1867-1922
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![[Visitenkarte: Walther Rathenau, nach 1915]](../../../objekte/pict/do58_698/200.jpg)
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Walther Rathenau
Industrieller, Politiker, Schriftsteller
- 1867
- 29. September: Walther Rathenau wird als Sohn des jüdischen
Industriellen Emil Rathenau und seiner Frau Mathilde (geb.
Nachmann) in Berlin geboren.
- 1883
- Rathenaus Vater gründet die Deutsche Edison-Gesellschaft,
die 1887 in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) umbenannt
wird.
- 1886-1889
- Rathenau studiert Physik, Chemie und Philosophie
in Berlin und Straßburg.
- 1889
- Promotion in Berlin über "Die Absorption des
Lichts in Metallen".
- 1889/90
- Studium des Maschinenbaus und der Chemie an der Technischen
Hochschule München.
- 1892
- Technischer Beamter der Aluminium-Industrie AG in Neuhausen
(Schweiz).
- 1893-1898
- Als Geschäftsführer baut er die von der
AEG gegründeten Elektrochemischen Werke Bitterfeld auf.
- 1897
- Veröffentlichung der Schrift "Höre,
Israel!", in welcher Rathenau die jüdische Bevölkerung
in Deutschland zur Assimilation auffordert.
- Beginn der langjährigen Freundschaft mit dem Publizisten
Maximilian Harden.
- 1899
- Als Leiter der Abteilung Zentralstationen tritt er in
den Vorstand der AEG ein.
- 1902
- Austritt aus dem AEG-Direktorium und Wechsel zur Berliner
Handels-Gesellschaft.
- 1904
- Mitglied des Aufsichtsrates der AEG.
- 1905
- Beginn der Freundschaft mit dem Dichter
Gerhart Hauptmann.
- 1907/08
- Rathenau unternimmt zwei Inspektionsreisen nach Afrika,
um Vorschläge für die künftige deutsche Kolonialpolitik
zu machen. In der Schrift "Reflexionen" veröffentlicht
er diese.
- 1910
- Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der
AEG.
- Vermittlertätigkeit im Vorfeld der zweiten Marokkokrise
zwischen den Gebrüdern Mannesmann und einem deutsch-französischen
Konsortium.
- 1911
- Berater des Reichsschatzamts in der Frage eines Reichselektrizitätsmonopols.
- 1912
- Schwere Erkrankung des Vaters und erste Auseinandersetzungen
um dessen Nachfolge in der AEG. Walther Rathenau wird Vorsitzender
des Aufsichtsrates der AEG.
- 1912-1917
- Publikation der philosophischen und sozialpolitischen
Studien "Zur Kritik der Zeit", "Zur Mechanik des
Geistes" und "Von kommenden Dingen".
- 1914
- Zu Beginn des Ersten Weltkriegs weist er auf
die Notwendigkeit der organisierten Rohstoffverteilung hin. Als
Leiter der Kriegsrohstoffabteilung (KRA) im preußischen
Kriegsministerium organisiert er die deutsche Kriegswirtschaft.
- Beteiligung an der Kriegszieldiskussion mit mehreren Denkschriften
für Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg.
- 1915
- März: Rückzug aus der KRA.
- Tod des Vaters. Felix Deutsch (1858-1928) wird dessen Nachfolger in
der AEG, Rathenau erhält Sondervollmachten als Präsident
der AEG.
- 1918
- Erste Ausgabe der "Gesammelten Schriften"
in fünf Bänden.
- 15. November: Er wirkt an der Bildung der "Zentralarbeitsgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer"
mit, die das Stinnes-Legien-Abkommen schließt. In
diesem handeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer tarifrechtliche Vereinbarungen
aus.
- 1919
- Veröffentlichung mehrerer programmatischer Schriften
zum Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft.
- 1920
- Als Wirtschaftssachverständiger und Mitglied der
Deutschen Demokratischen Partei (DDP) arbeitet er in der
2. Sozialisierungskommission mit und nimmt an der Konferenz von
Spa teil, auf der über die deutschen Kohlelieferungen an
die Alliierten verhandelt wird.
- 1921
- Mai: Mit dem Eintritt in das Kabinett Wirth als
Wiederaufbauminister gibt er alle Ämter in der Wirtschaft
auf. Gemeinsam mit dem Finanzminister Matthias Erzberger
plädiert er für eine "Erfüllungspolitik",
um die Undurchführbarkeit des Versailler Vertrags
zu beweisen.
- 6. Oktober: Rathenau handelt das Wiesbadener Abkommen über
Sachleistungen der deutschen Wirtschaft für die zerstörten
Gebiete Nordfrankreichs aus.
- Oktober: Nach dem Rücktritt des Kabinetts Wirth scheidet
Rathenau zwar offiziell aus der Reichsregierung aus, wird aber
weiterhin mit wichtigen Verhandlungstätigkeiten betraut.
- 1922
- Offizieller Vertreter der Reichsregierung bei der Konferenz
von Cannes. Er erreicht die Herabsetzung der laufenden deutschen
Reparationszahlungen.
- 1. Februar: Im zweiten Kabinett Wirth wird er Außenminister.
- 16. April: Während die Konferenz von Genua tagt,
schließt Rathenau den Rapallo-Vertrag mit der Sowjetunion.
Dieses bilaterale Abkommen wurde als Beginn einer nach Rußland
orientierten deutschen Außenpolitik interpretiert.
- 24. Juni: Walther Rathenau wird von zwei jungen Offizieren, die
der rechtsradikalen "Organisation Consul"(OC) angehören,
erschossen. Mit seiner Ermordung soll die Weimarer Republik getroffen
werden.
- Das Attentat führt zum Erlaß des Republikschutzgesetzes.
(lw/ka/ge)
Der Reichskanzler Joseph Wirth anläßlich der Ermordung Rathenaus, 1922
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