1933
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Chronik
- Januar
- 4. 1. Adolf Hitler (NSDAP) und
Franz von Papen führen in Köln Gespräche über eine
gemeinsame Regierungsbildung. Am selben Tag empfängt Reichspräsident
Paul von Hindenburg den früheren Nationalsozialisten
Gregor Strasser und empfiehlt dessen Aufnahme in das Kabinett.
- 6. 1. Der per Notverordnung seit Juli 1932 abgesetzte
preußische Ministerpräsident Otto Braun fordert
von Reichskanzler Kurt von Schleicher die Wiedereinsetzung
in sein Amt.
- 7. 1. Josef W. Stalin erklärt die erfolgreiche
Erfüllung des ersten Fünfjahresplans.
- 15. 1. Mit fast 40 Prozent der Stimmen wird die Nationalsozialistische
Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) stärkste Kraft im Parlament
des kleinen Freistaats Lippe. Nach dem deutlichen Stimmenverlust
bei den Reichstagswahlen vom letzten November wird mit diesem
Erfolg der politische Druck der Partei wieder stärker.
- 21. 1. Die Reichstagsfraktion der
Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) entzieht Reichskanzler Schleicher das Vertrauen.
- 22. 1. Demonstration der Sturmabteilung (SA) mit
16.000 Teilnehmern vor der Berliner Zentrale der Kommunistischen
Partei Deutschlands (KPD). Die Polizei sichert den Aufmarsch
und besetzt das Gebäude der KPD.
- 26. 1. Schleicher verlangt vergeblich von Hindenburg die
Übertragung diktatorischer Vollmachten.
- 28. 1. Da Hindenburg es auch ablehnt, den Reichstag aufzulösen,
tritt Schleicher nach 57 Tagen als Reichskanzler zurück.
- 29.1. Gespräche Papens mit Alfred Hugenberg und Hitler über eine Regierungsbildung.
- 30. 1. Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler. Im
neugebildeten Kabinett wird Papen Vizekanzler und Reichskommissar
für Preußen, Hugenberg erhält das Wirtschaftsministerium.
Von der NSDAP treten Hermann Göring und Wilhelm
Frick in die Regierung ein.
- Aus Anlaß der Machtübernahme
paradieren in Berlin etwa 15.000 Mitglieder von SA, Schutzstaffel
(SS), und "Stahlhelm" mit einem Fackelzug durch
das Brandenburger Tor. Die KPD ruft zum Generalstreik auf.
- 31. 1. Édouard Daladier, Vorsitzender der
Radikalsozialisten, bildet in Frankreich eine neue Regierung.
- Tod des britischen Schriftstellers John Galsworthy (1867-1933) in
London.
- Februar
- 1. 2. Auf Wunsch Hitlers löst Hindenburg den Reichstag
auf.
- 2. 2. Der kommissarisch eingesetzte preußische Innenminister
Göring verbietet alle Demonstrationen der KPD.
- Der ehemalige
britische Außenminister Arthur Henderson (1863-1935) eröffnet
in Genf eine weitere Abrüstungskonferenz mit 64 teilnehmenden
Staaten.
- 4. 2. Per Notverordnung wird die Versammlungs- und Pressefreiheit
weiter eingeschränkt.
- 6. 2. Auf Betreiben Hitlers verleiht Hindenburg von Papen
die Vollmacht zur Auflösung des preußischen Landtags.
Damit ist der Weg frei für Neuwahlen in Preußen.
- 10. 2. Mit der Übertragung ihrer Kundgebung zum Wahlkampfauftakt
benutzt die NSDAP den Rundfunk gezielt als Propagandamittel.
- 11. 2. Die am Vortag gegründete "Kampffront
Schwarz-Weiß-Rot", ein Zusammenschluß von DNVP
und "Stahlhelm", beschließt die Teilnahme an den
Reichstagswahlen und will das Kabinett Hitler unterstützen.
- 15. 2. Heinrich Mann legt auf Druck der NSDAP die
Präsidentschaft über die Dichtkunstsektion der Preußischen
Akademie der Künste nieder. Aus dem gleichen Grunde tritt
auch Käthe Kollwitz aus der Akademie aus.
