1888-1960

[Zeichnung: "Vicki Baum", 1930]



Vicki Baum

Schriftstellerin



1888
24. Januar: Hedwig Baum, genannt Vicki, wird als Tochter des jüdischen Beamten Hermann Baum und dessen Frau Mathilde (geb. Donat) in Wien geboren.

ab 1902
Bereits als Schülerin verfaßt sie kurze Geschichten.

1904-1910
Nach dem Besuch des Pädagogiums in Wien studiert Baum an der Hochschule für Musik und ist Harfenistin des Symphonieorchester des Wiener Konzertvereins.

1906-1910
Ehe mit dem Journalisten Max Prels, für den sie neben ihrem Beruf als Musikerin journalistisch arbeitet. Ihre Karriere als Schriftstellerin beginnt, als Prels unter seinem Namen kurze Geschichten von Baum an eine Berliner Literaturzeitschrift schickt. Baum verfolgt ihre Schreibtätigkeit nicht mit dem Ziel, hervorragende Literatur zu verfassen. Für sie bedeutet das Schreiben eine gute Verdienstmöglichkeit.

1912-1916
Engagement als Harfenistin am Darmstädter Hoftheater.

1916
Hochzeit mit dem Dirigenten Richard Lert. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor.
Baum gibt ihre Musikkarriere auf und ist fortan journalistisch und literarisch tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Kiel, Hannover, Mannheim und Berlin.

1926-1932
Redakteurin für die "Berliner Illustrirte Zeitung", "Die Dame" und "Uhu" aus dem Berliner Ullstein-Verlag.

1928
Baum veröffentlicht ihren Roman "Stud. Chem. Helene Willfüer", der ein großer Erfolg wird. Bis 1931 werden über 100.000 Exemplare verkauft. Im deutschsprachigen Raum ist die Erzählung damit das am meisten gelesene Buch zur Thematik der "Neuen Frau". Der Roman beschreibt das Eindringen von Frauen mit höherer Bildung in die männliche akademische Arbeitswelt und thematisiert das neue Selbstbewußtsein und Lebensgefühl der "modernen" Frau in der Weimarer Republik.

1929
Der Roman "Menschen im Hotel", den Baum in nur drei Monaten schreibt, erscheint. Baum skizziert hier das Leben im Berliner Grand Hotel gegen Ende der 20er Jahre. Um eine möglichst reale Atmosphäre schildern zu können, arbeitet Baum vier Wochen als Zimmermädchen in einem großen Berliner Hotel. Mit "Menschen im Hotel" erlangt sie internationale Anerkennung. Es ist ihr erster Roman, der ins Englische übersetzt wird.
Obwohl sie schon seit 1914 schreibt und auch seriöse Literatur verfaßt hat, wird Baum erst Ende der 20er Jahre als Autorin von Unterhaltungsliteratur berühmt. Sowohl "Stud. Chem. Helene Willfüer" als auch "Menschen im Hotel" sind zunächst in der "Berliner Illustrirten Zeitung" als Fortsetzungsromane gedruckt worden. Von Literaturkritikern als trivial bezeichnet, richten sich ihre bei Ullstein verlegten Gesellschaftsromane an ein breites, vor allem weibliches Publikum. Ihr Gesamtwerk umfaßt schließlich 37 Romane sowie zahlreiche Bühnenstücke, Zeitungsartikel, Drehbücher und Novellen.

1930
16. Januar: "Menschen im Hotel" wird in Berlin im Theater am Nollendorfplatz von Max Reinhardt uraufgeführt. Die Theateradaption erobert die Bühnen Europas und Nordamerikas, wo es auch am New Yorker Broadway erfolgreich inszeniert wird.

1931
Reise nach New York und Hollywood anläßlich der Verfilmung ihres Bestsellers "Menschen im Hotel" unter der Regie von Edmund Goulding (1891-1959). Neben Greta Garbo (1905-1990) konnten Joan Crawford (1904-1977), John Barrymore (1882-1942) und Lionel Barrymore (1878-1954) für den Film verpflichtet werden, der unter dem Titel "Grand Hotel" läuft.
"Grand Hotel" erhält bei der Oscarverleihung die Auszeichnung in der Kategorie "Bester Film".

1932
Baum übersiedelt mit ihrer Familie nach Kalifornien.

1932-1946
Sie ist als Drehbuchautorin für Paramount Pictures, später für Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) und als freie Schriftstellerin in Hollywood tätig. Der Durchbruch gelingt ihr in diesem Genre jedoch nicht.

1935
Da die Arbeiten der jüdischen Schriftstellerin Baum vom NS-Regime mit einem Publikationsverbot belegt werden, publiziert sie ihre deutschsprachigen Bücher beim Amsterdamer Exilverlag Querido.
Baum unternimmt Reisen durch die Welt, so nach Ägypten, Mexiko, China und Bali.

1936
Der Roman "Die Karriere der Doris Hart" erscheint.

1937
Sie publiziert die Romane "Liebe und Tod auf Bali", den ersten größeren Erfolg nach "Menschen im Hotel", sowie "Bomben über Shanghai" und "Der große Ausverkauf".

1938
Baum nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

1959
Deutsche Verfilmung von "Grand Hotel" unter der Regie von Gottfried Reinhardt, dem Sohn von Max Reinhardt. Die Hauptrollen sind mit O. W. Fischer (geb. 1915), Heinz Rühmann, Sonja Ziemann und Gert Fröbe (1913-1988) besetzt.

1960
29. August: Vicki Baum stirbt in Los Angeles.

1962
Postum erscheint ihre Autobiographie "Es war alles ganz anders".

(sh)

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