1906-1949
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Klaus Mann
Schriftsteller
- 1906
- 18. November: Klaus Mann wird als Sohn des Schriftstellers
Thomas Mann und dessen Frau Katia (geb. Pringsheim) in
München geboren.
- 1922
- Nach dem Besuch des Münchner Wilhelmsgymnasiums
wechselt er auf das Internat Odenwaldschule. Die Odenwaldschule
wird nach den Prinzipien der Reformpädagogik geführt.
- 1923
- Nach eigenen Angaben verläßt er die Odenwaldschule,
als er sich in einen Mitschüler verliebt.
- 1924
- Juni: Mann verlobt sich mit Pamela Wedekind, der Tochter
des Schriftstellers Frank Wedekind. Er hatte sie im Jahr
zuvor bei seinem Onkel Heinrich Mann kennengelernt.
- September: Das Paar zieht nach Berlin, wo Klaus Mann als Theaterkritiker
arbeitet.
- Er beginnt mit der Publikation von Kurzgeschichten in Zeitungen
und Zeitschriften.
- 1925
- Sein Buch "Der fromme Tanz" ist einer der
ersten Homosexuellen-Romane in der deutschen Literatur. Mann bekennt
sich zu seiner Homosexualität, obgleich sie in der Weimarer Republik laut §175 des Reichsstrafgesetzbuchs unter Strafe
steht.
- Sein Vater veröffentlicht nach Erscheinen von "Der
fromme Tanz" einen Essay "Über die Ehe", in
dem er die Homoerotik als "Widersinn" und "Fluch"
bezeichnet.
- Klaus Manns Drama "Anja und Esther" erscheint.
- Zusammen mit seiner Verlobten, seiner Schwester Erika Mann
und deren Verlobtem Gustaf Gründgens tritt er in der
Hamburger Uraufführung von "Anja und Esther" auf.
Das Stück erhält vor allem durch den Auftritt der "Dichterkinder"
Bekanntheit.
- Mann unternimmt seine erste größere Auslandsreise.
Sie führt ihn nach England, Paris, Marseille, Tunesien, Palermo,
Neapel und Rom.
- 1927
- Veröffentlichung seiner Reiseerfahrungen in dem
Essay "Heute und Morgen. Zur Situation des jungen geistigen
Europas".
- 21. April: Seine Komödie "Revue zu Vieren" wird
für das bestehende Theaterensemble geschrieben und in Leipzig
uraufgeführt.
- 1927/28
- Mit seiner Schwester unternimmt er eine achtmonatige
Weltreise. Unter dem Titel "Rundherum. Das Abenteuer einer Weltreise" veröffentlichen
sie einen humoristischen Bericht.
- 1927
- Bei Emil Jannings verbringt das Geschwisterpaar
Weihnachten. Sie lernen dort u.a. Friedrich Wilhelm Murnau
kennen.
- ab 1928
- Mann reist viel. Er hält sich des öfteren
in Paris auf, wo er mit Jean Cocteau (1889-1963) und André
Gide (1869-1951) Bekanntschaft macht.
- 1932
- Mit "Kind dieser Zeit" legt er seine erste
Autobiographie vor.
- In seinem Roman "Treffpunkt im Unendlichen" verfolgt
er drei Hauptstränge, die seinen Erfahrungsdimensionen entstammen:
Drogen, Suizid und Liebe.
- 1933
- Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
emigriert er über Amsterdam, Zürich und Prag nach Paris.
Er gerät in das Zentrum der bedeutendsten Autoren des Exils
und wird einer ihrer Repräsentanten.
- ab 1933
- Fast die gesamte Familie Mann lebt im Exil. Für
Klaus Mann wie für seine Geschwister ist der elterliche Wohnsitz
in Sanary-sur-Mer (Südfrankreich) Bezugspunkt.
- 1933-1935
- Im Querido-Verlag in Amsterdam gibt er die Exilzeitschrift
"Die Sammlung" heraus. Die Monatsschrift erscheint unter
dem Patronat von Gide, Heinrich Mann und Aldous Huxley (1894-1963).
Klaus Mann versucht eine einheitliche "antifaschistische
Front" herbeizuführen, um das NS-Regime wirkungsvoll
zu bekämpfen. Er kann Autoren der unterschiedlichsten politischen
Richtungen gewinnen: Johannes R. Becher, Ernst Bloch,
Bertolt Brecht, Albert Einstein, Leo Trotzki, Ernest Hemingway, Boris Pasternak (1890-1960), Joseph Roth, Walter Mehring (1896-1985). Die Herausgabe der Zeitschrift
muß schließlich wegen zu geringer Abnahme eingestellt
werden.
- 1934
- Klaus Mann wird die deutsche Staatsbürgerschaft
aberkannt.
- August: Als geladener Gast nimmt er am "1. Allunionskongreß
der Sowjetschriftsteller" teil. Er entwickelt einen "sozialistischen
Humanismus", der in einer übernationalen Ordnung die
Entfaltung des Individuums sichere.
- 1935
- In seinem Roman über Peter Iljitsch Tschaikowsky
(1840-1893) "Symphonie Pathétique" setzt er sich
mit der Einsamkeit des Künstlers auseinander. Auch in diesen
Roman fließen eigene Erfahrungen wie Homosexualität
und Todessehnsucht ein.
- 1936
- Er unternimmt eine viermonatige USA-Reise, auf der er
Vorträge hält.
- Mann unterstützt die Bildung der "Deutschen Volksfront",
die zur Einigung der Exilopposition führen soll.