- In Miami
entgeht der neugewählte US-Präsident Franklin D.
Roosevelt nur knapp einem Attentat.
- 18. 2. Der Komponist Arnold Ludwig Mendelssohn (1855-1933)
stirbt in Darmstadt.
- 20. 2. Göring lädt führende Wirtschaftsvertreter zu einem Geheimtreffen mit Hitler ins Palais des Reichstagspräsidenten. Zu den 25 Teilnehmern zählen der Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, der Bankier Kurt von Schröder (1889-1966) und die Industriellen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach und Albert Vögler sowie weitere Repräsentanten der Schwerindustrie, des Bergbaus und der Banken. Hitler präsentiert seinen Gästen sein politisches Programm, das sie begeistert begrüßen. Als Reaktion spenden sie der NSDAP drei Millionen Reichsmark für den laufenden Reichstagswahlkampf.
- 22. 2. Göring bildet in Preußen eine Hilfspolizei,
deren Mitglieder aus SA, SS und "Stahlhelm" rekrutiert
werden, und ermuntert sie zum "fleißigen Gebrauch der
Schußwaffe".
- 23. 2. Auf der letzten KPD-Kundgebung in Berlin fordert
Wilhelm Pieck eine Einheitsfront gegen die Regierung Hitler.
- 27. 2. Abends bricht im Reichstagsgebäude ein Brand
aus, der fast den gesamten Mittelteil des Gebäudes und den
Plenarsaal zerstört. Direkt nach dem Brand erklärt Göring,
der festgenommene Niederländer Marinus van der Lubbe
habe im Auftrag der KPD das Feuer gelegt. Es folgen zahlreiche
politisch motivierte Verhaftungen. Vor allem Mitglieder der KPD
und Juden werden verfolgt.
- 28. 2. Hindenburg unterzeichnet Notverordnungen, die mit
sofortiger Kraft die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit
noch weiter einschränken und der Polizei weitreichende Befugnisse
einräumen. Der "Vorwärts", die Parteizeitung der
Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), wird
vorläufig verboten.
- Bertolt Brecht und
Helene Weigel fliehen nach Prag ins Exil.
- März
- 3. 3. In Berlin wird der KPD-Vorsitzende Ernst
Thälmann in seinem Versteck verhaftet.
- 5. 3. Bei den Reichstagswahlen erreicht die NSDAP
trotz massiver Propaganda und Terrors 43,9 Prozent der Stimmen
und verfehlt die für sicher gehaltene absolute Mehrheit.
Die SPD erhält 18,3 Prozent, die KPD 12,3 Prozent, das
Zentrum
11,2 Prozent und die als Kampffront Schwarz-Weiß-Rot angetretene
DNVP 8 Prozent. Die gleichzeitigen Wahlen zum preußischen
Landtag haben ein ähnliches Ergebnis.
- 6. 3. US-Präsident Roosevelt verkündet den "New
Deal". Damit sollen vor allem die Arbeitslosigkeit bekämpft
und die Bankenkrise überwunden werden.
- 7. 3. Die österreichische Regierung unter Engelbert
Dollfuß erklärt sich trotz der Handlungsunfähigkeit
des Parlaments als weiter im Amt befindlich. Mit dem gleichzeitig
verkündeten Versammlungsverbot beginnt die autoritäre
Regierungsführung.
- 8. 3. Auf Basis der Notverordnungen werden die KPD-Sitze
im Reichstag annulliert.
- 13. 3. Einrichtung des "Ministeriums für Volksaufklärung
und Propaganda" unter Joseph Goebbels.
- 16. 3. Die Deutsche Reichsbank wählt Schacht erneut
zum Präsidenten.
- 20./21. 3. In Dachau und Sachsenhausen werden die ersten
Konzentrationslager unter Aufsicht von Polizei und SA zur Internierung
von politischen Gegnern der Nationalsozialisten eingerichtet.
- 21. 3. Zur Eröffnung des neuen Reichstags inszenieren
die Nationalsozialisten den "Tag von Potsdam", auf dem
sich Hitler in die Kontinuität der preußischen Könige
zu stellen versucht. Die Teilnahme Hindenburgs soll die Verbindung
vom "alten und neuen Deutschland" symbolisieren und
so das Ansehen der Regierung Hitler erhöhen.
