1887-1977

[Photo: Lutz Graf Schwerin von Krosigk]



Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk

Politiker, Publizist



1887
22. August: Johann Ludwig (Lutz) von Krosigk wird als Sohn einer anhaltinischen Adelsfamilie in Rathmannsdorf (Sachsen) geboren. Seine Mutter ist eine geborene Gräfin Schwerin.

ab 1893
Krosigk besucht die Klosterschule in Roßleben (Thüringen).

ab 1905
Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Halle, Lausanne und Oxford.

1909
Als Referendar in Naumburg tritt er in den preußischen Staatsdienst ein. Später wechselt er nach Staßfurt und Stettin (heute: Szczecin, Polen).

1914-1918
Krosigk nimmt als Reserveoffizier des 2. Pommerschen Ulanenregiments am Ersten Weltkriegs teil. Er wird verwundet und erhält das Eiserne Kreuz. Bei Ende des Kriegs ist er Oberleutnant.

1918
Heirat mit Ehrengard Freiin von Plettenberg. Aus der Ehe gehen vier Söhne und fünf Töchter hervor.

1920
Arbeit als Assessor beim Landratsamt in Hindenburg (Oberschlesien, heute: Zabrze, Polen).
Mit der Berufung als Regierungsrat an das Reichsfinanzministerium in Berlin schlägt Krosigk die höhere Beamtenlaufbahn ein.

1922
Ernennung zum Oberregierungsrat.

1924
Ernennung zum Ministerialrat.

1925
27. Mai: Krosigk wird von Graf Alfred von Schwerin adoptiert und führt fortan den Namen Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk.

1929
Schwerin von Krosigk wird Ministerialdirektor und Leiter der Etatabteilung im Reichsfinanzministerium.

1931
Er übernimmt zusätzlich die Leitung der Reparationsabteilung.

1932
Franz von Papen beruft Schwerin von Krosigk zum Reichsfinanzminister. Er behält dieses Amt als parteiloser Fachmann auch im Kabinett von Kurt von Schleicher.
Schwerin von Krosigk nimmt an der Konferenz von Lausanne zur Regelung der Reparationsfrage teil.

1933
Auf ausdrücklichen Wunsch des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg bleibt Schwerin von Krosigk nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Regierungskabinett von Adolf Hitler. Während der gesamten Zeit des NS-Regimes übt Schwerin von Krosigk das Amt des Finanzministers aus.

1937
Verleihung des Goldenen Parteiabzeichens ehrenhalber durch Hitler. Die für diese Auszeichnung notwendige NSDAP-Mitgliedschaft wird automatisch für Schwerin von Krosigk eingetragen.

1938
Nach der letzten Sitzung des Regierungskabinetts konzentriert er sich auf Verwaltungsarbeit und tritt politisch nicht mehr in Erscheinung.

1944
Beim Attentat vom 20. Juli ist Schwerin von Krosigk nicht persönlich beteiligt. Da aber viele seiner Verwandten an dem Komplott beteiligt sind, steht er in schwerern Gewissenskonflikten.

1945
21. April: Er verläßt Berlin und reist nach Flensburg.
Mai: Nach dem Selbstmord Hitlers stellt er sich Admiral Karl Dönitz zur Bildung einer neuen Regierung zur Verfügung. Schwerin von Krosigk übernimmt das Finanzressort sowie die Leitung der "Geschäftsführenden Reichsregierung" und das Amt des Reichsaußenministers.
23. Mai: Britische Truppen verhaften die Reichsregierung von Dönitz und Schwerin von Krosigk in Flensburg. Damit endet jegliche deutsche Zentralgewalt. Schwerin von Krosigk kommt in alliierte Haft und wird über das Lager Mondorf nach Nürnberg gebracht.

1949
14. April: Ein US-amerikanisches Militärgericht verurteilt Schwerin von Krosigk als Kriegsverbrecher zu zehn Jahren Gefängnis.

1951
31. Januar: Aufgrund einer Amnestie wird er vorzeitig aus der Haft entlassen.
Er läßt sich in in Arenberg bei Koblenz nieder und ist publizistisch und schriftstellerisch tätig.
In seinem Buch "Es geschah in Deutschland" beschreibt Schwerin von Krosigk Personen und Ereignisse aus seiner Zeit als Regierungsbeamter.

1952-1960
Er ist Presbyter der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf.

1957-1959
Mit "Die große Zeit des Feuers - Der Weg der deutschen Industrie" gibt Schwerin von Krosigk in drei Bänden eine Darstellung der deutschen Industriegeschichte. Neben der industriellen Entwicklung hebt er soziale und politische Aspekte hervor.

1960
Übersiedelung nach Essen.


1963
Seine Abhandlung "Alles auf Wagnis - der Kaufmann gestern, heute und morgen" erscheint.

1974
Mit dem dreibändigen Werk "Persönliche Erinnerungen" stellt Schwerin von Krosigk seine Autobiographie vor.

1975
In der Studie "Staatsbankrott" zeichnet er die deutsche Finanzpolitik von 1920 bis 1945 nach.

1977
Veröffentlichung seiner "Memoiren", die eine Essenz aus "Persönliche Erinnerungen" sind.
4. März: Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk stirbt in Essen.

(am/mw)

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