1825-1864
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Ferdinand Lassalle
Politiker
- 1825
- 11. April: Ferdinand Lassalle wird als Sohn des jüdischen
Seidenhändlers Heymann Lassal und dessen Ehefrau Rosalie
(geb. Heitzfeld) in Breslau (heute: Wroclaw, Polen) geboren.
- ab 1835
- Er besucht das Gymnasium in Breslau sowie die Handelsschule,
die er jedoch aufgrund von Desinteresse vorzeitig verlässt.
Statt dessen widmet er sich dem Selbststudium philosophischer
Werke, vor allem den Schriften des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich
Hegels (1770-1831).
- 1843-1846
- Studium der Philosophie und Geschichte in Breslau
und Berlin. Er begeistert sich für demokratische und sozialistische
Ideen. Insbesondere begrüßt Lassalle den Aufstand der
schlesischen Weber von 1844.
- Während seines Studiums wird Lassalle in einer Breslauer
Burschenschaft aktiv.
- 1845
- Im Dezember reist Lassalle nach Paris, wo er Kontakt
mit emigrierten deutschen Revolutionären wie Georg Herwegh
(1817-1875) und Karl Grün (1817-1887) sucht, aber auch französische
Frühsozialisten wie Pierre Joseph Proudhon (1809-1865) trifft.
Aus Begeisterung für die Französische Revolution ändert
er seinen Namen in Anlehnung an den französischen Revolutionsgeneral
La Salle in "Lassalle".
- In Paris lernt er Heinrich Heine (1797-1856) kennen, den er in
einem Erbschaftsstreit unterstützt. Dazu befasst er sich
intensiv mit Studien der Rechtswissenschaft.
- 1846-1856
- Lassalle vertritt die Gräfin Sophie von Hatzfeldt
(1805-1881) in einem jahrelangen Rechtsstreit um ihre Scheidung.
Die Gräfin gewinnt und bekommt den Großteil des von
ihr in die Ehe eingebrachten Vermögens zugesprochen. Für
Lassalle fällt dadurch eine Jahresrente ab, die ihn finanziell
unabhängig werden lässt. Ausschlaggebend für die
Verteidigung der Gräfin ist neben der Freundschaft zu ihr
auch die Tatsache, dass Lassalle den Scheidungsstreit als den
symbolischen politischen Kampf einer rechtlosen Person gegen die
ungebrochene Macht des Adels auffasst.
- 1848/49
- Während der Revolution tritt Lassalle als Redner
und Journalist auf Seiten der äußersten Linken auf
und lernt im August 1848 Karl Marx und Friedrich Engels kennen.
- 22. November: Aufgrund seines Aufrufs zum bewaffneten Kampf für
die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche wird Lassalle
in Düsseldorf verhaftet und angeklagt, zum Kampf gegen die
königliche Gewalt aufgerufen zu haben. Erst im Mai 1849 ist
Prozessauftakt, in dessen Verlauf Lassalle schließlich freigesprochen
und statt dessen wegen des Vorwurfs der Aufforderung zum gewaltsamen
Widerstand gegen Staatsbeamte zu sechs Monaten Haft verurteilt
wird.
- 1850
- Die Kreisbehörde Köln des "Bundes der
Kommunisten" lehnt ein von Marx gestütztes Plädoyer
für eine Aufnahme Lassalles mit dem Verweis auf dessen Adelskontakte
zur Gräfin Hatzfeldt und sein vermeintlich ungenügendes Interesse
für die Sache der Arbeiter ab.
- 1851/52
- Lassalle gründet einen illegal arbeitenden Zirkel
revolutionärer Arbeiter in Düsseldorf. Dieser hat die
politische Schulung von Arbeitern zum Ziel und propagiert sozialistische
Ideen. So unterstützt er die Angeklagten im Kölner Kommunistenprozess
von 1852, in dem mit teilweise gefälschten Beweisen Mitglieder
des "Bundes der Kommunisten" öffentlichkeitswirksam
verurteilt werden. Der Prozess wird von zahlreichen Demonstrationen
und Tumulten bei der Urteilsverkündung begleitet. Lassalle
unterstützt auch die Familien der Angeklagten finanziell.
- 1857
- Mai: Nach mehreren Bittbriefen von Lassalle an den Berliner
Polizeipräsidenten erfolgt die Aufhebung des Aufenthaltsverbots
für Berlin. Er zieht in die preußische Hauptstadt.
- November: Veröffentlichung seines philosophisch-historischen
Werks "Die Philosophie Herakleitos des Dunkeln von Ephesos",
die bis dahin umfassendste Fragmentsammlung des altgriechischen
Philosophen Heraklit. Es bewirkt seine Aufnahme in die Berliner
Philosophische Gesellschaft.
