1893-1946
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Joachim von Ribbentrop
NS-Politiker
- 1893
- 30. April: Joachim Ribbentrop wird in Wesel (Niederrhein)
als Sohn eines Offiziers ohne Adelsprädikat geboren.
- 1910
- Nach dem Besuch höherer Schulen in verschiedenen
Städten geht Ribbentrop mit seinem Bruder nach Montreal (Kanada),
wo er zunächst eine Banklehre beginnt.
- 1912
- Er arbeitet im kanadischen Eisenbahnbau.
- 1913
- Als Reporter für verschiedene amerikanische Zeitungen
verbringt er mehrere Monate in New York.
- 1914
- Ribbentrop führt ein eigenes Importgeschäft
in Ottawa (Kanada) und ist auf deutsche Weine spezialisiert.
- Mitglied der kanadischen Eishockey-Auswahlmannschaft.
- Bei Beginn des Ersten Weltkriegs kehrt er nach Deutschland
zurück und meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst. Er wird
Fahnenjunker in der Kavallerie.
- 1914-1918
- Während des Kriegs wird er bis zum Oberleutnant
befördert. Nach einer Verwundung erhält er das Eiserne
Kreuz. Zuletzt ist er als Angehöriger der deutschen Militärmission
in Konstantinopel (heute: Istanbul) tätig, wo er Franz
von Papen kennenlernt.
- 1919
- Nach seiner Verabschiedung aus dem Militär arbeitet
Ribbentrop zunächst bei einem Bremer Baumwollimporteur und
eröffnet dann in Berlin eine Weinhandelsfirma.
- 1920
- Heirat mit der Sektfabrikantentochter Anneliese Henkell.
Kurz darauf übernimmt er die Henkell-Vertretung in Berlin.
Er kann in den folgenden Jahren sein Geschäft erfolgreich
ausbauen.
- 1925
- Die Adoption durch einen entfernten Verwandten ermöglicht
ihm die Führung des Adelstitels. Neben seinem geschäftlichen
Erfolg bemüht sich Ribbentrop stark um seinen gesellschaftlichen
Aufstieg, was vielfach abschätzend kommentiert wird. In dieser
Zeit ist er politisch wenig interessiert und hängt der deutschnationalen
Richtung an.
- 1930
- Erste Begegnung mit Adolf Hitler.
- 1932
- Mai: Ribbentrop tritt in die Nationalsozialistische
Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein. Zuvor hat er ihr bereits
finanzielle Unterstützung zukommen lassen.
- Ribbentrops Villa in Berlin-Dahlem ist Treffpunkt von Hitler
und Papen für Verhandlungen über eine gemeinsame Koalition,
um den Reichskanzler Kurt von Schleicher abzulösen.
Ribbentrop fungiert als Vermittler zwischen konservativen Gruppen
und den Nationalsozialisten.
- 1933
- Nach der Machtübernahme und dem Reichstagsbrand
wird Ribbentrop Mitglied des Reichstags für die Stadt Potsdam.
Innerhalb der NSDAP steigt er zum außenpolitischen Berater
Hitlers auf und erhält eine eigene außenpolitische
Abteilung, die "Dienststelle Ribbentrop". In der Schutzstaffel
(SS) wird er zum Standartenführer ernannt.
- 1934
- Abrüstungsbeauftragter des Deutschen Reichs, das
sich von der Genfer Abrüstungskonferenz zurückgezogen
hat.
- 1935
- In Konkurrenz zu Alfred Rosenberg wird Ribbentrop
Leiter des Amts für außenpolitische Sonderfragen.
- Juni: Als Sonderbotschafter in London schließt er das deutsch-britische
Flottenabkommen ab.
- 1936-1938
- Botschafter in London. Er soll dort für Hitler
ein Bündnis mit Großbritannien vorbereiten, das von
britischer Seite jedoch abgelehnt wird. Die in London erfahrene
Ablehnung macht Ribbentrop zum entschiedenen Gegner Großbritanniens,
mit dem seiner Meinung nach jegliche Allianz unmöglich sei.
Gleichzeitig ist er jedoch davon überzeugt, daß Großbritannien
nichts gegen eine deutsche Vorherrschaft auf dem Kontinent unternehmen
werde.
- 1938
- 4. Februar: Bei der Kabinettsumbildung wird Ribbentrop
neuer Außenminister und löst Konstantin Freiherr
von Neurath ab.
- 29./30. September: Beim Münchner Abkommen spielt
er neben Hitler nur eine Nebenrolle. Hitler bestimmt in großem
Maße die gesamte Außenpolitik.
- 1939
- 23. August: Ribbentrop und sein sowjetischer Kollege
Wjatscheslaw Molotow unterzeichnen in Moskau den deutsch-sowjetischen
Nichtangriffsvertrag (Hitler-Stalin-Pakt). Insgeheim haben
sich Hitler und Josef W. Stalin damit auch über die
Teilung Polens verständigt.
- 1. September: Nach der Verständigung mit der Sowjetunion
beginnt mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite
Weltkrieg. Ribbentrop ist immer noch davon überzeugt,
daß Großbritannien nicht in den Krieg eintreten werde.
- 1940
- 27. September: In Berlin wird der Dreimächtepakt
zwischen Italien, Japan und dem Deutschen Reich geschlossen und
von Ribbentrop offiziell verkündet.
- 1941-1945
- Während des Kriegs nimmt Ribbentrops Bedeutung
zunehmend ab, er selbst wird innerhalb der Regierung isoliert.
Um so stärker stellt er sich und sein Amt in den Dienst der
Judenvertreibung und -vernichtung. Die deutschen Botschaften in
den besetzten und abhängigen Staaten werden durch Ministerschreiben
dazu angehalten, die Deportation der ansässigen Juden und
von Flüchtlingen zu unterstützen und zu forcieren. Auch
auf die befreundeten Staaten versucht Ribbentrop entsprechenden
Druck auszuüben: Noch im Februar 1945 beschwert er sich bei
Benito Mussolini über den schleppenden Gang der Deportation
von Juden in der italienischen Besatzungszone Frankreichs.
- 1945
- 23. April: Ribbentrop wird von Hitler nur widerwillig
im Bunker der Berliner Neuen Reichskanzlei empfangen, um Abschied
von Hitler zu nehmen.
- 1. Mai: Nach dem Selbstmord Hitlers verliert Ribbentrop sein
Amt, da Hitler in seinem Testament Arthur Seyß-Inquart
zum neuen Außenminister ernannt hat. Ribbentrop geht nach
Flensburg, um dort Anschluß an die neue Reichsregierung
unter Großadmiral Karl Dönitz zu finden, der
ihn jedoch persönlich abweist. Danach taucht Ribbentrop in
Norddeutschland unter.
- 14. Juni: Als letzter deutscher Minister wird er in Hamburg von
der britischen Militärverwaltung aufgespürt und verhaftet.
- November: In den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen
wird Ribbentrop als Hauptkriegsverbrecher angeklagt.
- 1946
- 1. Oktober: In allen Anklagepunkten wird er schuldig
gesprochen und zum Tode verurteilt.
- 15. Oktober: Joachim von Ribbentrop wird als erster der Verurteilten
durch den Strang hingerichtet.
- 1953
- Seine Memoiren "Zwischen London und Moskau"
werden veröffentlicht.
(mw)
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