1878-1964

[Photo: Andreas Hermes]



Andreas Hermes

Politiker



1878
16. Juli: Andreas Hermes wird in Köln als Sohn des Packmeisters Andreas Hermes und dessen Frau Theresia (geb. Schmitz) geboren.

1896-1901
Er studiert in Bonn, Jena und Berlin Landwirtschaft und Philosophie. Während dieser Jahre unternimmt er ausgedehnte Reisen durch Europa und nach Südamerika. Sein Interesse gilt der Veredlung von europäischen Zuchttieren mit südamerikanischen Rassen.

1901
In Cloppenburg wird Hermes Landwirtschaftslehrer.

1902-1904
Hermes ist Berater eines Tierzüchters in Bonn.

1906
Er promoviert an der Universität Jena. Seine Dissertation beschäftigt sich mit einer Optimierung der Fruchtfolge und wird unter dem Titel "Teilbau in Frankreich" veröffentlicht.

1906-1911
Nach der Promotion geht Hermes als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Tierzuchtabteilung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft nach Berlin.

1911-1914
Hermes ist Direktor der landwirtschaftlichen Abteilung des Internationalen Landwirtschaftsinstituts in Rom.

1914
Nach Beginn des Ersten Weltkriegs kehrt Hermes nach Deutschland zurück und ist in der deutschen Kriegsernährungswirtschaft als Fachberater tätig.
Er organisiert den Ölfruchtanbau im Bodenseegebiet, um den universellen Einsatzbereich dieser Pflanzen zu demonstrieren.

1919
Der parteilose Hermes wird Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium.

1920
Hermes tritt der Zentrumspartei bei.
Hermes heiratet Anna Schaller. Sie bekommen drei Söhne und zwei Töchter.
30. März: Er wird Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft im ersten Kabinett von Hermann Müller. Hermes leitet das Ministerium zwei Jahre, es wird nach seinen Vorschlägen neu strukturiert.
Unter ihm wird die Struktur der Kriegswirtschaft abgebaut.

1920-1933
Er wird Mitglied verschiedener Organisationen wie des Reichswirtschaftsrats, des Wirtschaftsbeirats, des Reichsverbands der deutschen landwirtschaftlichen Raiffeisengenossenschaften sowie Präsident der Vereinigung der deutschen Bauernvereine.

1921-1923
Er ist Reichsfinanzminister in den Kabinetten von Joseph Wirth und Wilhelm Cuno.

1924
Hermes wird Mitglied des Preußischen Landtags.

1928
20. Mai: Er wird bei der Reichstagswahl für die Zentrumspartei in den Reichstag gewählt.

1929-1933
Während der Weltwirtschaftskrise wird unter Führung von Hermes und Spitzenvertretern dreier deutscher Landwirtschaftsvereinigungen die sogenannte Grüne Front gegründet. Als ihr Präsident will Hermes eine handlungsfähige Dachorganisation aller bäuerlichen Organisationen schaffen.

1930
Hermes veröffentlicht das von ihm verfaßte "Christliche Bauernprogramm", das die christlichen Grundsätze der Bauernvereine betont.

1933
März: Noch vor dem Ermächtigungsgesetz legt Hermes aus Protest gegen die Machtübernahme der Nationalsozialisten seine öffentlichen Mandate nieder. Er spricht sich in Reden gegen das NS-Regime aus. Mehrmals wird ihm die Verhaftung angedroht.
21. März: Wegen seiner weltanschaulichen und politischen Gegnerschaft zum NS-Regime wird er verhaftet und inhaftiert.
12. Juli: Hermes wird zu vier Monaten Haft verurteilt. Die Strafe gilt durch die U-Haft als verbüßt.

1936
Hermes geht ohne seine Familie ins Exil nach Kolumbien und ist dort als Wirtschaftsberater der Regierung tätig.

1939
August: Er kehrt nach Deutschland zurück, um seine Familie ins Exil nachzuholen. Durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs wird er an der Ausreise gehindert.

