1864-1941
|

|
Alexej von Jawlensky
Maler
- 1864
- 13. März: Alexej von Jawlensky wird in Torschok (Gouvernement
Twer, Rußland) als Sohn des Obersten Georgi von Jawlensky und
dessen Frau Alexandra (geb. Medwedewa) geboren. Er ist das
fünfte Kind einer Familie aus russischem Erbadel.
- 1869
- Aufgrund der Dienstversetzung des Vaters zieht die Familie nach
Neswish (bei Minsk, Weißrußland).
- 1874
- Die Mutter zieht mit den Kindern nach Moskau, um ihnen eine
adäquate Ausbildung zu bieten.
- 1877
- Entsprechend der Familientradition kommt Jawlensky an eine
Kadettenschule in Moskau.
- 1880
- Er besucht die Moskauer Weltausstellung und begeistert sich für
die Malerei. Fortan geht er jeden Sonntag in die Tretjakow-Galerie und
beginnt in seiner Freizeit zu zeichnen. In der Schule werden Bilder
von ihm gerahmt und im Klassenzimmer ausgestellt.
- 1882
- Der Tod des Vaters bringt die Familie in finanzielle Schwierigkeiten.
Die Hoffnung auf das geplante Studium an einer Kunstakademie muß
Jawlensky zunächst aufgeben. Er tritt in die Moskauer
Militärhochschule ein, besucht aber weiterhin
regelmäßig die Tretjakow-Galerie.
- 1884
- Als Leutnant wird er einem Moskauer Infanterieregiment zugeordnet. Er
mietet sich ein Zimmer bei einem Maler, durch den er Kontakt zu
weiteren Künstlern findet. Seinen Urlaub verbringt er mit anderen
Malern auf Landschaftsfahrten.
- 1887
- Da in Moskau für einen Offizier der Besuch einer Kunstakademie
verboten ist, bemüht Jawlensky sich um eine Versetzung nach St.
Petersburg. Zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung kopiert er
Bilder aus der Tretjakow-Galerie.
- 1889
- Er wird nach St. Petersburg versetzt. Nach der bestandenen
Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie erhält er die Erlaubnis
zum Besuch der Akademie neben seiner Militärlaufbahn.
- 1890-1895
- Jawlensky macht die Bekanntschaft zahlreicher anerkannter
Künstler. Er besucht regelmäßig die Eremitage und das
Museum für moderne russische Kunst.
- 1891
- Er schließt Freundschaft mit der Malerin Marianne von Werefkin
(1860-1938), die als Vertreterin des Realismus bekannt ist.
- 1895
- Auf einer Künstlerfahrt lernt er über Werefkin die
vierzehnjährige Helene Nesnakomoff, Tochter eines Unternehmers,
kennen. Sie werden ein Paar und verbringen mehrere Monate gemeinsam
mit Zeichnen und Malen.
- 1896
- Mit Werefkin und der Tochter seines vorgesetzten Generals unternimmt
Jawlensky eine mehrmonatige Reise durch Deutschland, Belgien und
Holland. Sie besuchen Galerien und Museen in Dresden, Berlin,
Brüssel und Antwerpen und reisen über Paris und London
zurück.
- Er tritt aus der Armee aus und erhält eine regelmäßige
Pension, die ihm eine Karriere als Künstler ermöglicht.
- Aus Unzufriedenheit mit der Akademieausbildung übersiedelt
Jawlensky mit den befreundeten Malern Igor Grabar (1871-1960) und
Dimitri Kardowsky (1866-1943) sowie Werefkin und Nesnakomoff nach
München. Er bezieht gemeinsam mit den beiden Frauen eine Wohnung
und besucht die Azbè-Schule. Werefkin gibt das Malen auf und
protegiert Jawlenskys Karriere.
- 1897
- Er lernt an der Schule
Wassily Kandinsky kennen. Beide verbindet fortan eine enge Freundschaft.
