1893-1966

[Photo: Erwin Piscator, vor 1930]



Erwin Piscator

Regisseur, Intendant



1893
17. Dezember: Erwin Piscator wird als Sohn einer protestantischen Familie in der Nähe von Wetzlar geboren.

1915
Während des Ersten Weltkriegs wird Piscator zum Frontdienst einberufen und muß das Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie sowie sein Volontariat am Münchener Hof- und Nationaltheater unterbrechen.

1917/18
Piscator wird einem Fronttheater in Kortrijk (Belgien) als Schauspieler und Regisseur zugeteilt.

1920
Gründung des "Proletarischen Theaters", einer Bühne der revolutionären Arbeiter in Berlin. Das Ensemble besteht aus Mitgliedern der Berliner Dada-Bewegung und spielt in den Arbeitervierteln der Stadt. Ziele des Theaters sind die Propagierung kommunistischer Ideen und die kollektive Arbeit an Stücken.

1921
Schließung des "Proletarischen Theaters".

1922/23
Leitung des Central-Theaters in Berlin-Kreuzberg.

1924/25
Die beiden großen Revuen Piscators, "Revue Roter Rummel" und "Trotz alledem", kennzeichnen den Höhepunkt des politischen Massentheaters der Weimarer Republik. Die "Revue Roter Rummel" wird vor den Reichstagswahlen 1924 von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) als Wahlveranstaltung gezeigt. Mit der Revue "Trotz alledem" eröffnet die KPD zudem ihren 10. Parteitag im Juli 1925.

1924-1927
Als Regisseur an der Berliner Volksbühne entwickelt Piscator einen eigenen Inszenierungsstil: Der dramatische Text dient als Material und wird durch Filmeinblendungen, Projektionen und politische Losungen ergänzt.

1927
Eröffnung der ersten Piscatorbühne durch Vermittlung der Schauspielerin Tilla Durieux in Berlin mit der Uraufführung von Walter Mehrings (1896-1985) "Der Kaufmann von Berlin". Als Dramaturgen arbeiten neben Mehring auch Bertolt Brecht und Ernst Toller an der Piscatorbühne. Es folgen die Gründungen von zwei weiteren Piscatorbühnen, die jedoch wie die erste finanziell scheitern.
Piscator verwendet zum ersten Mal die Segment-Globus-Bühne, eine drehbare Halbkugel, die sich an mehreren Stellen aufklappen läßt und den Blick auf wechselnde Orte und Szenen freigibt.

1929
Publikation der Kampfschrift "Das politische Theater".

1931
Piscator übersiedelt in die Sowjetunion. Hier dreht er den Film "Aufstand der Fischer von St. Barbara" nach einer Novelle von Anna Seghers.
In Kooperation mit dem Internationalen Revolutionären Theaterbund plant er eine Experimentierstätte für antifaschistische Theater- und Filmarbeit.

1936-1939
Exil in Paris.

1939
Emigration in die USA.

1939-1951
Leitung des von ihm gegründeten Dramatic Workshop in New York. Zu seinen Schülern zählen u.a. Tennessee Williams (1911-1983), Arthur Miller (*1915) und Marlon Brando.

1951-1962
Gastregie in der Schweiz, in Italien und Schweden, in den Niederlanden und in der Bundesrepublik.

1962
Berufung zum Intendanten der Freien Volksbühne in West-Berlin.

1963-1965
Mit den Uraufführungen von Rolf Hochhuts "Der Stellvertreter", Heinar Kipphardts "In der Sache J. Robert Oppenheimer" und Peter Weiss' "Die Ermittlung" wendet sich Piscator, der seine Karriere mit politischem Theater begonnen hat, dem Dokumentartheater zu.

1966
30. März: Erwin Piscator stirbt in Starnberg.

(kp/ji)

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