1907-1997
![[Photo: Manfred von Ardenne, 1929]](../../../objekte/pict/f64_1014/200.jpg)
![[Photo: Manfred von Ardenne, 1931]](../../../objekte/pict/f64_1025/200.jpg)
|

|
Manfred Baron von Ardenne
Physiker
- 1907
- 20. Januar: Manfred Baron von Ardenne wird in Hamburg als Sohn des
Oberstleutnants und Regierungsrats Egmont Baron von
Ardenne und dessen Frau Adela (geb. Mutzenbecher) geboren.
- Ardennes Großmutter Elisabeth Edle und Freiin von Plotho ist das
authentische Vorbild für Theodor Fontanes (1819-1898) "Effi
Briest"
- 1913
- Ardennes Vater wird in das Kriegsministerium versetzt. Die Familie
übersiedelt nach Berlin.
- 1919-1923
- Ardenne besucht das Realgymnasium in Berlin. Seine Interessen gelten
der Physik und der Technik. Bei einem Schulwettbewerb reicht er die
Modelle eines Fotoapparats und einer Alarmanlage ein und belegt damit
den ersten Platz.
- 1923
- Er erhält als 16jähriger sein erstes Patent für ein "Verfahren zur Erzielung einer Tonselektion, insbesondere für die Zwecke der drahtlosen Telegraphie".
- Ardenne verlässt vorzeitig das Gymnasium und widmet sich, unterstützt von dem Unternehmer Siegmund Loewe (1885-1962), der Weiterentwicklung der Radiotechnik. Loewe baut mit der von Ardenne entwickelten Dreifachröhre den
preiswerten Rundfunkempfänger "Loewe-Ortsempfänger OE333".
- 1925
- Mit den Geldern aus Patentverkäufen und Veröffentlichungen konstruiert Ardenne den weltweit
ersten Breitbandverstärker, der die Entwicklung des Radars
voranbringt.
- 1925/26
- Er studiert Physik, Chemie und Mathematik in Berlin. Nach vier
Semestern bricht er das Studium ab, weil er das universitäre
System für veraltet und unflexibel hält. Er bildet sich
statt dessen selbst weiter.
- 1928-1945
- Ardenne leitet das von ihm in Berlin-Lichterfelde gegründete
Forschungslaboratorium für Elektronenphysik.
- 1930
- Er erfindet und entwickelt den Flying Spot Scanner, eine
Elektronenröhre, und führt in Berlin damit europaweit die
erste vollelektronische Fernsehröhre vor. Ardenne gelingt die erste Übertragung von Fernsehbildern.
- 1933-1938
- Er verbessert die Elektronenröhren und entwickelt für die
Fernsehtechnik Bildröhren.
- 1934
- Gründung der "Leybold-von-Ardenne Oszillographen-Gesellschaft".
- 1937-1941
- Er entwickelt das Rasterelektronen- und das
Universalelektronenmikroskop, die es erlauben, Atom- und
Molekülstrukturen zu untersuchen.
- 1938
- Ardenne heiratet Bettina Bergengruen. Aus der Ehe gehen vier Kinder
hervor.
- 1939-1945
- Während des
Zweiten Weltkriegs kann Ardenne seiner wissenschaftlichen Arbeit nachgehen. Er erhält vom NS-Regime Forschungsgelder auch aufgrund der militärischen Relevanz von einigen seiner Arbeitsgebiete.
- 1945
- Januar: Ardenne wird in den "Reichsforschungsrat" berufen.
- Sommer: Nach der deutschen
Kapitulation erklärt Ardenne sich bereit, für die Sowjetunion zu arbeiten. Nach Verhandlungen in Moskau darf er nicht nach Deutschland zurückkehren.
Sein Forschungsinstitut in Berlin wird demontiert und ans Schwarze Meer verlegt.
- 1946-1950
- Im Rahmen der sowjetischen Kernforschung bearbeitet Ardenne ein Verfahren zur Trennung von Uran-Isotopen, um bombenfähiges Uran-235 zu gewinnen.
- 1953
- Er erhält den mit 100.000 Rubeln dotierten Stalin-Preis dafür, daß nach einem von ihm ausgearbeiteten Verfahren der Kernsprengstoff für die erste sowjetische Bombe gewonnen wurde, die nicht auf dem Prinzip der Kernspaltung (Atombombe) beruht, sondern der Kernsynthese (Wasserstoffbombe).
- 1954
- Dezember: Ardenne übersiedelt in die
Deutsche Demokratische Republik (DDR), um dort die physikalische Grundlagenforschung neu aufzubauen. Nur bei einem Umzug in die DDR - und nicht in die Bundesrepublik Deutschland - blieben Ardennes Experimentieranlagen und Messgeräte sein privates Eigentum.
- 1955
- Ardenne gründet mit den Mitteln aus dem Stalin-Preis das
Forschungsinstitut "Manfred von Ardenne" in Dresden - Weißer Hirsch, das er bis 1990 leitet. Sein
Institut hat zuletzt etwa 500 Mitarbeiter und ist mit seinem privaten Charakter
einzigartig in der DDR. Es entwickelt sich zur renommiertesten
Forschungseinrichtung des Landes.
- 1956
- 1. Juni: Ernennung zum Honorarprofessor an der Technischen Hochschule / Technischen Universität Dresden.
- 1957
- Er wird Mitglied des Forschungsrats der DDR.
- Ardenne entwickelt eine Radiosonde für medizinische
Untersuchungen, die chirurgische Eingriffe zur Diagnose erübrigt.
- 1958
- Ihm wird der Nationalpreis der DDR verliehen. Er wird Mitglied des
Friedensrats.
- 1959
- Er erhält das Patent für den von ihm entwickelten
Elektronenstrahlofen.
- Aufnahme in die Internationale Astronautische Akademie Paris.
- 1961
- Er wird zum Vorsitzenden der Gesellschaft für
medizinische Elektronik und biomedizinische Technik gewählt.
- 1963
- Ardenne wird in das Präsidium des Kulturbunds der DDR
gewählt.
- 1963-1989
- Er ist Abgeordneter der
Volkskammer der DDR und Mitglied der Kulturbund-Fraktion.
- Trotz seiner Ämter enthält sich Ardenne weitestgehend
politischer Äußerungen. Er bekennt sich zum DDR-Staat und
dankt
Walter Ulbricht auch auf internationalen Kongressen für die staatliche
Unterstützung seiner Forschung.
- 1972
- Ardenne wehrt erfolgreich Versuche ab, sein Privatinstitut zu
verstaatlichen.
- 1989
- Die Stadt Dresden ernennt ihn zum Ehrenbürger.
- 1990
- Nach der
Deutschen Einheit fehlen Ardenne erhebliche Finanzmittel. Er verschuldet sein Institut
in Höhe mehrerer Millionen Deutscher Mark.
- 1997
- 26. Mai: Manfred Baron von Ardenne stirbt in Dresden.
(mü/as)
|