- 22. 3. Das britische Parlament billigt mit großer
Mehrheit einen Verfassungsentwurf mit innerer Autonomie für
Indien.
- 23. 3. Der Reichstag billigt in namentlicher Abstimmung
mit 441 Stimmen das Ermächtigungsgesetz und verzichtet damit
auf seine Gesetzgebungskompetenz. Nur 94 Abgeordnete der SPD stimmen
dagegen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Otto Wels begründet
die Ablehnung der Sozialdemokraten.
- 28. 3. Der Physiker Albert Einstein kehrt aus den
USA nach Europa zurück. Er bleibt jedoch in Belgien und tritt
aus der Preußischen Akademie der Wissenschaften aus.
- 31. 3. Mit dem Gesetz zur "Gleichschaltung der Länder
mit dem Reich" werden außer dem preußischen Landtag
alle Länderparlamente aufgelöst. Ihre neue Zusammensetzung
richtet sich nach der des Reichstags.
- April
- 1. 4. In Deutschland beginnt ein Boykott jüdischer
Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte. SA-Angehörige
gehen gewalttätig gegen Juden und gegen solche Personen vor,
die den Boykott ablehnen.
- Alfred Rosenberg wird Leiter
des NSDAP-Außenamts.
- Im Petersdom in Rom eröffnet
Papst Pius XI.(1857-1939) das Heilige Jahr.
- 3. 4. Das Deutsche Theater in Berlin erklärt die
Ablösung des künstlerischen Leiters Max Reinhardt.
- 7. 4. Die Reichsregierung verhängt mit dem "Gesetz
zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" ein Berufsverbot
für jüdische und regimekritische Beamte. Nach einer
Intervention des Reichspräsidenten Hindenburg werden Juden,
die am Ersten Weltkrieg teilnahmen, vom Berufsverbot ausgenommen.
- Die Gleichschaltung der Länder wird mit
dem Einsetzen von Reichsstatthaltern für jedes Land vorangetrieben.
- 11. 4. Göring wird offiziell preußischer Ministerpräsident.
- 13. 4. Bei einem Besuch in Italien erklärt Göring
die grundsätzliche Übereinstimmung von Faschismus und
Nationalsozialismus. Bei Gesprächen mit dem italienischen
Ministerpräsidenten Benito Mussolini ergeben sich
jedoch Differenzen, weil Italien die Souveränität Österreichs
garantiert hat.
- 16. 4. Gleichschaltung der Satirezeitschrift "Simplicissimus".
- 21. 4. Hitler ernennt seinen Privatsekretär Rudolf
Heß zu seinem Stellvertreter in der Parteiführung.
- 26. 4. Die SPD wählt mit Wels und Hans Vogel (1881-1945)
zwei neue Parteivorsitzende. Zahlreiche SPD-Funktionäre sind
bereits in Haft oder emigriert.
- 27. 4. Der "Stahlhelm"-Führer Franz
Seldte tritt in die NSDAP ein und unterstellt sich direkt
Hitler.
- Mai
- 1. 5. Auf Weisung der Reichsregierung wird der 1.
Mai zum "Feiertag der nationalen Arbeit". Die Einführung
des seit langem von der Arbeiterbewegung geforderten Feiertags
soll über die einsetzende Zerschlagung der Gewerkschaften
hinwegtäuschen.
- 2. 5. Polizei, SA und SS besetzen die Einrichtungen des
Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) und der
Einzelgewerkschaften. Die Gewerkschaften werden zerschlagen.
- 3. 5. Der Reichsverband der deutschen Industrie (RDI)
wählt Theodor Adrian von Renteln (1897-1946) zum neuen Vorsitzenden.
- 5. 5. In Moskau verlängern das Deutsche Reich und
die Sowjetunion ihren 1926 abgeschlossenen Friedensvertrag.
- Göring
wird Minister des neu geschaffenen Reichsluftfahrtministeriums.
- 7. 5. Der Maler Max Liebermann erklärt seinen
Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste.