- Sein Roman "Mephisto" erscheint im Querido-Verlag in
Amsterdam. Anhand einer Künstlerkarriere zeigt Mann die Verstrickung
der Intellektuellen und Künstler mit dem NS-Regime auf. Die
Hauptfigur ähnelt stark dem in Deutschland erfolgreichen
Gründgens.
- 1937
- Mann nimmt die tschechische Staatsbürgerschaft
an.
- Mai/Juni: Heroin-Entziehungskur in Budapest.
- ab September: Erneute Vortragsreise durch die USA.
- 1938
- April: Er macht eine zweite Entziehungskur in Zürich.
- Juni/Juli: Zusammen mit seiner Schwester ist er Presseberichterstatter
im Spanischen Bürgerkrieg. Trotz seiner grundsätzlich
pazifistischen Haltung befürwortet er den bewaffneten Kampf
der Republikaner.
- Nach dem Münchner Abkommen wandert er in die USA
aus. Er hält sich dort häufig bei seinen ebenfalls emigrierten
Eltern in Princeton auf.
- 1939
- Sein Roman "Der Vulkan. Roman unter Emigranten"
zeichnet ein facettenreiches Bild der Exil-Schicksale. Mann entwirft
hier episch seine Utopie des sozialistischen Humanismus als einer
Ordnung, in der alle Platz hätten, auch "Drogensüchtige,
Homosexuelle, Anarchisten".
- Gemeinsam mit seiner Schwester verfaßt er "Escape
to Life". Neben der eigenen Famile beschreiben sie Einstein,
Brecht, Carl Zuckmayer, Ernst Toller, Max Reinhardt
und George Grosz. Das Buch wird ein großer publizistischer
Erfolg .
- 1941/42
- Er redigiert die avantgardistische Zeitschrift "Decision.
A Review of Free Culture". Es ist eine internationale Revue,
in der politische und kulturelle Aufsätze und literarische
Arbeiten erscheinen. Die Zeitschrift soll Beziehungen zwischen
der europäischen und amerikanischen Geisteswelt intensivieren.
- 1942
- Unter dem Titel "The Turning Point" erscheint
die Fortsetzung seiner Autobiographie in englischer Sprache.
- April: Seine Meldung zur US-Army ist ein politischer Entschluß.
Mann will nun als Soldat gegen das NS-Regime kämpfen.
- Dezember: Seine Einberufung erfolgt erst nach mehrmaligem Drängen,
da er noch nicht die amerikanische Staatsbürgerschaft hat.
- 1943
- 4. Januar: Dienstbeginn in der Armee. Er erhält
seine Grundausbildung und macht Dienst in verschiedenen Lagern
in den USA. Seine Homosexualität muß er verbergen,
da Homosexuelle grundsätzlich nicht in die US-Army aufgenommen
werden. Auch befremden ihn die Trennung der weißen und schwarzen
Soldaten und die Unkenntnis der GIs über das NS-Regime.
- Seine Einbürgerung und sein militärischer Einsatz im
Zweiten Weltkrieg verzögern sich, da "besondere
Erkenntnisse" gegen ihn vorliegen. Er war im Frühjahr
1940 beim Federal Bureau of Investigation (FBI) als Homosexueller
und Kommunist denuziert und seither bespitzelt worden.
- 25. September: Er erhält die amerikanische Staatsbürgerschaft.
- Er verläßt mit einem Truppentransport die USA.
- 1944/45
- Mann wird in Casablanca und in Italien in der psychologischen
Kriegführung eingesetzt: Er schreibt Flugblätter und
verfaßt Texte für Radiosender und Grabenlautsprecher,
mit denen die gegnerischen Soldaten zur Aufgabe und zum Überlaufen
aufgefordert werden.
- 1945
- Mai/Juni: Als Korrespondent der Armeezeitung "The
Stars and Stripes" kehrt er nach Deutschland zurück.
- Er besucht die ehemalige elterliche Villa, die zwischenzeitlich
für den Verein "Lebensborn" genutzt wurde.
- Als US-Korrespondent wird Mann das Konzentrationslager
(KZ) Dachau gezeigt. Er ist als Reporter bei der Befragung Hermann Görings anwesend.
- September: Entlassung aus dem Armeedienst.
- ab 1946
- Mann wechselt häufig seinen Wohnsitz. Er lebt
in Rom, Amsterdam, New York und Kalifornien.
- 1948
- Nicht zuletzt wegen seiner schriftstellerischen Mißerfolge
und finanziellen Schwierigkeiten begeht Mann einen Selbstmordversuch.
- August: Er ist Lektor im Bermann-Fischer / Querido-Verlag in
Amsterdam.
- 1949
- 21. Mai: Klaus Mann stirbt in Cannes an einer Überdosis
Schlaftabletten.
- 1956
- Sein Roman "Mephisto" wird in der DDR veröffentlicht.
- 1964
- In der Bundesrepublik soll "Mephisto" im Rahmen
einer Werkausgabe erscheinen. Die Gründgens-Erben reichen
dagegen Klage beim Oberlandesgericht Hamburg ein, da sie die Persönlichkeitsrechte
Gründgens' angegriffen sehen.
- 1965-1968
- In mehreren Verhandlungen, die bis vor das Bundesverfassungsgericht
gehen, wird die Veröffentlichung des Romans verboten. Eine
Herausgabe dürfe erst erfolgen, wenn die Erinnerung an den
Verstorbenen verblaßt sei.
- 1981
- Der Rowohlt Taschenbuch Verlag bringt den Roman "Mephisto"
heraus.
(st/ka)
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