1894-1972
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Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi
Politiker, Schriftsteller
- 1894
- 16. November: Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi
wird als Sohn des österreichisch-ungarischen Botschafters
in Japan, Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi, und dessen Frau Mitsu
(geb. Aoyama) in Tokio geboren. Er wächst im elterlichen
Schloss Ronsberg in Westböhmen auf.
- 1903-1913
- Besuch des Wiener Theresianums, eines Gymnasiums
zur Ausbildung künftiger Staatsbeamten und Diplomaten.
- 1913-1917
- Studium der Geschichte und Philosophie an den Universitäten
Wien und München mit Promotion zum Doktor der Philosophie.
- 1915
- Hochzeit mit der österreichischen Schauspielerin
Ida Roland (geb. Klausner), gemeinsam adoptieren sie zwei Kinder.
- 1919
- Coudenhove-Kalergi nimmt die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft
an, lebt aber weiterhin in Wien.
- 1922
- Mitgliedschaft in der Wiener Freimaurer-Loge "Humanität".
- 1923
- Oktober: Veröffentlichung seines programmatischen
Buches "Paneuropa - ein Vorschlag". Darin beschreibt
Coudenhove-Kalergi seine Vision eines geeinten Europas als Gegenkonzept
zu den Nationalstaaten. Der politische, wirtschaftliche und kulturelle
Zusammenschluss aller europäischen Staaten - mit Ausnahme
Großbritanniens und der Türkei - soll den Namen "Paneuropäische Union" tragen.
- Gründer der überparteilichen Paneuropa-Union mit Sitz
in Wien. Die Union stößt in demokratischen, liberalen
und pazifistischen Kreisen auf ein positives Echo. Zu den zeitweiligen
Mitgliedern gehören Konrad Adenauer, der spätere
österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky (1911-1990),
der französische Außenminister Aristide Briand,
die Schriftsteller Thomas Mann und Franz Werfel (1890-1945)
sowie der Nobelpreisträger Albert Einstein.
- 1924-1938
- Herausgabe der Zeitschrift "Paneuropa"
auf deutsch und französisch, erste Vortragsreisen durch Europa
und die USA.
- 1925
- Gründung der deutschen Paneuropa-Sektion; Ernennung
des SPD-Politikers Paul Löbe zu deren Präsidenten.
- 1926
- 3. Oktober: Erster internationaler Paneuropa-Kongress
in Wien mit 2.000 Teilnehmern. Coudenhove-Kalergi wird zum Präsidenten
der Paneuropa-Union gewählt. Als Symbol der Bewegung fungiert
in Anlehnung an die Kreuzzüge ein rotes Kreuz auf goldener
Sonne.
- 1928
- Die deutsche Sektion der Paneuropa-Union wird mit der
Wiener Zentrale durch Coudenhove-Kalergi in Personalunion verbunden.
Als Folge der Zentralisierung der Paneuropa-Union und in Ablehnung
des autoritären Führungsstils von Coudenhove-Kalergi
treten zahlreiche Mitglieder, darunter Paul Löbe, aus der
deutschen Sektion aus.
- 1933
- Mai: Sämtliche Schriften Coudenhove-Kalergis werden
auf die Schwarze Liste der vom NS-Regime verbotenen Bücher
gesetzt. Coudenhove-Kalergi steht dem NS-Regime ablehnend gegenüber.
Nachdem er zunächst gegen eine politische Isolation des Deutschen
Reiches und für dessen Eingliederung in ein europäisches
System plädiert hatte, versucht er nun mehrfach vergeblich,
Mussolini für ein italienisch-französisches Bündnis
zu gewinnen.
- Oktober: Nach starkem Mitgliederschwund kommt es zur Selbstauflösung
der deutschen Paneuropa-Sektion.
- 1938
- März: Nach dem "Anschluss Österreichs"
flüchtet er mit seiner jüdischen Frau Ida Roland aus
Wien über die Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien und Italien
nach Bern, wo er die neue Zentrale der Paneuropa-Union errichtet.