1941-1944
Hermes engagiert sich im Widerstand gegen das NS-Regime und hat Kontakte zum Kreis um Carl Friedrich Goerdeler und zum Kreisauer Kreis.

1944
22. Juli: Nach dem Attentat vom 20. Juli auf Adolf Hitler wird er verhaftet und ohne Prozeß im Gefängnis Berlin-Moabit festgehalten. Hermes war in einer der Ministerlisten von Goerdeler als möglicher Landwirtschaftsminister genannt worden.

1945
11. Januar: Wegen Teilnahme an der Verschwörung gegen Hitler wird Hermes zum Tode verurteilt. Seiner Frau erreicht, daß die Vollstreckung des Urteils mehrmals aufgeschoben wird.
April: Die Befreiung Berlins durch sowjetische Truppen bewahrt Hermes vor der Hinrichtung.
7. Mai: Er wird vom sowjetischen Stadtkommandanten Nikolai Bersarin zum Leiter des zentralen Ernährungsamts der Stadt Berlin und Beauftragten für das Ernährungswesen ernannt.
19. Mai: Hermes wird einer von vier Stellvertretern des Berliner Oberbürgermeisters Arthur Werner (1877-1967). Er ist der einzige bürgerliche Politiker des Magistrats von Groß-Berlin.
16. Juni: Zusammen mit Freunden plant Hermes die Gründung einer neuen christlichen Volkspartei, die im Gegensatz zur früheren Zentrumspartei nicht rein katholisch ausgerichtet sein soll. Er schlägt den Namen "Demokratische Union" vor.
26. Juni: Nach der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) wird die Christlich-Demokratische Union in Berlin und in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) gegründet.
Neben Hermes gehören u.a. Jakob Kaiser (1888-1961), Ferdinand Sauerbruch, Ferdinand Friedensburg (1886-1972) und Walther Schreiber (1884-1958) zu den Gründern.
Juli: Hermes eröffnet die "Reichsgeschäftsstelle" der CDU. Damit verbindet die Berliner CDU den Anspruch, eine Partei für ganz Deutschland zu sein.
Hermes tritt für die Vergesellschaftung der Bodenschätze, jedoch für die Beibehaltung des Privateigentums und für die Förderung des Bauerntums und des Mittelstands ein.
Herbst: Hermes übt Kritik an der entschädigungslosen Enteignung im Rahmen der Bodenreform in der SBZ.
19. Dezember: Seine Kritik führt zum durch die sowjetischen Behörden erzwungenen Ausschluß aus dem Parteivorstand der Ost-CDU. Hermes übersiedelt nach Bad Godesberg und wird Mitglied der West-CDU.

1946
Februar: Im sauerländischen Neheim-Hüsten beschließt die West-CDU ein neues, gemeinsames Programm. Konrad Adenauers Richtlinien einer liberalen Wirtschaftsordnung setzen sich durch, die Vorstellungen von Hermes bleiben im wesentlichen unberücksichtigt.

1948/49
Ein Jahr nach der Verabschiedung des Programms setzt sich zunehmend Adenauers Wirtschaftsauffassung durch, die in den "Düsseldorfer Leitsätzen" festgeschrieben wird.

1949
Hermes ruft den "Godesberger Kreis" ins Leben, der für die Wiedervereinigung Deutschlands und eine Verbesserung der Beziehungen zu Osteuropa eintritt. Diese Vorschläge sind in der CDU heftig umstritten.

1949/50
Durch seine Initiative entstehen zentrale Kreditinstitute wie der Agrarkredit und die Raiffeisenversicherung wieder.

1950
Er tritt an die Spitze der "Gesellschaft für die Wiedervereinigung Deutschlands".
Von der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn wird ihm die Ehrendoktorwürde verliehen.

1954-1958
Hermes ist Präsident des Verbands der europäischen Landwirtschaft.

1958
Aus Altersgründen muß er alle Ämter niederlegen.

1964
4. Januar: Andreas Hermes stirbt in Krälingen in der Eifel.

(as)

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