1819-1898
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Theodor Fontane
Schriftsteller
- 1819
- 30. Dezember: Theodor (eigentlich Henri Théodore)
Fontane wird als Sohn des Apothekers Louis Henri Fontane und dessen
Frau Emilie (geb. Labry) in Neuruppin geboren. Seine Vorfahren
sind hugenottische Handwerker.
- 1827
- Die Familie Fontane zieht nach Swinemünde um, wo
der Vater erneut eine Apotheke betreibt.
- Fontane erhält überwiegend Privatunterricht vom Vater
und von Hauslehrern befreundeter Familien. In seinem Erinnerungsbuch
"Meine Kinderjahre" (1894) dankt er später seinem
Vater für die unterhaltsame Einführung in die Geschichte
mittels Anekdoten und den historischen Romanen Walter Scotts (1771-1832).
- 1832/33
- Besuch des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Neuruppin.
- 1833-1836
- Eintritt in die Gewerbeschule von Karl Friedrich
Klöden (1786-1856) in Berlin.
- 1836-1840
- Ausbildung zum Apothekergehilfen in Berlin.
- 1839/40
- Veröffentlichung erster Gedichte und Erzählungen
in der Tageszeitung "Berliner Figaro".
- 1840-1843
- Arbeit als Apothekergehilfe in Burg, Leipzig, Dresden
und der väterlichen Apotheke in Letschin.
- 1844
- Eintritt als Einjährig-Freiwilliger in das Berliner
Gardegrenadierregiment "Kaiser Franz".
- Mit einem Schulfreund unternimmt Fontane eine erste London-Reise,
bei der ihn vor allem die historischen Erinnerungsstätten
interessieren..
- 1844-1865
- Mitglied des Berliner literarischen Sonntags-Vereins
"Tunnel über der Spree". Als "Tunnelnamen"
wählt er "Lafontaine", nach dem französischen
Fabel-Dichter Jean de La Fontaine (1621-1695). In seinem autobiographischen
Werk "Von Zwanzig bis Dreißig" (1898) setzt Fontane
dem Sonntags-Verein im Kapitel "Der Tunnel über der
Spree" ein literarisches Denkmal.
- 1845
- Nach Beendigung des Militärdienstes kehrt er kurzzeitig
in die väterliche Apotheke in Letschin zurück und arbeitet
anschließend in einer Berliner Apotheke.
- 1847
- Nach dem pharmazeutischen Staatsexamen erhält Fontane
die Approbation zum "Apotheker erster Klasse".
- Tätigkeit als Apotheker in Berlin.
- 1848
- Fontane beteiligt sich an den Barrikadenkämpfen
der Märzrevolution in Berlin und veröffentlicht Artikel
und Gedichte in der Zeitschrift "Berliner Zeitungshalle".
- Anstellung im Krankenhaus Bethanien.
- 1849
- 1. Oktober: Fontane beschließt "Sein Leben
auf den Vers zu stellen" und gibt die Stelle am Krankenhaus
Bethanien sowie den Apothekerberuf endgültig auf.
- Veröffentlichungen politischer Artikel in der radikal-demokratischen
"Dresdner Zeitung", in denen er für "Freiheit
um jeden Preis" und eine republikanische Staatsform eintritt.
- Dezember: Erste Buchveröffentlichungen mit der anekdotischen
Balladendichtung "Männer und Helden. Acht Preußenlieder",
das die brandenburgisch-preußische Geschichte anhand der
Portraits von acht Feldherren beleuchtet und dem Romanzenkranz
"Von der schönen Rosamunde" aus der englischen
Geschichte.
- 1850
- August: Nach dem Scheitern der Revolution von 1848/49
resigniert und verbittert, nimmt er zum Broterwerb eine Lektorenstelle
im "Literarischen Kabinett" des preußischen Innenministeriums
an, das die Presse im regierungsfreundlichen Sinne zu lenken sucht.
Das Kabinett wird zum Jahresende aufgelöst.
- 16. Oktober: Heirat mit Emilie Rouanet-Kummer. Aus der Ehe gehen
sieben Kinder hervor, von denen drei kurz nach der Geburt sterben.
- 1851-1856
- Nach Monaten ohne feste Arbeit erhält er eine
Anstellung bei der staatlichen "Zentralstelle für Pressangelegenheiten".
- 1852
- Fontane reist als "ministerieller Journalist"
für die Zentralstelle nach London.
Aus seinen Korrespondenzberichten geht das Buch "Ein Sommer
in London" (1854) hervor.
- 1855
- Fontane wird erneut nach London entsandt, um dort eine
"Deutsch-Englische Pressekorrespondenz" zu gründen,
die allerdings nach wenigen Monaten mangels Nachfrage eingestellt
wird.
- Nebenher schreibt er Kritiken Londoner Theaterstücke für
deutsche Zeitungen.
- 1856-1858
- Fontane bleibt als Presseattaché der preußischen
Botschaft in London.
- Zudem arbeitet er für verschiedene englische Zeitungen und
veröffentlicht zahlreiche Aufsätze über englische
Geschichte, Politik und Kultur in deutschen Zeitungen, die er
1860 zu dem Band "Aus England" zusammenfasst.
- Seine Schottlandreise im August 1858 verarbeitet er literarisch
in dem Reisebericht "Jenseits des Tweed" (1860).
