1851-1927
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![[Postkarte: Hermann Molkenbuhr, um 1925]](../../../objekte/pict/96001601/200.jpg)
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Hermann Molkenbuhr
Politiker
- 1851
- 11. September: Hermann Molkenbuhr wird als viertes von
fünf Kindern des Schneiders und Lebensmittelhändlers
Hinrich Molkenbuhr und seiner Frau Anna Margaretha (geb. Biesterfeld) in Wedel in
Holstein geboren.
- 1862
- 28. März: Die Familie Molkenbuhr zieht nach Ottensen
bei Hamburg. Ursache sind der Bankrott des Lebensmittelgeschäftes
von Hinrich Molkenbuhr, die daraus resultierende Zwangsversteigerung
des Familienbesitzes und vor allem die tief empfundene Schande
über den sozialen Abstieg der Familie von einer kleinbürgerlichen
in eine proletarische Existenz.
- 1862-1864
- Hermann Molkenbuhr ist als Kinderarbeiter in einer
Fabrik beschäftigt, in der Kaffee-Ersatz bzw. sogenannter
Gesundheitskaffee hergestellt wird. Die wöchentliche Arbeitszeit
beträgt 59 Stunden. Daneben besucht er die "Abendschule
für die in Fabriken arbeitenden Kinder"; es wird fast
ausschließlich Religionsunterricht gegeben.
- 1864-1871
- Zurichter (Hilfsarbeiter) bei verschiedenen Zigarrenmachern,
bis er selbst dieses Handwerk erlernt, das er mit einer kurzen
Unterbrechung bis 1891 ausübt.
- 1872
- August: Angeregt durch die Lektüre der Schriften
Ferdinand Lassalles tritt Molkenbuhr dessen 1863 gegründetem
Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) bei und wird sofort
als Agitator politisch aktiv.
- 1874
- Molkenbuhr wird Bevollmächtigter (Vorsitzender)
des ADAV in Ottensen.
- 1875
- Molkenbuhr nimmt als einer der jüngsten Delegierten
am Vereinigungsparteitag von Lassalleanern und Eisenachern in
Gotha teil: Der ADAV und die von August Bebel und Wilhelm Liebknecht geführte Sozialdemokratische Arbeiterpartei
schließen sich zur Sozialistischen Arbeiterpartei zusammen,
die sich nach der Nichtverlängerung des "Sozialistengesetzes"
1890 als Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
neu gründet.
- 1877
- 17. Oktober: Geburt des ersten Sohnes Max.
- 1878
- 15. Januar: Nachdem das Kind das kritische erste Vierteljahr
überlebt hat, heiratet Molkenbuhr seine Freundin Friederike
Köster.
- Nach Erlaß des "Sozialistengesetzes" organisiert
Molkenbuhr die Sozialdemokratie im Untergrund.
- 22. September: Sein zweiter Sohn Artur wird geboren
- 12. Dezember: Der erste Sohn Max stirbt an Diphtherie.
- 1881
- 10. März: Der dritte Sohn Brutus wird geboren.
- 17. Mai: Auf der Grundlage des § 28 des "Sozialistengesetzes"
wird Molkenbuhr aus dem "nördlichen Belagerungsgebiet"
Hamburg, Altona und Umgegend ausgewiesen. Er entschließt
sich kurzfristig, mit seinem Bruder in die USA auszuwandern, seine
Frau und seine beiden Söhne muß er vorerst zurücklassen.
- 1881-1884
- Molkenbuhr lebt als Zigarrenmacher in den USA,
hauptsächlich in New Haven, Connecticut, und engagiert sich
in der Socialistic Labor Party.
- 1884
- Er kehrt nach Deutschland zurück. Grund ist das
Scheitern seiner Ehe. Er lebt zunächst ein Jahr in Bremen,
danach von 1885 bis 1890 in Kellinghusen in Holstein.
- 1884-1890
- Molkenbuhr kandidiert in mehreren Wahlkreisen des
Hamburger Umlandes bei Reichstagswahlen.
- 1886
- 26. März: Scheidung von seiner Ehefrau, die zwischenzeitlich
eine andere Beziehung aufgenommen hat.
