1867-1935
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Józef Pilsudski
Politiker
- 1867
- 5. Dezember: Józef Pilsudski wird in Zulów (Litauen)
als Kind einer verarmten polnisch-litauischen Kleinadelsfamilie
geboren.
- 1885/86
- Er studiert Medizin in Charkow (Ukraine).
- Pilsudski tritt für die Wiedererrichtung der Eigenstaatlichkeit
Polens ein, welches seit dem Ende des 18. Jahrhunderts unter Rußland,
Deutschland und Österreich-Ungarn aufgeteilt ist. Erst nach
Vollendung der polnischen Einheit will Pilsudski eine grundlegende
soziale Revolution unterstützen.
- 1887-1892
- Wegen der Teilnahme an der Planung eines Attentats
auf den russischen Zaren Alexander III. (1845-1894) wird Pilsudski
für fünf Jahre nach Sibirien verbannt.
- 1892/93
- Mit Freunden aus der Jugendbewegung bereitet er in
Warschau die Gründung einer sozialistischen Partei vor.
- 1894
- Er wird Führer der neu gegründeten illegalen
"Sozialistischen Partei Polens" (PPS).
- 1899
- Wegen staatsfeindlicher Aktivitäten wird er von
der russischen Polizei in Lodz verhaftet, kann jedoch nach einem
halben Jahr fliehen.
- 1900/01
- Pilsudski flüchtet in das österreichische
Galizien und organisiert von dort aus antirussische Aktionen,
Proteste und Streiks.
- 1904
- Während des Russisch-Japanischen Kriegs versucht
er, Kontakt zur japanischen Führung aufzunehmen. Er will
mit deren Hilfe einen Partisanenkrieg im russisch besetzten Teil
Polens führen und eine "Westfront" gegen das Zarenreich
eröffnen. Die japanische Regierung weist sein Anliegen zurück.
- 13. November: In Warschau kommt es bei Protesten gegen die Rekrutierung
von polnischen Bürgern für die zaristische Armee zu
einem Feuergefecht zwischen Angehörigen der PPS unter Pilsudskis
Führung und dem russischen Militär.
- 1905-1910
- Pilsudski stellt kleine Kampfgruppen zur Durchführung
von Sabotageakten auf.
- 1906
- Er wird Anführer der "Revolutionären
Fraktion" der PPS und kämpft verstärkt für
die Wiederherstellung der polnischen Eigenstaatlichkeit. Er strebt
eine Zusammenarbeit mit den Mittelmächten Deutschland
und Österreich-Ungarn an, um zunächst die Unabhängigkeit
des von Rußland besetzten Teils Polens zu erreichen.
- 1914
- Die Konfrontation der Teilungsmächte im Ersten
Weltkrieg kommt Pilsudskis Bestrebungen nach einem unabhängigen
Polen entgegen.
- 1914-1916
- Er kämpft auf seiten der Mittelmächte
gegen Rußland und führt die dem österreichischen
Oberbefehl unterstehende 1. Brigade der Polnischen Legion. In
dieser Zeit baut er schrittweise eine ihm untergebene polnische
Militärorganisation (POW) auf.
- 1916
- 5. November: Deutschland und Österreich-Ungarn
proklamieren ein unter ihrer Kontrolle stehendes polnisches Königreich.
- Pilsudski wird Mitglied des Staatsrats, er fordert eine unabhängige
polnische Regierung.
- Dezember: Seine Forderungen ziehen seine Verhaftung durch preußische
Polizeieinheiten nach sich.
- 1917
- 22. Juli: Pilsudski wird aus dem Staatsrat entlassen
und zu drei Jahren Festungshaft in Magdeburg verurteilt.
- 1918
- Nach Beendigung des Kriegs wird Pilsudski aus der Haft
entlassen.
- 11. November: Bei seiner Ankunft in Warschau wird er wegen seines
Einsatzes für die Wiedererrichtung der polnischen Eigenstaatlichkeit
gefeiert. Ihm wird die oberste Militär- und Staatsgewalt
der neuen unabhängigen Republik Polen kommissarisch übertragen.
