1887-1980
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![[Photo: Lil Dagover, um 1940]](../../../objekte/pict/dagover2/200.jpg)
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Lil Dagover
Schauspielerin
- 1887
- 30. September: Martha Seubert wird als Tochter eines
Forstbeamten in holländischen Diensten in Madiun auf Java
geboren.
- Um sich zu "verjüngen", behauptet sie später,
sie sei am 30. September 1897 geboren.
- 1897-1903
- Nach Jahren in England, Frankreich und der Schweiz
wächst sie nach dem frühen Tod der Mutter bei Verwandten
auf und besucht die höhere Mädchenschule in Tübingen.
- 1913
- Heirat mit dem Schauspieler Fritz Daghofer, aus der
Verbindung geht eine Tochter hervor.
- 1916
- Ein Photograph in Weimar überredet sie, indische
Tänze vor der Kamera vorzuführen. Mit diesen bis heute
erhaltenen Aufnahmen stellt sie der befreundete Regisseur Robert
Wiene (1873-1938) in Berlin bei Filmproduzenten und Regisseuren
vor.
- 1919
- Seubert gibt unter ihrem Künstlernamen Lil Dagover
ihr Filmdebüt in "Harakiri" von Fritz Lang.
Noch bekannter wird sie durch ihre Hauptrolle in Wienes "Cabinet
des Doktor Caligari". Ohne jemals Schauspielunterricht
genommen zu haben, ist sie als Schauspielerin anerkannt.
- 1919-1926
- Dagover feiert große Filmerfolge in der Hochzeit
des deutschen Stummfilms. Sie spielt in "Phantom" (1923)
und "Tartüff" (1925) von Friedrich Wilhelm Murnau
sowie in Fritz Langs "Der müde Tod" (1921) und
in dessen Dr.-Mabuse-Filmen (1922). In dieser Zeit kristallisiert
sich in ihrer Art des Schauspielens schon der Typus der "Dame"
heraus, den sie auch in den folgenden Jahren verkörpert.
- 1920
- Scheidung der Ehe mit Fritz Daghofer.
- 1926
- Heirat mit dem um zwölf Jahre jüngeren Produktionsleiter
Georg Witt, der viele ihrer folgenden Filme produziert.
- Max Reinhardt ist durch ihre Filmerfolge auf Dagover aufmerksam
geworden und holt sie für die Rolle der "Schönheit"
in Hugo von Hofmannsthals "Jederman" ans Deutsche
Theater. Weiterhin engagiert er sie für sechs Jahre an die
Salzburger Festspiele und an das Theater in der Josefstadt in
Wien.
- 1930
- Ihre erste Tonfilmrolle spielt Dagover unter der Regie
von Erich Waschneck (1887-1970) in der Kriminalkomödie "Va
Banque".
- 1931
- Der erhoffte Durchbruch in Hollywood mit der Produktion
"The Woman from Monte Carlo" stellt sich nicht ein.
Dagover kehrt enttäuscht nach Deutschland zurück.
- 1932
- An der Seite von Otto Gebühr brilliert sie
in "Die Tänzerin von Sanssouci" von Friedrich Zelnik
(1885-1950).
- 1933
- Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
kann Dagover ihre erfolgreiche Karriere beim Film fortsetzen, obwohl sie
sich politisch nicht hervortut. Mit insgesamt 23 Rollen bis 1944
gehört sie zu den bekanntesten und beliebtesten Leinwanddarstellern
in der Zeit des NS-Regimes. Sie verkörpert vor allem
die Rolle der "Galanten Dame": Kaiserinnen, Adlige,
Künstler- und Unternehmersgattinnen.
- 1935
- An der Seite von Karl Ludwig Diehl (1896-1958) feiert
Dagover in dem Spionagefilm "Der höhere Befehl" von
Gerhard Lamprecht (1897-1974) einen großen Publikumserfolg.
- 1937
- Joseph Goebbels verleiht ihr den Titel "Staatsschauspielerin".
