1898-1975



Therese Giehse

Schauspielerin



1898
6. März: Therese Giehse (eigentl. Therese Gift) wird als Tochter des jüdischen Textilkaufmanns Salomon Gift und dessen Frau Gertrude (geb. Heinemann) in München geboren.

1918-1920
Schauspielausbildung in München. Hier erhält sie ihren Künstlernamen Giehse. Das Geld zur Ausbildung verdient sie sich in einer amtlichen Kohlenkartenstelle.

1920
Giehse gibt ihr Debüt als Büßerin in dem Stück "Kausikas Zorn" in München.

1920-1924
Nachdem Bemühungen, in Berlin eine Rolle zu finden, scheitern, erhält Giehse Saisonengagements in Siegen, Gleiwitz (heute: Gliwice/Polen), Landshut und an der Bayerischen Landesbühne in München.

1924/25
Sie spielt unter dem Intendant Paul Barney (1884-1960) in Breslau (heute: Wroclaw/Polen), der talentierte Schauspieler an bekannte Theater vermittelt. Giehse wird den Münchner Kammerspielen empfohlen.

1925-1933
Unter dem Regisseur und Theaterdirektor Otto Falckenberg (1873-1947) spielt sie an den Münchner Kammerspielen meist Rollen als ältere, herbe und unsympathische Frau. Giehse ist in politischen Stücken, aber auch in Possen und harmlosen Faschingsspäßen zu sehen.
Während dieser Zeit entwickelt sich die Bekanntschaft zu Thomas Mann und eine intensive Freundschaft zu dessen Kindern Klaus Mann und Erika Mann.

1933
1. Januar: Giehse gründet mit Erika und Klaus Mann u.a. das "Literarische Cabaret, die Pfeffermühle". Hier bezieht sie auch Stellung gegen die nationalsozialistische Politik von Adolf Hitler. Nebenbei spielt sie weiterhin an den Kammerspielen.
13. März: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigriert sie als Jüdin und politisch links Stehende über Österreich in die Schweiz.

1933-1937
Im Züricher Exil spielt sie mit der dort neu gegründeten "Pfeffermühle" wochenlang vor ausverkauftem Haus im "Hotel Hirschen" und geht auf Tournee in Europa mit Erfolgen in Holland, Belgien, Luxemburg und der Tschechoslowakei. Weniger erfolgreich verläuft das Gastspiel in den USA. Während ihrer Aufführung fallen keine Namen von Personen, Städten und Ländern: die Künstler spielen Parabeln, Märchen und Gleichnisse, um auf die politischen Zustände im nationalsozialistischen Deutschland aufmerksam zu machen.

1936
Heirat mit dem englischen Schriftsteller John Hampson-Simpson. Mit der Hochzeit erhält sie die britische Staatsbürgerschaft, die sie als Emigrantin vor einem möglichen Zugriff durch deutsche Behörden bewahrt.

ab 1937
Giehse wird Ensemblemitglied am Zürcher Schauspielhaus.

1941
19. April: Mitten im Zweiten Weltkrieg spielt sie in der Premiere von Bertolt Brechts pazifistischem Theaterstück "Mutter Courage und ihre Kinder" die Hauptrolle, mit der sie als Schauspielerin bekannt und geachtet wird. Neben Helene Weigel avanciert sie zur führende Brecht-Interpretin.
Sie spielt in ihrem ersten Film "Menschen, die vorüberziehen" unter der Regie von Max Haufler (1910-1965) mit.

1948
5. Juni: In der Premiere von Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" am Zürcher Schauspielhaus spielt Giehse die "Schmuggleremma".

ab 1949
Giehse spielt wieder auf der Bühne der Münchner Kammerspiele, aber auch in vier Gastspielrollen am nun im Ostteil der Stadt gelegenen Berliner Ensemble (1949-1952) und in Zürich (bis 1966). In Berlin führt sie in Kleists "Der zerbrochene Krug" (1952) selbst die Regie, in Zürich spielt sie die Claire Zachanassian in "Besuch der alten Dame" (1956) und die Irrenärztin Mathilde von Zahnd in "Die Physiker" (1962), beides Stücke von Friedrich Dürrenmatt (1921-1990). Die Rolle als Irrenärztin gehört zu den Glanzleistungen der Giehse.

ab 1954
Giehse kehrt aus der Schweiz nach München zurück. Sie spielt in Stücken wie "Herodes und Marianne", "Philomena Marturano", "Woyzeck" und "Die Ratten"
In der Zeit der außerparlamentarischen Opposition der 60er Jahre, deren Protest auch vor den Theatern nicht halt macht, spielt Giehse vermehrt mit einer neuen und radikaleren Generation von Theatermachern.

1966-1974
Bis 1971 gibt sie drei Brecht-Abende mit denen sie 1974 auf Tournee durch die Bundesrepublik geht. Sie liest und singt Brecht-Texte mit musikalischer Begleitung. Dennoch ist sie in ihren letzten Lebensjahren nur noch selten auf der Bühne zu sehen.

1968
In der Zeit des Vietnamkriegs liest sie öffentlich pazifistische Texte von Brecht und engagiert sich für die Abrüstung.

1975
3. März: Giehse stirbt in München.

(sp)

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