1849-1926
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Ellen Key
Pädagogin, Frauenrechtlerin
- 1849
- 11. Dezember: Ellen wird als zweites von sieben Kindern
des schwedischen Großgrundbesitzers Emil Key und dessen
Frau Sophie (geb. Posse) in Sundsholm (Schweden) geboren. Die
Familie ist schottischer Herkunft.
- Als Kind eignet sich Key durch selbständige Studien und
durch Privatunterricht eine umfassende künstlerische und
literarische Bildung an.
- 1868
- Keys Vater wird Mitglied des schwedischen Reichstags.
Die Familie zieht nach Stockholm.
- 1878-1898
- Tätigkeit als Lehrerin in Stockholm. Durch
den Verlust des väterlichen Vermögens ist Key auf diese
Arbeit angewiesen.
- 1883-1903
- Sie ist Dozentin am Arbeiterinstitut in Stockholm,
wo sie Vorlesungen über "Schwedische Literatur im Dienste
der nationalen Volksaufklärung" hält.
- Durch ihre starke persönliche Überzeugungskraft und
Ausstrahlung wird sie zu einer begehrten Rednerin auf Veranstaltungen
von Arbeiter-, Studenten- und Frauenvereinen.
- 1900
- Keys individualpädagogische und sozialreformerische
Studie "Barnets Århundrade" ("Das Jahrhundert
des Kindes") erscheint und liefert das Schlagwort einer Epoche
pädagogischen Bestrebens, das im Sinne Jean-Jacques Rousseaus
(1712-1787) den Weg für ein besseres Verständnis des
Kindes freimacht. Key ist eine überzeugte Anhängerin
der durch Rousseau vorgegebenen Idee vom natürlichen Wachsenlassen
des jungen Menschen und der Erziehung vom Kinde aus (später
"Pädologie" genannt).
- Unter dem Einfluß der Ausführungen von Friedrich Nietzsche zum Übermenschen glaubt sie, daß den
Generationen des anbrechenden Jahrhunderts der entscheidende Schritt
zur Vervollkommnung der menschlichen Existenz gelingen werde.
- 1902
- "Das Jahrhundert des Kindes" erscheint in
deutscher Übersetzung.
- Als Verfasserin von insgesamt 44 Werken und 149 Zeitschriftenartikeln
zu Fragen der Kindererziehung und Frauenbewegung wird Key
besonders um die Jahrhundertwende zu einer der meistgelesenen
Schriftstellerinnen und zur geschätzten Volksaufklärerin.
- Durch die Übersetzung ihrer Texte und durch eigene Vorträge
im Ausland finden ihre Schriften in Europa und ganz besonders
im deutschen Kaiserreich große Beachtung. Der Erfolg
ihrer Bücher im deutschsprachigen Raum ist durch ihre genaue
Kenntnis deutscher Verhältnisse (Geistesgeschichte und soziale
Problematik) begünstigt, die ihr im Elternhaus durch eine
deutsche Privatlehrerin vermittelt worden waren.
- Key gehört zum gemäßigten Flügel der europäischen
Frauenbewegung der Jahrhundertwende. Sie verbindet zwei Leitbilder
der Frauenbewegung, indem sie einerseits das Berufsideal der unverheirateten
Frau verteidigt und andererseits umfassende Schutzmaßnahmen
für die - nach Key - im Idealfall nicht erwerbstätige
erziehende Frau ("Mutterberuf") fordert. Sie trägt
so wesentlich zur Bildung der Mutterschutzbewegung bei.
- Die uneingeschränkte Forderung der Frauenbewegung nach der
absoluten Gleichberechtigung der Frau im Erwerbsleben hält
Key für zu dogmatisch, sie spricht sich jedoch entschieden
für das Wahlrecht der Frau aus.
- Beginn der Freundschaft mit Rainer Maria Rilke.
- 1914
- In ihrer Schrift "The Renaissance of the Motherhood"
fordert sie die vollständige gesellschaftliche Anerkennung
der Erziehungsarbeit und die vollkommene ökonomische und
und soziale Absicherung der erziehenden Mutter.
- Zusätzlich schlägt sie ein Erziehungsjahr für
Frauen vor, um sie auf ihre Aufgaben als Mutter in öffentlichen
sozialen Einrichtungen vorzubereiten.
- Im Hinblick auf die Beziehung zwischen Frau und Mann gilt für
Key allein die Liebe als Kriterium von Sittlichkeit. Für
wesentlich erachtet sie im Geist von Nietzsche die Befreiung des
Individuums von religiösen Zwängen.
- Die breite Bewegung der Reformpädagogik der ersten
Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts erhält von ihrem Werk wichtige
Anstöße. Zahlreiche schul- und bildungspolitische Vorschläge
Keys wie der Verzicht auf die führende Rolle des Lehrers
im Unterricht und auf zuvor geplante Unterrichtsergebnisse werden
in der Folgezeit umgesetzt.
- 1926
- 25. April: Ellen Key stirbt in Tollstad (Schweden).
(mbs)
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