1902-2003
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![[Photo: Leni Riefenstahl, 1952]](../../../objekte/pict/riefebio/200.jpg)
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Leni Riefenstahl
Tänzerin, Regisseurin, Photographin
- 1902
- 22. August: Leni Riefenstahl wird in Berlin als Tochter
des Kaufmanns und Installateurmeisters Alfred Riefenstahl und
dessen Frau Bertha geboren.
- 1918
- Riefenstahl nimmt an der Berliner Kunstakademie Mal-
und Zeichenkurse. Nebenbei beginnt sie eine Tanzausbildung und
lernt dort Ballett und modernen Tanz.
- 1920
- Sie reist als erfolgreiche Tänzerin durch Deutschland, die
Tschechoslowakei und die Schweiz.
- 1923
- In München hat sie ihren ersten Soloauftritt als Tänzerin
"Diotima".
- 1923-1926
- Max Reinhardt engagiert sie als Solotänzerin für das Deutsche Theater in
Berlin. Danach folgen zahlreiche Auftritte an Theatern in ganz
Deutschland.
- 1926
- Von Arnold Fanck (1889-1974) für den Film entdeckt,
gibt sie in "Der heilige Berg" ihr Schauspielerdebüt.
Damit beginnt eine langjährige Zusammenarbeit mit Fanck,
der ihr in seinen Abenteuer- und Bergfilmen wichtige Rollen gibt.
- 1926-1933
- In den Filmen "Der große Sprung",
"Weiße Hölle am Piz Palü", "Stürme
über dem Mont Blanc" und "Der weiße Rausch"
spielt Riefenstahl Hauptrollen und erlangt große Popularität.
Für die Filmarbeiten lernt sie klettern und Ski fahren. Daneben
eignet sie sich auch in der Zusammenarbeit mit Fanck weitreichende
Kenntnisse über Kamera-, Regie- und Schneidetechnik an.
- 1931
- Riefenstahl gründet ihre eigene Produktionsfirma
"Leni Riefenstahl Studio Film".
- 1932
- Mit dem mystisch-romantischen Bergfilm "Das blaue Licht"
gibt sie ihr Debüt als Regisseurin und übernimmt darin
selbst die Hauptrolle. Der Film wird auf dem Filmfestival in Venedig
mit der Silbermedaille ausgezeichnet. In Deutschland wird er ein
Publikumserfolg und erregt die Aufmerksamkeit von
Adolf Hitler.
- Mai: Erstes Treffen mit Hitler, mit dem sie eine enge Freundschaft
schließt, die auf gegenseitigem Respekt beruht.
- 1933
- Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
beauftragt Hitler Riefenstahl, den Film über den Reichsparteitag
in Nürnberg zu drehen. Ihr Propagandafilm mit dem Titel "Sieg
des Glaubens" setzt mit einer ästhetisch bestimmten
Dokumentation die Selbstdarstellung der Nationalsozialistischen
Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) um.
- Zum Propagandaminister Joseph Goebbels steht sie trotz
dessen offizieller Unterstützung ihrer Filmarbeiten in einem
gespannten Verhältnis. Goebbels steht ihrer Freundschaft
zu Hitler skeptisch gegenüber.
- Riefenstahl nimmt gemeinsam mit dem Kunstflieger Ernst Udet
an einer Grönlandexpedition teil, bei der auch der Film "SOS
Eisberg" entsteht.
- 1934
- Über den NS-Parteitag dreht Riefenstahl "Triumph des
Willens". Sie setzt dafür 16 Kamerateams mit über 100
Mitarbeitern ein. Aus mehr als 60 Stunden Filmmaterial entsteht einer
der bekanntesten und wirkungsvollsten Propagandafilme überhaupt.
Riefenstahl hebt die Solidarität der Parteibasis zum
NS-Regime
durch einen vielfältigen Bilderrhythmus heraus, wofür sie
die chronologische Reihenfolge der Ereignisse aufbricht. Durch
spezielle Kameraeinstellungen und ungewöhnliche Schnitte werden
die führenden Nationalsozialisten vor der von
Albert Speer gestalteten Kulisse in eine mythische Atmosphäre gerückt.
Die Ausdruckskraft von Symbolen wie dem Hakenkreuz, Flaggen und dem
Reichsadler werden durch Licht- und Musikeffekte betont. Riefenstahls
Film wird mit dem Deutschen Filmpreis und mit der Goldmedaille in
Venedig ausgezeichnet.
- 1935
- Aus Anlaß der
Wiedereinführung der Wehrpflicht
dreht Riefenstahl den Propagandafilm "Tag der Freiheit - unsere
Wehrmacht".
- 1936
- Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erhält Riefenstahl den
Auftrag, die
Olympischen Spiele in Berlin im Film propagandistisch umzusetzen. Mit großem
Aufwand und mit moderner Technik werden die Dreharbeiten während
der Spiele durchgeführt. Das nachträgliche Schneiden des
Filmmaterials nimmt 18 Monate in Anspruch, es entstehen zwei
eigenständige Teile. Damit hebt sie Sportaufnahmen auf die Ebene
der Kunst und zelebriert mit Bildern die Schönheit menschlicher
Bewegung und Kraft. Zentral ist dabei die Verherrlichung des
Körperlichen.
- 1937
- Auf der Pariser Weltausstellung erhält der Parteitagsfilm
"Triumph des Willens" einen Internationalen Großen
Preis. Es kommt daraufhin zu Protesten der französischen
Arbeiterbewegung.
