1906-1975
![[Photo: Josephin Baker, 1953]](../../../objekte/pict/ba009904/200.jpg)
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Josephine Baker
Tänzerin, Sängerin
- 1906
- 3. Juni: Freda Josephine McDonald wird als uneheliche
Tochter des Schlagzeugers Eddie Carson und der Waschfrau Carrie
McDonald in St. Louis, Missouri geboren. Sie wächst in ärmlichen
Verhältnissen auf.
- 1914
- Baker verläßt die Schule und arbeitet zur
finanziellen Unterstützung ihrer Familie als Dienstmädchen.
- 1916
- Wiedereintritt in die Schule.
- 1917
- 2. Juli: Als Schwarze erlebt Baker Rassenunruhen in
St. Louis mit. Dieses Erlebnis prägt sie so stark, daß
sie später zu einer engagierten Kämpferin gegen Rassismus
wird.
- 1918
- Sie verläßt endgültig die Schule.
- 1919
- Heirat mit dem Gießereiarbeiter Willie Wells.
Die Ehe hält nur einige Wochen.
Als Kellnerin im Jazzclub "Old Chauffeur's Club" entdeckt
Baker ihre Liebe zur Musik. Sie erlernt die aktuellen Tanzstile
wie Charleston, Mess Around, Itch oder Tack Annie. Nach Entdeckung
ihre tänzerischen Begabung geht sie in den USA mit The Jones
Family Band und The Dixie Steppers auf Tournee.
- 1921
- Heirat mit dem Zugbegleiter Willie Baker, dessen Nachnamen
sie zeitlebens behält.
- 1922
- Auftritte am Broadway, im ersten von Schwarzen komponierten
Musical "Shuffle Along".
- 1924
- Auftritte in verschiedenen Clubs und Theatern in den
USA.
Obwohl Baker stets in der letzten Reihe tanzt, bietet ihr Caroline
Reagan, eine wohlhabende Weiße und Förderin der schwarzen
Musik, ein Engagement in der "Revue Nègre" in
Paris an.
- 1925
- Oktober: Baker verläßt Amerika und ihren
Mann, um nach Paris zu gehen. Dort gelangt sie durch ihre Auftritte
in der "Revue Nègre" schnell zu Berühmtheit.
- Bis dahin hatte das französische Publikum eine Tänzerin
wie Baker mit exotischer Nacktheit und einer Mischung aus tänzerischer
Wildheit und Kontrolle noch nie gesehen. Sie etabliert den "jazz
hot" und erreicht internationalen Ruhm, während Frankreich
vom amerikanischen Jazz infiziert wird. Baker wird von vielen
Künstlern und Intellektuellen wie Pablo Picasso verehrt.
- 1926
- Herbst: Sie lernt Pepito Abatino kennen, der ihr Geliebter
und Manager wird.
- Dezember: Eröffnung ihres eigenen Nachtclubs "Chez
Joséphine" in Paris.
- 1926/27
- Auftritte in den Folies Bergère, wo sie ihren
berühmt gewordenen Bananentanz, den danse sauvage, in einem
Röckchen aus 16 Bananen im Stück "La Folie du Jour"
aufführt.
- 1927
- Erster Leinwandauftritt im exotischen Kinofilm "La
Sirene des Tropiques".
- In diesem Jahr verdient Baker mehr als jeder andere Entertainer
in Europa.
- Baker gastiert mit ihrer "Charleston Jazzband" in Berlin.
Auch in der deutschen Kunst- und Kulturszene erregt sie mit ihren Auftritten und ihrem
"wilden" Tanzstil großes Aufsehen.
- 1928
- In Wien werden anläßlich ihres Gastspiels
Sondergottesdienste "als Buße für schwere Verstöße
gegen die Moral, begangen von Josephine Baker" abgehalten.
Die Wiener Nationalsozialisten fordern ein Auftrittsverbot für
Baker.