- 10. 5. Die Deutsche Studentenschaft organisiert Bücherverbrennungen
von Werken oppositioneller und jüdischer Autoren. Wie in
Berlin werden in den folgenden Tagen vor allem in den Universitätsstädten
zahlreiche Bibliotheken "gesäubert".
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- Erster Kongreß
der Deutschen Arbeitsfront (DAF), zu deren Führer
Robert Ley ernannt wird.
- 13. 5. Der Schriftsteller Paul Ernst (1866-1933) stirbt in
Sankt Georgen (Steiermark).
- 15. 5. Mit einer Fahrzeit von zwei Stunden und 18 Minuten
zwischen Hamburg und Berlin ist der "Fliegende Hamburger"
der schnellste fahrplanmäßige Eisenbahnzug der Welt.
- 20. 5. Der österreichische Bundeskanzler Dollfuß
gründet eine überparteiliche "Vaterländische
Front" gegen den Nationalsozialismus. Kurz darauf läßt
er die Kommunistische Partei auflösen.
- 25. 5. Papst Pius XI. spendet als erster Papst seit der
Auflösung des Kirchenstaats 1870 den Segen von der Lateransbasilika
in Rom.
- Juni
- 11. 6. Neuer Deutscher Fußballmeister wird Fortuna
Düsseldorf mit einem 3:0-Sieg über den FC Schalke 04.
- 12. 6. In London beginnt eine Weltwirtschaftskonferenz,
die sich besonders mit der Abwertung des Dollars durch das Goldausfuhrverbot
der USA beschäftigt. Zugunsten der nationalen Wirtschaft
lehnt Roosevelt eine Stabilisierung des Dollars ab.
- 17. 6. Alle Jugendverbände werden dem neuernannten
Reichsjugendführer Baldur von Schirach unterstellt.
- 19. 6. Dollfuß verbietet die Aktivitäten der
NSDAP in Österreich.
- 20. 6. Die Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin
stirbt in Archangelskoje (bei Moskau).
- 21. 6. Mitgliedern des "Stahlhelms" wird nur
noch die Parteizugehörigkeit zur NSDAP erlaubt.
- 22. 6. Die SPD wird verboten, ihr gesamtes Vermögen
und das ihrer Organisationen wird beschlagnahmt. Für SPD-Mitglieder
ergeht ein Berufsverbot.
- 26. 6. Wirtschaftsminister Hugenberg tritt von seinem
Amt zurück, die DNVP (zuletzt in Deutschnationale Front umbenannt)
löst sich auf. Vorausgegangen waren Angriffe der Nationalsozialisten
auf Hugenberg und seine Partei.
- 29. 6. Die Abrüstungsgespräche in Genf werden
wieder vertagt.
- Juli
- 1. 7.
An der Dresdner Staatsoper wird "Arabella"
von Richard Strauss und
Hugo von Hofmannsthal uraufgeführt.
- 3. 7. Hitler erklärt auf einer Tagung von höheren
SA- und SS-Führern, daß die SA keine Konkurrenz für
die Wehrmacht darstelle.
- 4./5. 7. Die Deutsche Volkspartei (DVP) und das
Zentrum lösen sich auf. Damit ist die NSDAP die einzige Partei
in Deutschland.
- 7. 7. Reichsinnenminister Frick hebt sämtliche Mandate
der SPD im Reichstag und in allen übrigen Parlamenten auf.
- 8. 7. Einsetzung von Eugen Hadamovsky als Geschäftsführer
der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft.
- 14. 7. Die Reichsregierung verbietet die Bildung von Parteien.
- 15. 7. In Rom wird der auf Initiative Mussolinis geschlossene
Viermächtepakt zwischen dem Deutschen Reich, Frankreich,
Großbritannien und Italien unterzeichnet. Er soll außerhalb
der Abrüstungsverhandlungen in Genf eine Friedenspolitik
in Europa sichern.
- Nach zweiwöchiger Atlantiküberquerung
landet der italienische Luftfahrtminister Italo Balbo (1896-1940) mit
einem Geschwader von Wasserflugzeugen bei der Weltausstellung
in Chicago.
- 20. 7. Im Vatikan wird zwischen Deutschland und dem Heiligen
Stuhl ein Konkordat geschlossen. Es regelt das Verhältnis
von Katholischer Kirche und NS-Staat. Der Vertrag mit dem Vatikan
erscheint als Überwindung der nationalsozialistischen Kirchenfeindlichkeit.