- 1899
- Jawlensky unternimmt mit Werefkin, Grabar und Kardowsky eine
Studienreise nach Venedig. Nach seiner Rückkehr
verläßt er die Azbè-Schule und beginnt als freier
Maler zu arbeiten.
- 1901
- Bei einem Besuch in Rußland erkrankt er an Typhus und fährt
zur Kur auf die Krim.
- 1902
- In München arbeitet Jawlensky an Aktstudien, denen meist
Nesnakomoff und deren jüngere Schwester Modell stehen.
- Auf Anregung von
Lovis Corinth schickt Jawlensky ein Gemälde an die
Berliner Secession, das dort ausgestellt wird.
- Der Sohn Andreas wird geboren. Er bleibt das einzige Kind Nesnakomoffs
und Jawlenskys.
- 1903
- Jawlensky und Werefkin reisen in die Normandie und nach Paris.
- Er lernt in München den Graphiker Alfred Kubin (1877-1959)
kennen.
- 1904
- In seinem Sommeraufenthalt in Reichertshausen (Oberbayern) malt
Jawlensky eine Reihe von Landschaftsgemälden.
- 1905
- Auf der Ausstellung im Pariser "Salon d'Automne" ist
Jawlensky mit sechs Werken vertreten.
- 1905/06
- Reisen nach Frankreich, wo er sich mit den Werken von
Paul Cézanne, Paul Gauguin (1848-1903), Vincent van Gogh (1853-1890) und Henri
Matisse (1869-1954) auseinandersetzt. Letzteren lernt er
persönlich kennen und beschäftigt sich mit dessen Stil des
Fauvismus.
- 1906
- Jawlensky reist nach St. Petersburg, um neun seiner Werke
auszustellen.
- Den Sommer verbringt er in Wasserburg/Inn (Bayern), wo er vor allem
Landschaftsbilder und Porträts malt. Er entwickelt seinen
expressionistischen Stil mit einfachen Formen und starker Expressivität.
- 1908
- Zusammenarbeit mit Werefkin und Kandinsky im Atelier von
Gabriele Münter in Murnau am Staffelsee.
- 1909
- Nach einem weiteren Sommer mit Malerfreunden initiiert Jawlensky
gemeinsam mit Werefkin, Kandinsky, Münter und Kubin die
"Neue Künstlervereinigung München". Kandinsky wird
Erster Vorsitzender, Jawlensky sein Vertreter. Es folgt eine erste
Kollektivausstellung der Gruppe, die große Kritik bei Publikum
und Rezensenten hervorruft.
- 1910
- Ausstellungen in Kiew und Odessa
- 1911
- Jawlensky besucht
Franz Marc in Sindelsdorf (Oberbayern).
- Während eines Sommeraufenthalts in Prerow/Darß malt
Jawlensky seine bekanntesten Landschaftsbilder mit starker und
leuchtender Farbgebung.
- Erste Einzelausstellung in der Ruhmeshalle in Barmen (bei Wuppertal).
- 1912
- Austritt aus der "Neuen Künstlervereinigung" und
Anschluß an den von Kandinsky und Marc gegründeten "
Blauen Reiter".
- Jawlensky schließt enge Freundschaften mit den von ihm
bewunderten
Paul Klee und
Emil Nolde.
- 1913
- Auf der von Herwarth Walden (1878-1941) organisierten Futuristen- und
Expressionisten-Ausstellung in Budapest und Lemberg (heute: Lwow,
Ukraine) werden 41 Gemälde von Jawlensky gezeigt.
- 1914
- Jawlensky tritt der "Neuen Münchener Secession" bei.
- August: Bei Beginn des
Ersten Weltkriegs wird Jawlensky aufgefordert, innerhalb von 48 Stunden Deutschland zu
verlassen. Er siedelt in die Schweiz nach St. Prex am Genfer See
über und verliert den Kontakt zu den Münchner
Künstlern.
- 1914-1917
- Obwohl er kein Atelier mehr hat, arbeitet er weiter an
Landschaftsvariationen.