- 1919
- 20. Februar: Vom ersten freien polnischen Parlament
wird er zum Staatspräsidenten gewählt.
- Dezember: Die alliierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs
legen die deutsch-polnische Grenze und mit der sogenannten Curzon-Linie
auch die Ostgrenze Polens fest.
- 1920-1923
- Pilsudski verfolgt mit wechselnden Koalitionsregierungen
und durch den Aufbau starker Streitkräfte einen Föderationsplan
für Osteuropa, durch den Polen seine historischen Grenzen
wiedererlangen soll.
- 1920
- Er erhält den Titel "Marschall von Polen".
- 26. April: Pilsudski lehnt die Curzon-Linie als polnische Ostgrenze
ab und löst mit einer Offensive den Krieg gegen Sowjetrußland und die Bolschewisten in der Ukraine aus.
- 1921
- 19. Februar: Polen schließt mit Frankreich einen
Militär- und Wirtschaftsvertrag ab. Pilsudski erhofft sich
von Frankreich Unterstützung im Kampf gegen Sowjetrußland und die Ukraine.
- 17. März: Der polnische Reichstag nimmt die neue Staatsverfassung
an.
- 18. März: Im Frieden von Riga wird die polnische Ostgrenze
ca. 150 km östlich der Curzon-Linie festgelegt.
- 1922
- November: Pilsudski kandidiert nicht mehr für das
Präsidentenamt, da sich aufgrund der Verfassung das politische
Gewicht zunehmend vom Präsidenten auf die politischen Parteien
verlagert.
- 1923
- Pilsudski zieht sich aus der Politik zurück, er
legt die Ämter des Generalstabschefs und des Vorsitzenden
des Verteidigungsrats nieder. Im Heer und als Publizist behält
er hohes Ansehen und hat damit weiterhin politischen Einfluß.
- 1926
- 12.-15. Mai: Vor dem Hintergrund der Verschlechterung
der außenpolitischen Lage sowie von Mißwirtschaft
und Korruption führt Pilsudski einen Staatsstreich durch.
Gestützt auf die Loyalität der Armee und auf sein hohes
Ansehen bei der Bevölkerung errichtet Pilsudski eine Staatsform
autoritärer Prägung, die er "moralische Diktatur"
nennt.
- Als Verteidigungsminister und Generalinspekteur der Streitkräfte
besetzt er die wesentlichen Positionen im Staat.
- 1926-1928
- Pilsudski führt als Ministerpräsident
die Regierung.
- 1928-1930
- Zunehmend wandelt sich der gemäßigte
Charakter der "moralischen Diktatur". Neben Verfassungsbrüchen
kommt es verstärkt zur Verfolgung politischer Gegner.
- 1929
- 9. Februar: In Moskau schließen Polen, Rumänien,
Lettland, Estland und die Sowjetunion einen Nichtangriffsvertrag
ab. Pilsudski will Polen als eine militärische und politische
Macht in Ostmitteleuropa etablieren.
- 1930
- 25. August: Er wird erneut Ministerpräsident und
kündigt schärfere Maßnahmen gegen die linke und
die liberale Opposition an.
- 1930-1935
- Pilsudski kann sich des innenpolitischen Drucks
der erstarkenden politischen Rechten kaum erwehren. Die Rechte
macht die Juden für die strukturelle ökonomische Krise
in Polen verantwortlich und fordert von Pilsudski ein härteres
Vorgehen gegen sie.
- 1933
- Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler
in Deutschland setzt Pilsudski seinen außenpolitischen Kurs
der Etablierung Polens als politische und militärische Macht
fort.
- Bei einem Staatsbesuch Pilsudskis in Paris scheitert sein Versuch,
in der französischen Regierung einen Verbündeten für
einen Präventivkrieg gegen das Deutsche Reich zu finden.
- 1934
- 26. Januar: Pilsudski schließt mit dem NS-Regime
einen Nichtangriffspakt ab. Er verspricht sich für Polen
langfristige Sicherheit als Nachbar des Deutschen Reichs und der
Sowjetunion.
- 1935
- 12. Mai: Józef Pilsudski stirbt in Warschau.
(mü/as)
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