1887-1942
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Jakob van Hoddis
Dichter
- 1887
- 16. Mai: Jakob van Hoddis (eigtl. Hans Davidsohn) wird
in Berlin als ältester Sohn des jüdischen Arztes Hermann
Davidsohn und dessen Frau Doris (geb. Kempner) geboren. Der Zwillingsbruder
stirbt bei der Geburt. Van Hoddis wächst mit 4 Geschwistern
auf.
- 1905
- Er verläßt das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium
und bereitet sich als Externer auf das Abitur vor.
- 1906
- Nach dem Abitur beginnt van Hoddis, an der Technischen
Hochschule Charlottenburg Architektur zu studieren.
- 1907
- Bekanntschaft mit dem Publizisten Kurt Hiller (1885-1972).
- 1908
- Er bricht sein Architekturstudium ab und wendet sich
in Jena der Klassischen Philologie zu.
- Im Wintersemester beginnt van Hoddis das Studium der Altphilologie
an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität.
- Um 1908 wird der Beginn seines literarischen Schaffens angesetzt.
- 1909
- Er gründet mit Hiller, Erwin Loewenson (1888-1963)
und anderen Schriftstellern den literarischen "Neuen Club".
Verschiedene literarische Abende werden unter der Bezeichnung
"Neopathetisches Cabaret" organisiert. Bei den Treffen
trägt van Hoddis eigene Gedichte vor.
- Er nimmt das Pseudonym van Hoddis an, das ein Anagramm (Buchstabenversetzrätsel)
von Hans Davidsohn ist.
- 1911
- Sein Gedicht "Weltende", das viele Literaturkritiker
als den Grundstein des Frühexpressionismus verstehen, erscheint
in der Zeitschrift "Der Demokrat". Dieses Gedicht vor
allem wird van Hoddis zu einer gewissen Berühmtheit in Intellektuellen-
und Künstlerkreisen verhelfen. Doch nur ein kleiner Teil
seiner Gedichte wird in verschiedenen Zeitschriften wie "Der
Demokrat" und in Franz Pfemferts (1879-1954) "Aktion"
veröffentlicht.
- Er wird wegen "Unfleißes" von der Universität
exmatrikuliert.
- Van Hoddis reist nach München.
- 1912
- Er wendet sich katholischen Kreisen zu und durchlebt
offenbar eine psychische Krise mit psychotischen Episoden.
- Ab September begibt er sich freiwillig zur Behandlung in ein
Kurhaus in Wolbeck bei Münster.
- Nachdem er nach Berlin zurückgekehrt ist und seine Mutter
bedroht haben soll, wird van Hoddis in die Heilanstalt "Waldhaus"
in Nikolassee bei Berlin zwangseingeliefert. Noch im selben Jahr
flieht er.
- 1913
- Nach Aufenthalten in Heidelberg, München und Paris
kehrt er nach Berlin zurück.
- 1914
- Bei verschiedenen Autorenabenden trägt van Hoddis
seine Gedichte vor. Er trennt sich vom "Neuen Club"
und wendet sich den Autorenabenden der "Aktion" zu.
- 1915
- Van Hoddis begibt sich in private Pflege.
- Sein Bruder Ludwig fällt im Ersten Weltkrieg.
- 1917
- Gedichte von van Hoddis werden in der "Galerie
Dada" in Zürich von einer Freundin vorgetragen. In der
Folge werden seine Gedichte von Dadaisten und Surrealisten begeistert
aufgenommen.
- 1918
- Die einzige zu van Hoddis´ Lebzeiten erscheinende
Buchpublikation wird von Pfemfert in der Reihe "Der rote
Hahn" unter dem Titel "Weltende" herausgebracht.
- 1920
- Gedichte von van Hoddis erscheinen in "Menschheitsdämmerung",
einer von dem Literaturhistoriker Kurt Pinthus (1886-1975) herausgegebenen
Anthologie.
- 1921
- Sein Bruder Ernst emigriert nach Palästina.
- 1922
- Er kommt in private Pflege nach Tübingen.
- 1927
- 15. Juni: Nach einem Streit mit Nachbarn wird van Hoddis
in die Universitäts-Nervenklinik Tübingen gebracht,
von wo er in die Privatklinik für Gemüts- und Nervenkranke
in Göppingen verlegt wird. Van Hoddis wird entmündigt,
sein Onkel übernimmt die Vormundschaft.
- 1933
- Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme
wandert van Hoddis´ verwitwete Mutter, Doris Davidsohn, mit
ihren Töchtern Marie und Anna nach Palästina aus.
- 29. September: Er wird in die israelitische Kuranstalt nach Bendorf-Sayn
bei Koblenz eingewiesen, in die ab 1940 alle jüdischen Geisteskranken
gebracht werden.
- 1942
- 30. April: Deportation nach Polen. Jakob van Hoddis
wird im Mai oder Juni im Vernichtungslager Sobibor ermordet.
- 1958
- Postum erscheint "Weltende. Gesammelte Dichtungen",
herausgegeben von Paul Pörtner.
- 1987
- Die gesammelten Gedichte und Briefe erscheinen in "Jakob
van Hoddis. Dichtungen und Briefe", herausgegeben von Regina
Nörtemann.
- 2001
- Vom 10. Juni bis 31. August findet die erste wissenschaftliche
Ausstellung über Jakob van Hoddis im Centrum Judaicum Berlin
statt.
(cz)
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