- 1858
- Als Lassalle das Bauernkriegsdrama "Franz von Sickingen"
veröffentlicht, bringt ihm das politische Kritik von Marx
und Engels ein. Sie werfen ihm seinen positiven Bezug auf einen
Adelsangehörigen vor.
- 1860-1862
- Bei Besuchen der Schweiz und Italiens lernt er
die italienische nationale Unabhängigkeitsbewegung kennen
und trifft sich mit deren Anführer Giuseppe Garibaldi.
Dadurch angeregt, agitiert Lassalle für eine starke Stellung
Preußens bei der Befürwortung eines deutschen Gesamtstaates
ohne den Einbezug Österreichs.
- 1862
- 20. April: Vor Berliner Arbeitern hält Lassalle
seine Rede "Über den besonderen Zusammenhang der gegenwärtigen
Geschichtsperiode mit der Idee des Arbeiterstandes", die
in der Folgezeit als "Arbeiterprogramm" vielfach verlegt
und unter Arbeitern weit verbreitet wird. In ihr spricht er sich
für die Schaffung einer demokratischen Arbeiterpartei aus,
um so eine neue, die sozialistische Gesellschaft zu erreichen.
- Streiks lehnt er dagegen als Kampfmittel ab, weil er die
Lohnarbeit als dauerhaft notwendig ansieht und eine langfristige
Steigerung der Löhne nur auf parlamentarischem Weg für
möglich hält. Diese Positionen, die Anerkennung der
preußischen Führungsansprüche sowie seine staatstragende
Haltung, die das Erreichen des Sozialismus innerhalb der gegebenen
staatlichen Machtverhältnissen vorsieht, führen zum
Bruch mit der marxistischen Bewegung. Diese zielt im Gegensatz
zu ihm auf den radikalen Sturz der gesellschaftlichen Verhältnisse
und die Errichtung der klassenlosen Gesellschaft überall
ab.
- 6. Dezember: Beeindruckt vom "Arbeiterprogramm" laden
Leipziger Arbeiter Lassalle zu einer Konferenz ein und unterbreiten
ihm das Angebot, die Leitung eines zukünftigen gesamtdeutschen
Arbeiterverbandes zu übernehmen.
- 1863
- 1. März: In einem offenen Antwortschreiben an die Leipziger
Arbeiter stellt Lassalle seine Vorstellungen über Aufgaben
und Ziele der Arbeiterbewegung dar. Sie umfassen im Wesentlichen
das Erkämpfen des allgemeinen und gleichen Wahlrechts und
die Bildung von staatlich unterstützten Produktionsgenossenschaften.
- 23. Mai: Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins
(ADAV) in Leipzig und Wahl Lassalles zum Präsidenten. Der
ADAV ist eine der Vorläuferorganisationen der späteren Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).
- Bereits vier Monate nach Gründung des ADAV trifft sich Lassalle
unter Geheimhaltung mit dem preußischen Ministerpräsidenten
Otto von Bismarck, worauf weitere Treffen folgen. Lassalle
denkt, durch Kooperation mit der Staatsmacht eine stärkere
Position gegenüber dem liberalen (Groß-)Bürgertum
sowie die Einführung des allgemeinen Wahlrechts erreichen
zu können; Bismarck wiederum erwägt, die Arbeiterbewegung
für seine politischen Pläne - ebenfalls gegen die Liberalen
- einspannen zu können. Aus einer tatsächlichen Zusammenarbeit
wird jedoch nichts, da Bismarck den schwachen liberalen Widerstand
gegen seine Politik auch ohne Unterstützung Lassalles ausschalten
kann.
- 22. November: Auf einer Arbeiterversammlung in Berlin wird Lassalle
wegen einer Rede verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt.
- 1864
- 12. März: In der bei seinem Prozess gehaltenen
Verteidigungsrede betont Lassalle die Möglichkeit einer Kooperation
mit den preußischen Konservativen gegen das Bürgertum.
Er wird infolge dessen freigesprochen.
- 31. August: Ferdinand Lassalle stirbt in Genf an einer Verwundung,
die er sich bei einem Duell zuzieht. Hintergrund ist ein Streit
um die Hand von Helene von Dönniges (1846-1911). Lassalle
hatte den Vater seiner Geliebten zum Duell herausgefordert, nachdem
diese sich auf elterlichen Druck von ihm abgewendet hatte. Zum
Duell erscheint stattdessen ihr Verlobter.
(cs)
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