1842-1928
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Giovanni Giolitti
Politiker
- 1842
- 27. Oktober: Giovanni Giolitti wird in Mondovi (Piemont)
als Sohn des Gerichtsbeamten Giovenale Giolitti und dessen Frau
Enrichetta (geb. Plochiù) geboren.
- 1861
- Abschluß seines Jurastudiums an der Universität
von Turin.
- 1869
- Nach einer Anstellung in der königlichen Gerichtsverwaltung
in Turin folgt er der italienischen Regierung als Staatssekretär
nach Florenz.
- 1872
- Als Generalsekretär im Finanzministerium zieht
er in die neue Hauptstadt Rom um.
- 1882
- Ernennung zum Staatsrat durch Ministerpräsident
Agostino Depretis (1813-1887).
- Liberaler Abgeordneter im italienischen Parlament.
- 1885
- Giolitti rückt von Depretis ab und wird in der
Finanzpolitik zu einem der Oppositionsführer.
- 1889
- Finanzminister im Kabinett Crispi.
- 1890
- Nach seinem Rücktritt führt er die linksliberale
Opposition gegen die Finanzpolitik der Regierung.
- 1892
- Ernennung zum Ministerpräsidenten.
- 1893
- Aufgrund von Anschuldigungen in einem Bankskandal tritt
Giolitti zurück.
- 1901-1903
- Im Kabinett Zanardelli wird Giolitti vom neuen
König Viktor Emanuel III. zum Innenminister ernannt.
Als eigentlicher Kopf der Regierung legt er mit seiner administrativen
Erfahrung die Bürokratie auf seine Linie fest, mit der er
die wirtschaftliche Rückständigkeit Italiens überwinden
will.
- 1903-1905
- Als Ministerpräsident beginnt Giolitti seine
Integrationspolitik, die die Arbeiterschaft mit einer liberalen
Monarchie versöhnen soll und die Industrialisierung Italiens
vorantreibt. Damit prägt er die "Ära Giolitti".
- 1906-1909
- Während des dritten Kabinetts Giolitti rückt
Italien wegen der Machtfrage auf dem Balkan vom Dreibund mit Österreich-Ungarn
und dem Deutschen Reich ab und verständigt sich auf einen
Interessenausgleich mit Rußland im Mittelmeer.
- 1911
- Giolitti wird zum vierten Mal Ministerpräsident.
Die von ihm geplante Regierungsbeteiligung der Sozialisten scheitert
am Widerstand des revolutionären Flügels der sozialistischen
Partei.
- 1911/12
- Italien erobert und annektiert die libyschen Gebiete
Tripolitanien und Cyrenaika, die bisher zum Osmanischen Reich
gehörten.
- 1912
- Einführung eines nahezu allgemeinen Wahlrechts
und einer staatlichen Sozialversicherung in Italien.
- 1914
- Februar: Nachdem die Parlamentswahlen kurz zuvor eine
Stärkung der Konservativen und der Sozialisten erbracht hat,
tritt Giolitti zurück.
- August: Der Erste Weltkrieg teilt Italien in zwei Lager:
Die Nationalisten und Radikalrepublikaner agitieren für den
Kriegseintritt, die Parlamentsmehrheit um Giolitti will die Neutralität.
- 1915
- Mai: Giolitti wird Führer der Opposition, welche
mit ihrer Parlamentsmehrheit die kriegswillige Regierung Salandra
stürzen will. Auf Massenkundgebungen für den Krieg ruft
Gabriele D'Annunzio dazu auf, Giolitti zu erschlagen. Als
Giolitti aus Rom abreist, ist der Widerstand der Neutralisten
gebrochen.
- 1915-1918
- Italien nimmt auf seiten der Entente am Krieg teil, erhält aber
nach Kriegsende nicht die geforderten Gebiete auf dem Balkan.
- 1920
- In der politischen und wirtschaftlichen Krise der Nachkriegszeit
wird Giolitti wieder zum Ministerpräsidenten berufen. Er
schließt den Verständigungsvertrag mit Jugoslawien
und beendet gewaltsam die völkerrechtliche Besetzung der
Stadt Fiume (heute: Rijeka) durch D'Annunzio.
- 1921
- Die erstmals im Parlament vertretenen Faschisten versucht
Giolitti in seinen innenpolitischen Integrationskurs einzubeziehen.
Als dieser scheitert, tritt er als Ministerpräsident zurück
und beschränkt sich auf eine kritische Oppositionshaltung.
- 1926
- Im Parlament lehnt Giolitti die Ausnahmegesetze
Benito Mussolinis ab.
- 1928
- März: In seiner letzten Rede vor dem Parlament
ruft der 85jährige zum Widerstand gegen die faschistische
Wahlrechtsreform auf, da diese einer Aufhebung der Verfassung
gleichkommt.
- 17. Juli: Giovanni Giolitti stirbt in Cavour (Piemont).
(mw)
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