1803-1873
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Justus Liebig
Chemiker
- 1803
- 12. Mai: Justus Liebig wird als Sohn des Drogeriewaren-
und Farbenhändlers Johann Georg Liebig und Maria Caroline
(adopt. Möser) in Darmstadt geboren.
- 1818
- Abbruch der Gymnasialausbildung und Beginn einer Apothekerlehre
in Heppenheim, die er ebenfalls vorzeitig abbricht. Statt dessen
lernt er selbstständig - durch eigene Versuche und in der
hessischen herzoglichen Bibliothek - die Chemie kennen.
- 1819
- Über Vermittlung seines Vaters Studium der Chemie
in Bonn bei dem damals bekannten Chemiker Karl Wilhelm Gottlob
Kastner (1783-1857).
- 1821
- Er folgt Kastner an die Universität Erlangen,
wo er Mitglied einer Burschenschaft wird.
- 1822
- Aufgrund seiner Teilnahme an Studentenunruhen wird
Liebig von der Polizei gesucht und muss Erlangen verlassen.
- 1823
- Durch eine Fürsprache Kastners erhält Liebig
vom Großherzog von Hessen ein Stipendium an der Pariser
Universität "Sorbonne", damals internationales
Zentrum der Chemie. Hier kann er Studium und Forschungen fortsetzen
und untersucht insbesondere die Sprengstoffe Knallsilber und Quecksilberfulminat
(auch: Knallquecksilber).
- 1824
- 22. Mai: Liebig führt ein besonderes Verfahren
vor, Knallsäure zu isolieren, als Säure zu identifizieren
und sie wieder in ihr Silber- bzw. Quecksilbersalz zu überführen.
Liebig weist damit erstmals nach, dass zwei oder mehr Verbindungen
mit gleichen chemischen Formeln unterschiedliche Molekülstrukturen
aufweisen können.
- 26. Mai: Aufgrund seiner Arbeiten wird Liebig auf Empfehlung
des Naturforschers Alexander von Humboldt (1769-1859) zum außerordentlichen
Professor an der Universität Gießen ernannt.
- 1825
- Beförderung zum ordentlichen Professor und damit
Inhaber des Lehrstuhls für Chemie. In dieser Funktion führt
er den systematischen Studienaufbau des Fachs Chemie in Deutschland
ein.
- Waren bisher nur wenig Laboratorien vorhanden und die Chemie
der medizinischen Fakultät angegliedert, begründet Liebig
nun das moderne, eigenständige chemische Hochschulstudium
und damit den Berufsstand des allseitig gebildeten Chemikers.
- Ab 1826
- Liebig lernt den Chemiker Friedrich Wöhler (1800-1882)
kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbindet. In
enger Zusammenarbeit entdecken und vervollkommnen sie die Elementaranalyse,
d. h. die Ermittlung der elementaren Zusammensetzung von tierischen
und pflanzlichen Bestandteilen. Sie begründen damit die organische
Chemie.
- 1831
- Fertigstellung des "Fünf-Kugel-Apparats"
zur vereinfachten Elementaranalyse.
- Liebig wird Mitherausgeber der chemisch-wissenschaftlichen Zeitung
"Magazin für Pharmazie und die darin einschlagenden
Wissenschaften", die späteren "Annalen" bzw.
"Liebig's Annalen", des wichtigsten deutschen und weltweit
bedeutenden Periodikum im Bereich Chemie, das bis 1997 besteht
und seitdem in die englischsprachige Fachzeitschrift "European
Journal of Organic Chemistry" integriert ist.
- 1832
- Liebig und Wöhler stellen in ihrer Publikation
"Über das Radikal der Benzolsäure" die Radikaltheorie
auf, die den Aufbau organischer Verbindungen erklärt. Sie
nehmen an, dass ein Stoff aus mehreren kleineren Elementgruppen,
den sogenannten Radikalen, besteht, die bei einer Reaktion unverändert
übernommen werden. Aus der Theorie heraus ergibt sich das
Ordnungsprinzip der organischen Chemie.
- 1838
- Er wird korrespondierendes Mitglied der Bayerischen
Akademie der Wissenschaften in München.
- 1840
- Seine Publikation "Die organische Chemie in ihrer
Anwendung auf Agrikultur und Physiologie" weist den Wirkungszusammenhang
des Wandels von Kohlendioxid zu Sauerstoff durch Pflanzen und
umgekehrt durch Tiere nach. Damit leistet er die Grundlage zur
Steigerung der Ertragsfähigkeit von Feldern und schafft die
Vorraussetzung für Kunstdünger als Mittel für die
moderne Landwirtschaft.
- 1841
- Als Beilage der Augsburger "Allgemeine Zeitung"
erscheinen regelmäßig Liebigs "Chemische Briefe"
- eine erfolgreiche Methode, die Chemie einem größeren
Publikum näher zu bringen.
- 1844
- Die ersten 26 "Chemischen Briefe" erscheinen
als Buch. In den allgemeinverständlich gefassten Artikeln
wird auch die Frage nach der Existenz von Atomen erörtert.
- 1845
- Er wird für seine Verdienste durch Großherzog
Ludwig II. von Hessen-Darmstadt (1777-1848) mit dem Titel "Freiherr"
geadelt.
- 1848
- Ernennung zum Mitglied der Österreichischen Akademie
der Wissenschaften in Wien.
- 1851
- Verleihung des Orden "Pour le mérite
für Wissenschaft und Künste" durch König Friedrich Wilhelm IV.
von Preußen.
- 1852
- Der Chemiker Max von Pettenkofer (1818-1901) überzeugt
Liebig von einem Wechsel an die Universität München,
wo Liebig die Leitung des Unterrichtslabors zugunsten seiner Forschungsprojekte
aufgibt. Nun kann er sich vollständig auf die Forschung konzentrieren.
- 1855
- Liebig wird Mitglied der Preußischen Akademie
der Wissenschaften in Berlin.
- 1859
- Ernennung zum Akademiepräsidenten auf Lebenszeit
in München.
- 1852-1862
- Weitere wichtige Erfolge erzielt Liebig mit der
Entwicklung von verschiedenen Spezialdüngern, Backpulver,
spezieller Säuglingsnahrung sowie in der Spiegelfabrikation.
- Besonders hervorzuheben ist seine Erfindung des Fleischextrakts,
dessen Lizenz Liebig 1862 verkauft. In Südamerika entsteht
eine Großproduktion, "Liebigs Fleischextrakt"
wird dort in riesigen Mengen erzeugt und weltweit verkauft. Bis
heute findet der Fleischextrakt unter anderem in Brühwürfeln
Anwendung.
- Gleichzeitig setzt Liebig seine Bestrebungen nach einer Popularisierung
der Chemie fort und hält neben bei den Studenten beliebten
Experimentalvorlesungen regelmäßig öffentliche
Abendvorlesungen, die bei der Bevölkerung den Rang wichtiger
gesellschaftlicher Ereignisse annehmen.
- 1870
- Liebig erhält die Ehrenbürgerschaft der Stadt
München.
- 1871
- 18. April: Justus Freiherr von Liebig stirbt an einer
Lungenentzündung in München.
(cs)
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