- 24. 7. Der russische Revolutionär Leo D. Trotzki
trifft in Frankreich ein, das dem 1929 aus der Sowjetunion Ausgewiesenen
Asyl gewährt.
- August
- 4. 8. Als erste größere Stadt untersagt
Nürnberg Juden die Benutzung öffentlicher Bäder.
- 10. 8. Auf Druck der NSDAP erklärt Ludwig Mies
van der Rohe die Auflösung der Bauhaus-Schule
in Berlin.
- 18. 8. Bei der Eröffnung der Funkausstellung in Berlin
präsentiert Propagandaminister Goebbels den Volksempfänger.
- 22. 8. Der Reichsstand der deutschen Industrie erklärt
den Hitlergruß in Betrieben für verbindlich.
- 23. 8. Zahlreichen emigrierten Oppositionellen wird die
deutsche Staatsangehörigkeit entzogen (unter ihnen
Philipp Scheidemann,
Kurt Tucholsky und
Ernst Toller).
- 25. 8. Die Exilleitung der SPD in Prag veröffentlicht
Zahlen aus den deutschen Konzentrationslagern: Demnach sind in
den 65 KZ etwa 45.000 Häftlinge interniert.
- 30. 8. In Marienbad (Tschechoslowakei) wird der deutsche
Philosoph Theodor Lessing (1872-1933) von einem Nationalsozialisten
erschossen.
- September
- 1. 9. Den Reichsparteitag in Nürnberg nutzt die
NSDAP zur propagandistisch effektvollen Machtinszenierung. Leni
Riefenstahl dreht darüber den Dokumentarfilm.
- 2. 9. Italien und die Sowjetunion schließen einen
Nichtangriffspakt.
- 5. 9. Mit eigenständigen Lohnerhöhungen und
dem Verbot jeder gewerkschaftlichen Aktivität widersetzen
sich die Ford-Werke in Wilmington (Delaware/USA) dem "New
Deal" von Präsident Wilson.
- 13. 9. Mit der Einrichtung des Reichsnährstands wird
die Landwirtschaft in Deutschland der staatlichen Kontrolle unterstellt.
- 21. 9. In Leipzig wird der Reichstagsbrandprozeß
eröffnet, bei dem auch der ehemalige Vorsitzende der KPD-Reichstagsfraktion
Ernst Torgler angeklagt wird.
- Gegen die Dominanz der Deutschen
Christen in der Evangelischen Kirche gründen Martin
Niemöller und Dietrich Bonhoeffer den Pfarrernotbund,
der bald 1.300 Mitglieder zählt.
- 23. 9. Bei Frankfurt (Main) wird mit einer Großveranstaltung
der Reichsautobahnbau offiziell begonnen. Die Planungen gehen
auf das Jahr 1924 zurück.
- 24. 9. Mit einem "Führerappell" ordnet
der "Stahlhelm" sich öffentlich Hitler unter.
- 27. 9. Der Schriftsteller Thomas Mann verzichtet
auf eine Rückkehr nach Deutschland und läßt sich
in der Schweiz nieder.
- Oktober
- 1. 10. Zugunsten des neu gegründeten Winterhilfswerks
findet der erste "Eintopfsonntag" im Deutschen Reich
statt.
- Erstmals findet auf dem Bückeberg bei Hameln das Reichserntedankfest statt.
- Konrad Henlein gründet in Eger die Sudetendeutsche
Heimatfront, die sich dem NS-Staat verpflichtet fühlt.
- 3. 10. Der österreichische Bundeskanzler Dollfuß
überlebt das Attentat eines Nationalsozialisten trotz zweier
Schußverletzungen.
- 4. 10. Mit dem Schriftleitergesetz wird die gesamte Presse
in Deutschland "gleichgeschaltet".
- 5. 10. Für die Olympischen Spiele 1936 billigt Hitler
den Bau großzügiger Wettkampfstätten und des Olympiastadions
in Berlin. Er will die Spiele zur Propaganda für den Nationalsozialismus
nutzen.