- 1917
- Gemeinsam mit seiner Familie und Werefkin siedelt er nach Zürich
über. Er verkehrt dort mit
Wilhelm Lehmbruck
und den
Dadaisten Hans Arp, Hugo Ball (1886-1927) sowie
Paul Cassirer.
- 1918
- Mit seiner Familie und Werefkin bezieht Jawlensky ein großes
Haus in Ascona (Italien). Er beginnt mit der konstruktivistischen
Bilderserie der "Abstrakten Köpfe".
- 1920
- Obwohl er nach Deutschland zurückkehren möchte, lehnt er eine
Berufung als Professor an das
Bauhaus nach Dessau ab, weil er Kunst für nicht lehrbar hält.
- In Locarno trifft er mit
Rainer Maria Rilke zusammen.
- 1921
- Nach langen Konflikten trennt sich Jawlensky von Werefkin. Er zieht
allein nach Wiesbaden und bereitet eine Ausstellung seiner Werke vor.
- 1922
- Nesnakomoff folgt ihm nach Wiesbaden, wo sie heiraten.
- Er arbeitet in der Folgezeit vorrangig an den "Abstrakten
Köpfen".
- 1924
- Gemeinsam mit Kandinsky, Klee und
Lyonel Feininger
gründet er die Gruppe "Die Blauen Vier", deren erste
Ausstellung in San Francisco stattfindet.
- 1925
- Auf einer Rundreise in Deutschland trifft er mit
George Grosz zusammen.
- 1927
- Erste Symptome einer schweren Arthritis (Gelenkentzündung).
- 1928
- Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten eröffnet Jawlenskys Frau
einen Schönheitssalon in Wiesbaden.
- 1929
- Gründung der "Jawlensky-Gesellschaft", deren Mitglieder
gegen jährliche Zahlungen Anspruch auf zukünftige Bilder
haben.
- 1930
- Starke Schmerzzustände zwingen ihn zu Klinikaufenthalten in
Stuttgart und Piestany (Tschechoslowakei, heute: Slowakei).
- Jawlensky beantragt die deutsche Staatsbürgerschaft mit Verweis
auf seine Mitgliedschaft in verschiedenen deutschen
Künstlervereinigungen.
- Er macht die Bekanntschaft von
Karl Schmidt-Rottluff.
- 1932
- Hohe Arztrechnungen und die Schließung des Schönheitssalons
bringen Jawlensky in finanzielle Bedrängnis.
- 1933
- Nach der
Machtübernahme der Nationalsozialisten erhält Jawlensky Ausstellungsverbot in
Deutschland. Er schickt vermehrt Bilder zu Ausstellungen in die USA.
- Mehrere Kuren verlaufen ergebnislos, Jawlenskys Zustand verschlechtert
sich.
- 1934
- Die zunehmende Lähmung von Hand- und Kniegelenken zwingt ihn, in
sehr kleinen Bildformaten zu malen. Er arbeitet an den
"Meditationen" genannten abstrakten Porträts.
- Jawlensky wird aufgrund seiner Mitgliedschaft in deutschen
Künstlervereinigungen deutscher Staatsbürger.
- 1935
- Auf einer Reise in die Schweiz besucht er Klee in Bern und beginnt,
seine Memoiren zu diktieren.
- 1937
- 65 seiner Werke werden beschlagnahmt und als "entartet"
diffamiert. Während eines Aufenthalts in München besucht er
die Ausstellung "
Entartete Kunst", wo auch einige seiner Werke gezeigt werden.
- Jawlensky ist gehunfähig und verläßt kaum noch sein
Studio. Er beendet seine Memoiren.
- 1938
- Aufgrund der vollständigen körperlichen Paralyse muß
er das Malen aufgeben, er bleibt fortan an das Bett gefesselt. Diktat
von Briefen an Freunde und Bekannte.
- 1941
- 15. März: Alexej von Jawlensky stirbt in Wiesbaden.
(lw/mw)
|