Der jüdische Krieg (Roman, 1. Teil der Josephus-Trilogie)
- Hans Grundig: Vor dem Tor (Gemälde)
- Aldous Huxley (1894-1963): Schöne neue Welt (Roman)
- Joseph Roth (1894-1939): Radetzkymarsch (Roman)
- Josef von Sternberg (1894-1969): Schanghai Express (Film)
(se/lw/mw)
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