- 1938
- 20. April: Die beiden Olympia-Filme "Fest der Völker
(Teil I)" und "Fest der Schönheit (Teil II)",
zusammen vier Stunden lang, werden Hitler zu Ehren an dessen Geburtstag
erstmals öffentlich vorgeführt. Riefenstahl erfährt
für die technisch hervorragenden Filme große internationale
Anerkennung. Bei den Filmfestspielen in Venedig erhält der
Film den Ersten Preis.
- 1939
- Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verleiht
Riefenstahl nachträglich eine olympische Goldmedaille.
- 1940/41
- Dreharbeiten für den Film "Tiefland".
Für die Produktion werden 60 Sinti und Roma aus Konzentrationslagern
rekrutiert.
- 1941-1945
- Durch den Zweiten Weltkrieg und durch Gesundheitsprobleme
wird Riefenstahl an der Produktion weiterer Filme gehindert.
- 1944
- Heirat mit dem Major Peter Jacob. Drei Jahre später
wird sie von ihm wieder geschieden.
- 1948
- In Anerkennung der Olympia-Filme verleiht das IOC Riefenstahl
für ihre Goldmedaille zusätzlich das olympische Diplom.
- Sie wird vor Gericht angeklagt, bei der "Tiefland"-Produktion
die Sinti und Roma nicht entlohnt und ihnen fälschlicherweise
die Rettung vor der Deportation versprochen zu haben. Sie wird
schließlich freigesprochen.
- 1949
- Riefenstahl führt einen erfolgreichen Prozeß
gegen die Illustrierte "Bunte", welche die Vorwürfe
publik gemacht hat. Es folgen mehrere Prozesse, in denen sie der
Propagandatätigkeit für das NS-Regime angeklagt wird.
- 1954
- Der Film "Tiefland" wird beendet und in die
Kinos gebracht, ohne ein Erfolg zu werden.
- 1954-1971
- Riefenstahl kann nur wenige ihrer geplanten oder
begonnenen Projekte fertigstellen. Auch ihr Filmprojekt über
die Amazonenkönigin Penthesilea bleibt unvollendet. Sie stößt
in der Öffentlichkeit häufig auf Kritik wegen ihrer
Arbeiten für das NS-Regime. Neben ihren Filmarbeiten wendet
sie sich vor allem der Photographie zu.
- 1972
- Bei den Olympischen Spielen in München ist Riefenstahl
offiziell als Photographin akkreditiert.
- Auf einer Reise lernt sie tauchen und arbeitet in tropischen
Meeren an Unterwasseraufnahmen.
- 1973
- Auf ausgedehnten Reisen in Afrika verbringt sie lange
Zeit bei dem sudanesischen Ureinwohnerstamm der Nuba. Sie erlernt
deren Sprache und arbeitet an großen Photoserien. Sie veröffentlicht
diese in dem Photoband "Die Nuba". Für ihre ästhetische
und ausdrucksreiche Photographiekunst erhält Riefenstahl
internationale Anerkennung.
- 1976
- Sie ist Ehrengast des IOC bei den Olympischen Spielen
in Montreal.
- Riefenstahl wird vom Art-Directors-Club Deutschland mit einer
Goldmedaille für ihre künstlerisches Werk ausgezeichnet.
- Sie veröffentlicht den Text- und Bildband "Die Nuba
von Kau".
- 1978
- Der Photoband "Korallengärten" mit Unterwasseraufnahmen
aus tropischen Gewässern erscheint.
- 1980
- In Tokyo werden ihre Photoserien über die Nuba
gezeigt. Die Ausstellung wird ein großer Erfolg.
- 1982
- In der Fernsehdokumentation "Zeit des Schweigens
und der Dunkelheit" im Westdeutschen Rundfunk (WDR) werden
die "Tiefland"-Vorwürfe gegen Riefenstahl erneuert
und erhärtet. Sie kann diese daraufhin nicht mehr öffentlich
abstreiten. In den Medien wird eine breite Diskussion über
ihre Rolle im Nationalsozialismus geführt.
- Veröffentlichung des Bildbands "Mein Afrika".
- 1987
- Sie veröffentlicht ihre Memoiren, in denen sie
eine Komplizenschaft mit dem NS-Regime unter Hinweis auf ihre
rein künstlerische Motivation bei den Propagandafilmen abstreitet.
Von der Kritik wird das Buch verrissen. Das Werk wird in neun
Sprachen übersetzt und im Ausland ein großer Verkaufserfolg.
- 1990
- Der Photoband "Wunder unter Wasser" erscheint.
- 1992/93
- Riefenstahl wirkt an der Filmbiographie "Die
Macht der Bilder" über ihr eigenes Leben mit. Der Film
wird auch im deutschen Fernsehen gezeigt und erhält beste
Kritiken. Er wird mit dem Fernseh-Oscar "Emmy" ausgezeichnet
und im New Yorker Museum of Modern Art gezeigt.
- 1996
- Das Kölner Schauspielhaus bringt eine choreographierte
Version ihrer Biographie auf die Bühne.
- 1996/97
- In Mailand und Rom wird eine umfassende Werkschau
von Riefenstahls Arbeiten gezeigt.
- 1997
- Die Filmvereinigung Cincecon verleiht ihr in den USA
eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk. Die umstrittene Ehrung
wird von großem Applaus, aber auch deutlicher Ablehnung
im Publikum begleitet.
- 1999
- Ausstellung über ihr Lebenswerk im Filmmuseum Potsdam.
- 2003
- 8. September: Leni Riefenstahl stirbt in Pöcking am Starnberger See.
(mw)
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