1872-1924
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Karl Helfferich
Nationalökonom, Politiker
- 1872
- 22. Juli: Karl Theodor Helfferich wird in Neustadt (Pfalz) als Sohn
des Fabrikbesitzers Friedrich Helfferich geboren; seine Mutter
Auguste (geb. Knöckel) stammt ebenfalls aus einer
Industriellenfamilie.
- 1890-1894
- Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, München
und Straßburg, das er mit einer Dissertation über das
Geldwesen abschließt.
- 1899
- Er habilitiert sich in Berlin mit einer Arbeit über die
Finanzpolitik der deutschen Regierung.
- 1899-1906
- Als Privatdozent hält er in Berlin Vorlesungen zur
Nationalökonomie.
- 1901-1906
- Im Auftrag der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes leitet
Helfferich die Einführung neuer Währungen in den
afrikanischen Kolonien des Deutschen Reiches.
- 1903
- In seinem Hauptwerk "Das Geld" verteidigt Helfferich die
Edelmetallbasis von Geld und lehnt eine reine Papierwährung ab.
- Als Delegierter des Deutschen Reiches nimmt er an einer amerikanischen
Finanzkonferenz in Berlin teil. Aufgrund seiner Fachkenntnis gilt er
als Autorität.
- 1906-1908
- Als Direktor der Anatolischen Eisenbahn fördert er den Bau der
Bagdadbahn.
- 1908
- Vorstandsmitglied der Deutschen Bank in Berlin.
- 1910
- Berufung in den Zentralausschuß der Reichsbank.
- 1913
- Teilnahme an der Finanzkonferenz für den Balkan.
- 1915
- Januar: Helfferich wird zum Staatssekretär im Reichsschatzamt
ernannt und übernimmt dort die Leitung der Kriegsfinanzierung.
Die Kosten des Krieges will er mit Anleihen decken, während er
kaum zusätzliche Steuern erhebt. Die vermehrte Geldausgabe
fördert das Entstehen der Inflation.
- 1916
- Mai: Helfferich wird Innenminister und Vizekanzler unter
Theobald von Bethmann Hollweg und leitet nun die gesamte wirtschaftliche Kriegführung. Er
schlägt ein Friedensangebot vor und spricht sich gegen den
uneingeschränkten
U-Boot-Krieg aus.
- 1917
- 9. November: Drei Monate nach dem Sturz Bethmann Hollwegs muß
auch Helfferich auf politischen Druck der Reichstagsopposition von
seinen Kabinettsämtern zurücktreten.
- 1918
- Gesandter des Deutschen Reiches in Moskau. Wegen Differenzen mit dem
Auswärtigen Amt erfolgt jedoch schon nach einem Monat die
Rückberufung.
- 1919
- Als Reaktion auf die Niederlage und die Friedensverhandlungen mit den
Alliierten wendet sich Helfferich vom politischen Liberalismus ab und
tritt der
Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) bei. Er wird ein radikaler Gegner der
Weimarer Republik und der Regierungsparteien und verfaßt politische Bücher
sowie polemische Schriften ("Der Weltkrieg", "Fort mit
Erzberger").
- 1920
- Januar-März: Vizekanzler
Matthias Erzberger
stellt gegen Helfferich Strafantrag wegen Beleidigung. Im
darauffolgenden Prozeß wird Helfferich zwar verurteilt, aber die
Aussagen und Vorwürfe im Prozeßverlauf diskreditieren
Erzberger so stark, daß er kurz darauf von seinen
Regierungsämtern zurücktreten muß.
- Mitglied des Reichstages und Wahl in den Parteivorstand der DNVP.
- Heirat mit Annette von Müffling, der Tochter des Bankiers
Georg von Siemens.
- 1921/22
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Die von Helfferich angeführte Hetze gegen die führenden Männer der Weimarer Republik veranlasst Reichskanzler Joseph Wirth im Reichstag nach der Ermordung des Außenministers Walther Rathenau mit Blick auf Helfferich zu den Worten "Dieser Feind steht rechts!". Im In- und Ausland wurde Helfferich die geistige Urheberschaft für die Mordanschläge auf Erzberger und Rathenau zugeschrieben.
- 1923
- September: Zur Bekämpfung der Inflation schlägt Helfferich
eine neue Währung auf Sachwertbasis vor. Die im November
eingeführte Rentenmark beruht auf diesem Konzept. Seine
einstimmige Ernennung zum Reichsbankpräsidenten scheitert jedoch
am Einspruch der Reichsregierung
Gustav Stresemanns
und des Reichspräsidenten
Friedrich Ebert.
- 1924
- 23.April: Bei einem Eisenbahnunglück in der Nähe von
Bellinzona (Schweiz) kommt Karl Helfferich ums Leben.
(mw)
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