- Nach dem Münchner Abkommen emigriert er mit seiner
Frau nach Frankreich, dessen Staatsbürgerschaft er annimmt.
Verlegung der Zentrale der Paneuropa-Union nach Paris.
- 1939-1940
- Herausgeber der Zeitschrift "Europäische
Briefe" als Nachfolge der "Paneuropa"- Zeitschrift.
- 1940
- August: Nach dem deutschen Einmarsch in Paris flieht
er mit seiner Familie über Spanien und Portugal in die USA.
- 1941
- Lehrauftrag am neugegründeten Forschungsseminar
zur europäischen Nachkriegsföderation an der New York
University.
- 1943
- März: Fünfter Paneuropa-Kongress in New York.
Coudenhove-Kalergi plant weiterhin die Integration Deutschlands
in einen europäischen Staatenbund zur Eindämmung der
sowjetischen Expansion.
- 1946
- Juni: Rückkehr in die Schweiz.
- 19. September: Coudenhove-Kalergi ist Autor der berühmten
Rede Winston Churchills vor der Akademischen Jugend in
Zürich, in der seine zentrale Forderung zur Bildung der Vereinigten
Staaten von Europa auf der Basis einer deutsch-französischen
Partnerschaft zum Ausdruck kommt.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg erhält die Europäische Bewegung vor allem von Jugendlichen enormen Zuspruch.
- 1947
- Gründung der "Europäischen Parlamentarier-Union"
(EPU) in Gstaad (Schweiz), die inhaltlich an die Paneuropa-Bewegung
anknüpft und ihn zum Generalsekretär wählt.
- 1949
- September: Die Gründung des Europarates
führt zum Bedeutungsverlust der EPU.
- 1950
- 18. Mai: Coudenhove-Kalergi wird der erste Internationale
Karlspreis der Stadt Aachen verliehen, in Anerkennung seiner Lebensarbeit
für die Gestaltwerdung der Vereinigten Staaten von Europa.
- 1950
- 3. August: Coudenhove-Kalergi schlägt Beethovens
Vertonung von Schillers "Ode an die Freude" als europäische
Hymne vor, die später offiziell vom Europarat und der Europäischen
Union anerkannt wird.
- 1951
- 27. März: Tod seiner Frau Ida Roland.
- 1952
- Neugründung der Paneuropa-Union nach dem Scheitern
der EPU. Zu den bekannten Mitgliedern gehören die bayrischen
Ministerpräsidenten Alfons Goppel (1905-1991) und Franz
Josef Strauß, der französische Staatspräsident
Georges Pompidou (1911-1974) und der französische Ministerpräsident
Raymond Barre (geb. 1924).
- Hochzeit mit Gräfin Alexandra von Tiele-Winkler (geb. Bally).
- 1954
- Ernennung zu einem der Ehrenpräsidenten der Europäischen
Bewegung, neben Léon Blum, Winston Churchill,
Alcide de Gasperi (1881-1954) und Paul-Henri Spaak (1899-1972).
- 1959
- Coudenhove-Kalergi fordert die Bundesrepublik Deutschland
auf, eine auf die Wiedervereinigung zielende Politik aufzugeben
und die Deutsche Demokratische Republik offiziell anzuerkennen.
- 1965
- Das Generalsekretariat der Paneuropa-Union wird von
Basel in die Hauptstadt der Europäischen Gemeinschaft nach
Brüssel verlegt. Coudenhove-Kalergi zieht sich zunehmend
aus seinen politischen Ämtern zurück. Er bestimmt den
Vizepräsidenten der Paneuropa-Union, Otto von Habsburg (geb.
1912), zu seinem Nachfolger.
- 1969
- Hochzeit mit der Österreicherin Melanie Benatzky
Hoffmann (geb. Donath) nach der Scheidung von Gräfin Alexandra
von Tiele-Winkler.
- 1972
- 27. Juli: Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi stirbt
im österreichischen Schruns (Vorarlberg).
(mis)
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