1878-1949
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Gustav Radbruch
Jurist, Politiker
- 1878
- 21. November: Gustav Radbruch wird in Lübeck als
Sohn eines Kaufmanns geboren.
- 1895-1900
- Er studiert in München, Leipzig und Berlin
Jura.
- 1901
- Radbruch legt das Referendarexamen in Lübeck ab.
- 1902
- In Berlin promoviert er bei Franz von Liszt (1851-1919)
mit der theoretischen Arbeit "Die Lehre von der adäquaten
Verursachung".
- 1903
- In Heidelberg habilitiert Radbruch mit einer Arbeit
zum strafrechtlichen Handlungsbegriff.
- 1904-1910
- Er ist an der Universität Heidelberg als Privatdozent
tätig.
- 1910-1914
- Radbruch lehrt als Professor für Strafrecht
und Rechtsphilosophie in Heidelberg.
- 1914-1916
- Außerordentlicher Professor an der Universität
Königsberg (Ostpreußen, heute: Kaliningrad).
- 1916-1918
- Während des Ersten Weltkriegs ist Radbruch
freiwilliger Krankenpfleger und dient später im Landwehr-Infanterie-Regiment
Nr. 111 an der Westfront.
- 1918
- Unmittelbar nach Kriegsende setzt sich Radbruch für
die Idee einer demokratischen Republik ein. Er veröffentlicht
die Flugschrift "An die jungen Juristen".
- 1919
- Radbruch tritt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
(SPD) bei und ist entschiedener Befürworter der Weimarer
Reichsverfassung.
- 1919-1926
- Er ist als Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie
in Kiel tätig.
- Radbruch wird mit seinem Entwurf einer "Materialen Rechtslehre"
zum bedeutenden Rechtsphilosophen und Neukantianer. Er versteht
die Menschenrechte als subjektives Naturrecht.
- 1920-1924
- Er ist Reichstagsabgeordneter.
- Radbruch ist Mitherausgeber der politischen Zeitschriften "Schriften
zur Zeit" und der "Neuen Blätter für den Sozialismus".
Er setzt sich für eine stetige Erneuerung der sozialistischen
Idee ein.
- 1921
- Radbruch veröffentlicht seine "Rechtsphilosophische
Parteienlehre", in der er die Demokratie als einzig zulässige
Staatsform kennzeichnet.
- 26. Oktober: Er wird Reichsjustizminister im zweiten Kabinett
von Joseph Wirth.
- 1923
- 13. August - 3. November: In der Großen Koalition
unter Gustav Stresemann ist Radbruch wiederum Justizminister.
In dieser Funktion setzt er Teile einer Strafrechtsreform durch.
Seine weitergehenden Entwürfe einer Reform des Strafgesetzbuchs
- wie Abschaffung der Todesstrafe und eine mildere Jugendgerichtsbarkeit
- kann er aufgrund des Rücktritts der Regierung Stresemann
nicht umsetzen.
- 1923-1926
- Radbruch widmet sich wissenschaftlicher Arbeit.
- 1926-1933
- Er kehrt als Rechtsprofessor an die Universität
Heidelberg zurück.
- 1927/28
- Radbruch entwirft in "Kulturlehre des Sozialismus"
ein sozialdemokratisches Kulturideal. Für die Justiz sollen
Gerechtigkeit, Rechtssicherheit und Zweckmäßigkeit
als höchste Werte konstatiert werden.
- 1933
- 28. April: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
wird Radbruch als erster deutscher Professor aus dem Lehramt entlassen.
Er zieht sich ins Privatleben zurück und wendet sich wissenschaftlichen
und literarischen Arbeiten zu.
- 1939-1945
- Während des Zweiten Weltkriegs lebt
er zurückgezogen. Er distanziert sich in seinen Tagebüchern
vom NS-Regime.
- 1945
- Die Alliierten setzen Radbruch wieder in seine Professur
in Heidelberg ein.
- In der sogenannten Radbruchschen Formel konkretisiert Radbruch
aufgrund der Erfahrung der nationalsozialistischen Verbrechen
seine rechtsphilosophische Position. Demnach muß die Rechtssicherheit
der Gerechtigkeit weichen, wenn das Gesetz in unerträglichem
Maße zu dem allgemeinen Gerechtigkeitsempfinden in Widerspruch
steht. In diesem Fall soll an die Stelle des gesetzlichen Unrechts
das übergesetzliche Recht treten.
- Nachdrücklich tritt er für den Resozialisierungsgedanken
auch bei NS-Verbrechern ein. Er befürwortet offenen Strafvollzug
und Gemeinschaftshaft.
- 1949
- 23. November: Gustav Radbruch stirbt in Heidelberg.
- seit 1949
- Radbruchs Werke werden Standardlehrbücher
an Universitäten der Bundesrepublik Deutschland. Seine rechtsphilosophischen
Postulate finden in der juristischen Bewältigung der nationalsozialistischen
Verbrechen Anwendung.
(mü/as)
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