1877-1954

[Postkarte: Otto Gebühr, um 1935]

[Filmprogramm: Das Flötenkonzert von Sanssouci, 1930]



Otto Gebühr

Schauspieler



1877
29. Mai: Otto Gebühr wird in Kettwig/Ruhr als Sohn des Kaufmanns Otto Gebühr und dessen Frau Fanny Mathilde (geb. Moll) geboren.

1894-1896
Nach dem Abitur besucht er neben seiner beruflichen Ausbildung zum Kaufmann und Fremdsprachenkorrespondenten Abendkurse an einer Schauspielschule in Berlin.

1896/97
Erstes Engagement am Görlitzer Stadttheater.

1889-1914
Ensemblemitglied am Hoftheater Dresden (bis 1908), am Berliner Lessingtheater (bis 1912) und am Theater in der Königgrätzer Straße (bis 1914) in Berlin.

1910
Gebühr heiratet Cornelia Bertha Julius, aus der Ehe geht eine Tochter hervor.

1914-1917
Als Freiwilliger nimmt Gebühr beim 3. Garde-Feldartillerie-Regiment am Ersten Weltkrieg teil, in dessen Verlauf er bis zum Leutnant aufsteigt.

1917
Er nimmt seine erste Filmrolle in dem Stummfilm "Der Richter" an.

1917-1919
Gebühr spielt am Deutschen Theater Berlin, u.a. in Inszenierungen von Max Reinhardt.

1920
Auf Vermittlung des Schauspielers und Filmregisseurs Paul Wegener besetzt ihn der Regisseur Carl Boese (1870-1965) als Friedrich II. (1712-1786) in dem Stummfilm "Die Tänzerin Barberina", mit dem Gebühr der schauspielerische Durchbruch gelingt.

ab 1920
Die unverkennbare physiognomische Ähnlichkeit Gebührs mit Friedrich II. in Adolph von Menzels Gemälde "Flötenkonzert in Sanssouci" (1852) prädestiniert ihn geradezu für die Rolle des Preußenkönigs. Fortan wird er auf die Verkörperung Friedrichs II. in 16 Spielfilmen und zahlreichen Bühnenauftritten festgelegt.
In der Weimarer Republik, in der er zu einem der renommiertesten Film- und Theaterschauspieler avanciert, betreibt Gebühr im Kostüm Friedrichs II. Wahlpropaganda für rechte Parteien. Der entstehende "Gebühr-Kult" setzt den Schauspieler mit dem Preußenkönig gleich und feiert ihn als Inkarnation heroischen Preußentums. Die Beschwörung dieser "glanzvollen" Epoche preußisch-deutscher Geschichte dient konservativen und radikalen Rechten zur Aufwertung des Selbstwertgefühls nach der "Schmach" des Versailler Vertrags.

1920-1923
In der Stummfilmzeit tritt er als Preußenkönig in dem erfolgreichen Vierteiler "Fridericus Rex" auf.

1930
Mit der Einführung des Tonfilms erreicht er in Gustav Ucickys (1899-1961) "Flötenkonzert in Sanssouci" als Preußenkönig einen großen Erfolg.

1932
In seiner Paraderolle brilliert er in "Die Tänzerin von Sanssouci" von Friedrich Zelnik (1885-1950) an der Seite von Lil Dagover und Hans Stüwe (1901-1976).

1933
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme läßt sich Gebühr bereitwillig in die Propagandamaschinerie einspannen und gibt weiterhin in zahlreichen NS-Filmen und Auftritten den "ersten Nationalsozialisten", wie Propagandaminister Joseph Goebbels Friedrich II. bezeichnet hat.

1936
In dem Historienfilm "Fridericus" steht er neben Lil Dagover und Hilde Körber (1906-1969) vor der Kamera und erzielt einen seiner größten Publikumserfolge.

1938
Goebbels ernennt ihn zum "Staatsschauspieler". Gebühr steht auf dem Höhepunkt seiner Karriere und ist neben Heinz Rühmann, Hans Albers und Heinrich George eine der bestverdienenden und berühmtesten deutschen Schauspielgrößen.

1940
Selbst in Filmen wie "Bismarck" von Wolfgang Liebeneiner (1905-1987) trägt die Figur des Königs von Sachsen, den Gebühr darstellt, Züge Friedrichs des Großen.

1942
Veit Harlans kriegerisches Durchhalteepos "Der große König" zeigt Friedrich II. in seiner schwersten Krise im Siebenjährigen Krieg, die er, von allen Getreuen verlassen, am Ende doch erfolgreich meistert. Gebühr verkörpert in diesem Film wohl am eindrucksvollsten den einsamen und unbeugsamen König, der nur Sieg oder Untergang kennt.
Der deutschen Bevölkerung sollen im dritten Jahr des Zweiten Weltkriegs anhand dieser "glorreichen" Epoche der preußischen Geschichte Pflichterfüllung, Durchhaltewillen, Schicksalsergebenheit, bedingungsloses Führertum und Gefolgschaftstreue bis in den Tod vor Augen geführt werden.
Gebühr verheiratet sich in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Doris Krüger, aus der Verbindung geht ein Sohn hervor.

1943-1945
Bis zum Zusammenbruch des NS-Regimes tritt Gebühr in leichten Unterhaltungsfilmen ("Immensee", 1943; "Die goldene Spinne", 1943) auf, die die Bevölkerung von den Schrecken des Krieges ablenken sollen. Der Film "Der Erbförster" erlebt seine Uraufführung kurz vor der deutschen Kapitulation noch im April 1945.

1945-1947
Nach Kriegsende wird er von den Alliierten mit einem Auftrittsverbot belegt, einige seiner Filme werden indiziert.

1947
Gebühr kehrt nach seiner Entnazifizierung an der Seite Lil Dagovers in Anton Tschechows (1860-1904) "Der Kirschgarten" in der "Berliner Komödie" ans Theater zurück.

ab 1950
Er unternimmt Gastspielreisen und verkörpert kauzige Gesellen und heiter vergreiste Eigenbrötler in Heimatfilmen ("Melodie des Schicksals", 1950; "Grün ist die Heide", 1951).

1954
13. März: Otto Gebühr stirbt kurz vor Abschluß der Dreharbeiten zu dem Film "Rosen-Resli" in Wiesbaden an einem Herzschlag.

(max)

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