- 1887
- Molkenbuhr wird in einem Geheimbundprozeß angeklagt
und nach viermonatiger Untersuchungshaft freigesprochen.
- 1890
- 1. März: Erstmalige Wahl in den Reichstag für
den 6. schleswig-holsteinischen Wahlkreis (Elmshorn-Pinneberg).
- 1890-1924
- Molkenbuhr ist 34 Jahre lang Reichstagsabgeordneter
und verfügt damit über eine der längsten Abgeordnetenkarrieren
der deutschen Parlamentsgeschichte. Er ist führender Sozialexperte
der SPD-Reichstagsfraktion und des Reichstags insgesamt.
- 1891-1904
- Molkenbuhr arbeitet als Redakteur bei der sozialdemokratischen
Zeitung "Hamburger Echo".
- 1891
- Er ist Mitglied der Programm-Kommission, die das Erfurter
Parteiprogramm berät.
- 1892-1902
- Mitglied der Reichskommission für Arbeiterstatistik,
seit 1902 des Beirats für Arbeiterstatistik, der die Grundlagen
für Reformen des Arbeitsrechts schaffen soll.
- 1902
- Molkenbuhr legt den ersten Entwurf einer staatlichen
Arbeitslosenversicherung vor.
- 1904
- Er wird als Sekretär in den zentralen Parteivorstand
der SPD gewählt, dem er bis zu seinem Tod angehört.
- 1908
- Molkenbuhr wird in die Exekutive der Sozialistischen
Internationale, das Internationale Sozialistische Büro, gewählt,
dem er bis 1914 angehört.
- 1909
- 28. August: Heirat mit seiner zweiten Ehefrau Sabine
Plumm (geb. Nicola).
- 1911
- Molkenbuhr wird als Nachfolger des verstorbenen Paul Singer zu einem der Vorsitzenden der SPD-Reichstagsfraktion
gewählt. Gegen die Wahl Molkenbuhrs oder eines anderen gemäßigten
Kandidaten zum Parteivorsitzenden inszeniert der radikale Parteiflügel
eine Kampagne, die das Verhalten des Parteivorstands während
der sogenannten Zweiten Marokko-Krise anprangert.
- 1914
- Molkenbuhr tritt für die Zustimmung der SPD zu
den Kriegskrediten ein und unterstützt während
des Ersten Weltkriegs die Politik des Burgfriedens
der Parteimehrheit. Gleichzeitig wehrt er sich aber länger
als jedes andere Mitglied der Parteiführung gegen die drohende
Parteispaltung.
- 1915
- 12. April: Er wird von der Stadtverordnetenversammlung
von Schöneberg bei Berlin (seit 1920: eingemeindet), der
er seit 1907 angehört, zum Stadtrat gewählt. Molkenbuhr
ist der dritte Sozialdemokrat in Preußen, der ein solches
Amt antreten darf.
- 1917
- Er ist Mitglied der SPD-Delegation, die sich in Stockholm
um eine Friedensinitiative der Sozialistischen Internationale
bemüht.
- 1918
- Molkenbuhr setzt sich während der Revolution 1918/19 konsequent für eine Republikanisierung und Demokratisierung
Deutschlands ein. Als Sicherheitsgarant begleitet er Ende November
die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria auf ihrem
Weg ins Exil bis an die niederländische Grenze.
- 1921
- Vorsitzender der Programm-Kommission des Görlitzer
Programms.
- 1925
- Mitglied der Programm-Kommission des Heidelberger Programms.
- 1927
- Auf dem SPD-Parteitag in Kiel, dem letzten, an dem er
nach 52 Jahren Parteitagsgeschichte teilnimmt, wechselt Molkenbuhr
vom Sekretär zum Beisitzer des Parteivorstands.
- 22. Dezember: Hermann Molkenbuhr stirbt in Berlin und wird unter
großer Anteilnahme der Sozialdemokratie auf dem Friedhof
in Friedrichsfelde beigesetzt.
- 1950
- Die Überführung seiner sterblichen Überreste
erfolgt in die dortige "Gedenkstätte der Sozialisten".
Bernd Braun, Reichspräsident Friedrich Ebert Gedenkstätte
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