1847-1938
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Emil Kirdorf
Industrieller
- 1847
- 8. April: Emil Kirdorf wird in Mettmann bei Düsseldorf als Sohn
des Handwebereibesitzers Martin Kirdorf und dessen Frau Amalie (geb.
Dickens) geboren.
- 1863/64
- Nach dem Besuch der Realschule in Düsseldorf besucht Kirdorf in
Mülheim/Ruhr eine Webereischule.
- 1864-1868
- Seine Ausbildung zum Weber setzt er im Familienbetrieb der Eltern
fort.
- 1868/69
- Kirdorf volontiert in Hamburg beim Handelshaus "Richter, Yriberry
& Co.".
- 1869
- Er tritt in die Textilhandlung eines Verwandten in Krefeld ein.
- 1870
- Das Unternehmen seines Vaters bricht finanziell zusammen. Kirdorf
verliert damit seine berufliche Perspektive. Kurzzeitig erwägt er
auszuwandern.
- 1871
- Durch Vermittlung seines Bruders bekommt er die Stelle eines
"Direktors" auf der einem Buchhalter gleichgestellten
niedrigsten Stufe der Grubenverwaltung der Kohlezeche
"Holland" in Wattenscheid.
- 1871-1873
- Kirdorf hat erheblichen Anteil an der Sanierung der
heruntergewirtschafteten Zeche.
- 1872
- Er heiratet Mathilde Kauert. Aus der Ehe gehen drei Töchter
hervor.
- 1873
- Kirdorf wird kaufmännischer Direktor der neu gegründeten
Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG), zu der die Zeche
"Holland" gehört. Das kleine Bergbauunternehmen
fördert auf zwei Zechen 150.000 t Kohle pro Jahr.
- Als Kirdorf nach 53jähriger Leitung das Unternehmen 1926
verläßt, ist die GBAG zum größten
Kohlebergbauunternehmen Europas geworden.
- 1874-1876
- Die GBAG übersteht den "Gründerkrach" im Bergbau
unbeschadet. Kirdorf gelingt es durch Einsatz von erheblichen
Finanzmitteln, das Unternehmen zu vergrößern und der GBAG
Gaskohle bester Lagerqualität zu erschließen.
- 1879-1885
- Kirdorf versucht durch strukturellen Umbau seines Unternehmens die
Förderauflagen zu erhöhen.
- Mit Erfolg gelingt ihm eine der ersten Kartell- und Syndikatsbildungen
der Kohlewirtschaft. Die GBAG kann den Absatz an Rohkohle trotz
Förderhöchstgrenzen steigern und durch den erzielten Gewinn
stark expandieren.
- 1889
- Kirdorf gehört zu den Gründern des
Rheinisch-Westfälischen Kohlesyndikats zur Vermarktung der
gesamten Kohle aus dem rheinisch-westfälischen Revier. Er ist die
bestimmende Persönlichkeit des Syndikats, dessen Kern die GBAG
darstellt.
- 1891
- Kirdorf gehört zu den Gründungsmitgliedern des "Alldeutschen Verbands".
- Mit der Mitgliedschaft in diesem Verband beginnt Kirdorfs politische
Tätigkeit.
- 1903-1910
- Aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den
zahlreich zunehmenden Kohlesyndikaten weitet Kirdorf das
unternehmerische Feld der GBAG und des Rheinisch-Westfälischen
Kohlesyndikats auf Eisenbergbau und Stahlerzeugung aus. Dies
führt zu Auseinandersetzungen mit den Stahlunternehmern August
Thyssen (1842-1926) und
Hugo Stinnes sowie mit den Gewerkschaften der Eisenhüttenleute.
- Die wirtschaftliche Expansion der GBAG und des
Rheinisch-Westfälischen Kohlesyndikats geht mit einer erheblichen
Verschlechterung der Arbeitssituation und des Lohnniveaus der Arbeiter
einher.
- 1907-1911
- Kirdorf organisiert und kontrolliert die "Ruhr-Lade", eines
von Großindustriellen zum Schutz ihrer Bergwerksinteressen gegen
Gewerkschaften geschaffenen Fonds.
