1852-1918
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Victor Adler
Politiker
- 1852
- 24. Juni: Victor Adler wird als Sohn eines wohlhabenden
jüdischen Kaufmanns und dessen Frau in Prag geboren.
- 1881
- Er beendet sein Medizinstudium an der Wiener Universität
und arbeitet zunächst als Armenarzt in Wien.
- 1882
- Adler, der in seiner Studienzeit Burschenschaftler gewesen
ist, engagiert sich in der national gesinnten Bewegung Georg von
Schönerers (1842-1921). Er ist an der Ausarbeitung des "Linzer
Programms" beteiligt.
- 1883
- Er wird Nervenarzt in Wien.
- Wegen des zunehmenden Antisemitismus trennt er sich von den Deutschnationalen.
Er schließt sich der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei
in Österreich an.
- Reise nach Deutschland, der Schweiz und England, um sich über
die Lage der Arbeiterbewegung zu informieren. Er steht in Kontakt
zu den Sozialisten Friedrich Engels und August
Bebel.
- 1886
- Er gründet in Wien die Wochenzeitschrift "Gleichheit".
- 1888
- 30./31. Dezember: Auf der "Hainfelder Tagung"
wird aus verschiedenen Flügelparteien die Sozialdemokratische
Partei Österreichs gegründet. Adler hat diesen Zusammenschluß
wesentlich gefördert und wird Vorsitzender der neuen Partei.
- Wegen seiner Parteiarbeit wird er von der Justiz verfolgt und
zu insgesamt neun Monaten Haft verurteilt.
- 1889
- Er wird Chefredakteur der neu gegründeten "Arbeiter-Zeitung".
- 1899
- Unter Adlers Federführung wird das "Brünner
Nationalitätenprogramm" verabschiedet. In diesem bekennen
sich die Sozialdemokraten zu einem österreich-ungarischen
Bundesstaat autonomer Völker.
- 1905
- Adler wird in das österreich-ungarische Parlament
gewählt.
- 1906
- 1. Dezember: Das Parlament beschließt nach monatelangen
Debatten die Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen
und direkten Wahlrechts für Männer. Damit erhöht
sich die Zahl der Wahlberechtigten um 75 Prozent. Die Sozialdemokraten
haben unter Adlers Führung intensiv an dieser Wahlrechtsreform
mitgewirkt.
- 1907
- Die Sozialdemokraten werden nach den Parlamentswahlen
erstmals stärkste Partei in Österreich-Ungarn.
- 1911
- Die tschechischen Sozialisten spalten sich von der Sozialdemokratischen
Partei ab. Adlers Bemühungen um die Aufrechterhaltung einer
sozialdemokratischen Gesamtpartei für den Vielvölkerstaat
sind somit gescheitert.
- 1912
- Auf dem Basler Kongreß der II. Sozialistischen
Internationale wirbt Adler für eine gemeinsame Friedenspolitik
in Europa.
- 1914
- Zu Beginn des Ersten Weltkriegs setzt Adler in
seiner Partei die Unterstützung der Kriegskredite durch.
Er sieht Österreich-Ungarn in einen Verteidigungskrieg verwickelt.
- Adler wird für seine "Burgfriedenspolitik" vom
linken Parteiflügel angegriffen.
- 1916
- 21. Oktober: Sein Sohn Friedrich Adler, Wortführer
der sozialistischen Linken, erschießt aus Protest gegen
die Kriegspolitik den österreich-ungarischen Ministerpräsident
Karl Reichsgraf von Stürgkh (1859-1916).
- Er wird für diese Tat zum Tode verurteilt, jedoch später
begnadigt.
- 1917
- Victor Adler nimmt an der sozialistischen Friedenskonferenz
in Stockholm teil. Er fordert die Beendigung des Kriegs auf der
Grundlage eines Verständigungsfriedens.
- 1918
- Im Zuge des Verfalls des Vielvölkerstaates spricht
sich Adler für die Auflösung Österreich-Ungarns
und die Gründung parlamentarisch regierter autonomer Nationalstaaten
aus.
- 30. Oktober: In dem noch vor dem Zusammenbruch der Monarchie
von Ministerpräsident Heinrich Lammasch gebildeten
Staatsrat wird der bereits schwerkranke Adler Staatssekretär
des Äußeren.
- Nach dem Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und
der Entente vom 3. November bricht das Habsburgerreich
auseinander. Adler spricht sich für einen Zusammenschluß
zwischen Deutsch-Österreich und dem Deutschen Reich aus.
- 11. November: Victor Adler stirbt in Wien.
(ge)
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