- ab 1937
- Als die NS-Politik zunehmend Einfluß auf den
Film nimmt, konzentriert sie sich mehr auf das Theater. Sie spielt
u.a. in Schillers "Kabale und Liebe" und "König
Ödipus" von Sophokles.
- 1939-1944
- Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs leistet
Dagover Truppenbetreuung für die Wehrmacht. Mit einem
eigenen Tourneetheater gastiert sie 1943 an der Ostfront
und 1944 auf den von den Deutschen okkupierten Kanalinseln Jersey
und Guernsey. Für ihren Einsatz erhält sie das Kriegsverdienstkreuz
II. Klasse.
- 1947
- Nach ihrer Entnazifizierung spielt sie zunächst
an der "Berliner Komödie" am Kurfürstendamm
und erreicht ein glänzendes Comeback an der Seite Otto Gebührs
in Anton Tschechows (1860-1904) "Der Kirschgarten".
- 1948
- Erstmals nach dem Krieg ist sie wieder auf der Leinwand
zu sehen, und es gelingt ihr sofort, an frühere Filmerfolge
anzuknüpfen. In dem Film "Die Söhne des Herrn Gaspary"
geht es um das Auseinanderbrechen einer deutschen Familie unter
dem Nationalsozialismus.
- 1950
- Auch in der Filmtragödie "Es kommt ein Tag"
geht es um die Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Dagover spielt
eine Frau, die ihren Sohn im Krieg verloren hat.
- ab 1950
- Die meisten ihrer folgenden Filme liegen im Trend
der Kinozeit: heiter-beschwingte, unkomplizierte und völlig
unpolitische Heimatfilme wie "Schloß Hubertus"
(1954) und "Die Barrings" (1955).
- Sie wächst in das Rollenfach der älteren Dame hinein,
das sie besonders vorzüglich in der Rolle der spinnerten
Hofdame in "Königliche Hoheit" (1953) nach einem
Roman von Thomas Mann erfüllt.
- 1951
- In der Inszenierung des "Jedermann" bei den
Bad Hersfelder Festspielen gibt sie wie schon in ihrer Jugend
die Rolle der "Schönheit".
- Weitere bedeutende Rollen als seltsame alte Dame spielt sie in
den folgenden Jahren in Friedrich Dürrenmatts (1921-1991)
"Besuch der alten Dame" und in John Patricks "Eine
etwas sonderbare Dame".
- 1954
- Sie erhält das "Filmband in Silber" des
Deutschen Filmpreises für ihre Rolle in "Königliche
Hoheit".
- 1961
- Im Stadttheater Hildesheim spielt sie erstmals in Jean
Giraudoux` (1882-1944) Schauspiel "Die seltsame Gräfin".
Diese Rolle, die sie bis zum Ende ihrer Bühnenlaufbahn immer
wieder gibt, wird zur Krönung ihrer Karriere.
- 1962
- Dagover wird mit dem "Filmband in Gold" für
ihr Lebenswerk geehrt.
- 1964
- "Bambi" für Verdienste um den deutschen
Film.
- 1967
- Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der
Bundesrepublik Deutschland.
- ab 1970
- Dagover wird wieder vermehrt im filmischen Bereich
tätig. Sie feiert große Erfolge in Filmen von Maximilian
Schell (geb. 1930) und Hans-Jürgen Syberberg (geb. 1935).
So spielt sie in Syberbergs "Karl May" (1974) Bertha
von Suttner und überzeugt durch ihre Darstellung einer an
den Rollstuhl gefesselten Zeugin eines Mords in Schells Dürrenmatt-Verfilmung
"Der Richter und sein Henker" (1975).
- 1978/79
- Dagover hat ihren letzten Filmauftritt in Schells
Horvath-Adaption "Geschichten aus dem Wienerwald".
- 1979
- Ihre Autobiographie "Ich war die Dame" erscheint.
- 1980
- 23. Januar: Lil Dagover stirbt in ihrem Haus auf dem
Bavaria-Filmgelände in München-Geiselgasteig.
(max)
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