- 1910
- Mit seinem Bruder gründet Kirdorf die
"Adolf-Emil-Hütte" in Esch, um mit den
lothringisch-luxemburgischen Erzvorräten weiter in die
Stahlindustrie zu expandieren.
- 1914-1918
- Während des
Ersten Weltkriegs verlangt Kirdorf immer wieder die Annexion von Teilen Frankreichs,
Belgiens und ganz Luxemburgs.
- 1918
- September: Kirdorf und Rüstungsindustrielle um
Gustav Krupp von Bohlen und Halbach verlangen die Abdankung des Kaisers Wilhelm II., um eine Revolution nach Vorbild der russischen Oktoberrevolution und
damit den Verlust ihrer Unternehmen zu verhindern.
- 1918/19
- Aufgrund der Auflagen des
Versailler Vertrags
büßt die GBAG ihre Erzbasen in Lothringen und Luxemburg
einschließlich aller Investitionen ein.
- 1919
- Kirdorfs Frau Mathilde stirbt.
- 1920
- Der Montan-Konzern von Stinnes übernimmt trotz Kirdorfs
Widerstand große Teile des wirtschaftlich geschwächten
Rheinisch-Westfälischen Kohlesyndikats und der GBAG.
- 1923
- Kirdorf heiratet Olga Wessel (geb. Gayen).
- 1924
- Den
Dawes-Plan
lehnt er aus wirtschafts- und nationalpolitischen Gründen ab.
- 1925
- Die GBAG geht in den Vereinigten Stahlwerken des Stinnes- und
Thyssen-Konzerns auf.
- 1926
- Verärgert über den Verlust an Einfluß und Kompetenz,
tritt Kirdorf als Generaldirektor der GBAG zurück.
- 1927
- 4. Juni: Nach einer ersten Begegnung im April in Essen trifft Kirdorf mit weiteren Ruhrindustriellen auf einer Tagung in
München mit
Adolf Hitler zusammen. Der national gesinnte Kirdorf ist begeistert von Hitlers
politischen Plänen.
- Er wird Mitglied der
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei
(NSDAP).
- 1928
- Wegen sozialistischer Programminhalte und wegen des seiner Meinung
nach zu großen Einflusses des antikapitalistischen Flügels
innerhalb der NSDAP um
Gregor Strasser tritt Kirdorf aus der Partei aus. Zu Hitler hält er den Kontakt
aufrecht.
- Er unterstützt
Alfred Hugenberg bei dessen Wahl zum Vorsitzenden der
Deutschnationalen Volkspartei (DNVP).
- 1928-1933
- Die DNVP wird von Kirdorf mit Finanzspenden bedacht, er fühlt
sich jedoch aus ideologischen Gründen weiterhin mit dem
Nationalsozialismus eng verbunden.
- 1929
- 1.-4. August: Kirdorf ist Ehrengast beim Parteitag der NSDAP in
Nürnberg.
- 1930
- In seinem Haus bei Mülheim/Ruhr spricht Hitler vor Industriellen.
- 1931
- Kirdorf lädt Hitler mehrfach ein, vor Schwerindustriellen auf
seiner Besitzung "Streithof" zu sprechen. Zur
Überwindung der
Weltwirtschaftskrise und der
Massenarbeitslosigkeit
hofft Kirdorf auf die von Hitler versprochene schnelle
Wiederaufrüstung und auf eine strenge Autarkiepolitik.
- 1931-1938
- Auf Vermittlung von
Walther Funk unterstützt er in den folgenden Jahren mit Millionenspenden die
NSDAP. Zusammen mit
Fritz Thyssen gehört Kirdorf aus dem Kreis der Industriellen zu den
namhaftesten Förderern der Partei und des
NS-Regimes.
- 1934
- Er tritt wieder der NSDAP bei.
- 1935-1938
- Kirdorfs Gesundheitszustand zwingt ihn, sich ins Privatleben
zurückzuziehen.
- 1938
- 13. Juli: Emil Kirdorf stirbt in Mülheim/Ruhr.
- 16. Juli: An den auf der Zeche Rheinelbe in Gelsenkirchen stattfindenden Trauerfeierlichkeiten nimmt auch Hitler teil. Funk und Albert Vögler halten die Trauerreden.
(mü/as)
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