- 14. 10. Goebbels verkündet den geplanten Austritt
des Deutschen Reichs aus dem Völkerbund und den Verzicht
auf weitere Abrüstungsgespräche.
- 15. 10. In München wird der Grundstein für den
ersten Monumentalbau der Nationalsozialisten, das Haus der Deutschen
Kunst, gelegt.
- 24. 10. Der französische Ministerpräsident Daladier
tritt mit seiner Regierung zurück, nachdem das Parlament
ihm das Vertrauen entzogen hat. Sein Nachfolger wird Camille
Chautemps (1885-1963).
- 26. 10. In der "Vossischen Zeitung" wird ein
von 88 deutschen Schriftstellern unterzeichnetes Treuegelöbnis
für Hitler veröffentlicht.
- November
- 6. 11. Mussolini übernimmt in der italienischen
Regierung die Ministerien für Marine und Luftfahrt.
- 12. 11. Beim Referendum über den Völkerbundaustritt
stimmen über 90 Prozent für die NSDAP und die Politik
Hitlers. Die Einheitswahlliste für den Reichstag, über
die nur mit "Ja" oder "Nein" entschieden werden
kann, erhält ebenfalls über 90 Prozent der Stimmen.
- 13. 11. Auf einer Kundgebung fordern die Deutschen Christen
die strikte Durchsetzung der Arierbestimmungen im Deutschen Reich.
- 15. 11. Gründung der Reichskulturkammer unter Goebbels`
Führung. Damit werden alle Kulturschaffenden der Aufsicht
des Reichspropagandaministers unterstellt.
- 17. 11. Nach langen Verhandlungen erkennen die USA den
bolschewistischen Sowjetstaat an und nehmen diplomatische Beziehungen
auf.
- 27. 11. Auf einer Kundgebung der DAF wird die Gründung
des Kultur- und Freizeitwerks "Kraft durch Freude"
bekanntgegeben. Nach italienischem Vorbild soll es die Freizeitaktivitäten
der Arbeitnehmer lenken.
- 29. 11. Die Reichsregierung erläßt ein neues
Gesetz zur "Gleichschaltung" des deutschen Handwerks.
- Dezember
- 1. 12. Die Regierung Hitler sichert mit einem Gesetz,
das die NSDAP zu einer Körperschaft öffentlichen Rechts
macht, die Einheit von Partei und Staat.
- 4. 12. Der designierte Reichsbischof Ludwig Müller (1883-1945)
legt die Schirmherrschaft über die Deutschen Christen nieder,
denen es nicht gelungen ist, innerhalb der Evangelischen Kirche
die unbestrittene Führung zu übernehmen.
- Der Lyriker
Stefan George stirbt in Minusio (bei Locarno).
- 5. 12. Die Bevölkerung der USA feiert die Aufhebung
der Prohibition.
- 10. 12. In Stockholm wird der Physik-Nobelpreis an Werner
Heisenberg für seine Arbeiten zur Quantenmechanik rückwirkend
für 1932 verliehen.
- 13. 12. Die Reichspressekammer untersagt für zunächst
drei Monate die Gründung neuer Zeitungen und Zeitschriften.
- 19. 12. Die Sowjetunion beschließt eine neue Außenpolitik
mit kollektiven Sicherheitsbündnissen und den Eintritt in
den Völkerbund.
- 23. 12. Das Reichsgericht verurteilt van der Lubbe wegen
Hochverrats zum Tod, die übrigen Mitangeklagten werden freigesprochen.
- 29. 12. In Rumänien wird der Ministerpräsident
von Mitgliedern eines faschistischen Geheimbunds ermordet.
- 31. 12. Goebbels hält die Silvesteransprache.
- Außerdem:
- Marian Cooper (1893-1973) und Ernest Schoedsack (1893-1979): King Kong und die weiße
Frau (Film)
- Lion Feuchtwanger: Die Geschwister Oppenheim (Roman)
- André Malraux (1901-1976): Conditio humana (Roman)
- Thomas Mann: Joseph und seine Brüder (Roman)
- Hans Steinhoff (1882-1945): Hitlerjunge Quex (Film)
- Kurt Weill und
Bertolt Brecht: Die sieben Todsünden
(Gesangsballett)
(mw)
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