1911-1979
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Josef Mengele
Mediziner
- 1911
- 16. März: Josef Mengele wird im bayerischen Günzburg
als Sohn des Maschinenbauingenieurs Karl Mengele und dessen Frau
Walburga (geb. Hupfauer) geboren. Er wächst in einer national-konservativ geprägten, begüterten
Industriellenfamilie auf.
- 1930
- Beginn des Studiums der Medizin, später auch der Anthropologie in München, Wien und Bonn.
- 1932
- Mengele wird Mitglied in der Jugendorganisation des "Stahlhelm - Bund der
Frontsoldaten".
- 1934
- Nach Überführung der Stahlhelm-Mitglieder in die Sturmabteilung (SA) verläßt Mengele die NS-Organisation unter Hinweis auf gesundheitliche Probleme.
- 1935
- Bei dem Münchener Anthropologen Theodor Mollison
(1874-1952) promoviert er zum Dr. phil. mit dem Thema "Rassenmorphologische
Untersuchung des vorderen Unterkieferabschnitts bei vier rassischen
Gruppen".
- 1936
- Mengele legt die medizinische Staatsprüfung ab
und leistet für vier Monate sein Medizinalpraktikum an der Kinderklinik der Universität Leipzig.
- 1937
- Er wird Assistent am von Otmar Freiherr von Verschuer (1896-1969) geleiteten Institut für Erbbiologie und
Rassenhygiene in Frankfurt/Main.
- Mengele wird Mitglied in der Nationalsozialistischen Deutschen
Arbeiterpartei (NSDAP).
- 1938
- Am Frankfurter Institut promoviert Mengele mit einem
Thema zur Vererbungs- und Konstitutionslehre. Der Titel seiner
Dissertation lautet "Sippenuntersuchungen bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalte".
- Er tritt der Schutzstaffel (SS) bei.
- September-Januar 1939: Mengele leistet Wehrdienst beim Gebirgsjägerregiment 137 in Saalfelden/Tirol.
- 1939
- Mengele heiratet Irene Schoenbein. Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.
- 1940
- Frühsommer: Einberufung zur Wehrmacht.
- August: Mengele meldet sich freiwillig zur Waffen-SS. Zunächst Einsatz in der Einwandererzentralstelle in Posen.
- 1941
- Mengele wird Bataillonsarzt in der SS-Division "Wiking". Mit dieser Division nimmt er von Beginn an am Krieg gegen die Sowjetunion teil.
- 1942
- Er wird schwer verwundet.
- 1943
- Januar: Mengele wird als frontuntauglich zum SS-Ersatz-Bataillon Ost nach Berlin versetzt. Dort ist er in seiner Freizeit für das inzwischen von seinem Mentor Verschuer geleitete Kaiser-Wilhelm-Insitut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik tätig.
- 20. April: Beförderung zum Hauptsturmführer.
- 30. Mai: Mengele trifft als Ersatz für einen längerfristig erkrankten Arzt im Konzentrationslager
(KZ) Auschwitz ein und wird neuer Lagerarzt des sogenannten Zigeunerlagers in Auschwitz-Birkenau. Sein Vorgesetzter ist der SS-Standortarzt von Auschwitz, Eduard Wirths (1909-1945).
- 1943-1945
- In Auschwitz führt Mengele medizinische und anthropologische
Untersuchungen durch. Er wählt "geeignetes medizinisches Forschungsmaterial"
aus, um seine Vererbungstheorien zu testen. Sein Hauptinteresse
gilt dem Studium von Menschen mit körperlichen Abnormitäten
sowie der Zwillingsforschung. Die Experimente enden meist mit dem Tod seiner Opfer.
- Mengele selektiert wie alle SS-Ärzte in Auschwitz sowohl Neuankömmlinge an der Rampe als auch Häftlinge im Lager. Es liegt in seinem Ermessen, Kinder, Kranke und Greise als nicht
arbeitsfähig auszumustern und für den Tod in der Gaskammer
zu bestimmen.
- 1944
- Juli/August: Das "Zigeunerlager" wird aus Platzgründen
liquidiert. Mengele übernimmt die Organisation und die Selektion
der Häftlinge, in deren Verlauf er 3.000 Menschen vergasen
läßt. 1.400 arbeitsfähige Insassen werden in das
KZ Buchenwald deportiert.