- 1859
- Fontane kehrt mit seiner Familie nach Berlin zurück.
- Die halboffizielle Stellung als "Vertrauenskorrespondent"
des amtlichen "literarischen Büros" verliert er
nach wenigen Monaten wegen einer journalistischen Indiskretion.
- 1860-1870
- Redakteur des "Englischen Artikels" der
konservativen "Neuen Preußischen (Kreuz-) Zeitung",
der er mittlerweile auch politisch nahe steht.
- 1861
- Der erste Band der "Wanderungen durch die Mark
Brandenburg" erscheint unter dem Titel "Die Grafschaft
Ruppin". Er beschreibt darin Schlösser, Klöster,
Orte und Landschaften seiner Heimat ebenso wie deren Bewohner
und ihre Geschichte. Teile der "Wanderungen" waren zuvor
als Aufsätze in der Kreuzzeitung erschienen.
Es folgen "Das Oderland" (1863), "Havelland"
(1873), "Spreeland" (1882) und "Fünf Schlösser"
(1889).
- 1864, 1866 und 1870/71
- Im Auftrag des Deckerschen Verlags
reist Fontane zu den Schauplätzen des Deutsch-Dänischen,
des Deutschen und des Deutsch-Französischen Krieges und schildert
seine Eindrücke in den Büchern "Der Schleswig-Holsteinische
Krieg im Jahre 1864" (1865), "Der deutsche Krieg von
1866" (1869) und "Der Krieg gegen Frankreich" (1873
und 1875/76).
- Während des Deutsch-Französischen Krieges wird
er von französischer Seite als vermeintlicher Spion verhaftet
und erst nach persönlicher Intervention des preußischen
Ministerpräsidenten und Kanzlers des Norddeutschen Bundes
Otto von Bismarck freigelassen. Seine Erlebnisse schildert
er 1871 er in dem Bericht "Kriegsgefangen. Erlebtes 1870".
- 1870-1889
- Als Theaterkritiker der liberalen "Vossische
Zeitung" setzt er sich für den deutschen Naturalismus
und insbesondere für das Werk Gerhart Hauptmanns ein.
- Politisch wendet er sich wieder mehr und mehr dem Liberalismus
seiner Jugend zu.
- 1876
- Fontane übernimmt das Amt des Ersten Sekretärs
der Berliner Akademie der Künste, legt es aber bereits nach
wenigen Wochen nieder, weil er sich vom Akademiepräsidenten
als "Subalternbeamter" behandelt fühlt.
- 1878
- Fontanes erster Roman, das vierbändige Epos "Vor
dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812-1813" erscheint. Der
mit zahlreichen regionalen Details versehene historische Roman
schildert die Zeit vor den Befreiungskriegen.
- Ähnlich historisch verankert ist die Novelle "Schach
von Wuthenow" (1883), die im Vorfeld des preußischen
Krieges gegen Frankreich 1806 spielt.
- 1880
- In seinem Spätwerk kommt Fontane auf die Balladendichtung
seiner literarischen Anfänge zurück. Die Balladen "Die
Brück' am Tay" (1880), "John Maynard" (1885)
oder "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" machen
ihn nachhaltig berühmt.
- 1889
- Mit 70 Jahren gibt er seine Arbeit als Theaterkritiker
der "Vossischen Zeitung" auf und lebt ausschließlich
als freier Schriftsteller.
- Fontanes kritische Gesellschaftsromane spielen primär im
Berliner Bürgertum oder im Umkreis des märkischen Adels.
Häufig porträtiert er Frauengestalten, entweder Frauen,
die an gesellschaftlichen Konventionen zu ersticken drohen, wie
in den Romanen "Frau Jenny Treibel" (1892) oder "Effi
Briest" (1895), oder Frauen, deren klare Sicht der Dinge
sie den Männern überlegen macht, so in "Irrungen,
Wirrungen" (1888) oder "Stine (1890). Auch Ehebruch
ist ein häufiges Motiv, so z.B. in "L'Adultera"
(1882), "Cécile" (1887) oder "Unwiederbringlich"
(1892).
- 1890/91
- Mit den "Gesammelten Romane und Novellen"
Fontanes erscheint erstmals eine Gesamtausgabe seines Werks in
12 Bänden.
- 1891
- Wegen seiner Verdienste um die deutsche Dichtkunst wird
Fontane von der Deutschen Schillerstiftung mit einer so genannten
Ehrengabe von 3.000 Mark unterstützt.
- 1892
- Nach einer seelischen Krise und Depressionen beginnt
Fontane auf ärztlichen Rat hin mit der Abfassung seiner Lebenserinnerungen,
die 1894 unter dem Titel "Meine Kinderjahre" erscheinen
und mit der Autobiographie "Von Zwanzig bis Dreißig"
(1898) fortgesetzt werden.
- 1894
- Die philosophische Fakultät der Berliner Universität
(heute Humboldt-Universität) verleiht ihm die Ehrendoktorwürde.
- 1897
- Fontanes letzter Roman, "Der Stechlin" (1897),
stellt in Form einer gepflegten Konversationstechnik das Verhältnis
von Alt und Jung in den Mittelpunkt.
- 1898
- 20. September: Theodor Fontane stirbt in Berlin.
(db)
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