1856-1918
![[Postkarte: NS-"Kriegs-Winterhelfswerk" mit Abbildung von Carl Peters, 1939/40]](../../../objekte/pict/ju002963/200.jpg)
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Carl Peters
Politiker, Publizist
- 1856
- 27. September: Carl Peters wird als achtes Kind des Pfarrers Johann
Peters in Neuhaus/Elbe geboren.
- 1876-1879
- Studium der Geschichtswissenschaften und der Philosophie in
Göttingen, Tübingen und Berlin. Peters finanziert sein
Studium durch ein Stipendium und durch publizistische Tätigkeit.
- Peters veröffentlicht unter dem Pseudonym C. Fels den Roman
"Entrissen und Errungen".
- 1879
- Promotion in Geschichte an der Berliner Universität.
- Peters besteht sein Lehramtsexamen. Er entscheidet sich gegen die
Absolvierung des Referendarjahrs als Gymnasiallehrer.
- Veröffentlichung von "Arthur Schopenhauer als Schriftsteller
und Philosoph".
- 1880-1883
- Aufenthalt bei einem wohlhabenden Onkel in England. Peters
beschäftigt sich mit der Kolonialpolitik und ihrer Bedeutung
für das britsche Weltreich.
- Publikation von "Das Deutschtum in London" und
"Willenswelt und Weltwille".
- 1883
- Nach dem Selbstmord seines Onkels kehrt er nach Berlin zurück
- 1884
- Er habilitiert sich in Philosophie, hält jedoch keine
Vorlesungen.
- März: Peters beteiligt sich in Berlin an der Gründung der
"Gesellschaft für Deutsche Kolonisation". Das
Kolonialunternehmen wird durch den Verkauf von Anteilscheinen zu 5.000
Reichsmark finanziert. Die Gesellschaft ist stark siedlungspolitisch
ausgerichtet und zielt auf staatliche Kolonialgründungen. Die
Erschließung neuer Rohstoffquellen, Exportmärkte und
Auswanderungsgebiete soll das Deutsche Reich wirtschaftlich und
politisch stärken.
- November/Dezember: Noch ohne die Unterstützung der deutschen
Regierung schließt Peters in Afrika mit Stammesoberhäuptern
Verträge, mit denen sie für einen minimalen Preis ihr Land
im Kerngebiet des späteren
Deutsch-Ostafrika
(heute: Tansania, Ruanda, Burundi) verkaufen.
- 1885
- Februar: Peters erhält von Otto von Bismarck den
ersten Kaiserlichen Schutzbrief für seine Erwerbungen. Damit
verpflichtet sich die deutsche Regierung, das überseeische Gebiet
im Falle von in- und ausländischen Konflikten unter seinen
militärischen Schutz zu stellen. Zur Flaggenhissung werden
deutsche Kriegsschiffe entsandt.
- April: Gründung der "Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft,
Carl Peters und Genossen".
- 1887
- Er wird Vorsitzender Direktor der "Deutsch-Afrikanischen
Gesellschaft".
- Auf seiner zweiten Reise schließt Peters mit dem Sultan von
Sansibar einen Pachtvertrag über den Erwerb der gesamten
Küste von der Mündung des Umba bis zum Kap Delgado. Damit
umfaßt das Gebiet mit etwa 900.000 Quadratkilometern fast die
doppelte Fläche des Deutschen Reichs.
- 1889/90
- Nach seinem Ausscheiden aus der Kolonialgesellschaft übernimmt
Peters die Leitung einer Hilfsexpedition für einen verschollenen
Afrikaforscher. Dies verhilft Peters in Deutschland zu
außerordentlicher Popularität.
- 1890
- Der deutsche Verzicht auf Uganda im Helgoland-Sansibar-Vertrag
zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich macht sein Ziel
eines großen ostafrikanischen Kolonialreichs zunichte.
- 1891
- Aus Protest gegen den Vertrag beteiligt Peters sich zusammen mit
Alfred Hugenberg an der Gründung des Allgemeinen Deutschen Verbands (ab 1894:
Alldeutscher Verband), der eine expansive und aggressive
Kolonialpolitik propagiert.
- 1891-1895
- Als Reichskommissar für das Kilimandscharogebiet wirkt Peters an
der deutsch-britischen Grenzregulierung mit.
- In Deutschland werden gegen Peters Vorwürfe wegen grausamer
Behandlung der afrikanischen Bevölkerung laut.
- 1893
- Mit seiner Ernennung zum etatmäßigen Reichskommissar des
Auswärtigen Amts erwirbt er Pensionsansprüche.
- 1895
- Peters stellt wegen der Vorwürfe sein Amt zur Disposition und
kehrt nach Deutschland zurück.
- Eröffnung eines Disziplinarverfahrens gegen ihn als
Reichskommissar, in dessen Verlauf über den Vorwurf des
Amtsmißbrauchs entschieden werden soll.
- 1896
- Im deutschen Reichstag referiert
August Bebel
über Peters' Amtsführung in Afrika. Er wirft Peters die
unrechtmäßige Hinrichtung eines Dieners und einer Frau vor.
- Peters verlegt seinen Wohnsitz nach England.
- 1897
- Gemäß dem Urteil im Disziplinarverfahren wird er seines
Amts als Reichskommissar enthoben. Das Urteil wird in der
Öffentlichkeit von nationalistischen Vereinen und Politikern
scharf kritisiert.
- Gründung der "Dr. Carl Peters Estates and Exploration
Co." (später: South East Africa Ltd.) in London. Die
Gesellschaft finanziert die Ausbeutung der Goldlagerstätten
Südafrikas.
- 1899-1905
- Für seine Gesellschaft unternimmt Peters sechs Reisen nach Angola
und Simbabwe. Den Übertritt in den englischen Kolonialdienst
lehnt er ab.
- 1904
- Veröffentlichung von "England und die Engländer".
- 1905
- Durch einen Gnadenakt Kaiser
Wilhelms II. wird Peters der Titel "Reichskommissar a.D." zugestanden.
- 1909
- Heirat mit Thea Herbers.
- 1914
- Zu Beginn des
Ersten Weltkriegs beschlagnahmt die englische Regierung große Teile seines
Londoner Firmenbesitzes. Peters kehrt mit seiner Frau nach
Deutschland zurück.
- Wilhelm II. rehabilitiert Peters vollständig. Dieser erhält
nun die entsprechende Pensionszahlung.
- 1914-1918
- Aufenthalte in Hannover, Berlin und Bad Harzburg.
- Publikation von "Afrikanische Köpfe",
"Südafrikanisches Minenleben", "Zum
Weltkrieg" und "Lebenserinnerungen".
- 1918
- 10. September: Carl Peters stirbt in Bad Harzburg.
- 1943/44
- Die Werke von Peters werden in drei Bänden gesammelt
herausgegeben.
(se/mw)
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