1929
- 14. Februar: Wegen einer zu erwartenden "Verletzung
des öffentlichen Anstands" erteilt die Stadt München
Baker ein Auftrittsverbot.
- ab 1930
- Sie widmet sich verstärkt ihrer Gesangskarriere
und nimmt Lieder für die Schallplattenfirma Columbia Records
auf. Zudem ist sie wiederholt in französischen Kinofilmen
zu sehen.
- 1936
- Rückkehr in die USA. Der in Europa gefeierte Star
wird vom amerikanische Publikum abgelehnt. Zeitungen urteilen
auch aus rassistischer Motivation abwertend über Baker, die
New York Times bezeichnet sie u.a. als "Negerschlampe"
(Negro wench). Viele Hotels und Restaurants verwehren Baker den
Zutritt.
- Baker kündigt Verträge und kehrt nach Europa zurück.
- 1937
- Heirat mit dem französischen Juden und Großindustriellen
Jean Lion, durch den sie die französische Staatsbürgerschaft
erhält.
- 1938
- In der Düsseldorfer Ausstellung "Entartete
Musik" werden von den Nationalsozialisten die unterschiedlichsten
Musiker diffamiert, unter ihnen auch Baker.
- 1940-1944
- Nach der Besetzung Frankreichs durch die
Wehrmacht arbeitet Baker beim französischen Roten
Kreuz und schmuggelt bei Reisen Geheimbotschaften für die
Résistance.
- Scheidung von Jean Lion.
- 1946
- Baker erhält die französischen Auszeichnungen
"Croix de Guerre" und "Medaille de la Résistance".
- 1947
- Heirat mit dem französischen Orchesterleiter Jo
Bouillon.
- 1951
- Bei ihrer Amerika-Tournee weigert sich Baker vor nach
Rasse getrenntem Publikum aufzutreten oder in nach Rasse aufgeteilten
Hotels zu schlafen. Sie erreicht die Öffnung einiger Einrichtungen
für Afro-Amerikaner. Dafür wird sie von der National
Association for the Advancement of Colored People (NAACP) zur
herausragendsten Frau des Jahres ernannt.
- 1954-1965
- Da Baker keine Kinder bekommen kann, adoptiert
sie zehn Jungen und zwei Mädchen unterschiedlicher Hautfarbe
und Religion. Die von Baker als "Regenbogensippe" bezeichnete
Familie lebt in einem mittelalterlichen Schloß in der Dordogne.
- 1956
- Trennung von Jo Boullion.
- Baker setzt sich zur Ruhe, um Zeit für ihre Familie zu haben.
- 1959
- Schulden aufgrund ihres teuren Lebensstils zwingen Baker
zu einem Comeback, das mit dem autobiographischen Musical "Paris
mes Amours" in Paris eingeleitet wird.
- 1963
- August: Baker nimmt an der Großdemonstration für
die Rechte der Afro-Amerikaner in Washington teil und spricht
an der Seite von Martin Luther King (1929-1968).
- 1969
- Aufgrund Bakers Schulden wird ihr Schloß versteigert.
Sie muß mit ihrer Familie in eine kleinere Villa ziehen,
die ihr von Fürstin Grace von Monaco (1929-1982) geschenkt
wird.
- 1973
- Pseudo-Heirat mit dem amerikanischen Künstler Robert
Brady in einer leeren Kirche in Acapulco (Mexiko). Ohne Pfarrer
und Zeugen schwören sie sich ewige Treue. Baker erzählt
nur wenigen Leuten von dieser inoffiziellen Ehe, weil sie Angst
hat, die Presse könne sich über sie lustig machen.
- 1974
- Auftritte in der autobiographischen Show "Josephine"
in Monaco.
- 1975
- 8. April: Aufführung von "Josephine"
in Paris. Die Kritiken gehören zu ihren besten.
- 1975
- 12. April: Josephine Baker stirbt in Paris an einer plötzlichen
Gehirnblutung.
(sha)
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