1875-1943
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Bernhard Lichtenberg
Theologe
- 1875
- 3. Dezember: Bernhard Lichtenberg wird als zweiter Sohn
des Kaufmanns August Lichtenberg in Ohlau (heute: Olawa, Polen)
geboren.
- 1895-1898
- Studium der katholischen Theologie in Innsbruck
und Breslau (heute: Wroclaw/Polen).
- 1899
- Lichtenberg erhält im Dom zu Breslau die Priesterweihe.
- 1900-1913
- Seelsorgerische Tätigkeit als Kaplan, Kuratus
und schließlich als Pfarrer in Berlin.
- 1913-1930
- Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde in Berlin-Charlottenburg.
- 1913-1920
- Lichtenberg gehört für die Zentrumspartei
dem Charlottenburger Stadtparlament an.
- 1914-1918
- Im Ersten Weltkrieg Tätigkeit als Militärpfarrer
beim Gardegrenadierregiment 3 in Charlottenburg. Er erhält
die Verdienstmedaille des Roten Kreuzes.
- ab 1919
- Mitglied des "Friedensbunds Deutscher Katholiken".
Die Organisation schließt sich später der "Arbeitsgemeinschaft
der Konfessionen für den Frieden" an.
- 1920-1930
- Mitglied des Weddinger Bezirksparlaments von Berlin.
- 1926
- Lichtenberg reist zum Eucharistischen Kongreß
nach Chicago (USA).
- 1929
- In einem Schreiben an Reichspräsident Paul von
Hindenburg protestiert er gegen die antikirchliche Agitation
des "Tannenbergbunds" unter Erich von Ludendorff.
- 1930/31
- Als Domkapitular berät Lichtenberg den Bischof
in der Leitung des neu gegründeten Domkapitels St. Hedwig
in Berlin.
- 1931
- Juni: Lichtenberg ruft zum Besuch des Anti-Kriegsfilms
"Im Westen nichts Neues" nach dem Roman von Erich
Maria Remarque auf. Das von Joseph Goebbels gegründete
Blatt "Der Angriff" lanciert daraufhin eine Hetzkampagne
gegen den Pfarrer.
- ab 1932
- Er wird als Dompfarrer an die Berliner St. Hedwigskirche
berufen.
- 1933
- Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) durchsucht
erstmals seine Wohnung.
- 1935
- Ein Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
(SPD) unterrichtet Lichtenberg über die Zustände im
Konzentrationslager (KZ) Esterwegen. Daraufhin überreicht
der Dompfarrer in der Kanzlei Hermann Görings eine
Beschwerdeschrift gegen den Terror in den Konzentrationlagern.
- ab 1938
- Lichtenberg nimmt das Amt des Dompropstes wahr.
- Nach dem Novemberpogrom betet er öffentlich für
verfolgte Juden.
- Als Leiter des "Hilfswerks beim Bischöflichen Ordinariat"
unterstützt er gemeinsam mit dem Berliner Bischof Konrad
Graf von Preysing (1880-1950) jüdische Bürger finanziell und
nimmt einige von ihnen in seine Wohnung auf.
- 1941
- 28. August: Er protestiert in einem Brief an Reichsgesundheitsführer
Leonardo Conti (1900-1945) gegen das "Euthanasieprogramm".
Die Ermordung von Insassen der Heil- und Pflegeanstalten wird
wenig später nicht zuletzt aufgrund kirchlicher Proteste,
an denen auch Bischof Clemens August Graf von Galen maßgeblich
beteiligt ist, gestoppt.
- 23. Oktober: Aufgrund der Denunziation zweier Frauen wird Lichtenberg
von Angehörigen der Schutzstaffel (SS) verhaftet.
Im Laufe des dreizehnstündigen Verhörs bietet er an,
als Seelsorger jüdische Verfolgte auf dem Weg der Deportation
in das Ghetto Lodz zu begleiten.
- 1942
- 22. Mai: Lichtenberg wird wegen Kanzelmißbrauchs
und Vergehen gegen das Heimtückegesetz zu zwei Jahren Gefängnis
verurteilt.
- 1942/43
- Haftstrafe im Berliner Zuchthaus Tegel und im Durchgangslager
Berlin-Wuhlheide. Lichtenberg ist schwer herz- und nierenkrank.
- 1943
- 5. November: Bernhard Lichtenberg stirbt während
der Deportation in das Konzentrationslager Dachau in der Nähe
von Hof unter nicht geklärten Umständen.
- 1965
- Seine sterblichen Überreste werden in der Krypta
der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale bestattet.
(se)
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