1852-1912
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Alfred von Kiderlen-Wächter
Politiker, Diplomat
- 1852
- 10. Juli: Alfred von Kiderlen-Wächter wird als
Sohn eines württembergischen Hofbankiers in Stuttgart geboren.
- 1870/71
- Er nimmt als Freiwilliger am Deutsch-Französischen
Krieg teil.
- 1871-1877
- Er studiert Rechtswissenschaften in Tübingen,
Leipzig und Straßburg.
- 1877
- Kiderlen-Wächter entscheidet sich für eine
Diplomatenlaufbahn und tritt in den Dienst des Auswärtigen
Amts.
- 1880
- Sein erster Auslandsposten führt ihn als Legationssekretär
nach Kopenhagen.
- 1881-1885
- Kiderlen-Wächter arbeitet als Legationssekretär
an der deutschen Botschaft in St. Petersburg.
- 1885
- Er wechselt an die deutsche Vertretung in Paris.
- 1886
- Kiderlen-Wächter erhält eine Stellung als
Legationsrat in Konstantinopel (heute: Istanbul).
- 1888-1898
- Zuständig für Orientfragen, wird er zum
"Vortragenden Rat" befördert. Fortan begleitet
er Kaiser Wilhelm II., der die Karriere des Diplomaten
wohlwollend verfolgt, auf dessen jährlichen Nordlandfahrten.
Aus dieser Zeit stammt seine Bekanntschaft mit Friedrich von Holstein
(1837-1908), der als treibende Kraft der deutschen Außenpolitik
gilt, und Philipp zu Eulenburg und Hertefeld, welcher zum
engsten Freundeskreis des deutschen Monarchen zählt.
- 1894
- Nach der Veröffentlichung einer Karikatur in dem
Satireblatt "Kladderadatsch", die dem Berufsdiplomaten
die politischen Fähigkeiten eines "schwäbischen
Spätzles" zuschreibt, fordert Kiderlen-Wächter
den Herausgeber der Zeitschrift zum Duell und verwundet ihn. Kurze
Zeit nach diesem Vorfall wird Kiderlen-Wächter zu vier Monaten
Festungshaft verurteilt, von denen er jedoch nur zwei Wochen verbüßt.
Seine diplomatische Karriere bleibt unbeeinträchtigt.
- Kiderlen-Wächter erhält eine Stellung als preußischer
Gesandter in Hamburg.
- 1895
- Er wird nach Kopenhagen versetzt, wo er den Posten des
Botschafters einnimmt.
- 1898
- Der wegen seines derben Sarkasmus berüchtigte Württemberger
fällt aufgrund der "erstaunlichen Ungeniertheit seiner
Ausdrücke" bei der Berliner Hofgesellschaft und in höchsten
politischen Kreisen in Ungnade.
- 1900-1908
- Kiderlen-Wächter leitet die Gesandtschaft
in Bukarest, die als "diplomatisches Abstellgleis" gilt.
- 1907/08
- Parallel zu seinen Aufgaben in Bukarest vertritt
Kiderlen-Wächter die vakante Stelle eines Botschafters in
Konstantinopel und leitet die Verhandlungen um den Bau der Bagdadbahn
ein.
- 1908
- Wilhelm II. ernennt ihn zum stellvertretenden Staatssekretär
im Auswärtigen Amt. Zusammen mit britischen Kollegen erreicht
er die Überwindung der Bosnien-Krise, die im Zuge der Annexion
Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn ausgelöst
worden war.
- 1910
- 27. Juni: Kiderlen-Wächter übernimmt endgültig
die Leitung des Auswärtigen Amts in Berlin und ist bemüht,
in Zusammenarbeit mit Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg
eine Annäherung an Großbritannien zu erreichen. Diese
außenpolitische Richtungskorrektur versucht er fortan gegen
den kontinuierlichen Widerstand des Flottenadmirals Alfred
von Tirpitz durchzusetzen.
- 1911
- 1. Juli: Im Widerspruch zu seinem außenpolitischen
Verständigungskonzept unterstützt Kiderlen-Wächter
die Forderung des Alldeutschen Verbands, gegen die Kolonialpolitik
Frankreichs in Nordafrika zu intervenieren, und initiiert den
"Panthersprung" nach Agadir (Marokko), der in
der Folge eine internationale Krise heraufbeschwört. Entscheidend
für diese Vorgehensweise sind der andauernde Prestigeverlust
des Deutschen Kaiserreichs, den er durch eine entschlossene
Machtpolitik zu beheben gedenkt, sowie eine weitgehende Fehleinschätzung
der Reaktionen der Entente-Staaten.
- 4. November: Das nach der "Zweiten Marokko-Krise" mit
Paris geschlossene "Marokko-Kongo-Abkommen" bringt nur
geringe koloniale Zugewinne in Westafrika, die den politischen
Einfluß Kiderlen-Wächters eher abschwächen als
stärken.
- 1912
- 2. Oktober: Die erneute Bosnien-Krise veranlaßt
den Staatssekretär des Auswärtigen Amts, eine Rede zu
veröffentlichen, die alle europäischen Mächte zu
einer Neutralitätspolitik auf dem Balkan auffordert.
- 30. Dezember: Alfred von Kiderlen-Wächter stirbt in Stuttgart.
(rf)
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