- Mengele wird leitender Arzt im Häftlingskrankenbaulager von Auschwitz-Birkenau.
- 1945
- 17. Januar: Zehn Tage vor der Befreiung von Auschwitz flieht Mengele vor der heranrückenden Roten Armee ins KZ Groß-Rosen und weiter nach Berlin, um beim für die KZ zuständigen Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS weitere Befehle einzuholen.
- 6. Februar: Er kehrt als neuer Standortarzt nach Groß-Rosen zurück und flieht nach nur wenigen Tagen vor der Roten Armee in eines der Außenlager.
- 2. Mai: Mengele trifft auf seiner Flucht nach Westen auf ein Wehrmachtslazarett, dem er sich anschließt.
- Juni: Er wird mit der Wehrmachtseinheit von amerikanischen Truppen interniert.
- August: Mengele wird unerkannt unter dem falschen Namen "Fritz Hollmann" entlassen. Er macht sich auf den Weg nach Günzburg, wo er sich einige Wochen versteckt hält.
- 1945-1949
- Mengele arbeitet als Knecht unter falschem
Namen auf einem Hof in Mangolding bei Rosenheim.
- 1949
- April: Mit einem auf den Namen "Helmuth Gregor"
ausgestellten Paß des Internationalen Komitees vom Roten
Kreuz (IKRK) beginnt Mengeles Flucht über Genua (Italien) nach Südamerika.
- 20. Juni: Er erreicht auf dem Schiff "North King" Buenos
Aires (Argentinien).
- 1949-1959
- Mengele lebt weitgehend unbehelligt in Buenos Aires. Seine Familie unterstützt ihn finanziell.
- 1954
- Er läßt sich von seiner in Europa verbliebenen
Frau scheiden.
- 1956
- Mengele verbringt mit der Witwe seines Bruders Karl, Martha Mengele, sowie seinem Sohn und seinem Neffen einen Winterurlaub in der Schweiz. Danach beantragt er eine Identitätsfeststellung und einen neuen deutschen Paß auf seinen tatsächlichen Namen. Beides erhält er ohne Probleme.
- 1958
- Mengele heiratet in Montevideo (Uruguay) seine Schwägerin Martha, die ihm 1956 nach Südamerika gefolgt ist.
- 3. August: Der Schriftsteller Ernst Schnabel (1913-1986) erstattet Strafanzeige gegen Mengele. Schnabel macht im Rahmen seiner Veröffentlichungen über Anne Frank auf Mengele, seine Verbrechen und die unzureichende Fahndung nach Mengele aufmerksam.
- 1959
- 25. Februar: Erster Haftbefehl gegen Mengele.
- Mai: Die internationale Suche nach NS-Verbrechern zwingt
Mengele, Argentinien zu verlassen und nach Paraguay überzusiedeln.
Er wird Staatsbürger Paraguays.
- 1960
- Sommer: Nach der Entführung von Adolf Eichmann durch den israelischen Geheimdienst nach Jerusalem fühlt sich Mengele nicht mehr sicher und taucht in der Nähe von São
Paulo (Brasilien) unter.
- 1960-1975
- Mengele hält sich in der Umgebung von São Paulo auf abgeschiedenen Farmen verborgen und hat kaum Kontakt zur Außenwelt.
- 1975
- Er bezieht ein kleines Häuschen in einem ärmlichen Viertel von São Paulo.
- 1979
- 7. Februar: Josef Mengele ertrinkt nach einem Schlaganfall beim Schwimmen im Badeort Bertioga bei São Paulo. Unter dem Namen "Wolfgang
Gerhard" wird er in Embu (Brasilien) begraben. Seiner Familie
gelingt es, den Tod geheimzuhalten.
- 1982
- Der bundesdeutsche Haftbefehl gegen Mengele wird erneuert.
Auf seine Ergreifung werden zehn Millionen Deutsche Mark ausgesetzt.
- 1985
- Frühjahr: Mengeles Grab wird gefunden. Durch
Exhumierung und gerichtsmedizinische Untersuchung des Skeletts
und des Zahnschemas wird seine Identität ermittelt.
- 1992
- Eine DNA-Analyse beseitigt letzte Zweifel an der Identität Mengeles.
(Sven Keller, Augsburg / as)
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