1848-1929
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Hans Delbrück
Historiker, Politiker
- 1848
- 11. November: Hans Delbrück wird in Bergen auf
Rügen als Sohn eines Kreisrichters geboren. Er stammt aus
einer angesehenen Beamten- und Gelehrtenfamilie.
- ab 1868
- Studium der Geschichte in Greifswald, Heidelberg
und Bonn.
- 1870/71
- Unterbrechung des Studiums. Delbrück zieht als
Freiwilliger in den Deutsch-Französischen Krieg und rückt
bis zum Leutnant auf.
- 1873
- Promotion bei Heinrich von Sybel (1817-1895) in Bonn
über den mittelalterlichen Geschichtsschreiber Lambert von
Hersfeld.
- 1874
- Auf Bewirken seines Verwandten Rudolf Delbrück (1817-1903),
der seit 1871 Präsident des Reichskanzleramts ist, erhält
Delbrück eine Stelle am Hofe des Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Dort ist er bis 1879 mit der Erziehung des Prinzen
Waldemar betraut.
- 1881
- Habilitation für allgemeine Geschichte.
- 1882-1885
- Freikonservatives Mandat im preußischen Abgeordnetenhaus.
- 1883-1919
- Delbrück gibt - bis 1889 zusammen mit Heinrich
von Treitschke (1834-1896) - die "Preußischen Jahrbücher"
heraus, die von Vertretern des konstitutionellen Liberalismus
1858 als politische Zeitschrift gegründet wurden. In den
"Politischen Korrespondenzen" kommentiert er jeden Monat
innen- und außenpolitische Ereignisse.
- 1884-1890
- Freikonservatives Mandat im Reichstag.
- In seinen politischen Aktivitäten - vor allem als Publizist - versteht
sich Delbrück selbst als "aufgeklärter Konservativer".
Er greift aber gerade Konservative und Nationalliberale immer
wieder an und steht mit seinen Ansichten oft auf seiten der Sozialdemokraten,
die er jedoch als seine politischen Gegner ansieht. Er beschäftigt
sich unter anderem mit der Nationalitätenpolitik sowie mit
dem Wahlrechtsproblem und vertritt in der sozialen Frage die Position
des "Kathedersozialismus".
- 1884
- Heirat mit Lina Thiersch.
- Der Ehe entstammen sieben Kinder, darunter der Biophysiker und
Biologe Max Delbrück (1906-1981).
- ab 1885
- Außerordentliche Professur an der Philosophischen
Fakultät der Universität Berlin.
- 1895
- Delbrück wird zum Ordinarius berufen. Anfeindungen
von Fakultätskollegen, die das von ihm gewünschte Gebiet
der "Geschichte der Kriegskunst" nicht als Universitätsdisziplin
anerkennen wollten, hatten seine Bemühungen um ein Ordinariat
zuvor jahrelang vereitelt.
- 1896
- Delbrück erhält den Lehrstuhl für "Allgemeine
und Weltgeschichte" des verstorbenen Treitschke, den er bis
zur Emeritierung 1921 innehat.
- 1900-1920
- Die vier Bände von Delbrücks Hauptwerk
"Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte"
erscheinen. Sie beruhen auf seinen militärhistorischen Studien
seit den 1880er Jahren. Sein sachkritisches Herangehen an Quellentexte,
das bisher vertretene Ansichten der Militärhistoriographie
relativiert, wird von den Militärgeschichtsschreibern des
preußisch-deutschen Generalstabs angegriffen.
- ab 1907
- Nach anfänglicher Flottenbegeisterung setzt
sich Delbrück in der Diskussion um die deutsche Flotten-
und Weltpolitik für die Erhaltung eines europäischen
Gleichgewichts ein und greift die völkischen Ideen und Hegemonie-Bestrebungen
der Alldeutschen an.
- ab 1914
- Das politische Wirken Delbrücks erreicht im
Ersten Weltkrieg seinen Höhepunkt. Er setzt sich in
dieser Zeit unter anderem für die Abschaffung des preußischen
Dreiklassenwahlrechts ein und attackiert die Vaterlandspartei.
Um ihn bildet sich mit dem "Bund Neues Vaterland" ein
Kreis von Verfechtern einer maßvollen Kriegszielpolitik.
- 1915
- 27. Juli: Eingabe des "Bundes Neues Vaterland"
an Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, die sich
in erster Linie gegen deutsche Annexionsbestrebungen richtet.
- ab 1918
- Nach Kriegsende wendet sich Delbrück entschieden
gegen die These von der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands,
die 1919 im Versailler Vertrag verankert wird, sowie gegen
die "Dolchstoßlegende". Besonders scharf
sind seine Angriffe auf Erich Ludendorff und
Alfred von Tirpitz.
- 1924-1928
- Veröffentlichung einer fünfbändigen
Weltgeschichte, die keine große Aufmerksamkeit findet. Die
Universalgeschichtsschreibung wird von den Historikern zugunsten
einer Spezialforschung zunehmend als problematisch angesehen.
- 1929
- 14. Juli: Hans Delbrück stirbt in Berlin.
(ut)
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