1830-1909
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Lina Morgenstern
Sozialaktivistin und Frauenrechtlerin
- 1830
- 25. November: Lina Bauer wird als drittes von sechs
Kindern des jüdischen Möbel- und Antiquitätenhändlers
Albert Bauer und dessen Frau Fanny (geb. Adler) in Breslau (heute:
Wroclaw, Polen) geboren.
- Sie wird nach dem reformierten jüdischen Glauben liberal
erzogen.
- 1836-1844
- Besuch der privaten "Wernerschen Höheren
Töchterschule" in Breslau, Privatunterricht in Sprachen,
Musik und Gesang sowie Selbststudium der Kunstgeschichte und Literatur.
- 1848
- 25. November: Gründung des "Pfennigvereins
zur Unterstützung armer Schulkinder" zusammen mit einigen
Freundinnen. Ziel ist es, mittellosen Kindern Schulbücher
und Schreibmaterial, aber auch Kleidung zur Verfügung zu
stellen.
- 1854
- Hochzeit mit dem Breslauer Kaufmann Theodor Morgenstern
(1827-1910) und Umzug nach Berlin.
- Morgenstern gründet den ersten Berliner Kindergarten nach
dem Konzept des Pädagogen Friedrich Fröbel (1782-1852),
welches dem Spiel als wesentliches pädagogisches Mittel der
Kindererziehung viel Platz einräumt. Dieser Schritt ist nicht
unproblematisch, denn seit 7. August 1851 sind Kindergärten
in Preußen wegen "destruktiver Tendenzen auf dem Gebiet
der Religion und Politik" als "atheistisch und demagogisch"
verboten.
- 1859-1866
- Mitbegründerin des "Frauenvereins
zur Beförderung Fröbelscher Kindergärten",
der sich für die Aufhebung des Kindergartenverbots
einsetzt, die 1860 erfolgt. Unter ihrem Vorsitz betreibt der in
"Berliner Kindergartenverein" umbenannte Träger
acht Kindergärten sowie eine Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen.
- Nach Kindergeschichten und Märchen veröffentlicht
Morgenstern ihr Buch "Das Paradies der Kindheit durch Spiel,
Gesang und Beschäftigung", das erste Handbuch für
Kindergärtnerinnen, das in Einklang mit der Fröbelschen
Pädagogik die Bedeutung des Kindergartens als familienergänzende
Institution betont. Sie sieht ihr Erziehungskonzept auch als vorbeugende
Methode gegen Kriminalität und soziale Spannungen. Es wird
in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach aufgelegt.
- 1866
- 9. Juni: Eröffnung der ersten Volksküche durch
Morgenstern in Berlin. Ziel der Essensausgabe zum Selbstkostenpreis
ist die Linderung der allgemeinen Not während des Deutschen
Kriegs. Im Rahmen ihres "Vereins der Berliner Volksküchen"
gründen sich in ehrenamtlicher Selbstorganisation weitere
mittels Spenden finanzierte Volksküchen. Diese sind dermaßen
erfolgreich, dass sie über die Kriegstage hinaus weiter bestehen.
Schirmherrin ist unter anderem die preußische Königin
und spätere deutsche Kaiserin Marie Luise Augusta Catharine
Prinzessin von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811-1890).
- 1866-1869
- Morgenstern engagiert sich auf verschiedenen Ebenen
und gründet dazu zahlreiche Vereine. Mit teilweise nur kurzer
Lebensdauer entstehen unter anderem der "Verein zur Sittlichkeit"
und in diesem Rahmen in Zusammenarbeit mit der Zahnärztin
Henriette Tiburtius (1834-1911) eine "Mägdeherberge",
der Berliner "Kinderschutzverein", der die hohe Säuglingssterblichkeit
unehelich geborener Kinder bekämpft, sowie die "Akademie
zur Fortbildung junger Damen", die jungen Frauen Bildung
vor allem in Hygiene- und Gesundheitsfragen vermittelt.
- 1868
- Morgenstern veröffentlicht ein Buch über die
Volksküchen, welches später als "Universal-Kochbuch
für Gesunde, Kranke und Genesende und erstes Lehrbuch für
Kochschulen" in mehreren Auflagen erscheint. In ihm wird
die Zubereitung großer Mengen preisgünstiger und gleichzeitig
nahrhafter Speisen erläutert.
- 1869
- Zehn über ganz Berlin verteilte Volksküchen
verpflegen täglich bis zu 10.000 Personen.
- In Beschwerden wird Morgenstern beschuldigt, aus ihren Küchen
Profit zu ziehen. Insbesondere das Gastronomiegewerbe protestiert
mit dem Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs.
- 1870/71
- Morgenstern wird Vorsitzende des "Komitees zur
Verpflegung der Truppen, Verwundeten und Gefangenen", welches
an Berliner Bahnhöfen zur Versorgung der durchreisenden Soldaten
des Deutsch-Französischen Kriegs große Speisebaracken
errichtet.
- 1873
- Aus regelmäßigen Zusammenkünften des
"Vereins der Berliner Volksküchen" heraus entsteht
die Initiative zur Gründung des "Berliner Hausfrauenvereins",
deren Vorsitz Morgenstern übernimmt.
- 1874
- Herausgabe der "Deutsche Hausfrauen-Zeitung",
für die Morgenstern zahlreiche Artikel verfasst. Die wöchentlich
erscheinende Zeitung verfolgt einen radikalen Ansatz innerhalb
der bürgerlichen Frauenbewegung und hat unter anderem
die politische Gleichberechtigung der Frau zum Ziel.
- 1883
- Der "Berliner Hausfrauenverein", dem mittlerweile
eine permanente Lebensmittelausstellung, ein Labor zur Lebensmitteluntersuchung,
eine Kochschule, eine Unterstützungskasse für Dienstmädchen
sowie eine konsumgenossenschaftliche Verkaufsstelle angehören,
muss Konkurs anmelden. Morgenstern und ihr Ehemann verlieren nahezu
ihr gesamtes Vermögen.
- 1894
- Mitbegründerin des "Bundes deutscher Frauenvereine"
zur Vereinigung der bürgerlichen Frauenbewegung gemeinsam
mit Lily Braun und Minna Cauer.
- 1897
- Morgenstern wird in den Vorstand der 1892 von Bertha
von Suttner und Alfred Hermann Fried (1864-1929) gegründeten
"Deutschen Friedensgesellschaft" gewählt.
- 1896
- September: Auf dem maßgeblich von ihr und Cauer
organisierten "Internationalen Kongresses für Frauenwerke
und Frauenbestrebungen" in Berlin hält Morgenstern vor
rund 1.800 Delegierten eine Rede für die sozialen Belange
der Frau.
- 1909
- 16. Dezember: Lina Morgenstern stirbt in Berlin und
wird auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee
beerdigt.
(cs)
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