1859-1914

[Postkarte: Jean Jaurès, um 1925]



Jean Jaurès

Politiker, Philosoph



1859
3. September: Jean (eigtl.: Auguste Marie Joseph) Jaurès wird in Castres (Languedoc) geboren.

1881
Nach dem Abschluß in Philosophie an der École Nationale Supérieure wird er Lehrer in Albi.

1883-1885
Außerordentlicher Professor für Philosophie in Toulouse.

1885-1889
Jaurès wird als unabhängiger Abgeordneter in die Nationalversammlung gewählt.
Heirat mit Louise Bois. Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor.

1889
Rückkehr an die Universität von Toulouse, wo er promoviert.

1892
Nach dem Bergarbeiterstreik in Carmaux schließt er sich der sozialistischen Arbeiterbewegung an.

1893-1898
Abgeordneter der Nationalversammlung als Unabhängiger Sozialist.
Jaurès fordert die Rehabilitation von Alfred Dreyfus, den zu Unrecht wegen Spionage verurteilten jüdischen Offizier.

1898
Er beginnt seine Geschichte der Französischen Revolution, die 1901-1907 unter dem Titel "Histoire socialiste de la Révolution française" erscheint.

1902
Die sozialistischen Parteien spalten sich über die Frage um eine Kooperation mit der Regierung. Trotz vorhergehender Einigungsversuche werden zwei sozialistische Parteien gegründet. Jaurès wird Führer der reformerischen Parti Socialiste Français (PSF), die für eine Tolerierung der Regierungspolitik eintritt.

1902-1914
Abgeordneter der Nationalversammlung.

1903
Er wird zum Vizepräsidenten der Nationalversammlung gewählt.

1904
Gründung des Parteiorgans "L'Humanité" (Menschlichkeit).

1905
April: Nach der Aufforderung der "Zweiten Internationale" schafft es Jaurès, die gesamte Linke Frankreichs zur Section Française de l'Internationale Ouvrière (SFIO) zu vereinigen. Die französische Sektion der Arbeiter-Internationale verknüpft revolutionäre Theorie und reformerische Praxis. Als einer ihrer parlamentarischen Führer nimmt der Einfluß von Jaurès innerhalb der französischen Arbeiterbewegung zu.
Als überzeugter Pazifist plädiert er gegen die französische Expansionspolitik und für eine Verständigung mit dem Deutschen Reich.

1905-1907
Beteiligung an der Solidaritätsbewegung für die russische Revolution.

1908
Veröffentlichung von "La Guerre franco-allemande 1870-1871" ("Der deutsch-französische Krieg").

1912
Auf dem Baseler Kongreß der "Zweiten Internationale" ruft Jaurès zum Kampf gegen die Kriegsvorbereitungen auf.

1914
Großer Wahlerfolg der SFIO.
31. Juli: Er fordert nach einer Sondersitzung des Internationalen sozialistischen Büros in Brüssel die französische Regierung auf, den Frieden zu erhalten.
Jean Jaurès wird von einem nationalistischen Fanatiker in Paris ermordet.

1924
Umbettung ins Panthéon, die nationale Gedenkstätte bedeutender Franzosen.

(lh)

Home