1893-1945
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Roland Freisler
NS-Jurist
- 1893
- 30. Oktober: Roland Freisler wird als Sohn eines Diplomingenieurs
und dessen Frau in Celle geboren.
- 1912
- Er nimmt ein Studium der Rechtswissenschaften in Jena
auf.
- 1914
- Nach Beginn des Ersten Weltkriegs meldet er sich
freiwillig als Fahnenjunker beim 1. Oberelsässischen Infanterieregiment.
- 1915
- Er gerät in russische Kriegsgefangenschaft und
wird in Sibirien festgehalten.
- Er erlernt die russische Sprache und setzt sich mit dem Marxismus
auseinander.
- 1917
- Nach Ausbruch der Oktoberrevolution schließt
sich Freisler den Bolschewisten an und wird Lagerkommissar. Genauere
Informationen über seine Tätigkeit sind nicht bekannt.
- 1920
- Rückkehr nach Deutschland und Fortsetzung des Jurastudiums
in Jena.
- Politisch hat sich Freisler vom Kommunismus abgewandt. Er tritt
in Kontakt zu nationalistischen Gruppierungen.
- 1922
- Freisler schließt sein Studium mit Promotion ab.
- 1923
- Assessorexamen.
- 1924
- Er eröffnet in Kassel eine Anwaltskanzlei.
- Er wird Stadtverordneter und wenig später Mitglied des hessisch-nassauischen
Landtags für den "Völkisch-Sozialen Block".
- 1925
- Eintritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
(NSDAP). Freisler übernimmt fortan die Verteidigung straffällig
gewordener Nationalsozialisten.
- Er wird Stellvertretender Gauleiter der NSDAP von Hessen-Nassau.
- 1932
- Freisler wird für die NSDAP in das Preußische
Abgeordnetenhaus gewählt.
- 1933
- Februar: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
wird er zum Leiter der Personalabteilung im preußischen
Justizministerium berufen. Noch bevor die "gesetzlichen Grundlage"
dafür geschaffen ist, führt er in diesem Amt eine rigorose
Säuberung der Justiz und der Anwaltschaft durch.
- März: Nach den Reichstagswahlen vom 5. März
wird er Abgeordneter für die NSDAP.
- Berufung zum preußischen Staatsrat.
- Oktober: Freisler wird Mitglied der "Akademie für Deutsches
Recht", die eine nationalsozialistische Rechtsreform vorbereiten
soll. Freisler übernimmt die Leitung der Strafrechtsabteilung.
- 1934
- Februar: Nach der Auflösung der Länderregierungen
wird er Staatssekretär im Reichsjustizministerium.
- Durch seinen Einfluß auf die Ausbildung des juristischen
Nachwuchses und mit seinen Veröffentlichungen verfolgt er
den Aufbau einer nationalsozialistischen Justiz. Um die Rechtsprechung
als politisches Instrument einsetzen zu können, setzt er
sich unter Mißachtung rechtsstaatlicher Grundsätze
für die Erweiterung der Kompetenzen des Richters ein.
- 1935
- Er übernimmt die wissenschaftliche Abteilung der
Akademie für Deutsches Recht.
- 1936
- Er veröffentlicht gemeinsam mit Justizminister
Franz Gürtner die Schrift "Das neue Strafrecht
als nationalsozialistisches Bekenntnis". In dieser plädieren
die Autoren für eine Änderung der Prozeßordnung,
um eine rigorose Verbrechensbekämpfung gewährleisten
zu können.
- Mit der Ernennung Heinrich Himmlers zum Chef der deutschen
Polizei übernimmt der mächtige Polizeiapparat mit seinen
Sonderorganisationen Schutzstaffel (SS), Geheime Staatspolizei
(Gestapo) und Sicherheitsdienst (SD) verstärkt Aufgaben
der Justiz. Freislers Versuche, Eingriffe justizfremder Stellen
abzuwehren, bleiben vergeblich.
- 1937
- Veröffentlichung von "Der Volksrichter in
der neuen deutschen Strafrechtspflege".
- 1939
- Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs fordert Freisler,
daß sich die Rechtsprechung der "Notwendigkeit der
Bolschewismusbekämpfung" unterzuordnen habe. Zahlreiche
Verordnungen beschränken die Rechte des Angeklagten.
- 1942
- 20. Januar: Freisler nimmt für das Justizministerium
an der Wannsee-Konferenz teil. Dort wird unter dem Vorsitz
von Reinhard Heydrich über die Art der Deportation
und Ermordung der europäischen Juden beraten.
- 20. August: Adolf Hitler beruft Freisler zum Präsidenten
des Volksgerichtshofs.
- Nach Freislers Amtsübernahme steigt die Anzahl der erlassenen
Todesurteile sprunghaft an. Die Kompetenzausdehnung des 1933 für
Hoch- und Landesverrat eingerichteten Volksgerichtshofs auf Wirtschaftsstraftatbestände,
Wehrmachtsbeschädigung und Verbrechen aller Art bietet ihm
eine rigoros genutzte Strafgewalt.
- 1944
- Die Verurteilung der am Attentat vom 20. Juli
beteiligten Widerstandskämpfer wird aus der Zuständigkeit
des Reichskriegsgerichts dem Volksgerichtshof übertragen.
Freisler führt gegen die Angeklagten Schauprozesse, in denen
er unter Mißachtung aller juristischen Formen zum Blutrichter
des Systems wird.
- 1945
- 3. Februar: Noch während dieser Verfahren stirbt
Roland Freisler bei einem alliierten Bombenangriff in Berlin.
(ge)
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