1889-1976
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Martin Heidegger
Philosoph
- 1889
- 26. September: Martin Heidegger wird als Sohn des Messners
und Küfermeisters Friedrich Heidegger und dessen Frau Johanna
(geb. Kempf) in Meßkirch (Baden) geboren.
- 1909
- Nach dem Abitur beginnt er mit Unterstützung der
katholischen Kirche das Studium der Theologie in Freiburg (Breisgau).
Zu diesem Zeitpunkt will er noch Priester werden.
- 1911
- Heidegger beginnt Mathematik, Naturwissenschaften und
Philosophie zu studieren.
- 1913
- Promotion über "Die Lehre vom Urteil im Psychologismus.
Ein kritisch-positiver Beitrag zur Logik".
- 1916
- Habilitation in Philosophie.
- Aus gesundheitlichen Gründen wird er nur eingeschränkt
zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg herangezogen.
- 1917
- Heirat mit der Ökonomiestudentin Elfriede Petri.
- 1919
- Assistentenstelle in Freiburg bei Edmund Husserl (1858-1938),
mit dessen Phänomenologie er sich kritisch auseinandersetzt.
- Freundschaft mit Karl Jaspers.
- 1922
- Bau seiner Hütte in Todtnauberg (Schwarzwald),
auf die er sich bis zu seinem Lebensende immer wieder zurückzieht.
- 1923
- Außerordentlicher Professor der Philosophie in
Marburg. Er wendet sich der Philosophie Immanuel Kants (1724-1804)
zu.
- 1927
- Heidegger veröffentlicht sein Hauptwerk "Sein
und Zeit", mit dem er die Fundamentalontologie begründet,
die die traditionellen ontologischen Systeme seit Platon aufheben
soll.
Heidegger stellt darin - ausgehend von der Alltäglichkeit - die Grundfrage nach dem Sinn von Sein neu, indem er nach dem menschlichen "Dasein" fragt und definiert Sein als grundlegendes "In-der-Welt-Sein", d.h. als eine Vollzugsform mit Weltbezug. Eine zentrale Kategorie bildet dabei die Zeitlichkeit des menschlichen Lebens und Verstehens als ein Entwurf auf den Tod hin, als "Sein zum Tode". Theoretisch wird damit u.a. dem Handeln ein "Geschick" vorgegeben, das innerhalb der "Gemeinschaft" praktisch mobilisiert werden soll.
In seiner Wirkung ist "Sein und Zeit" wegweisend für die Philosophie und Wissenschaft des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, so zum Beispiel für Hannah Arendt, Herbert Marcuse, Jean-Paul Sartre oder Theodor W. Adorno. Die Rezeption ist zudem durch kontroverse Deutungen des Werkes bestimmt.
- 1928
- Berufung nach Freiburg, wo er Nachfolger von Edmund Husserl (1858-1938) als Institutsdirektor wird.
- 1929
- Aufsatz "Kant und das Problem der Metaphysik".
- Intensive Auseinandersetzung mit der Philosophie von Friedrich
Nietzsche.
- 1930
- Mit der Schrift "Vom Wesen der Wahrheit" beginnt
sein Spätwerk. Er sieht nun nicht mehr im Dasein den konstituierenden
Ort der Wahrheit, sondern vertritt ein metaphysisches Seinsverständnis.
In der "Seinsvergessenheit" drückt sich für
Heidegger die wachsende Heimatlosigkeit des modernen Menschen
aus.
- 1931
- Heidegger schätzt an Adolf Hitler dessen
Bereitschaft zum Handeln.
- 1933
- Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten
schließt sich Heidegger der Nationalsozialistischen Deutschen
Arbeiterpartei (NSDAP) an, von der er den "Neubeginn
des deutschen Schicksals" erwartet.
Er wird Rektor der Freiburger
Universität, die er zur Basis einer neuen Besinnung umwandeln
will. In seiner Antrittsrede "Die Selbstbehauptung der deutschen
Universität" zieht er Parallelen zwischen dem Dienst
des Gelehrten am Wissen und dem Dienst des Soldaten im Heer sowie
des Arbeiters in der Produktionsstätte. Er führt diese Dienste in der Kategorie des "Arbeitsstandes" zusammen, der durch die NSDAP geprägt werden soll.
Er versucht das Prinzip der "geistigen Führung" auf alle deutschen Universitäten zu übertragen, sein Programm einer "Führeruniversität" scheitert aber.
- In weiteren öffentlichen Reden kritisiert er aus seiner
romantisch-konservativen Haltung heraus die Entpersönlichungs-
und Entfremdungserscheinungen der modernen Gesellschaft.
- 1934
- Er tritt vom Rektorat zurück, behält aber seinen Lehrstuhl für Philosophie bei.
- 1936-1938
- Heidegger arbeitet
sein zweites Hauptwerk "Beiträge zur Philosophie"
aus, das erst postum 1989 veröffentlicht wird.
- 1947
- Nach einem langwierigen Entnazifizierungsverfahren wird
ihm von den französischen Besatzungbehörden die Lehrbefugnis
entzogen.
Heidegger äußert sich Zeit seines Lebens öffentlich kaum zu seinem Engagement für den Nationalsozialismus.
- In dem "Brief über den Humanismus" verbindet er
den Humanismus mit der Metaphysik und mit dem Aufstand des Menschen,
der nur noch um sich selbst kreist.
- Seine Werke beeinflussen den französischen Existentialismus
um Jean-Paul Sartre, die Geisteswissenschaften, aber auch
die Entstehung der daseinsanalytischen Psychiatrie.
- 1949
- Seine in Bremen gehaltene Rede "Einblick in das,
was ist" ist eine von vielen, in denen er den Zusammenhang
von Technik und moderner Wissenschaft darstellt und kritisiert.
- 1950
- Nach der Aufhebung des Lehrverbots hält er bis
1967 Seminare für einen kleinen Kreis von Hörern in
Freiburg.
- 1952
- Emeritierung.
- 1974
- Beginn der über 100bändigen Gesamtausgabe
seiner Werke.
- 1976
- 26. Mai: Martin Heidegger stirbt in Freiburg.
(lh/mir)
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